Dienstag, 7.Mai

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Heute haben
Volker Braun * 1939
Gerhard Polt * 1942
Almunda Grandes * 1960
Geburtstag.
Und auch noch Peter Tschaikowsky und Johannes Brahms.
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Heute auf dem Gedichte Kalender des Harenberg Verlages:

Matthias Claudius
Im Mai

Tausend Blumen um mich her,
Wie sie lachend stehn!
Adam hat nicht lachender
Sie am Phrat gesehn.
Hier, die schöne grüne Flur,
Hier, der Wald, und der Waldgesang!
Habe Dank!
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Harald Welzer: „Alles könnte anders sein“
S.Fischer Verlag € 22,00

Bitte lest und lesen Sie dieses Buch! Die bessere Welt, der wir alle nachtrauern, der wir misstrauen und an die wir nicht mehr glauben, steht nämlich genau vor unserer Tür. Wir müssen nur erkennen, wo die Ressourcen und die Errungenschaften unserer demokratischen Gesellschaft sind, die wir auf Teufel komm raus verteidigen sollten (sei es in Form von Gemeinplätze wie das öffentliche Schwimmbad, die Bibliothek oder die Parkanlagen), sei es das Rechtssystem, das keiner Korruption unterworfen ist oder das Gesundheitssystem, zu dem bisher noch jeder gleichermaßen Zugang hat (jedenfalls im Vergleich zu sehr vielen anderen Ländern dieser Erde). Oder auch in Sachen Umwelt- und Klimakatstrophe: Wie viel ist in den letzten Jahren schon viel besser geworden, wie viele Flüsse sind renaturiert, wie viele Wälder wieder aufgeforstet, wie viele Tierarten wieder angesiedelt worden? Der Soziologe Harald Welzer beschönigt nichts. Er fordert uns bloß dazu auf, an das gute Leben zu glauben und auch danach zu handeln. Weg von der destruktiven Untergangshysterie, die bloß denen, die auf Kosten von Mensch und Natur ihren Erfolg gründen, in die Hände spielt.
Es geht ihm um Gerechtigkeit, um Solidarität, ja ganz vereinfacht gesprochen, um Freundlichkeit und damit um mehr Autonomie und die Befreiung aus einem Ego-Shooter-Kapitalismus, der in seiner jetzigen Form keinerlei sozial- und umweltverträgliche Zukunft mehr hat, und aus einer digitalen Diktatur, der wir uns willenlos hingeben.
Was wir brauchen ist v.a. mehr Zeit, um neue, völlig andere Ideen zu entwerfen. Von uns und einer Gesellschaft, einer ganzen Welt, in der wir gerne leben und in die wir guten Gewissens unsere Kinder und Enkelkinder entlassen. Zeit, die wir außerdem mit Tätigkeiten füllen, die wir als sinnvoll erleben und nicht als Bullshitjobs.
Welzer skizziert ganz konkrete Arbeitsmodelle, die er 80/20 nennt. Also 80%, die der Lohnarbeit nachgegangen und 20%, die einer ehrenamtlichen Tätigkeit gewidmet wird. Alles subventioniert vom Staat, der ja auch heute schon darauf angewiesen ist, dass ganze Branchen zum großen Teil in ehrenamtlicher Hand sind. Allein die Flüchtlingshilfe im Sommer 2015 ist so ein Beispiel. Die Arbeitsgeber werden also nicht mehr belastet, haben vielmehr leistungsfähigere, weil nicht chronisch überarbeitete, Angestellte.
