Mittwoch, 27.März


Heute haben Geburtstag:
Heinrich Mann * 1871
Francis Ponge * 1899
Golo Mann * 1909
Hansjörg Schneider * 1938
Harry Rowohlt * 1945
Dubravka Ugresic * 1949
Patrick McCabe * 1955
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„Demokratie ist im Grunde die Anerkennung, dass wir, sozial genommen, alle füreinander verantwortlich sind.“
Heinrich Mann
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Jetzt als Taschenbuch:

Shelly Kupferberg: „Isidor
Ein jüdisches Leben
Diogenes Verlag Taschenbuch € 14,00

Die Berliner Journalistin Shelly Kupferberg schreibt in diesem biografischen Roman über ihren Urgroßonkel, der, aus der tiefsten jüdischen Provinz kommend, in Wien einen grandiosen gesellschaftlichen Aufstieg hinlegte. Zuerst änderte er seinen Vornamen Israel zu Isidor, hatte eine einzigarte Idee, um viel Geld zu verdienen und lebte fortan im Wiener Jetset. Die Prominenz ging bei ihm aus und ein. Gleichzeitig war er überall ein gern gesehener Gast. Um seine Familie kümmerte sich Isidor auch und finanzierte u.a. das Studium des Großvaters der Autorin.
Was kaum möglich zu sein schein: Isidor kommt unter die Räder der Nazi, wird enteignet, inhaftiert, gefoltert und stirbt entkräftet, bevor er seine Flucht in die USA organisieren kann.
Shelly Kupferberg beschreibt Isidors Aufstieg und Leben so hautnah, dass man diese Geschichte beim Lesen kaum glauben kann. Umso heftiger dann sein bitteres Ende.
Doch damit noch nicht genug. Als Walter, der obengenannte Großvater, nach dem Krieg die Wohnung von Isidor aufsucht, wird ihm mit dem Aufschrei: „Der Jud“ die Tür vor der Nase zugeschlagen.
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Kommenden Dienstag, den 2.April, stellen wir ab 19 Uhr wieder vier neue Romane vor.
Clemens Grote liest aus:

Percival Everett: James
– Ein Roman über Rassismus, angesiedelt zur Zeit und in der Stadt von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Der Aufmacher in der ZEIT Beilage zur Leipziger Buchmesse.

Doris Dörrie: Die Reisgöttin
– Gesammeltes im doppelten Sinne. Doris Dörrie schreibt über die vielen Dinge, die sie von ihren vielen Reisen von Bali bis ins Allgäu mitgebracht hat.

Lize Spit: Der ehrliche Finder
– Schmal und sehr intensiv ist dieser Roman, in dem zwei Jugendliche versuchen, die Abschiedung ihrer Familie verhindern wollen.

Vigdis Hjorth: Ein falsches Wort
– Jetzt wieder neu auf dem deutschen Buchmarkt. Der Roman, der die norwegische Autorin weltberühmt gemacht hat und in Norwegen für einen Skandal sorgte.

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Montag, 27.März


Heute haben Geburtstag:
Heinrich Mann * 1871
Francis Ponge * 1899
Golo Mann * 1909
Hansjörg Schneider * 1938
Harry Rowohlt * 1945
Dubravka Ugresic * 1949
Patrick McCabe * 1955
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Selma Meerbaum-Eisinger
Frühling

Sonne. Und noch ein bißchen aufgetauter Schnee
und Wasser, das von allen Dächern tropft,
und dann ein bloßer Absatz, welcher klopft,
und Straßen, die in nasser Glattheit glänzen,
und Gräser, welche hinter hohen Fenzen
dastehen, wie ein halbverscheuchtes Reh …

Himmel. Und milder, warmer Regen, welcher fällt,
und dann ein Hund, der sinn- und grundlos bellt,
ein Mantel, welcher offen weht,
ein dünnes Kleid, das wie ein Lachen steht,
in einer Kinderhand ein bißchen nasser Schnee
und in den Augen Warten auf den ersten Klee …

