Donnerstag, 28.Dezember

Heute haben
Alfred Wolfenstein * 1883
und Hildegard Knef * 1925 in Ulm
Manuel Puig * 1932
Burkhard Spinnen * 1956
Geburtstag
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Am 28.12. im unten vorgestellten Buch:

Theodor Storm
Lied des Harfenmädchens

Heute, nur heute
Bin ich so schön;
Morgen, ach morgen
Muß alles vergehn!

Nur diese Stunde
Bist du noch mein;
Sterben, ach sterben
Soll ich allein.

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Unser Buchtipp:


Nele Holdack: „Alle Tage ein Gedicht
Herausgegeben von Nele Holdack
Aufbau Verlag € 22,00

365 Gedichte für das Jahr. Das alles in einem handlichen Buch.
Und die Zahnbürste vorne drauf zeigt auch an, wie wichtig die tägliche Portion Lyrik ist und dass die Gedichte nicht länger sind, als wir Zeit zum Zähneputzen brauchen. So wandern wir mit Lasker-Schüler, Brecht, Ringelnatz, Hölderlin, Borchardt, Walser, Schickele, Goethe, Heine, … also fast 150 Autor:innen, von Monat zu Monat und erinnern uns an Bekanntes und wundern uns über Überraschendes.
Die Aufbau Lektorin Nele Holdack hat sich hier mächtig ins Zeug gelegt. Dank dafür.
Nun ist es so, dass diese Anthologie schon mehr als zehn Jahr alt ist und eventuell ausläuft. So scheint es mir zumindest. Also wenn Sie Lust drauf haben, dann sollten sie eventuell zügig handeln.
Aber: Nele Holdack hat ja mit Catrin Polojachtof noch ein Jahresbändchen herausgegeben.
Jeden Tag ein Lächeln„. Mit humorigen Gedichten durch das Jahr.

Dienstag, 19.Mai

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Heinrich Heine

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was dir gefällt,
Alles, alles darfst du lieben!
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Jetzt als Taschenbuch:

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Jocelyne Saucier: „Niemals ohne sie“
Aus dem Französischen von Sonja Finck und Frank Weigand
Insel Taschenbuch € 11,00

„Wir sind wie niemand sonst, wir haben uns selbst erschaffen, die Einzigen unserer Art.“

Sie sind 21 Geschwister, sie sind die Ärmsten eines kanadischen Dorfes, das einst aufgeblüht war durch Zinkminen. Mittlerweile ist alles stillgelegt. Sie sind die gefürchteten Cardinals, die vor Nichts und Niemanden Angst haben, durchs Dorf ziehen und sich mit den sogenannten Landeiern, immer gerne anlegen und Streit suchen.
Die Mutter ist von morgens bis abends mit Kochen und Backen beschäftigt, die große Schwester übernimmt die Mutterrolle für die Kleinen. Spätabends, wenn alle schlafen geht die erschöpfte Mutter von Zimmer zu Zimmer, von Kind zu Kind, setzt sich zu jedem hin und schenkt Ihnen die Liebe, für die sie tagsüber keine Zeit hat.
Als der Vater eines Tages ein neues Zinkvorkommen entdeckt, hoffen alle auf ein neues Leben in Reichtum und Komfort. Doch der Plan geht nicht auf, der Gewinn bleibt aus und um nicht strafrechtlich verfolgt zu werden, entscheidet die Familie sich für einen folgenschweren Weg.
Nach 30 Jahren, der 81 jährige Vater wird zum “ Zinksucher des Jahres“ geehrt, treffen sie sich alle das erste Mal nach sehr langer Zeit in einem Luxushotel. Die Atmosphäre ist mehr als angespannt, irgendetwas stimmt nicht, bis der Knoten platzt .
Ein Buch, mit einer Wucht, spannend, berührend, trotzig, tragisch und liebevoll.

Wer die Autorin durch das wunderbare Buch „Ein Leben mehr“ kennen und schätzen gelernt hat, kann sich auf diesen neuen Roman von ihr freuen.

1893

Leseprobe

Jocelyne Saucier
, geboren 1948 in der Provinz New Brunswick, lebt heute in einem abgeschiedenen Zehn-Seelen-Ort im nördlichen Québec. Sie arbeitete lange als Journalistin, bevor sie mit dem literarischen Schreiben begann. Ihr vierter Roman Ein Leben mehr, der 2015 bei Insel erschien, war ein Bestseller und wird derzeit verfilmt.