Das Grundeinkommen ist eine weitere, sehr konkrete Lösung, um ein Gleichgewicht in der Gesellschaft herzustellen, das wirklich gleiche Zugangschancen für alle eröffnet, egal aus welchem Elternhaus man kommt. Bewiesen ist, wer aus armen Verhältnisse kommt, kämpft lebenslang mit Existenzängsten, die keine akademischen Höhenflüge zulassen. Dem Argument, dass mit dieser bedingungslosen Grundsicherung keiner mehr arbeiten würde, gibt er wenig Chance, weil doch die meisten arbeiten, einen strukturierten Tag oder einfach auch mehr Geld haben wollen.
Zitat: „Und schließlich gibt es noch die, die tatsächlich nie arbeiten wollen. Na und? Was ist dabei? Wo wäre denn das normative Kriterium, diese Wahl als schlechter anzusehen als die des „Entscheiders“ bei Monsanto, der Bauern vorschreibt, welches Saatgut sie zu kaufen haben? Wer entscheidet denn, wer eine für das Gemeinwohl bessere Rolle spielt – jemand, der sein Leben lang schwimmen geht, Bücher liest, Netflixserien schaut, mit den Kindern spielt oder auch nur: sich besäuft oder ein Automanager, der die Gesellschaft brutal geschädigt hat?“
Auch das Finanzierungskonzept dazu klingt realistisch. So wie Welzer all seine Ideen mit real umsetzbaren Methoden und Herangehensweisen erklärt. Demnach geht es nicht mehr um das, was tatsächlich machbar, sondern um das, was gewollt ist.
Eine andere Idee, die, wenn man Welzer zuhört, ganz und gar machbar und ganz sicher keine spinnerte Utopie mehr ist, ist die autofreie Stadt. Spätestens nach dieser Lektüre versteht man nicht mehr, warum es tatsächlich noch Autos in modernen Städten gibt. Zu gut sind die Bilder vom Stadtraum, der den Menschen, den Fußgängern, Fahrradfahrern, den spielenden Kindern gehört! Straßen werden zu Gemeinplätzen, Parkplätze zu Baupflächen für dringend benötigten Wohnraum. Kopenhagen macht es vor, wir können es nach und noch besser machen. Mit einem kostenlosen und perfekt geregelten öffentlichen Nahverkehr, Gemeinschaftsgärten usw.
Welzer legt das nötige Zündholz, um optimistisch das zu tun, was jeder und jede in seinem kleinen oder größeren Dunstkreis tun kann. Wir müssen raus aus der lähmenden Denkstruktur: nur die ganz Großen in Politik und Wirtschaft könnten etwas ändern, wenn sie denn wollten. Dass jede und jeder die Macht hat, etwas zu ändern, das zeigt Welzer in vielen realen Beispielen. Sei es der Privatmann Lutz Beisel, der die Schreckensnachrichten aus dem Vietnamkrieg nicht mehr ertragen konnte, bei der Bundeswehr anrief und sie dazu brachte, schwerverwundete vietnamesische Kinder in deutschen Krankenhäuser zu behandeln (und schließlich „terre des hommes“ gründete) oder die gerade zu explosive Urban-Gardening-Bewegung, die wie die grüne Hoffnung einmal rund um die Welt exponierte und nach wie vor Menschen zusammen- und die Natur in die Stadt zurück bringt. Es sind oft kleine Ideen, die Großes bewirken.
Fangen wir an, jetzt und heute!
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Heute abend ab 19 Uhr stellen wir wieder neue Bücher vor.
„Die 1.Seite“
Clemens Grote liest aus:

