Dienstag, 9.März

Heute haben
Peter Altenberg * 1859
Agnes Miegel * 1879
Umberto Saba * 1883
Vita Sackville-West * 1892
Marie Cardinal * 1929
Ota Filip * 1930
Keri Hulme * 1947
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Charles Bukowski.
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Peter Altenberg
Winterszeit

Der Kirchthurm ragt – – –.
Und wie in Frost erstarrt sind die Geräusche.
Da rieselt von überladenen harten Fichtennadeln
harter Schnee in Klümpchen ab – – –.
Dann wieder Stille, Stille, Stille – – –.
Und der Dichter sagt: „Ich höre die Symphonieen der Stille!“
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Michael Bauer: „Dinge die so nicht bleiben können
Hanser Verlag € 15,00
Jugendbuch ab 13 Jahren

Michael Bauer hat es wieder geschafft, ein Feuerwerk sprachlicher Akrobatik für Jugendliche zu schreiben. Voller Witz, voller Sympathie für  die Schrecken und Unsicherheiten der Teenagerjahre, lässt er den Leser rasant durchs Buch schlittern. Beim „Tag der offenen Tür“ an der Uni begegnet Sebastian erst Elsa, deren Schönheit ihn verwirrt und er auf ein vermeintliches Date reinfällt. Aus dieser Peinlichkeit rettet in Frida, schräg frech und viel Metall im Ohr. So beginnt ein gemeinsamer Tag an der Uni, zu dem auch noch Tolly, Sebastians bester Freund und Filmspezialist gehört. Ein einziger Tag und Michael Bauer macht ein ganzes Buch daraus, voller verrückter Situationen, Geschichten, die von den dreien erfunden werden oder eventuell doch ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Dialoge, die klug hin und her springen und natürlich passiert da auch etwas zwischen Sebastian und Frida, die vielleicht gar nicht Frida ist……
Tolles Ende, das wir als Leser atemlos erreichen.
Ein purer kluger Lesespass, den ich auch den Großen wärmstens empfehle.

Gewinnspiel:

Beantworte die folgende Gewinnspielfrage und gewinne mit etwas Glück eine von drei Popcornmaschinen von WMF:Auf wen wartet ‘der stinknormale Typ’ aus dem Buch “Dinge, die so nicht bleiben können” im Foyer des Kinos?

A. Auf seine Mutter
B. Auf ein PWW (= ein perfektes weibliches Wesen)
C. Auf Tolly, seinen besten Freund

Die Leseprobe hilft dir bei der Lösung! >>

Sende die Antwort bis zum 30.06.2021 per Mail an gewinnen@hanser.de mit dem Betreff “Popcornmaschine”.

Mit dem Absenden deiner Angaben erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten zum Zweck der Teilnahme am Gewinnspiel einverstanden. Nach Abschluss des Gewinnspiels werden deine Daten gelöscht. Weitere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung und in den folgenden Teilnahmebedingungen.

Auf der Hanser Seite gefunden:
5 Fragen an Michael Gerard Bauer

Herr Bauer, in Ihrem Jugendroman Dinge, die so nicht bleiben können gibt es die drei Hauptfiguren Tolly, Frida und Sebastian. Welche ist Ihnen am ähnlichsten und warum?
Nun, ich denke, Tolly ist wahrscheinlich zu groß gewachsen, zu weise und selbstbewusst, um mir ähnlich zu sein. Frida ist sicherlich zu lebhaft und stark, bleibt Sebastian. Wir haben tatsächlich einige Gemeinsamkeiten, vor allem in den Jahren, als ich ungefähr in seinem Alter, also um die 16 Jahre alt, war. Wie ihm fehlte es mir an Selbstvertrauen, und ich hatte auch keine Ahnung, was mal aus mir werden sollte. In den ersten Jahren auf der Universität schrieb ich mich in einen Handelsrechtskurs ein. Ich weiß nicht, warum, denn meine wahre Leidenschaft war alles, was sich um Worte und Musik drehte – wie bei Sebastian. Und es gab auch bei mir viele Momente, in denen ich mir wünschte, mein Leben würde sich wie in einer romantischen Komödie entwickeln! Aber das tat es selten.

