Mittwoch, 10.Juni

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Heute haben
Saul Bellow * 1915
Maurice Sendak * 1928
und
Peter Kurzeck * 1943
Geburtstag
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Heinrich Heine
Sie saßen und tranken am Teetisch

Sie saßen und tranken am Teetisch
und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

„Die Liebe muß sein platonisch“,
der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch.
Und dennoch seufzet sie: „Ach!“

Der Domherr öffnet den Mund weit:
„Die Liebe sei nicht zu roh,
sie schadet sonst der Gesundheit.“
Das Fräulein lispelt: „Wieso?“

Die Gräfin spricht wehmütig:
„Die Liebe ist eine Passion!“
Und präsentieret gütig
die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
von deiner Liebe erzählt.
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Malia: „The Garden Of Eve“
CD € 19,99

Gestern war auf dem Münsterplatz eine Mahnwache für George Floyd, der zu diesem Zeitpunkt beerdigt worden ist.
Kurz vorher kam mir die neue CD von Malia in die Finger, auf  der im ersten Lied „Hope“ die Liedzeile „I can’t breathe“ zu hören ist.
Die Echo Jazz-Gewinnerin widmet sich diesem Mal dem Blues, einer Musik, in der sie ihre Wurzeln entdeckt hat.

„Blues lag mir schon immer sehr am Herzen. Es ist eine kathartische Erfahrung, kostbar und tiefgreifend, egal ob ich ihn spiele oder im Radio höre! Und im Lauf der Zeit finde ich immer mehr zu dieser Wahrheit, die in meiner Seele tief verwurzelt ist und ich fühle mich endlich reif genug, um diese wunderbare Musiktradition zu verstehen – denn Blues ist das Leben.“

Es gibt aber nicht nur den traurigen Blues, der zur gestrigen Trauerfeier passt, sondern auch rhythmisch starken, powervollen Blues, der einen durch den Tag trägt.
Malia hat eine CD eingespielt, die ohne (sichtbaren) Schnickschnack daherkommt. Eine ehrliche Musik, die aus diesem Herzen kommt und dem Blues eine moderne Note gibt.

 

 

Dienstag, 13.Dezember

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Heute haben
Heinrich Heine * 1797
Friedrich Hebbel * 1863
und Robert Gernhardt * 1937
Geburtstag.
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Heinrich Heine
Altes Kaminstück

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, stillvertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergessne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Frauen, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehn
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehn.

Wackelnd kommt herbeigeschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt —
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.

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Eine Ulmer Besonder- und Neuheit:

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Wolf-Henning Petershagen: „Ulms Straßennamen. Geschichte und Erklärung“
Stadtarchiv Ulm € 24,00

Wie oft werden wir nach einer bestimmten Straße, nach einer versteckten Gasse gefragt. Heute wollte einer zum Frisör in der Walfischgasse, gleich neben dem Wirtshaus Zur Brezel. Hilfe, was für Namen. Im neuen Buch von Wolf-Henning Petershagen erfahren wir, was sich hinter den Namen versteckt und nicht wo wir sie finden. Das macht dann Google für uns.

In der Höll, Karpfengasse hieß auch mal Süßloch und Alt Juden Gaß, aber auch z.T. Puppelinsgass. Im Schweinhatz, Im Loch, Im Mailand (nicht: In Mailand). Aber auch Hildegard-Knef-Platz und Herbert-von Karajan-Platz. Henkersgraben und Haifischweg. Grüner Graben, Grüner Hof, Grüner Weg, Im grünen Winkel, Grüne-Thurm-Gass, Grünhofgasse. Elendgarten und (Vorsicht!) Im Butzental, denn Butz hieß wohl Unhold und Waldgeist.
Es geht von Abteistraße bis Zwischen den Wegen. Es gibt die Gasse, die nach drei Karls benannt wurde. Aber auch die Karlstraße nach König Karl, genauso wie die Olgastraße, die nicht nach der Olga Bar benannt worden ist. Es gibt Straßen, die nach Namen, nach Persönlichkeiten benannt wurden. Und da kann schon mal ein alter Nazi wegmontiert und durch einen Verfolgten Sinti ersetzt werden. Straßen werden nach geographisch und geologischen Befindlichkeiten benannt. Aber auch nach historischen Ereignissen. Die meisten Namen allerdings rühren von Kneipen und Gasthäusern her. Petershagen meint, daß es wohl früher schon jede Menge Wirtshäuser gegeben haben muß. So spiegelt sich die komplette Ulmer Stadtgeschichte in diesen Straßennamen. Und um so tiefer Petershagen in den Büchern des Stadtarchivs gegraben hat, um so interessanter ist es geworden.
Und wenn Sie wissen wollen, was es mit der Schuhhausgasse auf sich hat, in der unsere Buchhandlung steht und mit der Schlegelgasse, die sich an an der andere Seite der Buchhandlung befindet, dann schauen Sie einfach in Petershagens Buch nach.