Mittwoch, 20.November

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Heute haben
Selma Lagerlöf * 1858
Nadine Gordimer * 1923
Don DeLillo * 1936
Rachid Mimouni * 1045
Jürgen Seidel * 1948
Geburtstag
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Heinrich Heine
Deutschland. Ein Wintermärchen

Caput I

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

………..
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9783407754486

Nikolaus Heidelbach: „Alma und Oma im Museum“
Beltz & Gelberg Verlag € 14,95
Ein Bilderbuch ab 8 Jahren

„Für einen vernünftigen Museumsbesuch braucht man drei Dinge. Erstens, die richtigen Schuhe, zweitens gute Augen und drittens genug Zeit. Hast du alles?“

Klar hat Alma alles und somit kann es losgehen. Ein Besuch des Wallraf-Richartz-Museums steht an. Was die Oma erst im Museum sagt, ist, dass man am besten alleine durchs Museum gehen sollte. Und deshalb muss Alma den Wärter ablenken, damit Oma sich verstecken kann. Wie? Verstecken? Ja, Oma versteckt sich in den Bildern und spricht über die Kopfhörer mit ihrer Enkelin. Wirklich, sie ist versteckt und Alma und wir LeserInnen dürfen sie suchen. Leider sind dazu die Abbildungen fast zu klein geraten. Trotzdem – ein großer Suchspaß.
Aber viel wichtiger sind die Gespräche zwischen den beiden. Die Fragen der kleinen Alma und die Antworten der Expertin. Dadurch bekommen wir bei diesem Rundgang einen prima kunstgeschichtlichen Einblick in sechszehn religiöse Meisterwerke des Museums.
Wenn wir noch etwas Geduld haben und das Ende des Buches richtig verstanden haben, geht der nächste Besuch in den zweiten Stock zum Barock. Ha! ich freue mich jetzt schon.

Leseprobe

Mittwoch, 19.September

 

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Heute haben
William Golding * 1911
Carlo Fruttero * 1926
Stefanie Zweig * 1932
Geburtstag.
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Heinrich Heine

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all‘:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Delphine de Vigan:Loyalitäten
Aus dem Französischen von Doris Heinemann
DuMont Verlag € 20,00

Delphine de Vigans neuer Roman liest sich wie ein Psychothriller. Die Figuren: der zwölfjährige Théo, sein Freund Mathis, seine Lehrerin Hélène und Cécile, Mathis´ Mutter. Alle haben sie einen Beziehungs-Pakt geschlossen, der sie zur Loyalität gegenüber anderen zwingt und sie damit gefangen und handlungsunfähig macht.
Im Zentrum geht es um Théo, dessen Eltern ihn seit deren Trennung wochenweise hin und her schieben. Seine Mutter lebt ihre Abscheu gegen den Vater offen aus und bringt Théo damit zum Verstummen. Théo beschützt seinen Vater, wie jedes Kind seine Eltern schützt und erzählt seiner Mutter nichts von dessen Zerfall und der Verwahrlosung, mit der er allein gelassen wird.
Auch Théos Lehrerin Hélèn hat ihren Vater geschützt, der sie schlug und sie fürs Leben zeichnete. Jetzt ist sie erwachsen und alt genug, um sich zu befreien aus der falsch verstandenen Loyalität. Die alte Wut kommt hoch und sie setzt alles daran, um Théo zu helfen. Doch die äußeren Widerstände sind groß.
Théo sucht, in Begleitung seines Freundes Mathis, Trost und Vergessen im Alkohol. Den besorgen sie sich über ältere Freunde vom geklauten Geld aus Céciles Handtasche. Mathis macht mit, weil er bei seinem Freund sein möchte, obwohl ihm das alles nicht geheuer ist. Je mehr sie konsumieren, umso mehr wünscht er sich Theo zu helfen. Aber das wäre Verrat an seinem einzigen Freund. Und so schweigt auch er.
Cécile widerum erkennt irgendwann sehr genau, auf welchen unausgesprochenen Regeln ihre Ehe beruht. Auch sie hat eine Familiengeschichte, die sie mit Schuld und Scham belastet und sie bisher zum sprachlosen Anhängsel ihres Mannes gemacht hat. Doch dann entdeckt sie dessen monströses Doppelleben und ergreift ihre Chance.
An Théos Geschichte entlang entwickelt sich der Roman, die Ereignisse werden immer drängender. Ob Mathis und Hélèn es schaffen ihm zu helfen, bleibt bis zur letzten Seite ungewiss.
Die Autorin seziert in ihrem rasanten und tollen Roman präzise und erbarmungslos, wie wir alle verstrickt sind in Beziehungsmustern, die manchmal aufgebrochen werden müssen, um Leben zu retten. Und sei es bloß das eigene.
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Heute abend:
Mittwoch, 19.September um 19 Uhr
Gedichte gegen den Krieg

