Mittwoch, 20.Februar

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Heute haben
Johann Heinrich Voß * 1751
Heinz Erhardt * 1909
Julia Franckh * 1970
Geburtstag
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„Was wäre ein Apfel ohne -sine, was wären Häute ohne Schleim,
was wär die Vita ohne -mine, was wär’n Gedichte ohne Reim?“
Heinz Erhardt
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Eva Eland: „Gebrauchsanweisung gegen Traurigkeit“
Aus dem Englischen von Saskia Heintz
Hanser Kinderbuch Verlag € 8,00

Manchmal kommt Traurigkeit ganz unerwartet und lässt einen nicht mehr los. Was man dann machen kann, wie man damit umgehen kann, erzählt uns Eva Eland in diesem kleinformatigen Bilderbuch für Kinder und für Erwachsene. In zarten Illustrationen, mit wenig Text, erfahren wir, dass es wichtig ist, keine Angst vor der Traurigkeit zu haben, sie zu akzeptieren, ihr einen Namen zu geben. Was uns helfen kann, ist ein langer Spaziergang, schöne Musik hören, sich etwas Gutes zum Essen gönnen und seinem Hobby nachzugehen. Vielleicht will sich die Traurigkeit auch nur neben einem Freund schlafen legen. Und wenn dann aus der hellblauen Trauerwolke, eine kuschelige Decke wird und am nächsten Tag die Blumen zur Haustüre reinschauen, dann ist es Zeit sich die Gummistiefel anzuziehen und mit einem Lächeln in den neuen Tag zu stapfen.

Leseprobe

Dienstag, 20.Februar


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Heute haben
Johann Heinrich Voß * 1751
Heinz Erhardt * 1909
Julia Franckh * 1970
Geburtstag.

„Was wäre ein Apfel ohne -sine, was wären Häute ohne Schleim,
was wär die Vita ohne -mine, was wär’n Gedichte ohne Reim?“

Heinz Erhardt
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Nino Haratischwili:Das achte Leben (Für Brilka)
Jetzt als Taschenbuch bei Ullstein 1280 Seiten € 18,00

Wer Nino Haratischwilis letzten Roman bis jetzt noch nicht gelesen hat, für den bietet der graue Februar mit seinen noch langen Abenden vielleicht eine gute Gelegenheit. Ein Buch, das unglaublich viele Seiten hat, die man unglaublich gerne liest und am Ende sehr ungern aus den Händen legt. Ein Roman, in dem das Rezept einer heißen Schokolade eine entscheidende Rolle spielt, zum Familienfluch wird und erst ganz am Ende aufgelöst werden kann. Ein Familienepos und die Geschichte Georgiens über sechs Generationen. Ein Portrait acht starker Frauen.
Haratischwili erzählt von einem Jahrhundert georgischer Geschichte, die uns hineinführt in die Abgründe sorwjetischer und deutscher Schreckensherrschaften. Sie zieht den Bogen entlang der Schicksale der Frauen der Familie Jaschi. Allesamt Nachkommen des Schokoladenfabrikanten, die sein Rezept von Generation zu Generation weiterreichen und damit auch den vermeintlichen Fluch, den die Familie immer wieder ereilt. Träume werden niedergerissen und zerstört, durch despotische Ehemänner, ungewollte Schwangerschaften, durch Krieg und Flucht.
Auch wenn der Inhalt schwer wiegt, Haratischwili spickt ihn mit mal brisanten, mal amüsanten historischen Ereignissen, die die georgischen Familienschicksale in die große Weltgeschichte einweben. Angefangen bei Brilkas Ururgroßmutter Stacia, die einst Tänzerin werden wollte in Paris, über ihre Tochter Kitty, die ihren Traum als Sängerin wahr macht, aber von ihren Alpträumen nie losgelassen wird, bis zu Brilkas selbst, der das achte, noch offene Buch im Roman gewidmet ist. Brilka, die Ururenkelin, der eine friedliche und freie Zukunft geschenkt wird und die sich auf die Suche macht nach der Geschichte ihrer Familie.