Gary Shteyngart: Willkommen in Lake Success
Johan Bauer: Onkel Amerika
Maxim Leo: Wo wir zu Hause sind

Willkommen in Lake Success von Gary Shteyngart 4873 0813

Unser Gast, der Literaturvermittler Uli Deurer, packt seinen Koffer mit Neuheiten aus und stellt uns eine Hand voll Bücher vor, die ihm wichtig sind.

Freitag

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Heute haben
Léopold Sédar Senghor * 1906
Gert Loschütz * 1946
Durs Grünbein * 1962
Yael Hedaya * 1964
Geburtstag
und John Lennon, der heute 75 Jahre alt geworden wäre.

Herzlichen Glückwunsch


Wir hatten eine volle Woche und sie ist noch nicht zu Ende.
Am Dienstag stellten wir drei Romane vor und Tini Prüfert vom Theater Ulm las einen Nachruf auf Hildegard Knef von Christoph Schlingensief, Ausschnitte aus deren Buch „Der geschenkter Gaul“ und sang ein Knef-Lied a capella, da das Playback versagte.
Am Abend darauf kam ein sehr kränkelnder Helge Timmerberg ins Ulmer ROXY und las aus Agatha Christies „Tod am Nil“ und aus eigenen Sachen. Mit dabei hatte er kleine Fläschchen mit einem Flaschengeist darin und einem kleinen Text auf dem Beipackzettel. Zu erwerben über seine Homepage.

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Und wer den gestrigen Abend bei uns in der Buchhandlung versäumt hat, der/die haben wirklich etwas verpasst.
Kai Weyand las aus seinem Buch „Applaus für Bronikowski“ und es war ein Abend, den wir alle wohl nicht mehr so schnell vergessen werden. Sein Buch ist ja schon gut, aber seine Art, wie er Passagen vorgelesen hat, war so erhellend, dass ich merke, wie schnell ich seinen Roman gelesen und Details überlesen hatte.
Die anschließende Diskussion ging von: Sollte es Teig- oder Backwaren heissen, bis hin zum Eigenleben seiner Romanfiguren.Alles sehr klug, sehr fein und immer ein wenig verschmitzt witzig.
Vielen Dank für diesen Abend, Kai Weyand.

Weyand

Nächste Woche geht es gleich mit Montag und Dienstag in der vh Ulm weiter.
Zwei hochkarätige Autoren, die sehr kritisch unseren heutigen Lebenswandel unter die Lupe nehmen.

Buen Vivir – oder: Gut leben statt viel haben

Gedanken, Ideen und Perspektiven zu einem anderen Leben
Impulsvorträge, Gespräche und eine erste Welt-Werkstatt

Gemeinschaftsveranstaltung von Ulmer Volkshochschule, der Kulturbuchhandlung Jastram, Ulmer Netz für eine andere Welt, lokale agenda ulm 21, Attac Ulm, Verein Ulmer Weltladen, Lateinamerika-Komitee Ulm, BUND-Kreisverband Ulm, Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschafts-entwicklung – unw, Bündnis für eine gentechnikfreie Region (um) Ulm, Eine-Welt-Regionalpromotorin und vielen anderen Gruppen, Organisationen und Initiativen in der Region Ulm/Neu-Ulm.

Höher, schneller, weiter – und von allem mehr! Das Wachstumskonzept scheint ungebrochen, ja alternativlos zu sein. Und doch diskutieren immer mehr Menschen auch über Auswege aus dem Wachstumszwang. Der Klimawandel, die Finanz- und Armutskrisen, der Raubbau an der Natur und viele andere Folgen der herrschenden Weltordnung verstärken den Druck auf die Suche nach Alternativen zum gegebenen Produktions- und Konsummodell. In all den Debatten um zukunftsfähige Entwicklun-gen blitzen die Ideale einer solidarischeren Welt auf und der Wunsch nach Glück, Harmonie und einem »anderen« guten Leben. Es scheint uns höchste Zeit, die Debatte über »Buen Vivir« und die Rechte der Natur auch in unserer Region systematisch zu eröffnen. Beginnen wollen wir in diesem Herbst mit einer kleinen (aber feinen) Vortragsreihe und einer ersten Ideen- und Impulswerkstatt.

Wohlstand ohne Wachstum
Zum Ende eines falschen Konzepts
Prof. Dr. Harald Welzer, Stiftung Futurzwei
Montag, 12. Oktober, 20 Uhr

Eintritt EUR 5,00
EinsteinHaus am Kornhausplatz

Was ist bloß aus unserer Zukunft geworden? Es ist höchste Zeit, dass sich jede(r) überlegt, wie wir eigentlich leben wollen — damit die Zukunft wieder ein Versprechen und keine Bedrohung ist. Kurzum: Eine Zukunft jenseits der Abgründe der vom Konsumvirus und von politischer Lähmung befallenen Gesellschaft. Aber geht das überhaupt? Ist die Welt denn nicht »alternativlos«? »Ich wehre mich gegen die Entpolitisierung und Schau-Naivität, mit der man heute sagt: Man kann ja nichts machen! Natürlich kann man was machen.« (Harald Welzer)

