Dienstag, 26.Juli

Foto: Margit

Heute haben
Karoline von Günderrode * 1806
George Bernard Shaw * 1856
André Maurois * 1885
Aldous Huxley * 1894
Robert von Ranke-Graves * 1895
Ana Maria Matute * 1926
Geburtstag
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Karoline von Günderrode
Liebst du das das Dunkel

Liebst du das Dunkel
Tauigter Nächte?
Graut dir der Morgen,
Starrst du ins Spätrot,
Seufzest beim Mahle,
Stößest den Becher
Weg von den Lippen?
Liebst du nicht Jagdlust,
Reizet dich Ruhm nicht,
Schlachtgetümmel?
Welken die Blumen
Schneller am Busen,
Drängt sich das Blut dir
Pochend zum Herzen?
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Jetzt als Taschenbuch:


Alem Grabovac:Das achte Kind
Hanser Verlag € 12,00

Alem Grabovac arbeitet als Journalist und hätte genauso ein Sachbuch schreiben können über die Eingliederung (oder nicht Eingliederung) von Gastarbeitern in Deutschland. Er sagt, dass auf diesem Gebiet noch nicht viel aufgearbeitet worden ist. Alem Grabovac hat sich jedoch für einem Roman entschieden, bei dem Orte und Namen zum größten Teil original übernommen worden sind.
Seine Mutter arbeitet als Gastarbeiterin in einer Schokoladenfabrik, sein Vater, ein Kleinganove, der viel trinkt, beklaut seine Frau im Krankenhaus, vor der Geburt des Autors, so dass sie zu Fuß nach Hause laufen muss. So der Einstieg. Alem wird zu einem deutschen Pflegefamilie gebracht und ist dort das achte, nach sieben eigenen Kindern. Der Pflegevater ist ein ewig gestriger Nazi. Seine Mutter heiratet wieder, wobei das Verhältnis zu seinem Stiefvater sehr schlecht ist, da er immer wieder brutal zu ihm ist.
Dies klingt alles sehr hart und doch schafft es der Autor eine gute Geschichte daraus zu machen. Ein Mann, der sich auf die Suche nach seiner Identität, nach den Biografien der Erwachsenen in seinem Umfeld macht. Dabei hilft ihm seine unverblümte Sprache und ohne zu werten.
Gelungen.

Von der Hanser-Seite übernommen:
5 Fragen an Alem Grabovac

Herr Grabovac, worum geht es in Ihrem Roman Das achte Kind?
Um Bauern, Diebe, Fabrikarbeiterinnen, Tito, Nationalsozialisten, drei Väter, zwei Familien und das ganze schräge Inventar aus dem kurzen 20. Jahrhundert mit all seinen großen und kleinen Erzählungen, die sich schicksalhaft in die Biografien der Protagonisten eingeschrieben haben.

Die Geschichte hängt sich weitgehend an Ihrer Biografie auf. Wie war der Schreibprozess für Sie?
Zunächst: Was kommt hinein, was lasse ich weg, wie ordne ich alles an und was muss ich erfinden, um die Realität glaubhaft und spannend zu erzählen. Es handelt sich um eine Autofiktion, eine Autobiografie, in die fiktionale Handlungsebenen verwoben sind. Und dann habe ich das alles so schlicht und kristallklar wie nur möglich aufgeschrieben. Die Sprache sollte, ganz ohne poetologische Ornamentik, geräuschlos und zugleich lebendig hinter der Handlung verschwinden.

Hätten Sie Ihrer Romanfigur Alem lieber ein anderes Heranwachsen gewünscht?
Ach, das überlasse ich meinem kleinen Sohn, der liebevoll und behütet aufwächst und dann irgendwann so seine Probleme damit haben wird.

Maxim Biller bezeichnet Das achte Kind als Bildungsroman. Was meint er damit?
Zwei Dinge, vermute ich. Einerseits die noch nicht auserzählte Migrationsgeschichte der BRD und andererseits ein Fortwirken der nationalsozialistischen Ideologie, die in vielen Familien unter den Teppich gekehrt wurde. Mein deutscher Vater war zum Beispiel ein Wehrmachtssoldat, der die Juden gehasst hat. Für ihn war, wie für so viele andere Deutsche, der 8. Mai 1945 ganz bestimmt kein Tag der Befreiung.

Ist Das achte Kind auch eine Geschichte des Loslassens und Verzeihens?
Nein, das Loslassen und Verzeihen hatte schon lange vor dem Schreiben stattgefunden. Ich habe versucht, die Geschichte ungeschönt und wertfrei zu erzählen. Ganz allein der Leser oder die Leserin sollen entscheiden, welche Schlussfolgerungen sie aus alledem ziehen.

Leseprobeb

https://youtube.com/watch?v=etD3O-azWO8%3Fversion%3D3%26rel%3D1%26showsearch%3D0%26showinfo%3D1%26iv_load_policy%3D1%26fs%3D1%26hl%3Dde%26autohide%3D2%26wmode%3Dtransparent

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Hardy on Tour
Ein Nachklapp

Auf der Seite des Fanclub Nationalmannschaft findet sich dieser Artikel über Hartmut Bögel.