Frühling. Die Bäume sind erst jetzt ganz kahl
und jeder Strauch ist wie ein weicher Schall
als erste Nachricht von dem neuen Glück.
Und morgen kehren Schwalben auch zurück.
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Wiederentdeckt:


Tarjei Vesaas: „Der Keim
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Guggolz Verlag € 24,00

Das ist der dritte Roman des norwegischen Autoren, den Sebastian Guggloz in seinem Verlag herausbringt. Der dritte und gleichzeitig auch der älteste von den dreien. 1940 erschienen, im Jahr der Besatzung Norwegens durch die deutsche Armee. Treffender könnte der Inhalt des Buches kaum sein. In seiner verknappten Sprache spielt Tarje Vesaas mit den Gefühlen der Personen in seinem Buch und auch mit unseren Beziehungen zu ihnen.
Auf einer kleinen norwegischen Insel, auf der jeder jede kennt, geschieht aus heiterem Himmel ein Mord aus dem Affekt heraus, der nicht nachvollziehbar ist. Sofort macht sich die Insel-Dorf-Gemeinschaft zu einer Hetzjagd auf, um den fremden Menschen und Mörder, der erst kurz vorher mit dem Schiff angekommen ist, zu finden, ihn zur Rede zu stellen und ihn hinzurichten. Rolv Li der Bruder der toten jungen Frau und Sohn des Großbauern befindet sich inmitten der Meute und ersticht den Täter, nachdem dieser von allen umringt worden ist. Alle machen sich bei diesem zweiten Lynchmord schuldig, aber sie zeigen mit ihren Fingern auf Rolv.
Das sich an diesem Sommertag etwas tragisches geschehen wird, bahnt sich an, da Tarjei Vesaas zu Beginn des Romanes mit einer sehr merkwürdigen Szene aus dem Schweinestalls des Bauern beginnt, in dem zwei Schweine komplett durchdrehen und versuchen sich zu zerfleischen.
Im Roman spielen Schuld und Sühne, sinnlose Gewalt, Familienbande und Ausbrechen aus der Inselgemeinschaft wichtige Rollen und zeigen hier schon das außergewöhnliche schriftstellerische Können des Autoren, wie wir es aus „Die Vögel“ und „Das Eisschloß“ kennen.
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Im Rahmen der Leipziger Buchmesse und dem Schwerpunktland Österreich
haben wir den Droschl Verlag und Milena Michiko Flasar zu uns eingeladen.

Donnerstag, 20.April, 19 Uhr. Der Literaturverlag Droschl stellt sich vor.

Kurz bevor Österreich Gastland auf der Leipziger Buchmesse ist, präsentiert sich Österreichs feine Adresse für Literatur: Verlegerin Annette Knoch stellt ihren Verlag vor, erzählt zu Programm, Idee und Geschichte des Hauses. Danach werden zwei druckfrische Neuerscheinungen präsentiert:

Die Tirolerin Carolina Schutti, Droschl-Autorin seit 2021, liest aus ihrem Roman „Meeresbrise„.
„Ein schmales Buch, aber eines, das eine ganze Welt in sich birgt, eine Welt aus Lügen und Märchen, mit denen eine etwas seltsame Mutter ihre zwei Töchter eingesponnen hat.“ (Martin Sailer, ORF)

Anschließend tritt Bodo Hell auf, Droschl-Autor der ersten Stunde, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat und nach wie vor jeden Sommer als Senner im Dachsteingebirge arbeitet. In seinem neuen Buch „Begabte Bäume“ gibt er vom Ahorn bis hin zur Zirbe Botanisches, Historisches, Kulturgeschichtliches, Erstaunliches, Listiges und Listen zum Besten und führt uns durch Österreichs Vergangenheit und Gegenwart.
Nach der Veranstaltung lädt der Verlag zu einem Glas steirischen Wein.