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Morgen abend bei uns in der Buchhandlung:

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Mittwoch, 21.Februar um 19 Uhr
Die Übersetzerin Barbara Yurtdas liest aus
Nedim Gürsel: „Der Sohn des Hauptmann“
Eintritt frei
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3350

Donnerstag, 22.Februar um 19 Uhr
Yadé Kara: „Selam Berlin“
In Zusammenarbeit mit dem deutsch-türkischen Kulturverein.
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 5,00

 

Freitag

Endlich Sonne

Endlich Sonne

Heute haben
Heinz Erhardt * 1909
Curt Cobain * 1967
Pierre Boulle * 1912
Rolf Italiaander * 1913
Alfonso Sastre Salvador * 1926
Julia Franck * 1970
Geburtstag
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Nehmen Sie sich die vier Minuten Zeit und schauen sie sich das Filmchen zum Buch an. Es gewährt uns einen kleinen Einblick in die Denke von Sibylle Berg, die wir auch gleich als Chloe im Schlafanzug sehen können. Herr Brandt gibt den Ehemann Rasmus.

Sibylle Berg: „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“
Hanser Verlag € 19,90

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Frau Berg hat wieder zugeschlagen und bleibt bei ihrem Thema: Liebe kontra Sex.
Chloe und Rasmus sind seit fast 20 Jahren ein Paar. Alles lief irgendwie ganz gut. Sie haben sich aneinander gewöhnt, wissen wie der andere tickt. Sie hätten wohl gesagt: „Alles bestens!“, wenn man sie nach ihrer Beziehung gefragt hätte. Rasmus war ein junger, hochtalentierter Regisseur. Ihm standen alle Türen offen. Wie es aber so ist, ein paar schlechte Arbeiten und er war weg vom Fenster. Nun versucht er sein Glück in Afrika, in einem Land am Meer, an dem sich die Touristen tummeln, um mit jungen Leuten vor Ort Theater zu proben. Schnell merkt er jedoch, dass die Männer nur auf das abendliche, kostenlose Bier warten. Chloe liegt am Strand, beobachtet Menschen. Aus der vermeindlichen Idylle, wird knallharte Realität, als beide ihre Augen öffnen. Der Tourismusort liegt neben stinkender Industrie, sie merken, dass sie in einer Sackgasse stecken und langweilen sich. Aus der trauten Zweisamkeit wird ein leiser, aber knallharter Paarkampf.

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Sibylle Berg lässt jedes Kpitel abwechselnd von Chloe oder Rasmus erzählen. Länger als ein paar Seiten sind diese Abschnitte nicht. Wir bekommen dadurch sehr schnell beide Seiten der jeweiligen Situation zu lesen und merken, was ihnen im Kopf herumspukt. Das Paar hat ihre Jugend längst hinter sich gelassen und will nicht wahrhaben, dass diese Zeit nicht mehr zurückzuholen ist. Sibylle Berg ist in diesem Buch frech, sehr böse, trifft immer wieder genau die Stelle, wo es weh tut. Sehr weh. Mir blieb das Lachen im Halse stecken, ich habe mich geekelt und wollte das Buch weglegen und genau in dem Moment kommt wieder ein Satz, der mich Anhalten lässt, da er so grossartig ist. Banales mischt sich mit genauesten Beschreibungen und es zeigt sich auch hier wieder, dass sie eine ausgezeichnete Schriftstellerin ist, die sich in ihrem Thema sehr gut auskennt. Da sie selbst viele Theaterstücke geschrieben hat, weiss sie, wie man Dialoge, oder hier besser Monologe komponiert.

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Als Chloe sich in Benny verliebt, hat sie den Sex ihres Lebens. Es gibt für sie keinen Morgen mehr. Liebe die ganze Nacht, egal was Rasmus davon hält. Chloe blüht auf, Rasmus stürzt ab. Daheim angekommen scheint sich die Lage nicht zu bessern. Sie eskaliert vielmehr, als zum einen Benny dort auftaucht und in die Wohnung einzieht und gleichzeitig die durchgeknallte Mutter von Chloe auftaucht.
Ein peferktes Theaterstück. Szenen einer Ehe im 21.Jahrhundert.
Sibylle Berg wird mit diesem Roman immer wieder mit Houellebecq verglichen. Worauf sie in ihrer Art antwortet: „Der hat doch von mir abgeschrieben!“ So ist sie die Frau Berg und deshalb lieben wir sie.
In diesem Roman zeigt sie sich wieder als große Gesellschaftskritikerin und eine der besten Schriftstellerinnen im deutschsprachigen Raum und stellt die These in den Raum: Ist Sex so wichtig, und was ist mit Liebe?