5000-Kilometer-Radtour zur Frauen-EM

Während unsere DFB-Frauen bei der Europameisterschaft in England um den Titel spielen, findet zeitgleich die Tour de France statt. In 21 Etappen durch vier Länder legen die Fahrer auf ihrem Rad knapp 3500 Kilometer zurück. Wer aber glaubt, dass diese Leistung nicht mehr zu toppen ist, hat die Rechnung ohne unser Fan-Club-Mitglied Hartmut Bögel gemacht. Mehr als 5000 Kilometer legte der 55-Jährige auf seinem Fahrrad zurück, um unsere Nationalmannschaft bei ihren beiden Vorrundenspielen in Brentford zu unterstützen.

Dafür hat sich Hartmut bereits frühzeitig auf den Weg gemacht: Während die meisten Spielerinnen unseres Teams noch ihren wohlverdienten Urlaub vor der Europameisterschaft genossen, schwang er sich am 27. Mai auf seinen Drahtesel und radelte los. „Von Anfang an war es mein Ziel, zum ersten Spiel unserer Nationalmannschaft gegen Dänemark in Brentford anzukommen“, sagt der Mann aus Ulm. Doch auf seiner Reise musste er einige Hürden überwinden, um sich seinen Traum zu erfüllen.

Spieltag als größtes Highlight der Reise

So hatte der 55-Jährige immer wieder mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Mittlerweile ist mir schon die zehnte Speiche krachend gebrochen“, schildert unser Fan-Club-Mitglied. Doch damit nicht genug: In einer Nacht habe er beim Schlafen tierischen Besuch bekommen, ohne es überhaupt zu bemerken. „Am nächsten Morgen lagen meine Sachen wild verteilt auf dem Boden herum. Das nennt man dann wohl gesunden Schlaf“, sagt Hartmut und lacht. Immerhin war sein Deutschland-Trikot unversehrt geblieben.

Doch allen Widrigkeiten zum Trotz: Innerhalb von sechs Wochen fuhr „Hardy“, wie ihn fast jeder nennt, von der Alb bis nach London. Dabei wählte er jedoch nicht den direkten Weg zum Spiel in Brentford, sondern fuhr zusätzlich noch die bekannte „End-to-End-Tour“ bis an den nordöstlichsten Punkt Schottlands John O’Groats.

Als wohl größtes Highlight der Reise bezeichnet Hardy aber nicht etwa die legendäre Strecke quer durch Großbritannien oder die Sightseeing-Tour durch London mit dem Fahrrad, sondern den gemeinsamen Tag mit den deutschen Fans beim Auftakt in die Europameisterschaft. „Die Atmosphäre war einfach die ganze Zeit über besonders. Vom Wow-Effekt beim Erreichen des Stadions über die zahlreichen Begegnungen mit anderen Fans bis zum Fußball-Fest unserer Mannschaft am Abend – was für ein toller Tag!“

Gutes Gefühl wie 2014 in Brasilien

Es war nicht das erste Mal, dass Hartmut bei einem großen Turnier mit seinem Fahrrad dabei war. Bereits bei den Weltmeisterschafen der Männer 2014 und 2018 radelte er nach Brasilien und Russland, um unser DFB-Team zu unterstützen. „Die Radtouren zu Großereignissen unserer Nationalmannschaften sind für mich die perfekte Möglichkeit, meine beiden größten Leidenschaften zu verbinden: Fußball und Radfahren“, hält Hardy fest. Mit der Weltmeisterschaft 2026 in den USA steht auch bereits das nächste Ziel für den 55-Jährigen fest. „Eine Radtour durch Amerika fehlt noch auf meiner Liste“, lächelt er.

Doch zunächst heißt es, zeitnah wieder zuhause anzukommen – immerhin will er die Halbfinalspiele und das Finale wieder in der Heimat verfolgen. Dass unsere Mannschaft dann ebenfalls noch um den EM-Titel spielt, ist für unser Fan-Club-Mitglied klar: „Mein gutes Gefühl hat mich schon bei der WM 2014 in Brasilien nicht getäuscht, weshalb ich sehr optimistisch bin, dass unsere Mädels am Ende den Pokal in die Höhe stemmen können.“

[rd]

Sonntag, 19.Juni

Heute haben
Gustav Schwab * 1792
Salman Rushdie * 1947
Geburtstag
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“From the beginning men used God to justify the unjustifiable.”
Salman Rushdie aus: „
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Judith Zander: „im ländchen sommer im winter zur see
Gedichte
dtv € 20,00

Lange muss man auf Bücher von Judith Zander warten. Wenn dann aber etwas Neues, neue Gedichte auf dem Markt sind, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick.
In Anklam geboren, ist es immer noch die brandenburgische Landschaft, die die Autorin nicht loslässt. Dieses Mal, in Verbindung mit schwarzweiss Landschaftsfotos, zeigt sie wieder, was für eine Sprachkünstlerin sie ist. Dieses Gewebe aus Liebes-, Landschaftslyrik und Anleihen aus der Geschichte in Verbindung mit ihrer Wortakrobatik, spiegelt ihr großes Können.