Frida hat eine sehr ausgefallene Frisur: Die eine Seite hat einen weißblonden Fransenschnitt, die andere ist dunkel und kurzgeschoren. Gibt es jemanden, der sie inspiriert hat?
Hinter der Idee für Fridas Haarschnitt stand keine bestimmte Person. Interessanterweise fiel mir aber als erstes diese Frisur ein, als ich mir ausmalte, wie Frida aussehen sollte. Ich bin mir nicht sicher, warum das so war. Möglicherweise, weil ich diesen Stil wirklich mag und weil er in irgendeiner Weise die Kontraste und Widersprüche in Fridas Charakter zum Ausdruck bringt. Sebastian ist sehr daran interessiert herauszufinden, wer die „echte“ Frida ist, denn sie scheint viele verschiedene Facetten zu haben. Die Mischung aus langen Haaren und halb rasiertem Kopf mit Ohrringen an nur einem Ohr führt dazu, dass sich auch das Aussehen von Frida ständig ändert, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet.

Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen?
Nun, es wäre schön, wenn alle es tun würden! Ich denke, es ist eine Geschichte, die jeder genießen und aus der jeder etwas ziehen kann. Ich habe sie besonders den „Träumern“ gewidmet, weil ich denke, dass es eine Geschichte über Hoffnung, Freundschaft und Möglichkeiten im Leben ist. Falls du also jemand bist, der an diese Dinge glaubt und der wie Tolly und Sebastian auch denkt, dass man Unrecht und Ungerechtigkeit nicht einfach hinnehmen sollte, dann könnte das Buch vielleicht ganz besonders für dich sein. Und auch, wenn du vielleicht ein Filmfan bist. Oder besonders gerne bei einer Lektüre lachst. Oder vielleicht auch weinst. Ich bin mir nicht sicher. Man muss es nur lesen und selbst herausfinden!

Welchen Film mögen Sie lieber: Die Faust im Nacken oder Casablanca? Was ist Ihr absoluter Lieblingsfilm?
Das sind beide wundervolle klassische Filme. Aber meine erste Wahl wäre Casablanca, weil er von Anfang bis Ende brillante Dialoge hat und mit As Time Goes By einen großartigen Soundtrack. Außerdem spielt Bogart mit. Was will man mehr?
Ich liebe Filme wirklich, daher ist es fast unmöglich, einen als Favoriten hervorzuheben, aber The Big Lebowski, der in der Geschichte vorkommt und aus dem der Roman seinen Titel ableitet, ist genau das Richtige für mich.

Die Ereignisse Ihrer Geschichte spielen sich alle an einem einzigen Tag ab. Glauben Sie, dass man jemanden in weniger als 24 Stunden wirklich kennenlernen kann?
Nein, das glaube ich nicht. Aber an einem Tag kann viel passieren, wie es bei Sebastian und Frida der Fall ist. Vielleicht können die beiden durch die verschiedenen Erfahrungen, die sie zusammen machen, einander gut genug kennenlernen, um zu entscheiden, ob sie das Risiko eingehen möchten, sich noch besser kennenzulernen. Ob sie bereit sind, sich noch mehr auf den anderen einzulassen und noch mehr von sich preiszugeben. Das kann eine schwierige Entscheidung sein. Wie Sebastian betont, gibt es im Leben – im Gegensatz zu romantischen Komödien – keine Garantie für ein Happy End.

