Freitag, 15.März


Heute haben
Paul Heyse * 1830
Elisabeth Plessen * 1944
Franz Schuh * 1947
Gerhard Seyfried * 1948
Kurt Drawert * 1956
Ben Okri * 1959
Geburtstag
___________________________

„Freund in der Not will nicht viel heißen. Hilfreich möchte sich mancher erweisen. Aber die neidlos dein Glück dir gönnen, sie darfst du wahrlich Freunde nennen.“
Paul Heyse, Nobelpreis 1910
____________________________

Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Die Buchhandelsgemeinschaft scharrt mit den Füßen.
Gestern hatte die neue ZEIT eine Literaturbeilage mit aktuellen Neuerscheinungen. Im Darüberblättern fiel mir auf, dass wir (fast) alle Titel hier in unserem Buchladen haben.
Der Aufmacher war der neue Roman „James“ von Percival Everett.


Percival Everett: „James
Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl
Hanser Verlag € 26,00
Macmillan Publishers € 22,00

Wie gesagt, die ZEIT widmet diesem Buch mehr als eine Seite, startet mit ihm seine Literaturbeilage. Nicht ohne Grund, so denke ich.

Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California. Er hat bereits mehr als dreißig Romane veröffentlicht. Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, u. a. mit dem PEN Center USA Award for Fiction, dem Academy Award in Literature der American Academy of Arts and Letters, dem Windham Campbell Prize und dem PEN/Jean Stein Book Award. Auf Deutsch sind im Moment „God‘s Country“ (2014), „Erschütterung“ (2022) und „Die Bäume“ (2023) lieferbar.

Das Thema, das sich durch sein Werk zieht, ist der anhaltende Rassismus in den USA. Der Rassismus, auf den der Reichtum der jetzigen USA beruht. Er ist ein großer Kritiker dieses Systems und versteht dies gekonnt in große Literatur zu verwandeln.
„God’s Country“ ist ein rassanter, politisch unkorrekter Western, in dem ein schwarzer Fährtensucher einem weißen, rassistischen Siedler bei helfen soll, seine Frau wieder zu finden, die entführt worden ist. Bitterböse und mit viel Witz und Ironie erzählt. „Erschütterung“ spielt an der Grenze zwischen den USA und Mexiko in einer Fabrik im Nirgendwo, in der junge Frauen für einen Hungerlohn arbeiten müssen. „Die Bäume“ hat mich letztes Jahr umgehauen. In der kleine Stadt Hope (!) in Mississippi werden Rachemorde an weissen Rassisten verübt. Die Stadtbewohner sind stolz auf ihre lange Ahnenreihe beim Ku-Klux-Klan. Als Ermittler werden zwei Polizisten aus der Provinzhauptstadt hergezogen. Beide schwarz. Eine unglaubliche Satire auf die us-amerikanische Gesellschaft, bis hin zu einer Rede von Donald Trump.
Und jetzt also „James“, der in der Kleinstadt von Tom Saywer von Huckleberry Finn spielt. Tante Polly kommt darin vor, Richter Fletcher usw.
Auch hier zieht Everett alle Register. Der Sklave Jim spielt den Dummen, unterhält sich mit den Seinen in einer eigenen Sprache, die alle Sklaven untereinander benutzen, um den Weißen zu zeigen, wie ungebildet alle Sklaven alle sind. Dass Jim allerdings gebildet ist und sein großer Traum die Freiheit ist, muss er für sich behalten. Als er verkauft und von seiner Familie getrennt wird, beschließt er zu fliehen. Mit dabei Huck Finn. So beginnt eine turbulente Abenteuergeschichte, in der er immer wieder mit seiner schwarzen Hautfarbe jonglieren muss. Auch hier rüttelt er an dem politischen System der USA und an den festgesetzten Denkweisen.
Wenn Percival Everett mit „James“ in Deutschland nicht den Durchbruch schafft, dann weiß ich auch nicht.
Lest Percival Everett. Egal was. Aber lest ihn.
________________________________

Freitag, 8.März / Weltfrauentag


Heute haben
Kenneth Grahame * 1859
Heinar Kipphardt * 1922
Walter Jens * 1923
Juri Rytcheu * 1930
Jeffrey Eugenides * 1960
Geburtstag
_______________________________

Robert Frost
A Minor Bird

I have wished a bird would fly away,
And not sing by my house all day;

Have clapped my hands at him from the door
When it seemed as if I could bear no more.