Leseprobe mit leider nur einem Gedicht
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Tag 23
131 km von Lochmaben über Moffat nach Kirkliston bei Queensferry

Ja, so könnte natürlich gerne jeder Tag beginnen: mit einem köstlichen Frühstück wie dem von Fionna, u.a. mit leckerem Porridge nach traditionellem Hausrezept. Den hier obligatorischen Bacon zum Frühstück konnte ich als Vegetarier in letzter Sekunde grade noch „verhindern“. War mega wohltuend, hier Gast sein zu dürfen und mit dem Plaudern hat es doch auch ganz prima geklappt, trotz schottischem Slang. 
Und die „fehlenden“ Kilometer von gestern konnte ich heut recht locker wieder reinradeln, auch wenn es danach am Morgen noch gar nicht aussah. Da hab ich mich erst mal prompt 4 km verradelt und dann hat mich auch noch der drehende Westwind geärgert und immer mal wieder gehörig ausgebremst.
Aber ich darf absolut nicht klagen, denn am Nachmittag hat der Wind alles wieder wettgemacht und mich gehörig angeschubst. Das war manchmal so ein bisschen wie „sailing in the wind“.
Jedenfalls bin ich jetzt wieder exakt im Etappenplan vom Buch. 14 Tagesetappen insgesamt von Land’s End to John o Groats und morgen steht dann schon Nr.10 bei mir an.
Nett sind auch die Begegnungen mit anderen End to End – Radler. Meist sind es ja die, die einem entgegenkommen, also die Strecke von Nord nach Süd radeln. Ein kurzes „Hallo“ und „wie geht’s “ gehört schon dazu, wenn sich zwei Radfahrer begegnen.
Diese Tour  ist unter Radlern sehr beliebt und bekannt und sollte eigentlich schon von jedem einmal im Leben zurückgelegt werden. Und weil es heut gar so gut lief, dachte ich, gönne dir doch im Pub in Burnside noch ein Bier. Doch kaum drin, bekam ich auch schon eines spendiert und war inmitten einer illustren, netten Gesellschaft.
Ja doch, Schottland gefällt mir.
Ach ja, vielleicht noch ein kurzer Temperaturvergleich:
bei mir um die 15 Grad bei sehr bewölktem Himmel und bei Westwind in kräftigen Böen.

Mittwoch, 15.Juni

„Die Telefonzelle am Ende der Welt“

Heute haben
Carlo Porta * 1775
William McFee * 1881
Ramón López Velarde * 1888
Trygve Gulbranssen * 1894
Silke Scheuermann * 1973
Geburtstag
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Silke Scheuermann
Die Alpen werden geschlossen

Es schneit Jahre lang Jahrzehnte lang
Ich senke meine Kopf tief unter
den Spiegel des Mittelmeers
während die Bäume rutschend
den Breitengrad wechseln

Der Wind der sich in einen
vollkommenen Zirkel verirrt hat
flüstert daß er gerne hilft
aber nicht glaubt es würde besser

Die Alpen werden geschlossen

Wir kehren als letzte
sehr zögernd nach Hause
zurück

(aus: Jahrbuch der Lyrik 2003, Hrsg. v. Christoph Buchwald u. Lutz Seiler
C.H. Beck-Verlag, München 2002)
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Jetzt als Taschenbuch

Michael Maar: „Die Schlange im Wolfspelz
Das Geheimnis großer Literatur
Rowohlt Taschenbuch € 16,00

Bücher über Literatur, einen Kanon der besten Romane, einen Romanverführer, das alles gibt es schon. Michael Maars 50 Porträts großer AutorInnen ist jedoch so klug, präzise, witzig, schlagfertig, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will. Eigentlich ist, während und nach der Lektüre, sofort ein Gang in die Buchhandlung, oder in die Bibliothek fällig, da fehlende Litertur sofort nachgelesen werden will. Das Inhaltsverzeichnis liest sich wie ein Who is Who der deutschen Literatur. Von Nietzsche zu Herrndorf, Eckhard Henscheid zu W.G.Sebald und Stifter zu Ulrich Becher. Und und und. Großartig.
Jaaa: Ulrich Bechers „Murmeljagd“ ist für mich eines der besten Romane überhaupt. Auch den gibt es wieder als Taschenbuch im Diogenes Verlag. Erwähnung findet die „Murmeljagd“ bei Michael Maar auf Seite 535. Und beide Taschenbücher liegen bei uns auf dem Tisch.
Aber, lieber Michael Maar, dass Albert Vigoleis Thelens: „Die Insel des zweiten Gesichts“ nicht vorkommt, ist sehr schade. Wo der Roman doch genauso frech, witzig, klug ist, wie das Sachbuch von Ihnen.

Leseprobe
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Hardy on Tour


Das ist John John -so nennt er sich selbst. Er ist Franzose und läuft mit seinem Sackkarren als Transportmittel von Schottland in die Normandie, um Völkerverständigung und Erinnerungsarbeit zu leisten. Eine schöne Begegnung.