Interview und Übersetzung: Saskia Heintz

Leseprobe

Dienstag, 23.Februar

Heute haben
Samuel Pepys * 1633
Wilhelm Grimm * 1786
Erich Kästner * 1899
Elisabth Langgässer * 1899
Geburtstag
und es ist der Todestag von John Keats, der am 23.2.1821 in Rom gestorben ist.
Er liegt auf dem Nichtkatholischen Friedhof in Rom bei der Pyramide und auf seinem Grabstein stehen die weltberühmte Worte:
„Here lies One Whose Name was writ in Water“
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Cäsar Flaischlen
Februar

Schon leuchtet die Sonne wieder am Himmel
und schmilzt die Schneelast von den Dächern
und taut das Eis auf an den Fenstern
und lacht ins Zimmer: wie geht’s? wie steht’s?

Und wenn es auch noch lang nicht Frühling,
so laut es überall tropft und rinnt …
du sinnst hinaus über deine Dächer …
du sagst, es sei ein schreckliches Wetter,
man werde ganz krank! und bist im stillen
glückselig drüber wie ein Kind.
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Unser Tagestipp:


Alem Grabovac:Das achte Kind
Hanser Verlag € 22,00

Vor ca. zwei Wochen wurde dieses Buch auf Zoom Präsentiert. Über 100 Interessierte nahmen daran teil und wurden nicht enttäuscht. Das Interview mit dem Autor (ausgesprochen: Grabowatz) war sehr unterhaltsam, witzig pointiert. Immer wieder erwähnte er, dass ihm eine klare, nüchterne, direkte Sprache sehr wichtig war. Nur so konnte er seine Geschichte aufschreiben. Grabovac arbeitet als Journalist und hätte genauso ein Sachbuch schreiben können, über die Eingliederung (oder nicht Eingliederung) von Gastarbeitern in Deutschland. Er sagt, dass auf diesem Gebiet noch nicht viel aufgearbeitet worden ist. Er hat sich jedoch zu einem Roman entschieden, bei dem Orte und Namen zum größten Teil original übernommen worden sind.
Seine Mutter arbeitet als Gastarbeiterin in einer Schokoladenfabrik, sein Vater, ein Kleinganove, der viel trinkt, beklaut seine Frau im Krankenhaus, vor der Geburt des Autors, so dass sie zu Fuß nach Hause laufen muss. So der Einstieg. Alem wird zu einem deutschen Pflegefamilie gebracht und ist dort das achte, nach sieben eigenen Kindern. Der Pflegevater ist ein ewig gestriger Nazi. Seine Mutter heiratet wieder, wobei das Verhältnis zu seinem Stiefvater sehr schlecht ist, da er immer wieder brutal zu ihm ist.
Dies klingt alles sehr hart und doch schafft es der Autor eine gute Geschichte daraus zu machen. Ein Mann, der sich auf die Suche nach seiner Identität, nach den Biografien der Erwachsenen in seinem Umfeld macht. Dabei hilft ihm seine unverblümte Sprache und ohne zu werten.
Gelungen.

Von der Hanser-Seite übernommen:
5 Fragen an Alem Grabovac

Herr Grabovac, worum geht es in Ihrem Roman Das achte Kind?
Um Bauern, Diebe, Fabrikarbeiterinnen, Tito, Nationalsozialisten, drei Väter, zwei Familien und das ganze schräge Inventar aus dem kurzen 20. Jahrhundert mit all seinen großen und kleinen Erzählungen, die sich schicksalhaft in die Biografien der Protagonisten eingeschrieben haben.

Die Geschichte hängt sich weitgehend an Ihrer Biografie auf. Wie war der Schreibprozess für Sie?
Zunächst: Was kommt hinein, was lasse ich weg, wie ordne ich alles an und was muss ich erfinden, um die Realität glaubhaft und spannend zu erzählen. Es handelt sich um eine Autofiktion, eine Autobiografie, in die fiktionale Handlungsebenen verwoben sind. Und dann habe ich das alles so schlicht und kristallklar wie nur möglich aufgeschrieben. Die Sprache sollte, ganz ohne poetologische Ornamentik, geräuschlos und zugleich lebendig hinter der Handlung verschwinden.