Im Rahmen der Friedenswoche Ulm
Mit Thomas Hohnerlein & Reinhard Köhler
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Mittwoch, 8.November

Heute haben
Bram Stoker * 1847
Margaret Mitchell * 1900
Peter Weiss * 1916
Kazuo Ishiguro * 1954
Geburtstag
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Heinrich Heine
Wo?

Wo wird einst des Wandermüden
letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste
eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gottes Himmel dort wie hier,
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir.
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Laura Freudenthaler:Die Königin schweigt
Droschl Verlag € 20,00

Laura Freudenthaler, 1984 in Salzburg geboren, legt ihren ersten Roman vor, nachdem sie schon einen Band mit Erzählungen veröffentlicht hat. In kurzen Kapiteln erzählt sie das Leben von Fanny nach. Fanny, die in den 30er Jahren auf einem Bauernhof in Österreich zur Welt gekommen ist. Verträumt schaut sie in diese starre Welt voller Normen und harter Arbeit. Sie schaut auf zu ihrem älteren Bruder, der aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrt. Fanny verlässt das elterliche Gehöft, geht auf eine Wirtschaftsschule, heiratet den kommunistischen Dorflehrer. Wir verfolgen dieses Leben, bis Fanny als Dame alleine in ihrer Wohnung sitzt und sich nicht mehr so richtig an die passenden Worte für das vor ihr liegende Kreuzworträtsel erinnert. Mit dieser Sequenz beginnt auch der Roman, bevor er chronologisch weitererzählt wird. Laura Freudenthaler erzählt in kurzen Kapiteln, manchmal nur eine halbe Seite lang. Sie schreibt unspektakulär, reiht Episode an Episode und ihre ruhige Erzählweise nimmt uns mit in eine andere, in eine verschwundene Welt mit. Eine Welt, die voller unausgesprochener Gesetze ist, voller Normen und unerreichbaren Hoffungen. Blitzt etwas auf, das eine Veränderung verspricht, erlischt dieses Licht ungenutzt wieder. Diese warme Melancholie zieht sich durch die Kapitel.
Eigentlich sollte Fanny in ein leeres Buch, das ihr ihre Enkelin geschenkt hat, das aufschreiben, was sie erlebt hat. Das Buch bleibt, bis auf eine Widmung der Enkelin, leer.
„Über gewisse Dinge spricht man nicht“ ist ein Zitat und passt genau auf den Titel, in dem die Königin schweigt. Fanny kann und will nicht erzählen und so übernimmt die Enkelin und auch die Autorin diesen Part. Sie notiert auf, reiht aneinander und legt es vor uns hin.
Ich wünsche mir mehr solcher Bücher, die nicht durch Lautstärke und Geprotze punkten, sondern durch die Kraft der Sprache funktionieren.

Leseprobe
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Premiere am akademietheater ulm
akademie für darstellende kunst – adk-ulm

Willkommen
Komödie von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

Alles beginnt mit dem gemeinsamen Abendessen einer WG in Stuttgart.
Sophie, Benny, Jonas, Anna und Doro sitzen in lockerer Stimmung
zusammen. Dann kommt Bennys große Ankündigung: Er wird bald für ein Jahr
in New York sein. Nachdem sich die Begeisterung gelegt hat, wirft das
natürlich die Frage auf: Was machen wir solange mit dem leeren Zimmer?
Angesichts der aktuellen Notsituation, der Flüchtlingskrise und dem
Weltgeschehen macht Benny den Vorschlag, das Zimmer Geflüchteten zur
Verfügung zu stellen. Zuerst scheint es für alle eine tolle Idee zu
sein, doch in der Diskussion kommen langsam immer mehr Vorurteile hinter
der „Toleranz“ zum Vorschein.