The fault must partly have been in me.
The bird was not to blame for his key.

And of course there must be something wrong
In wanting to silence any song.
______________________________

Unser Buchtipp:


„Good Night Stories for Rebel Girls“
100 junge Frauen, die die Welt voranbringen
Hanser Verlag € 25,00

Band 5 der Bestseller-Reihe „Good Night Stories for Rebel Girls“ stellt mutige und inspirierende Rebellinnen unter 30 vor.

In diesem Band der Rebel Girls-Stories präsentieren die Autorinnen 100 außergewöhnliche Frauen unter 30, die engagiert für eine bessere Welt kämpfen. Wir begegnen bekannten Klimaaktivistinnen wie Lilly Platt und Luisa Neubauer, Prominenten wie Billie Eilish, die sich für Nachhaltigkeit engagiert, oder Model Sara Nuru, die Kleinkredite an äthiopische Frauen vergibt. Zudem gibt es Lebensgeschichten noch unbekannter junger Frauen zu entdecken: die Erfinderin Riya Karumanchi, die einen intelligenten Gehstock für Sehbehinderte entwickelt hat, oder Xóchitl Guadalupe Cruz López, die recycelte Materialien verwendet, um solarbetriebene Warmwasserbereiter für Familien zu bauen. Ganzseitige Porträts ergänzen jede Geschichte – gestaltet von 80 jungen Künstlerinnen unter 30.

Leseprobe
____________________________


Dafür versammeln wir uns am Freitag, den 8. März, um 15.30 Uhr bei den Sedelhöfen.
Wir werden durch die Ulmer Straßen ziehen und uns den Platz nehmen, der uns zusteht. Wir werden laut sein und dafür protestieren, dass sich die Welt für uns zu einem besseren Ort entwickelt. Denn: Weltfrauentag ist feministischer Kampftag! Unter diesem Aufruf möchten wir euch zu unserer Demo einladen.
Bitte beachtet, dass Parteisymbole und Nationalflaggen nicht willkommen sind.
Bei Fragen dürft ihr natürlich jederzeit auf uns zukommen.
Flinta* Kollektiv Ulm
_____________________________

Wolfgang Schukraft schreibt:

Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde!
Das nenne ich Glück! Zwei Produktionen aus unserer „Wundertüte“ stehen auf dem Spielplan und beide sind durchaus beliebt und wir freuen uns mit dem Publikum darüber.
„Frau Einsteins Nobelpreis“ 
und nun auch seit dem 1.März
„Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“

Hier Presse-Zitate über die Premiere
Wie sich Schukraft mit der Figur Leopoldis verbindet und dessen Lieder nuancenreich darzubieten weiß, ist eine Schau. Eine Schau, die man besser nicht verpassen sollte, egal ob man Leopoldi schon kennt oder nicht.
Florian Arnold, Neu-Umer-Zeitung

Der alte Theaterfuchs spielt sein Handwerk gekonnt aus: Er überwienert nicht und setzt den Schmäh in kleinen Dosen ein. … . Der Titel „Ich bin ein unverbesserücher Optimist“ ist denn auch ein doppelbödiger. … Humor mit Widerhaken, ein vielbeklatschter Abend im Kunstverein.
Uli Landthaler, Südwestpresse 

Wir spielen nur noch bis Ende April! Ich würde mich freuen, wenn ich Sie begrüßen drüfte

Freundliche Grüße
Ihr Wolfgang Schukraft

N.B.: Achtung, wir haben an zwei Sonntagen eine Spielplanänderung. Bitte beachten!