Tag 19 
134 km von Worcester über Kidderminster und Newport bis Autlem

Ich habe mein Zelt am hiesigen Sportgelände (Cricketfeld) aufgestellt und mache mir noch ne heisse Milch. Komisch, daß ich so gern Milch trinke, wenn ich auf Radreise bin.
Hier ist es nun 22:00 Uhr (in Deutschland somit 23:00 Uhr) und es ist noch hell, dazu absolut windstill. Es war ein prächtiger Radeltag. Sonnig, aber nicht zu warm, dazu ganz ohne Pannen. 
Den Nachmittag hab ich ziemlich verbummelt. Die Route führte lang am Kanal entlang (vor bald 200 Jahren als Handelsweg erschaffen), ein wunderschöner Weg, geschottert zwar, aber gut zu beradeln. Dieser Kanal, mit den  schmalen Booten drauf, hatte es mir angetan. Ich fand es total faszinierend, wie die Boote in die Schleusen fuhren und diese dann händisch, mechanisch bedient wurden. Ich habe selber einmal mit Hand angelegt. Früher haben Pferde die Boote gezogen. Deshalb auch der Weg unmittelbar am Kanal entlang.
Tja und wer den Nachmittag über die Beine baumeln lässt, der muß dann halt am Abend länger strampeln wenn er vorwärts kommen will. So einfach ist das.


Dienstag, 14.Juni

Heute haben
Ernst Penzoldt * 1892
René Char * 1907
Judith Kerr * 1923
Hermann Kant * 1926
Dieter Forte * 1935
Manuel Vázquez Montalbán * 1939
Kathrin Röggla * 1971
Geburtstag.
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„Die Menschen, die man am meisten liebt, altern nicht.“
Ernst Petzoldt
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Doris Kampas: „Das unglaubliche Hochbeet“
Ernten bis zum Umfallen
Löwenzahn Verlag € 19,90

Doris Kampas hat schon jede Menge Hochbeete konzipiert, zusammengezimmert und angelegt. Sie kennt sich aus, mit vielen Fragen und Problemen. Denn: aufgestellt ist so ein Hochbeet schnell. Ob groß und professionell, aus alten Paletten, oder klein auf dem Balkon, es sind bestimmte Dinge zu beachten, damit das Gemüse auch wächst und geerntet werden kann.


Also: Womit beginne ich? Wann pflanze ich was, mit welchem Gemüse zusammen an, damit das auch üppig wächst? Sehr wichtig auch: die richtige Befüllung.
Dazu hat die Hochbeet-Queen jede Menge Antworten, Tipps und Vorschläge.


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Hardy on Tour
Tag 18

148 km von Clevedon über Gloucester bis kurz vor Worcester


Ich bin ja schon mit einem unguten Gefühl am Morgen auf’s Rad gestiegen was meine Hinterradspeichen anbelangt und befürchtete genau das, was kurz hinter Bristol dann auch geschah: ein erneuter Speichenbruch. Mist.
Nach kurzer Beratung mit mir selbst, war auch klar und entschieden, daß nur eine Fahrradwerkstatt jetzt wirklich weiterhilfen wird. Dank Handy und Google war die Naheliegenste auch schnell erkundet. Ich rief dort an und radelte die 12 km auf meiner nicht mehr wirklich rund laufenden Felge hin. Glücklicherweise war dies ja noch möglich. Der junge Fahrradmonteur besah sich die Felge und meinte, da helfe nur komplett neu einzuspeichen oder generell eine neue Felge. Diese Woche aber sei er komplett ausgebucht und ich könnte mein Glück vielleicht besser in Gloucester versuchen, wo er mir auch ein Fahrradgeschäft empfahl.
Also, hilft ja alles nix, dann mal auf schnellstem Weg dorthin.  Flach, bei Sonne und wenig Wind. Die 35 km, auf meinem vom Speichenbruch recht eierndem Gefährt, konnte ich rasch zurücklegen und den empfohlenen Radladen fand ich auch gut und ich hatte dort dann Glück, daß der Chef selbst sich meiner Felge annahm, obwohl er eigentlich auch nicht wirklich Zeit dafür hatte.
Ende gut, alles gut ??? Nun, das wird sich weisen. In jedem Fall hält bisher die Speiche und das Rad läuft auch wieder ziemlich rund. Danke von Herzen. 
Um mein Tagesziel Worcester noch halbwegs zu erreichen bin ich dann bei schöner Abendstimmung noch fast bis Einbruch der Dämmerung weitergestrampelt bis ich schließlich einen ruhigen Platz für’s Zelt gefunden hab.

Alle Bilder, den kompletten Reisebericht auf https://hardyontour.wordpress.com

Montag, 13.Juni

Heute haben
Heinrich Hoffmann * 1809
Johann Gottfried Seume * 1810
W.B.Yeats * 1865
Fernando Pessoa * 1888
Dorothy Sayers * 1893
Anna Maria Ortese * 1914
Irving D. Yalom * 1931
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„Die meisten Menschen haben überhaupt gar keine Meinung, viel weniger eine eigene, viel weniger eine geprüfte, viel weniger vernünftige Grundsätze.“
Johann Gottfried Seume
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Ein neues Buch aus der Naturkunden-Reihe:


Samuel Hamen: „Quallen
Naturkunden 81, Herausgegeben von Judith Schalansky
Matthes & Seitz Verlag € 20,00

Das schreibt der Verlag:
Seit Menschengedenken entziehen sich die Medusen jeglicher Festschreibung. Sie winden und wandeln sich wie organisiertes Wasser in den sie umströmenden Wellen und lassen die Imagination Funken sprühen. Doch gleich, ob als Störfaktor oder Symbol des Digitalen und Immersiven, als gestalterische Idee des Art Déco, als rückgratloses Schreckbild, Alien des Meeres, queeres Wappentier oder alarmistisches Emblem eines radikalen Wandels, bei dem selbst Wissenschaftler:innen mitunter an ihre Grenzen stoßen – Quallen, so zeigt Samuel Hamen in diesem schillernden Portrait, zucken nicht mit Wimpern, sondern mit Tentakeln, die je nach Art schon bei flüchtigem Kontakt starke Verbrennungen verursachen können. Wer es dennoch wagt, ihren Schwebebewegungen zu folgen, dem offenbart sich ein Einblick in die früheste Erdgeschichte wie auch in alle erdenkbaren Zukünfte.