Premiere Mi 08. November 2017 – 20:15 Uhr
Weitere Termine: Sa 11.11 / Fr 17.11. / Sa 18.11. / Fr 24.11. / Sa
25.11. jeweils 20:15 Uhr

Karten: 16 € / 12 € (ermäßigt)
Kartenreservierung unter: Tel. 0731-387531 / Mail: info@adk-ulm.de

Unterer Kuhberg 10
D – 89077 Ulm
fon 0049 (0)731 38 75 31
fax 0049 (0)731 38 85 185
mail info@adk-ulm.de – info@akademietheater-ulm.de
info www.adk-ulm.de

Freitag, der 13.

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Das 13.Kalenderblatt von Christel Müllers und Ursula Selbmanns Adventskalender
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Heute haben
Christian Gottfried Gellert * 1769
Heinrich Heine * 1797
Friedrich Hebbel * 1863
Laurence van der Post * 1906
Robert Gernhardt * 1937
Geburtsag.

Da freut sich das Lyrikherz schickt schickt Grüße in die Ewigen Jagdgründe.

Heinrich Heine
Ach, wenn ich nur der Schemel wär

Der Kopf spricht:
Ach, wenn ich nur der Schemel wär,
Worauf der Liebsten Füße ruhn!
Und stampfte sie mich noch so sehr,
Ich wollte doch nicht klagen tun.

Das Herz spricht:
Ach, wenn ich nur das Kißchen wär,
Wo sie die Nadeln steckt hinein!
Und stäche sie mich noch so sehr,
Ich wollte mich der Stiche freun.

Das Lied spricht:
Ach, wär ich nur das Stück Papier,
Das sie als Papillote braucht!
Ich wollte heimlich flüstern ihr.
Ins Ohr, was in mir lebt und haucht.

Und weil doch heute Nacht viele Sternschnuppe zu sehen sein sollen:

Es fällt ein Stern herunter

Es fällt ein Stern herunter
aus seiner funkelnden Höh,
das ist der Stern der Liebe,
den ich dort fallen seh.

Es fallen vom Apfelbaume,
der weißen Blätter so viel,
es kommen die neckenden Lüfte,
und treiben damit ihr Spiel.

Es singt der Schwan im Weiher,
und rudert auf und ab,
und immer leiser singend,
taucht er ins Flutengrab.

Es ist so still und dunkel,
verweht ist Blatt und Blüt‘,
der Stern ist knisternd zerstoben,
verklungen das Schwanenlied.
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Mehr Fotos auf unserem Fotoblog
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Georg Kohlen, Joachim Rönneper: „Museum auf Bairisch
66 x Kunst auf Bairisch von abbusselns bis Zupfgeigenhansel
bairisch, deutsch, englisch, italienisch, chinesisch
Emons Verlag € 14,95

Lokale Mundart trifft auf Weltkunst vor Ort. 66 bairische Begriffe erklären 66 Details aus Gemälden, die allesamt aus Münchner Museen stammen: Dialekt im Spiegel zeitloser Malerei – Museum auf Bairisch. Der Bilderreigen präsentiert im Ausschnitt Kunstwerke vom Mittelalter bis zum Barock, vom Impressionismus bis zur Klassischen Moderne. Dieses einmalige Bild- und Sprachlexikon verbindet verbal und visuell Alltagskultur mit Hochkultur: ein Band für jederfrau und jedermann, ob Zugereiste oder Landsmann oder Gäste aus aller Welt.
Der Emons Verlag legt nach den Museen op Kölsch, auf Weanarisch, Öcher Platt nun also nach. Die Süddeutsche Zeitung brachte auf dem Reiseteil diesen Tipp und sofort stürmten die Kunden den Buchladen, obwohl wir doch gar nicht zu Bayern geören, aber Luftlinie 500 Meter mit der Donau die Grenze ist.
Nun sehen wir vier Mönche, die uns aufschbuin und lernen dabei dass dies musizieren, play music, fare della misca heisst. Beim Chinesischen muss ich leider passen. August Mackes Deandl ist natürlich ein Mädchen, girl, ragazza und König Ludwig I. ist der Kini, König, king, re. Auf Franz von Stucks: Rodelnde Kinder“ findet sich natürlich ein Schlin, sprich: Schlitten, sled, slitta.
Und so weiter und so fort.
Ein richtiger Spaß mit einem Anhang, in dem erklärt wird, wo welches Bild in München hängt und wo wir es anschauen können.
Leider kann ich Ihnen nicht mehr Bilder zeigen, da sind wohl Rechte drauf. Also nix wie in die Buchhandlung und Reinschauen.