Spielplan: (21.4. u. 28.4. geändert!)
Do. 07.03._19 Uhr, Kunstverein/Schuhhaussaal,  Frau Einsteins Nobelpreis 
Frei.08.03._19 Uhr, Kunstverein/Schuhhaussaal, „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“ 
Son. 10.03._19,„Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“ 
Do. 14,03._19 Uhr, Frau Einsteins Nobelpreis
Frei.15.03._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
Son.17.03._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
Do. 21.03._19 Uhr, Frau Einsteins Nobelpreis
Fr.22.03._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
April
Do.11.04 19.01. _19, Uhr Frau Einsteins Nobelpreis
Frei. 12.04._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
So. 14.04._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
Frei. 19.04._19 Uhr Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
Sa, 20.04._19 Uhr, Frau Einsteins Nobelpreis
So.21.04._19 Uhr,  Frau Einsteins Nobelpreis (statt „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist)
Frei. 26.04._19 Uhr, zum letzten Mal: Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
Sa, 27.04. _19 Uhr,  zum letzten Mal: Frau Einsteins Nobelpreis
So., 28.04._19 Uhr  Frau Einsteins Nobelpreis (statt „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“)

Samstag, 17.Februar

Heute haben
Friedrich Maximilian von Klinger * 1792
Georg Weerth * 1822
Isabelle Eberhardt * 1877
Chaim Potok * 1929
Ruth Rendell / Barbara Vine * 1930
Frederik Hetman * 1934
Geburtstag
___________________________________________

Winfried Hermann Bauer
Im Februar

Es ist kalt! –
Nebel hängt zwischen den Bäumen
Und zerreißt meinen Blick auf die Welt
Frostbraune Blätter zittern
Neben Knospen, von Reif umhüllt
Sie lassen nicht los
Nur das Moos leuchtet grün
Zwischen den Eiszungen
Ein Schauer läuft mir über den Rücken –
Von den Zweigen tropft die Zeit…
______________________________

Unser Buchtipp:


Terhi Tokkonen: „Arctic Mirage
Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
Hanser Berlin Verlag € 23,00

Stichworte, wie Krimi, Ehedrama, Gaslightning finden sich in den ersten Besprechungen des finnischen Romans, der zum besten Debüt in Finnland gewählt worden ist.
Dass im Buch gleich zu Beginn erwähnt wird, dass sie ihn umgebracht hat und er mit offenem Blick im Schnee liegt, ist schon mal ein guter Start. Dass wir jedoch am Ende des Buches doch noch erstaunt sind, dass das passiert, ist schon sehr raffiniert von der Autorin eingefädelt. Sie nähert sich sehr geschickt der Tat, bringt ein paar wenige Personen mit ins Spiel, die alle nicht eindeutig zuzuordnen sind.
Mittelpunkt der Handlung ist das Luxus Hotel „Arctic Mirage“. Dort im Schnee, in Lappland, hat sich das Endvierziger-Pärchen für ein paar Tage einquartiert, nachdem sie eine Autounfall auf eisglatter Fahrbahn hatten. So richtig sympatisch sind fast alle Personen im Hotel nicht. Naja, der pensonierte Hausarzt vielleicht. Ansonsten zeigen sie eine große Portion Undurchsichtigkeit.
So langsam kommen wir dann auch zum Stichwort: Gaslightning. Also der Vorgang, wenn eine Person eine nahestehende Person so verunsichert, dass sie nicht mehr weiss, was die Wirklichkeit ist.
Ab diesem Moment nimmt die Geschichte noch mehr Fahrt auf.
Eine winterliches Leseabenteuer aus dem Hohen Norden. Kein Thriller, kein Krimi und doch hochdramatisch und spannend bis zum Ende.
______________________________________

Am 19. Februar 2024 jährt sich zum 4. Mal der extrem rechte und rassistische Anschlag in Hanau, bei dem neun Menschen aus rassistischen Gründen getötet und unzählig weitere Menschen traumatisiert wurden. Die Angehörigen sind neben ihrer Trauer seit dem 19. Februar 2020 damit beschäftigt, die brutalen Morde und die „Kette des Versagens“ an ihren Liebsten aufzuklären, weil zu viele Fragen noch ungeklärt sind.

Die Initiative 19. Februar Hanau lädt dieses Jahr erneut zu bundesweiten Gedenkveranstaltungen ein.
Hiermit laden wir euch am Sonntag, 18.02.24 um 18 Uhr auf den Marktplatz Ulm ein, um gemeinsam an die Toten von Hanau und die unzählig weiteren Opfer extrem rechter Gewalttaten zu gedenken.