Leseprobe
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Hardy on Tour
Tag 17 
119 km von Thorverton über Taunton nach Clevedon

Ein recht ruhiger Radsonntag war das. Morgens ohne Wind und Sonne. Kühl und ab Nachmittag mit Sonne und Wind dann sehr angenehm, wenn der Wind einen angeschoben hat. Glücklicherweise war das tendenziell auch meist der Fall, aber da die Route heute viele Zickzack Abweichungen hatte, habe ich den Wind aus allen Richtungen mal ausprobieren dürfen und war dann umso mehr dankbar, daß ich meist die günstigste Variante hatte.
20 Kilometer ging es vor Bridgwater dem Kanal entlang. Llingt leider besser wie es war, da der Weg recht holprig und eingewachsen war und etlich Sonntagsausflüger zudem ein Vorwärtskommen deutlich entschleunigten. Die Briten lieben ja Hunde. Es ist unglaublich wieviele Hunde es hier gibt. Meist an der Leine, eher kleinere Rassen und meist auch wohlerzogen und auch in Sachen Hundehaufen wegräumen sind die Briten diszipliniert, wenn auch der ein und andere mal „vergessen“ auf dem Wege liegt.

Um die Versorgung braucht man sich auch sonntags keine Sorgen zumachen. Die kleinen Läden haben den ganzen Tag auf und die großen Supermärkte von 10:00 – 16:00 Uhr. Für viele hier das sonntägliche Ritual: mit dem Auto von zuhause zum kleinen Supermarkt um die Ecke und eine der zahlreichen Sonntagszeitungen holen. Radfahren ist hier eher Sport. Rennradfahrern begegnet man oft. 


Heut hab ich schon recht früh um halb sechs einen Campingplatz angesteuert und freute mich schon auf einen faulen Abend. Musste dann beim Radcheck leider feststellen, daß schon wieder eine Speiche gebrochen ist;. Oft ist das so, wenn mal eine anfängt.
Dank der Anschauungslektion bei Hugo, konnte ich die nun selber austauschen und das Rad halbwegs rund zentrieren. Ich fürchte nun aber, dass das mit den gebrochenen Speichen grad so weiter geht. Nun ja, eine hab ich noch als Reserve und alternativ leg ich wohl oder übel halt einen Rasttag bei einem Radmechaniker ein.
Wir werden seh’n was passiert…..

Samstag, 11.Juni

Heute haben
Athol Fugard * 1932
Diana Kempf * 1945
Richard Pietraß * 1946
Geburtstag
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Ludwig Jacobowski (1868-1900)
Trost der Nacht

Weiche Hände hat die Nacht
Und sie reicht sie mir ins Bette.
Fürchtend, daß ich Tränen hätte,
Streicht sie meine Augen sacht.

Dann verläßt sie mein Gemach;
Rauschen hör ich, sanft und seiden,
Und den Dornenzweig der Leiden
Zieht sie mit der Schleppe nach.
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Juhu, die ersten Kalender sind da.

Arche Kinder Kalender 2023 € 20,00

Arche Literatur Kalender € 22,00

Arche Märchen Kalender € 20,00
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Hardy on Tour
Tag 15 
Land’s End  to Par.  94 km 

Hugo, der Retter

Kurz vorm Zelt abbauen nochmals ein kräftiger Regenschauer. Es sollte erfreulicherweise der einzigste am heutigen Tag sein. 
In Penzane hab ich mir ne neue Kette besorgt und Bremsscheiben gleich mit.. Die Kette läuft gut, beim Schalten nicht ganz so geschmeidig wie die alte Kette, aber zuverlässig und es braucht keinen neuen Zahnkranz. 
Auch meine vordere Radtasche musste ich flicken. Ich bin damit an einem schlecht sichtbaren Absperrsteinbrocken hängen geblieben, stürzte bei Schrittgeschwindigkeit vom Rad und landete weich, aber dornenreich im Brombeerbusch. Ich hab ein paar harmlose Kratzer und die gute Ortliebtasche ein kleines Loch, das ich innen mit einem Spezial- Klebeband hoffentlich gut versorgt habe. 
Erst ging es noch einige Kilometer auf einem neuen Radweg schön mit Rückenwind am Strand von Penzance entlang, dann führte mich meine Route auf kleinen, hügeligen Nebenstraßen  weg von der Küste. Es war dieses schon bekannte ständige Auf und Ab; Cornwall hat die meisten Hügel in England, sagt man.
Dann bei Tageskilometer 70 das schreckliche Geräusch, das jeder Radfahrer fürchtet.
„Bling“ – und eine Speiche war gebrochen. Ich begutachtete die Felge und bedachte so meine Lage, als keine 2 Minuten später Stuart mit seinem Rennrad des Weges kam und stoppte und sich meines Schicksales annahm. Er telefonierte mit seinem Freund Hugo, denn der ist u.a. auch Fahrradmechaniker. Hugo sagte, ich könne vorbeikommen und so eierte ich auf meinem Fahrrad die paar Kilometer zu ihm und Hugo ersetzte gekonnt die gebrochene Felge. Er wollte nichts dafür haben: „We are a big bike family“, so seine Worte.
Wie dankbar war ich.
Kurz vor meinem anvisierten Tagesziel hab ich dann noch eine schöne Wiese bei einem Park bei einer Gaststätte gesehen, wo einige Wohnmobile standen und ich fragte einfach ob ich da mein Zelt für die Nacht dazustellen dürfte. Kein Problem. Und so hab ich jetzt auch noch einen perfekten gratis Übernachtungsplatz mit Waschmöglichkeit.
Tja ,manchmal wechseln sich Pech und Glück schon schwindelerregend rasant ab.