Literaturverlag Droschl Stenggstraße 33 A-8043 Graz
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Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

»Alleinstehend. Mit Hamster«, so beschreibt sie sich selbst. Suzu lebt in einer japanischen Großstadt. Unscheinbar. Durchscheinend fast. Der neue Job aber verändert alles. Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung.
Herr Ono ist unbemerkt verstorben. Allein. Es gibt viele wie ihn, immer mehr. Erst wenn es wärmer wird, rufen die Nachbarn die Polizei. Und dann Herrn Sakai mit dem Putztrupp, zu dem Suzu nun gehört. Sie sind spezialisiert auf solche Kodokushi-Fälle. »Fräulein Suzu«, wie der Chef sie nennt, fügt sich widerstrebend in die neuen Aufgaben. Es braucht dafür viel Geduld, Ehrfurcht und Sorgfalt, außerdem einen robusten Magen. Die Städte wachsen, zugleich entfernt man sich voneinander, und häufig verschwimmt die Grenze zwischen Desinteresse und Diskretion.
Suzu lernt schnell. Und sie lernt schnell Menschen kennen. Tote wie Lebendige, mit ganz unterschiedlichen Daseinswegen. Sie sieht Fassaden bröckeln und ihre eigene porös werden. Und obwohl ihr Goldhamster sich neuerdings vor ihr versteckt, ist sie mit einem Mal viel weniger allein.
Milena Michiko Flašar hat eine frische, oft heitere Sprache für ein großes Thema unserer Zeit gefunden. Und sie hat liebenswert verschusselte Figuren erschaffen, die man gern begleitet. Ein unvergesslicher, hellwacher Roman über die ›letzten Dinge‹.
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Bitte reservieren Sie sich rechtzeitig Plätze, damit Sie sie bei den besonderen Veranstaltungen dabei sein können.


Mittwoch

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Heute haben
Felix Hartlaub * 1913
Hanna Johannsen * 1939
Peter Rosei * 1946
Franz Böni * 1952
Geburtstag

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Alle Zeitungen dürften heute wohl voll sein mit Berichten über den Tod von Harry Rowohlt. Er starb vorgestern in der Nacht zum gestrigen Bloomsday. Wie passend. Seine Kumpels haben sicherlich schon auf ihn gewartet und im ein gutes Glas Guinness bereitgestellt. Oder auch gleich ein paar mehr.

Die Südwestpresse Ulm berichtet heute unter „Köpfe, Klatsch, Kurioses“
Rowohlt unvergessen
Der am Montag 70-jährig gestorbene Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt hat seine Spuren auch in Ulm und Neu-Ulm hinterlassen, wo er oft, ja öfter zu seinen berühmt-berüchtigten Marathonlesungen mit Alkohol und Zigaretten aus der Plastiktüte zu Gast war. Im Roxy. Im Konzertsaal Neu-Ulm. Im Bahnhof Neu-Ulm. Und natürlich in den Buchhandlungen, bei Hofmann und bei Jastram. Ulm ist in die Rowohlt-Geschichte eingegangen, weil der schlampig daherkommende Vollbart-Typ nach einer Lesung bei Christiane und Nick Hofmann spät nachts vom Portier als Penner verdächtigt und nicht ins Hotel hineingelassen wurde. Das verbreitete Rowohlt dann wie sein gesamtes Leben süffisant und bundesweit zum Nachteil Ulms in anderen Städten und in seiner Kolumne „Pooh’s Corner“ in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dort wurde nach einem Auftritt auch Samy Wiltscheks Jastram am Judenhof von Rowohlt verewigt mit dem wunderbaren, auch per Brief persönlich nach Ulm zugestellten Vers: „,Apporta unam Astram!/ Roboro me ad Jastram‘, wie der Lateiner sagt, wenn er sich noch ein Bierchen genehmigt, um sich für den Gang zur Buchhandlung Jastram in der Schuhhausgasse 8 zu stärken.“ Noch ein Spruch gefällig? So was Blödes wie eine Platzgasse könne es nur in Ulm geben, denn: Entweder Platz. Oder Gasse.