Hätten Sie Ihrer Romanfigur Alem lieber ein anderes Heranwachsen gewünscht?
Ach, das überlasse ich meinem kleinen Sohn, der liebevoll und behütet aufwächst und dann irgendwann so seine Probleme damit haben wird.

Maxim Biller bezeichnet Das achte Kind als Bildungsroman. Was meint er damit?
Zwei Dinge, vermute ich. Einerseits die noch nicht auserzählte Migrationsgeschichte der BRD und andererseits ein Fortwirken der nationalsozialistischen Ideologie, die in vielen Familien unter den Teppich gekehrt wurde. Mein deutscher Vater war zum Beispiel ein Wehrmachtssoldat, der die Juden gehasst hat. Für ihn war, wie für so viele andere Deutsche, der 8. Mai 1945 ganz bestimmt kein Tag der Befreiung.

Ist Das achte Kind auch eine Geschichte des Loslassens und Verzeihens?
Nein, das Loslassen und Verzeihen hatte schon lange vor dem Schreiben stattgefunden. Ich habe versucht, die Geschichte ungeschönt und wertfrei zu erzählen. Ganz allein der Leser oder die Leserin sollen entscheiden, welche Schlussfolgerungen sie aus alledem ziehen.

Leseprobe

Freitag, 12.Februar

Heute haben
Frierich de la Motte Fouché * 1777
George Meredith * 1848
Lou Andreas-Salomé * 1861
Gerhard Rühm * 1930
Janwillem van de Wetering * 1931
Geburtstag
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„Glaubt mir, die Welt wird euch nichts schenken. Wenn ihr ein Leben wollt, so stehlt es.“
Lou Andreas-Salomé
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Neue Bücher aus dem Hanser Verlag frisch ausgepackt:

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Unser Tagestipp:


Valeria Parrella: „Versprechen kann ich nichts“
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Hanser Verlag € 19,00

Ein starker, einfühlsamer, intensiver Roman auf nicht mal 130 Seiten.
Elisabetta bleibt Ihnen in Erinnerung, wenn Sie das Buch durchhaben. Ihre Gefühle, ihre Arbeit, ihre Gedanken hat die Autorin sehr gekonnt in Sprache gesetzt.
Elisabetta arbeitet als Lehrerin im Jugendgefängnis Nisida in Neapel. Als ihr Mann stirbt, stürzt sie sich in die Arbeit. Das Gefängnis ist für sie gleichzeitig ein Ort der Ruhe, abgekapselt von der Hektik Neapels. So geht es auch vielen Jugendlichen dort, die sich zum ersten Mal mit Gleichaltrigen zum Sport treffen können und weg sind von der Straße. Dort wo ihr Weg direkt ins Gefängnis ging. Eines Tages taucht Almarina auf, eine junge rumänische junge Frau, die viel Gewalt erleben musste. Nach einer Anlaufzeit spüren die beiden eine Nähe zu einander. Wer kann hier wem helfen?
Fesselnd, packend und mit großer Leichtigkeit geschrieben.

Leseprobe

Auf der Verlagsseite gefunden:

5 Fragen an Valeria Parrella

Sie haben einen Roman geschrieben, der in Nisida, dem Jugendgefängnis von Neapel, spielt. Wie kamen Sie auf diese Idee? Was ist das Besondere an diesem Ort?

Gemeinsam mit anderen neapolitanischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern habe ich vier Jahre lang Kurse für kreatives Schreiben in der Jugendstrafanstalt Nisida gegeben. Dabei sind bereits zahlreiche Erzählungen entstanden, die in einem kleinen lokalen Verlag erschienen sind und deren Gewinn an das Gefängnis zurückfloss. Aber in dem Thema steckte noch viel mehr. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass in der Regel angenommen wird, dass Gefängnisse schlimme, überfüllte Orte sind. Dabei ist das Gefängnis von Nisida ein sehr besonderer Ort: Die Jugendlichen finden dort vieles von dem, was sie vorher nicht hatten. Dieser Beobachtung wollte ich in meinem Roman nachgehen.