Freitag, 10.Juni

Heute haben
Saul Bellow * 1915
James Salter * 1925
Maurice Sendak * 1928
Mensje van Keulen * 1946
Geburtstag
und heute erst Peter Kurzeck, den ich gestern schon erwähnt habe.
Rudi Deuble, der Mitherausgeber seiner Werke, hat mich darauf hingewiesen.
Übrigens kommt Rudi Deuble am Donnerstag, 13.Oktober zu uns in die Buchhandlung und stellt ein weiteres Buch von Peter Kurzeck vor.
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Mittags ist das Licht so grell, daß du all deine Kraft zusammennehmen mußt,
nur um in diesem Licht zu sein. Aber mußt bleiben in diesem Licht. Hin und
her, auf und ab – du kannst dich nicht trennen! Wie das Leben selbst.
Erschöpft oder nicht, du findest kein Ende in diesem Licht. Im Licht und so nah
bist du dir und den Menschen und allem, was du siehst. Jedem einzelnen vonder Sonne beseelten Grashalm. So weit alle Wege, so eine Nähe zu dir selbst.
Jedes Ding als Erleuchtung in diesem Licht. Der längste Tag. Zwei oder drei
längste Tage.

aus: Peter Kurzeck: „Der vorige Sommer und der Sommer davor“
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Dieses Buch ist eine Wucht:


Ilya Kaminski: „Republik der Taubheit

Aus dem Englischen von Anja Kampmann
Hanser Verlag € 22,00

Was es doch für Zufälle gibt. Gestern nachmittag las ich das Buch und dann stellt sich heraus, dass es am selben Abend in der Kulkturzeit auf 3sat vorgestellt wird.
Ein paar Gedichte aus dem Buch habe ich, mit Genehmigung von Anja Kampmann, die das Buch übersetzte und auch bei uns schon in der Buchhandlung ihren Roman „Wie hoch die Wasser steigen“ vorgestellt und zuvor ein paar ihrer eigenen Gedichte vorgelesen hat, hier auf dem Blog veröffentlicht. Damals haben mich die poetischen Zeilen sehr bewegt. Mir war aber nicht klar, dass dies Teile aus einem Ganzen waren. Einem Roman in Gedichten, einer poetischen Parabel über Krieg, über Liebe, über unser Zusammenleben und gegen das Schweigen.
Selten habe ich so starke, bewegende Zeilen gelesen, wie gestern Nachmittag.

In der Stadt Vasenka wird ein tauber Junge, der einem Puppenspiel zuschaut, von Soldaten auf offener Straße erschossen. Daraufhin schweigen alle Bewohner der Stadt, geben sich als taub aus, verständigen sich in Gebärdensprache und leisten in dieser Form Widerstand. „Deaf Republic“ heisst das Buch im Original, wobei da sicherlich die Verwandschaft von deaf und death zu lesen ist.
Neben den Grausamkeiten des Krieges gibt es eine herzzerreissende Liebesgeschichte zwischen Sonya und Alfonso und deren noch ungeborenes Kind („so groß wie ein Seepferdchen“) Anuschka.
Dass dies alles nicht gut ausgehen kann, dass das Puppenspiel in den Wirren des Krieges nicht übersteht und seine MitspielerInnen nicht überleben, ist zwar kaum auszuhalten, aber wenn wir die täglichen Nachrichten aus der Ukraine verfolgen, pure Realität.
Vielen Dank an Anja Kampmann, dass sie das Buch für uns entdeckt und übertragen hat. Von einer Übersetzung kann hier fast nicht gesprochen werden. Ich denke, dass nur eine Lyrikerin sich in diese poetische Form hineinversetzen kann.

Ilya Kaminsky
Wir lebten glücklich während des Krieges

Und als sie die Häuser der anderen zerbombten

protestierten wir,
aber nicht genug, wir waren dagegen, aber nicht 

genug. Ich lag
in meinem Bett, um mein Bett ging Amerika

zugrunde: unsichtbares Haus um unsichtbares Haus um unsichtbares Haus-

Ich stellte einen Stuhl hinaus und betrachtete die Sonne.