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Einband

Rian Visser, Noëlle Smit: „Theodor trödelt“
Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik
Tulipan Verlag 12,90
Bilderbuch ab 4 Jahren

Die Entdeckung der Langsamkeit für Kinder und für uns Vorleser gleichzeitig. Für was brauche ich da noch Nadolnys großartigen Roman, oder die Unmengen von Ratgebern und Wellnessangebote. In der Hektik unserer Tage und dem unglaublich großen Angebot an (Bilder)-Büchern, haben wir vielleicht dieses Buch, das 2008 in den Niederlanden herausgekommen ist, auch übersehen.
Jetzt aber in aller Ruhe:
Wie jeden Morgen drängelt die Mutter, dass ihr Sohn Theodor endlich in die Gänge kommt. Es ist Zeit fürs Frühstück und für die Schule. Auf dem ersten Bild, unter dem Titel, sehen wir den kleinen noch im Schlafanzug mit seinem Schnuffeltier laut gähnen. Da wird seine Mutter mal wieder Zeitprobleme bekommen. Mama hat es eilig, aber Theodor hat, wie jeden Morgen, schrecklich viel zu tun: Er muss unbedingt noch einen Turm bauen, ein Liedchen auf dem Klavier spielen und seine Autos richtig ins Regal räumen, da Mama sie beim Staubsaugen immer irgendwie, aber nie richtig einsortiert. Auf der Straße gibt es Blumen zu bewundern und im Bus gibt es nichts Wichtigeres, als mit einer alten Dame zu plaudern, die irgendwo noch etwas Süßes für Theodor in ihrer großen Tasche hat. Aber Mutter zieht Theodor schon an der Hand raus aus dem Bus und rauf auf den Schulhof, der komischerweise ganz leer ist. Wo sind denn all seine Schulfreunde? Auch im Flur sind alle Kleiderhaken schon belegt. Komisch? Aber merkwürdiger ist noch, dass Herr Vogel ganz ruhig auf einem Stuhl sitzt, wo er doch sonst immer etwas zu tun hat. Theodor rennt in seine Schulklasse, informiert seine Lehrerin und Herr Vogel wird von zwei Sanitätern ins Krankenhaus gebracht. Theodor ist der große Held, da er Herrn Vogels Leben gerettet hat. Nur gut dass er zu spät gekommen ist. Davon hat allerdings seine Mamá nichts, denn Theodor trödelt weiter, sieht dies und das und sie verpassen mal wieder den Bus. Wobei Theodor meint, sie seien doch genau richtig für den nächsten.
Dieses bunte, etwas altertümlich gemachte Bilderbuch ist ein prima Plädoyer für etwas mehr Muse für sich selbst und für einander. Hier lernen wir, dass wir den Kleinen mehr Zeit lassen sollen und wir uns mehr Zeit für die Kleinen nehmen sollen.

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„Welche Droge passt zu mir?“ mit Tini Prüfert.
Nur noch am Mittwoch, 17.Juni und Mittwoch, 24.Juni jeweils um 19:30 in der Podium.bar im Theater Ulm.

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Heute abend um 19:30 in der Ulmer Stiege:
Annette Köhn stellt ihren Jaja-Verlag und ihre Machwerke vor

Freitag

Heute haben Geburtstag:
Heinrich Mann * 1871
Hansjörg Schneider * 1938
Harry Rowohlt * 1945
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Und mit einem Filmchen geht es gleich weiter:

1

Chris Haughton: „Pssst, wir haben einen Vogel“
Aus dem Englischen von Stephanie Menge
Sauerlönder/S.Fischer Verlag € 14,99
Bilderbuch ab 4 Jahren