Aus kontrolliertem Raubbau
Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren
Kathrin Hartmann
In Zusammenarbeit mit der Kulturbuchhandlung Jastram
Dienstag, 13. Oktober, 20 Uhr
Eintritt EUR 5,00
EinsteinHaus am Kornhausplatz

Angesichts der Klimakatastrophe ruhen alle Hoffnungen auf der Green Economy, die das Wirtschaften nachhaltig und sozial machen soll. Elektro-Autos statt CO2-Schleudern, Biosprit statt Benzin, Aquakultur statt Überfischung. Subventioniert von der Politik, unterstützt von Umweltorganisationen, ausgezeichnet mit Nachhaltigkeitspreisen. Wirtschaftswachstum und über-bordender Konsum, so die frohe Botschaft der sogenannten dritten industriellen Revolution, sind gut für die Welt, solange sie innovativ und intelligent gemacht sind. Die technik-begeisterte Mittelschicht hört das gern. Doch auch der Roh-stoffhunger des grünen Kapitalismus ist riesig, wie Kathrin Hartmann in aufrüttelnden Reportagen zeigt.

Das Alternative Handelsmandat
Herbert Löhr
Donnerstag, 12. November, 20 Uhr
Eintritt EUR 5,00
EinsteinHaus am Kornhausplatz

Ein Bündnis aus 50 Organisationen innerhalb und außerhalb Europas hat in einem vierjährigen offenen Prozess Grundlagen und Handlungsvorschläge für eine alternative Handelspolitik entwickelt, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Menschenrechte, menschenwürdige Arbeit, soziale und ökologische Ziele sind nicht verhandelbar; Demokratie, Selbstbestimmungsrecht von Gemeinschaften und flache Hierarchien werden als Grundlage einer selbstbestimmten Gesellschaft festgeschrie-ben. Wir wollen uns einige Elemente dieser neuen Vision einer demokratisch kon-trollierten Handels- und Investitionspolitik etwas näher ansehen.

Der plurinationale Staat in Bolivien
Dr. Isabella Radhuber
Freitag, 20. November, 20 Uhr
Eintritt EUR 5,00
EinsteinHaus am Kornhausplatz

Seit Jahren zieht Lateinamerika internationale Aufmerksamkeit auf sich, und zwar nicht zuletzt als »Zukunftswerkstatt« bei der Suche nach alternativen Lebens- und Organi-sationsformen. Wenn Lateinamerika also ein anti‑neoliberales Laboratorium unserer Zeit ist, dann wird am bolivianischen Arbeitsplatz besonders intensiv experimentiert, hat doch Evo Morales seine Präsidentschaft der Schaffung eines »plurinationalen« Staates verschrieben.

Das Projekt wird von der Idee getragen, den indigenen Teil der Bevölkerung, der mehr als die Hälfte der Bewohner ausmacht, an Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gleichberechtigt zu beteiligen. Welche (Zwischen-)Ergebnisse hat das Projekt vorzuweisen? Gelingt tatsächlich ein erster Sprung aus traditionellen kolonialistischen Strukturen? Wo liegen die aktuellen Spannungsfelder? Und wo die Perspektiven?

»… es kommt drauf an, sie zu verändern.«
Zukunftswerkstatt für eine andere Welt
Samstag, 21. November, 10 bis 16 Uhr
Eintritt frei
Anmeldung bei der vh erbeten
EinsteinHaus am Kornhausplatz

Mit Impulsbeiträgen und in verschiedenen Arbeitsgruppen wollen wir Ideen und Impulse sammeln und in ersten Schritten an die Umsetzung gehen. Dabei geht es sowohl um das persönliche Konsumieren als auch um die (Wieder-)Belebung von politischem Handeln. Im Sinne von Harald Welzers Motto: »Es ist höchste Zeit, dass sich jeder überlegt, wie wir eigentlich leben wollen — damit die Zukunft wieder ein Versprechen und keine Bedrohung ist.«