Donnerstag

Heute hat Nina Berberowa (*1901) Geburtstag
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Heinrich Heine
An die Engel

Am leuchtenden Sommermorgen
Geh ich im Garten herum.
Es flüstern und sprechen die Blumen,
Ich aber, ich wandle stumm.

Es flüstern und sprechen die Blumen,
Und schaun mitleidig mich an:
„Sei unserer Schwester nicht böse,
Du trauriger, blasser Mann!“
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Unser Buchtipp des Tages:

cover

Das Literarische Colloquium Berlin (Hg.):
S-Bahn nach Arkadien
Das literarische Colloquium Berlin in Wort und Bild
Mit bislang unveröffentlichten Fotografien von Renate von Mangoldt
Verlag Matthes & Seitz Berlin € 19,90

Der Verlag nennt dieses türkischblaugrüne, leinengebundene Bändchen ein „übermütiges Lexikon“. Ich meine, es ist ein Taschenbuch, wie es nicht schöner und informativer sein könnte. Leider ist die Villa am Wannsee etwas zu weit weg von Ulm, als dass ich da mal hinschauen könnte. Umso mehr liefen mir die Augen über, als ich auf einem Blog letzte Woche Bilder vom Sommerfest sah. Der perfekte Ort, das perfekte Wetter und wohl auch jede Menge bücherliebende Menschen. Und da seit Illies‘ Roman „1913“ auf den Buchtiteln ständig mit Zahlen gespielt wird und 1914 (mit dem Beginn des 1.Weltkrieges) sich demnächst jährt, können wir mit diesem Büchle 50 Jahre „Literarisches Colloquium Berlin“ feiern. Besser als jede Festschrift, ist es ein Bilderbuch mit zum Teil unveröffentlichten Fotografien von Volker Altwasser und Tobias Bohm. Auf Seite 65 schaut uns ein junger Enzensberger entgegen, der aussieht, wie der Bösewicht aus einem alten James Bond-Film. Eine lachende Brigitte Kronauer, eine Elfriede Jelinek mit einer Frisur direkt aus der Steckdose. Mit einem jungen Tranströmer und einem nachdenklichen Moravia. Ingo Schulze hüpft mit (seinen) Kindern durch den Garten und Durs Grünbein schaut zu. Passend zur Jahreszeit ein schwitzender Grass aus dem Jahre 1965. Usw. … Dazu, wie gesagt ein Wörterbuch der besonderen Art. Beginnend mit dem Stichwort „1963“. etwas später folgt dann  „Altherrenerotik“. Leider wird hier Herr Karasek nicht erwähnt. Aber auch „Crosisant“ mit Verweis auf „Frikadelle“ und „Ich-Erzähler“ mit Verweis auf „Open Mike“ und die Stichworte „Hunde I“, „Hunde II“ und „Hunde III“. Passend enden diese Worterklärungen mit „Zigaretten“ und „Zusammenarbeit I“ und „Zusammenarbeit II“. All diese Texte sind wiederum von AutorInnen geschrieben und somit auch deutlich mehr als ein Wikipedia-Eintrag.

So können wir in dieses literarische Paradies, in dieses Arkadien zwar nicht mit der S-Bahn fahren, aber diese 50 Jahre Autorenherberge, literarische Werkstatt und Lesetempel, beginnend mit Walter Höllerer, in Kurzform hier nachlesen. Ein toller Einfall, eine prima Idee und wunderschön umgesetzt.
Vielleicht schenkt mir mal jemand ne S-Bahn-Fahrkarte von Ulm an den Wannsee und ich trinke dann ein kühles Gläschen Weisswein (mit Blick auf den See) auf diese Institution und auf die Literatur und die Bücher überhaupt. Bis dahin verkaufe ich im Buchladen dieses Buch und weitere gelungene Bücher, die in den nächsten Wochen kistenweise eintrudeln werden.
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spick

Gefunden auf dem Fotoblog vonUlmer Spickzettel„.