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Nach den beiden vorangegangenen Bilderbüchern gibt es jetzt ein drittes von dem in London lebenden Illustrator und Autor Chris Haughton. Na endlich. Das Eulen- und das Hunde-Buch haben wir hir auf dem Blog auch beschrieben und uns sehr dafür begeistern können. Nun geht es also mit irgendwelchen schwarzblauen Gestalten weiter, die bunte, farbige Vögel fangen wollen. Aber so einfach ist das nicht, wenn hinter den ersten dreien mit den Käschern in den Händen ein Kleiner herspaziert, der den unbedarften Vogel laut und kräftig begrüßt. Wo doch die anderen ihn fangen wollen. „Pssst“, heisst es dann auch mehrfach. Denn irgendwie scheint es mit dem Vögelfangen nicht so einfach zu sein. Immer gefährlicher und abenteuerlicher werden die Anstrengungen der drei Fänger und sie scheitern jedes Mal. Vögel sind ja auch nicht blöde. Aber was passiert, wenn man Vögel füttert? Was passiert mit dem Kleinen, der plötzlich von bunten Vögeln umringt ist? Ja, das müssen Sie dann schon selbst nachlesen, nachschauen. Und was machen die vielen bunten, großen und kleinen Vögel mit unseren Dreien? Das Buch liegt bei uns auf dem Neuerscheinungstisch.
Ein Buch über Miteinanderreden und etwas daraus lernen. In diesem Falle klappt das eher nicht bei den drei Großen. Der Kleine macht sich am Schluss schon heftig Gedanken, ob die neuerliche Idee auf Eichhörnchenjagd zu gehen, eine wirklich gute Idee istund kratzt sich verdutzt den Kopf. Wir auch!

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Heute abend ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
Thomals Thiel berichtet über seine Monate als Militärpfarrer in Afghanistan.

Samstag

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Heute haben
Marie Luise Kaschnitz * 1901
Kurt Marti *1921
Norman Mailer * 1923
Kenzaburo Oe * 1925 (Er wird heute 80)
Geburtstag
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Dylan Thomas:
„Unter dem Milchwald/Under Milk Wood“

Drei legendäre Hörspielinszenierungen
Übersetzt von Erich Fried
6 Audio-CDs, Laufzeit: 278 Minuten
Der Hörverlag € 24,99

To begin at the beginning:

It is spring, moonless night in the small town, starless
and bible-black, the cobblestreets silent and the hunched,
courters‘-and-rabbits‘ wood limping invisible down to the
sloeblack, slow, black, crowblack, fishingboatbobbing sea.
The houses are blind as moles (though moles see fine to-night
in the snouting, velvet dingles) or blind as Captain Cat
there in the muffled middle by the pump and the town clock,
the shops in mourning, the Welfare Hall in widows‘ weeds.
And all the people of the lulled and dumbfound town are
sleeping now.

Hush, the babies are sleeping, the farmers, the fishers,
the tradesmen and pensioners, cobbler, schoolteacher,
postman and publican, the undertaker and the fancy woman,
drunkard, dressmaker, preacher, policeman, the webfoot
cocklewomen and the tidy wives. Young girls lie bedded soft
or glide in their dreams, with rings and trousseaux,
bridesmaided by glowworms down the aisles of the
organplaying wood. The boys are dreaming wicked or of the
bucking ranches of the night and the jollyrodgered sea. And
the anthracite statues of the horses sleep in the fields,
and the cows in the byres, and the dogs in the wetnosed
yards; and the cats nap in the slant corners or lope sly,
streaking and needling, on the one cloud of the roofs.