Erzählt wird Ihr Roman aus Perspektive von Elisabetta Maiorano, die mit großer Hingabe und beeindruckender Geduld als Lehrerin in der Jugendstrafanstalt arbeitet. Woher nimmt sie die Leidenschaft für ihre Arbeit?

Elisabetta Maiorano ist zwar eine erfundene Figur, aber ich glaube, dass diese Leidenschaft für ihre Arbeit unter Lehrerinnen und Lehren sehr verbreitet ist. Bei meinen Eltern, die auch Lehrer sind, und auch als Schülerin habe ich das häufig beobachtet. Bei Elisabetta kommt hinzu, dass sie selbst beschlossen hat, im Gefängnis zu unterrichten. Niemand hat ihr diese Aufgabe zugewiesen, sie hat sie selbst gewählt. Die Rolle, die sie im Gefängnis einnimmt, geht über die normale Lehrerinnenrolle hinaus: Es geht nicht nur um die zu vermittelnden Inhalte, sondern um die ursprüngliche, lateinische Bedeutung des Wortes magister: Eine Lehrerin oder ein Lehrer bringt dir nicht nur etwas bei, sondern kann dir den Weg weisen.

Alles ändert sich für Elisabetta, als eines Tages die junge Rumänin Almarina das Klassenzimmer betritt. Was verbindet die beiden Frauen?

Im allerersten Moment können sich die beiden Frauen nicht ausstehen. Elisabetta verhält sich sehr distanziert, und Almarina nimmt Elisabetta nicht ernst. Doch irgendwann beginnen beide zu verstehen, dass die Schwierigkeiten zwischen ihnen vor allem von ihrer jeweiligen Verletzlichkeit kommen – beide haben in der Vergangenheit schlimme Erfahrungen gemacht: Elisabetta ist seit kurzem Witwe und Almarinas Körper wurde unglaubliches Übel zugefügt. Durch ihre Wunden finden die beiden Frauen zueinander.

Interessanterweise wird der Raum hinter den Mauern für Elisabetta zu einem Ort, an dem sie sich wohler fühlt, ruhiger ist als in der vermeintlich freien Gesellschaft. Und gleichzeitig treffen viele ihrer Schülerinnen und Schüler im Gefängnis das erste Mal auf Personen, die sich wirklich um sie kümmern. Ist das nicht ein Paradox?

Einer Arbeit nachzugehen macht einen immer unabhängiger und freier, vor allem Frauen und vor allem Frauen in Süditalien. Wir befinden uns im Jahr 2020, aber über viele Jahre hinweg war das ein großer Teil der weiblichen Emanzipation. Damit spiele ich in meinem Roman, denn hier findet die Arbeit in einem Gefängnis statt. Ähnlich verhält es sich mit dem anderen Paradox im Roman, und ich bin fest davon überzeugt, dass das der Realität entspricht: Einige der Jugendlichen sind unglaublich frühreif und gezwungen, straffällig zu werden – sich zu prostituieren, zu stehlen – und ihre Jugend auf der Straße zu verpulvern. In Nisida finden sie Freiheiten – die Freiheit, Sport zu machen, die Freiheit, zu lesen, die Freiheit, Erwachsenen zu begegnen, die sie respektieren.

Wie hat Ihre persönliche Erfahrung in Nisida Ihr Schreiben beeinflusst?

In den Schreibkursen habe ich die Häftlinge kennengelernt, mit ihnen gemeinsam gelesen und geschrieben. Ich habe nicht nur in Nisida Kurse gegeben, sondern in unterschiedlichen Gefängnissen in ganz Italien. In Italien sind viele Gefängnisse überfüllt, und um diese Tatsache ein wenig abzumildern, gibt es unterschiedliche Projekte. Viele dieser Projekte stellen Lesen oder Schreiben in den Mittelpunkt. Dafür braucht man kein Handy oder Computer, sondern nur einen Stift, ein Blatt Papier oder ein Buch, und einen Kopf, der denken kann.