Samstag

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Heute haben
Margarete von Navarra * 1492
Sándor Márai * 1900
Marlen Haushofer * 1920
Geburtstag
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Heine, Heinrich
Frühlingsbotschaft

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus bis an das Haus,
Wo die Veilchen sprießen!
Wenn du eine Rose schaust,
Sag, ich laß sie grüßen.
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Rasmus Gabriel Schöll empfiehlt:

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Selma Lagerlöf: „Die Löwenskölds“
Der Ring des Generals / Charlotte Löwensköld / Anna, das Mädchen aus Dalarne
Mit einem Nachwort von Holger Wolandt
Aus dem Schwedischen übersetzt von Marie Franzos und Pauline Klaiber-Gottschau
Urachhaus Verlag € 24,90

Knisterndes Kaminfeuer. Davor ein Schaukelstuhl, in diesem, eine alte Dame. Helle wache Augen, eine kühne Nase, schmale Lippen, weißes hochgestecktes Haar.Der Winter-  oder nahende Frühlingswind braust frisch, duftend um das Haus und durch die Ritzen. Still und selig entzieht sich die Zeit jedem Bewusstsein. Spät wird es warm auf dem Landgut Marbacka, die Sonne geht kaum auf und im Sommer nicht mehr unter. Mit langsamer, aber bestimmter und durchdringender Stimme, die an eine alte, knisternde  Schallplatte erinnert, erzählt Selma Lagerlöf ihrem Auditorium Geschichten. Geschichten, die sie später aufschreiben wird. Lässt man sich auf die Wortmelodie, dieses so besonderen lagerlöfschen Stil ein, kann man jede Kur, jeden Urlaub fahren lassen. So echt und unverfälscht ist jedes Wort. Aus diesen erhebt sich etwas Urgründendes, das man jedem, der da krank darniederliegt zur Heilung
empfehlen möchte. Obzwar mir einige der großen Erzählungen und natürlich „Nils Holgersson“ bekannt waren, nicht zu vergessen „Der Fuhrmann des Todes“, fiel mir die „Löwenskölds Triologie“ von Selma Lagerlöf erst vor wenigen Wochen in die Hände. Lange Jahre als Gesamtband vergriffen und mir völlig unbekannt, begann ich ein wenig darin zu schmökern. Und versank, so wie es meist mit guten Büchern geschieht, immer mehr und mehr in eine ganze andere Welt.
Den Auftakt macht eine Schreck- und Gespenstergeschichte. „Der Ring des Generals“
Der General Bengt Löwensköld hat für seine Verdienste von Karl XII. einen teuren Ring erhalten, mit dem er im März 1741 begraben wird. Auf tragisch komische Weise, die hier nicht verraten sei, wird der Ring gestohlen. Von nun an spukt der General auf seinem alten Gut umher.
„Charlotte Löwensköld“ –  spielt um 1820 und knüpft direkt an den „Ring des Generals“an. Dieser Roman, das Herzstück der Trilogie, beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Geistliche Carl Christian Estenberg hatte, nachdem seine Verlobte mit ihm gebrochen hatte, die erste junge Frau, die ihm auf der Straße begegnet war geheiratet, eine Hausierein und Analphabetin. Seine Familie enterbte ihn deswegen. Selma Lagerlöf benutzt diesen Stoff um mit „Charlotte Löwensköld“, sie verkörpert die Verlobte oder ehemals Verlobte, eine Frauenfigur zu erschaffen, wie sie nur mit „Anna Karenina“ oder „Emma Bovary“ zu vergleichen ist.
Den Abschluss bildet der Roman „ Anna Svärd“, in dessen Mittelpunkt die arme Hausiererin und Braut des Geistlichen steht. Sie merken schon, ich will da auch gar nicht so viel vom Inhalt verraten, das Buch umfasst immerhin 600 Seiten, und es steckt so viel mehr darin, als ich es zu erzählen vermag.
Aber was für ein Glück für mich, dass die „Löwenskölds Triologie“ jetzt neuaufgelegt wurde. Ich glaube nicht, dass ich sonst von diesem Buch erfahren hätte. Es nimmt kaum Wunder, wenn man dieses liest, das Selma Lagerlöf die erste Frau war, die den Literaturnobelpreis erhalten hat. Sicher, Geschmäcker sind verschieden, aber dieses Buch ist es wert, dass es immer und immer wieder neue Leser findet.

Leseprobe
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Am Donnerstag, 16.April um 21 Uhr
liest Rocky Schamoni im ROXY

Am Freitag, den 17.April um 19 Uhr
stellt Marco Keller sein Buch: „Schreibgekritzel“ vor.
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

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