Das sind so die Entdeckungen im Buchhändlerleben.
Seit Jahren und Jahrzehnten schwirrt mir der Titel: „Unter dem Milchwald“ im Kopf herum. Auch Dylan Thomas sagt mir natürlich etwas. Seine Weihnachtsgeschichte habe ich schon öfter gelesen. Dass Bob Dylan seinen Namen von ihm hat, wissen wir ja auch. Der hat übrigens gestern sein 36.Album veröffentlicht, das überall so richtig mit großer Verwunderungen besprochen wird. Aber zurück. Auch ich war verwundert, als ich mit über einem Jahr Verzögerung diese drei Hörspiele gehört habe. Einzeln gibt es sie natürlich schon viel länger auf dem Markt. Und noch einige weitere Versionen mehr. Aber diese Kombination zu diesem Preis, ist grossartig.
BBC 1954, NWDR 1954, MDR 2003 sind die Eckdaten für die einzelnen Produktionen, in denen u.a. Richard Burton (BBC), Inge Meysel (NWDR) und olle Harry Rowohlt (MDR) sprechen.
Ich konnte mir unter diesen Hörspielen nichts vorstellen, begann mit der englischen Version und verstand erst mal gar nichts. Also schnell die 54er deutsche Version und mich hat’s komplett vom Hocker gehauen. So etwas ist mir noch nicht untergekommen. Na, das hätten wir dir aber schon vor 20 Jahren sagen können, bekomme ich sicherlich zu hören. Egal. Das, was Dylan Thomas und seiner kleinen Seestadt macht, ist so einzigartig, dass ich richtig süchtig geworden bin. Voller Wortwitz, mit verrückten Wortketten und Wortasoziationen lässt er die Einwohner der kleinen Stadt einen Tag lang zu Wort kommen. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht geht der Reigen an der wallisischen Küste. Es wird gelacht, geweint, gesungen und gebrüllt. Es werden Kartoffeln poliert und Bier gesoffen. Teufel im Wald vertrieben und Orgel gespielt. Die Toten werden wieder lebendig und der Briefträger erzählt den Empfängern der Post gleich an der Türschwelle, was es alles neues gibt auf den zugestellten Postkarten. Ich kann hier keine Inhaltsangabe schreiben, da das Stück voller überbordender Ideen ist. Was aber Gossamer Beynon, Orgel-Morgan, Mrs Ogmore-Pritchard, Mrs Willy-Nilly, Kapitan Cat, Mr Waldo, Mary Ann Seefahrer, Eli Jenkins, Lily Smalls, Boyo, Mrs Cherry Owen und Sinbad, auf den Straßen, in den Häusern, auf dem Friedhof und in der Kneipe treiben, ließen mir die Ohren glühen. Nach der 54er Version gleich die Harry Rowohlt-Version von 2003 aufgelegt und wieder einen Vergleich mit der alten gemacht. Dann endlich habe ich mich an die englische Version gemacht und auch das Meiste verstanden.
Nun ist mir auch klar, warum alle Welt von Dylan Thomas, seinem Milchwald und der Stadt Llareggyb reden.
Gerade schaue ich in das Impressum des Reclam-Heftchens und lese, dass die BBC-Erstausstralung am 25.Januar 1954 war. Da hätte ich diesen Tipp doch punktgenau eine Woche früher bringen können.

Am kommenden Dienstag stellen wir dieses Hörpielprojekt vor.
Ab 19 Uhr gibt es wieder unsere „1.Seite“.
Wie immer mit Clemens Grote und als Stargast Richard Burton.

Diese Hörspieledition auf sechs CDs erschien zum 100. Geburtstag von Dylan Thomas am 27.Oktober 2014.

Hier können sie reinhören.
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Diese Bücher stellen wir am kommenden Dienstag.
Entdecken Sie mit uns Bücher, die nicht auf den Bestsellerlisten stehen.

Jenny Offill: Amt für Mutmaßungen
(„Dieses Buch ist wie ein kleines, extrem scharf geschliffenes Messer.“,
Ijoma Mangold / Die Zeit)

Jami Attenberg: Die Middlesteins
(„Die Middlesteins haben mich von der allerersten Seite an begeistert.“,
Jonathan Franzen)

Dorte Nors: Handkantenschlag
(„Die Autorin Dorthe Nors weiß, wie sie die kleinen Momente einfängt und mit
ihren Worten unvergesslich macht.“ Oprah Winfrey)

Dylan Thomas: Under Milk Wood / Unter dem Milchwald
(3 Hörspiele auf 6 CDs mit Richard Burton, Inge Meysel, Sophie Rois und Harry
Rowohlt und vielen vielen anderen)

Montag

Heute haben
Friedrich Hebbel * 1813
S.Mallarmé * 1842
Christa Wolf * 1929
John Updike * 1932
Geburtstag

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Jastram taucht schon wieder in der „Zeit“ auf.
Diesmal in Harry Rowohlts „Pooh’s Corner
Gut, dass unsere Kunden die „Zeit“ lesen und uns das mitgeteilt haben.