Im sechsten Monat
dieser verhängnisvollen Herrschaft im Haus des Geldes

in der Straße des Geldes in der Stadt des Geldes im Land des Geldes,
unserem großartigen Land des Geldes, lebten wir (vergib uns)

glücklich während des Krieges.

Ilya Kaminsky, geboren 1977 in der ehemaligen Sowjetunion, wanderte 1993 in die USA aus. Er ist ein ukrainisch-russisch-jüdisch-amerikanischer Dichter, Kritiker, Übersetzer und Lyrik-Professor. Bekannt wurde er durch die Gedichtsammlungen „Tanzen in Odessa“ und „Republik der Taubheit“, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Sein Werk wurde bislang in über zwanzig Sprachen übersetzt.
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Hardy on Tour

Tag 14
82 km bis nach Land’s End 

Die 42 km, von meinem Übernachtungsplatz in das sehr bekannte Küstenstädtchen St. Ives, waren trotz des Gegenwindes recht schnell zurückgelegt. Leider schlug, kaum dort angekommen, das Wetter um und es begann zu nieseln.
St.Ives ist nicht nur wunderschön gelegen, sondern auch bekannt für seine zahlreichen Galerien und seine beliebten Surfstrände. Es gibt wohl keinen besseren Ort um endlich mal ein Bad im Meer sich zu gönnen; immerhin hat das Wasser schon annehmbare 14 Grad, allemal erfrischend jedenfalls. 
Die Küstenstraße von St.Ives nach Land End ist eigentlich wunderschön und bietet eine prächtige Szenerie; nur bei Wind und Regen habe ich davon leider nicht allzuviel  mitbekommen. Da strampel ich die steilen Anstiege hoch, muß bei der Minimalgeschwindigkeit von grade mal 6 km/h eh schon schauen, daß ich in Balance bleibe mit dem Fahrrad, und dann spielt der Wind sein fieses Spiel, in dem er ordentlich Böen einem entgegenbläst. Aber ich habe mir die Laune nicht verderben lassen und habe mein gesamtes Liedgut dem englischen Regen gegengeträllert. Kurz vor Land’s End hatte schließlich auch der Regen genug und stellte sein Tagwerk ein. Am Abend gab es sogar noch richtig Sonne zu bestaunen. 
Land’s End – das erste Ziel meiner Tour habe ich nach ziemlich genau 1.600 geradelten km nun also erreicht und zugleich ist hier der Startpunkt der „End to End Tour“ hoch in den Nordosten der Insel nach John o Groats in Schottland und dorthin geht also ab morgen die Reise.

Mittwoch, 8.Juni

Heute haben
Marguerite Yourcenar * 1903
Sara Paretsky * 1947
Geburtstag
und es ist der Todestag von Gottfried August Bürger, Charles Dickens, Peter Rühmkorf.
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Die Geschichte der Menschheit ist voll von Beweisen, daß es nicht schwer ist, eine Wahrheit umzubringen. Eine gute Lüge ist unsterblich.
Gottfried August Bürger
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Unser Kinderbuchtipp:


David Macaulay: „Mit Volldampf über den Atlantik
Dampfmaschinen, schnelle Schiffe und eine Reise in die Neue Welt
Aus dem Englischen von Margot Wilhelmi
Gerstenberg Verlag € 24,00

In „Mit Volldampf über den Atlantik“ nimmt uns David Macaulay mit auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Dampfmaschinen und der Dampfschifffahrt. Und gleichzeitig ist es seine eigene Geschichte. Im Alter von zehn Jahren reiste er mit seiner Familie in die USA aus – auf der SS United States, dem größten, schnellsten und technisch raffiniertesten Transatlantikliner der Welt, dem letzten seiner Art.
Ein Sachbuch, eine Biographie, ein Buch über diese unglaublichen Schiffe.
Mit ausklappbaren Bildtafel, vielen technischen Detailzeichnungen und Erklärungen.
David Macaulay wurde u.a. bekannt durch seine Bücher „Sie bauten eine Kathedrale“, „Das Mammutbuch der Technik“ und wurde u. a. mit der Caldecott Medal (dem Nobelpreis für Bilderbücher) und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
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Buchpräsentation bei uns in der Buchhandlung
Freitag, 10. Juni, 19 Uhr
Wei Zhang: „Satellit über Tiananmen“


Der Verlag schreibt:
Während Mao gerade den »Großen Sprung nach vorn« propagiert, darf »Großmutter« Guo mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter in die Neubergstraße im sogenannten Harmoniedorf ziehen, einer neuen und einigermaßen komfortablen Siedlung auf einem Hügel, zu dessen Füßen die gigantische Dongshan-Stahlfabrik liegt. »Großmutter« wird sie vom Polizisten aus Respekt genannt, und zur Parteisekretärin der Neubergstraße wird sie, weil kein anderes Parteimitglied dort lebt.
Guos Quartierinitiative wird durch den »Großen Sprung nach vorn«, mit der die Stahlproduktion in die Höhe getrieben werden soll, komplett in den Schatten gestellt. Plötzlich bauen sogar die bisher untätigen Hausfrauen des Quartiers einen Hochofen und beginnen Stahl zu schmelzen. Dabei treten sie in einen Wettstreit mit ihren Männern, den Arbeitern des Stahlwerks, darum, einen neuen Produktionsrekord aufzustellen, was damit verglichen wird, einen Satelliten ins All zu schießen.
Die Stahlschmelze schlägt derweil Funken der Liebe, entfacht das Feuer der politischen Gesinnung und lässt die Flammen des Schicksals in den Himmel lodern. Wei Zhangs neuer Roman ist bunt und vielschichtig wie ein Kaleidoskop, dabei präzise beobachtet und mitreißend erzählt.
Und am Ende – nach den Wirrungen der Kampagnenjahre – besinnen sich die Frauen des Quartiers endlich auf ihre Stärken und feiern mit selbstgeschneiderten Jeanshosen der Marke »Satellit« eine echte Kampagne mit greifbaren Erfolgen.
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Hardy radelt
https://hardyontour.wordpress.com

Tag 12 
89 km bis kurz vor der Hafenstadt Plymouth 

Ganz unerwartet setzte morgens Nieselregen ein, als ich am Zelt abbauen war und der begleitete mich auf der Strecke mal mehr und mal weniger.
Die vielen Auf-und Abstiege fordern mich ziemlich. Bergauf kostet mich jedes Kilo Gepäck am Fahrrad Kraft und Schweiß und bergab hab ich dann so ne Wucht und Geschwindigkeit, daß die Bremsen an ihre Grenzen kommen. Bei knackigen Steigungen und Abfahrten von
16 % und mehr ist das auch kein Wunder.
Dazu die engen Straßen, wo es selbst wenn Auto und Fahrrad sich begegnen, manchmal Rangierkünste bedarf. Volle Konzentration ist da bergab gefordert und ein gwisses Gottvertrauen, daß in der uneinsehbaren Kurve niemand entgegenkommen wird.
Mit dem Campingplatz hatte ich insofern Glück, daß der eigentlich geschlossen hat, aber für mich als Fahrradfahrer – und bei Regenwetter dazu – der Besitzer ein Auge zugedrückt hat. Und so hab ich mit ein paar wenigen Dauercampern den Platz für mich und konnte in Ruhe erfolgreich Wäsche waschen. Geld wollte der gute Mann auch keines von mir, schließlich sei ja geschlossen.

Auch ungewöhnlich: der Radweg führte kilometerweit immer mal wieder so der Autobahn entlang.

Eine Meile im Regen ins Pub zum Fußball schauen hingeradelt und eine Meile im Regen zurück. Schön war’s. Was tut man nicht alles für einen netten Fußballabend.

Alle Bilder und den kompletten Reisebericht finden Sie hier: https://hardyontour.wordpress.com

Tag 10

Hartmut Bögel radelt / https//:hardyontour.wordpress.com

Tag 10 
97 km von Tichfield über Southampton und Bournemouth nach Wareham (Isle of Purbeck). 

Heut ging so einiges schief. Die Fähre morgens von Southampton rüber nach Hythe fährt Sonntag in der Früh nicht. Warten wollte ich nicht so lange und bin deshalb um den ganzen Hafen rumgeradelt, was allerlei Tücken beinhaltete. Zudem dachte ich, Sonntag wird es mit dem Verkehr erträglich sein, was sich auf der Fahrt durch den an und für sich schönen „New Forest National Park“ leider als Trugschluß erwies.
Das Navi stellte in Christchurch seinen Dienst ein und an der prächtigen, kilometerlanger Strandpromenade von Bournemouth setzte schließlich heftigster Regen ein.
Dass ich auch heute wieder zwei Platten hatte brauche ich ja nicht mehr extra erwähnen.
Der spezielle Campingplatz auf einem Bauernhof nahe vom „Corfe Castle“ hat mich mit dem Tag nun aber versöhnt und der Sonderpreis für mich als Fahrradfahrer auch.
Ach ja; das Erdbeerfeld mit den feinen Früchten kommt auch noch auf die Habenseite.

Platten Nr.6

Sonntag, 5.Juni

Der Jastramblog macht ein verlängertes Wochenende, aber Hartmut radelt weiter.

Tag 9
112 km bis Tichfield, 10 miles before Southampton.
Die regenreiche Nacht ließ mich lange schlafen, da erst um 8.00 Uhr besseres Wetter vorhergesagt war und das war auch genauso. Gemächlich ging es flach der Küste entlang. Dicht besiedelt ist es hier. Große Städte mit viel Verkehr. Die Radwege sind oft holprig und Strecke lässt sich kaum machen. Der Linksverkehr und die vielen Kreisverkehre sind kein Problem. Nur beim Queren der Straße ist doppelt Vorsicht geboten. Da vergißt man gern mal den ersten Blick auf die ungewohnte Seite und das könnte verhängnisvoll sein.
Auf einen Tipp aus der Heimat hin wollte ich mir auch ein Queen-Jubiläumsfähnchen für’s Fahrrad besorgen, aber in den Läden hieß es immer „sold out“.

Typische Kirche und typischer Kreisverkehr

Pretzel gibt’s hier auch

Eigentlich ein schöner Weg, den das Navi mir da ausgekundschaftet hat,
doch er führte ins Nichts.

Nur für die Statistik: Platten Nr.4

Übernachtet wird heute am Rande eines Sportparks auf einer wichen Wiese. Hab wieder keinen Campingplatz mehr erwischt.
Kein Empfang für das Fußballspiel Italien:Deutschland.

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