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Chris Ware: „Jimmy Corrigan – Der klügste Junge der Welt
384 Seiten, fest gebunden.
Reprodukt Verlag € 39,00
Aus dem Amerikanischen von Heinrich Anders und Tina Hohl
Handlettering von Michael Hau

Als der Comic zur Jahrtausendwende in den USA erscheint, schien er ein Quantensprung zu sein. Dies wurde dort sehr schnell erkannt und Chris Ware, der von Art Spiegelman entdeckt worden ist, wurde zum Erfinder einer neuen Art der Graphic Novel. Seine Perfektion in Form, Farbe und Gestaltung lassen ihn als einmalig dastehen. Er hat sogar den Druckvorgang, der ins Stocken geraten ist, in Hongkong direkt vor Ort geleitet und begutachtet.
Das sieht man diesem dicken Buch an, das u.a. die Hintergrundfarbe als Leitmotiv durch den Roman ziehen lässt.
Chris Ware erzählt die Geschichte von Jimmy Corrigan, einem linkischen und dauerkränkelnden Enddreißiger, der ein Dasein als unauffälliger Büroangestellter fristet. Sein soziales Leben beschränkt sich auf die täglichen Kontrollanrufe der Mutter – und findet ansonsten in seinen tagträumerischen Heldenfantasien statt. Ein Brief seines Vaters, der nach jahrzehntelanger Abwesenheit die Beziehung wiederbeleben möchte, reißt ihn schließlich aus seinem lethargischen Alltag heraus.
Auf nahezu 400 Seiten breitet Chris Ware die generationenübergreifende Geschichte der Familie Corrigan aus, die bis ins Chicago des ausgehenden 19. Jahrhunderts zurückreicht. Eine epische Erzählung über hundert Jahre Einsamkeit – in Bildern von berührender Tiefe.

„Chris Ware – das ist eine Ein-Mann-Revolution des Erzählens in Bildern.“ – Andreas Platthaus, FAZ
„Ein Jahrhundertcomic.“ – Thomas von Steinaecker, Die Welt
„Ein Meisterwerk, ohne das ich kaum begonnen hätte, Romane zu schreiben.“ – Clemens J. Setz

Mir war das Werk unbekannt und umsomehr bin ich jetzt erstaunt über diesen Roman in Bildern, der das Leben einer Familie in und um Chicago nacherzählt. Einzelne Handlungsstränge gehen bis ins 19.Jahrhundert zurück.
Gleichzeitig erschien in den USA Jonathan Franzens „Korrekturen“, der ein ähnliches Motiv als Aufhänger seiner Familiengeschichte hat. Ein Treffen an Thanksgiving. Bei Franzen ein Familientreffen, bei Ware das Treffen von Vater und Sohn.

Ich weiss nicht, wie die amerikanische Ausgabe aussieht, die deutsche ist jedoch ein kleines Juwel. Wie ein altes festgebundenes Fotobuch, mit Familienbildern liegt es auf dem Tisch. Das kleine Superman-Motiv erscheint erst, wenn der Schutzumschlag weg ist. Der wiederum entpuppt sich als Poster zum Ausklappen.
Mehr geht kaum.

Ich lasse nun aber Bilder sprechen.
Viel Vergnügen mit diesem Meisterwerk, das so einfach und leicht nicht zu überschauen ist und Vergleichen mit dicken Familienromanen nicht zu scheuen braucht.