Wir freuen uns, wenn ihr uns in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, indem ihr unseren Aufruf und das Sharepic teilt. Darüber hinaus freuen wir uns über Organisationen und Einzelpersonen, die uns bei der Kundgebung unterstützen wollen. Das könnt ihr z.B. tun, wenn ihr Plakate verteilt, auf der Kundgebung selbst Ordner*innen seid oder neben uns einen weiteren Redebeitrag haltet. Meldet euch dafür gerne bei uns. Bringt gerne Kerzen mit, wir werden auch welche zur Verfügung stellen. Parteiflaggen sind nicht willkommen. Im Anhang findet ihr das Sharepic und das Plakat. Falls ihr fertig gedruckte Plakte von uns haben wollt, meldet euch gerne bei uns. Hanau ist überall!

fclr Ulm
Festival contre le racisme Ulm
www.fclr-ulm.de
Facebook: Festival contre le racisme Ulm
Instagram: fclr.ulm

Donnerstag, 1.Februar

Heute haben
Hugo von Hofmannsthal * 1874
Jewgeni Samjatin * 1884
Günter Eich * 1907
Muriel Spark * 1918
Dieter Kühn * 1935
Horst Bosetzky (-ky) * 1938
Monika Felten * 1965
Geburtstag
_______________________________

„Leicht muß man sein:
mit leichtem Herz und leichten Händen,
halten und nehmen, halten und lassen …“
Aus: „Der Rosenkavalier“ von Strauss/Hofmannsthal, 1. Akt
________________________________

Unser Tipp:


Charles Simic: „Im Dunkeln gekritzelt
Gedichte
Aus dem Englischen von Michael Krüger und Wiebke Meier
Mit einem Nachwort von Wiebke Meier
Hanser Verlag € 24,00

Cherry Pie

If it’s true that the devil has his finger
In every pie, he must be waiting
For the night to fall, the darkness to
Thicken in the yard, so we won’t see him
Lick the finger he dipped in your pie,
The one you took out of the oven, my love,
And left to cool by the open window.

Kirschkuchen

Wenn es stimmt, dass der Teufel seine Finger
In jedem Kuchen hat, muss er warten,
Bis es Nacht wird und die Dunkelheit sich
Im Hof staut, so dass wir nicht sehen,
Wie er den Finger ableckt, den er
In deinem Kuchen gesteckt hat, den du
Gerade aus dem Ofen geholt hast, Liebes,
Und am offenen Fenster abkühlen lässt.

Leseprobe

In diesem Sammelband, mit den schönsten Gedichten seiner späten Jahre, zeigt sich Charles Simic als ein genauer Beobachter. Wie ein Flaneur streift er durch die Straßen und Zeiten, sieht Kleinigkeiten, die er unserem Menschsein zuordnet. „Jedes Bild ist ein Universum“, sagte er. Mag es der Kirschkuchen sein, oder ein Farbfleck, seine Gedanken, wenn er wach im Bett liegt. Seine Gedichte sind voller Witz und auch Melancholie, wenn er an sein Geburtsland denkt, das es nicht mehr gibt. Er war ein Chronist unserer / seiner Zeit und ihm wären bestimmt passende Zeilen zu den jetzigen Kriegen und zu unserer Ich-Ich-Gesellschaft eingefallen, die einerseits tröstlich, aber auch aufrüttelnd gewesen wären.
Lassen Sie sich ein wenig Zeit und schauen Sie in die Leseprobe, die zwar mit vielen „leeren“ Seiten beginnt, dann aber doch ein paar Gedichte zeigt.

„Alles wird anders in dem Augenblick, in dem man Mitleid mit einem Menschen oder einer Maus hat, die zitternd in einer Ecke hockt. Plötzlich taucht vor unseren Augen eine andere Welt auf, eine Welt, die schrecklicher, aber zugleich schöner ist.“

Charles Simic, 1938 in Belgrad geboren und 2023 in Dover, New Hampshire, gestorben, kam 1954 in die USA. Er war Professor der Universität New Hampshire, wo er seit 1973 lehrte. Er hat etwa 20 Gedichtbände veröffentlicht, die vielfach ausgezeichnet wurden, u.a. mit dem Pulitzer-Preis. Zuletzt erschienen bei Hanser „Picknick in der Nacht“ (Gedichte, 2016) und „Im Dunkeln gekritzelt“ (Gedichte, 2022).

Samstag, 27.Januar

Heute haben
Lewis Carroll * 1832
Ilja Ehrenburg * 1891
Mordecai Richler * 1931
Ismail Kadaré * 1936
Benjamin von Stuckrad-Barre * 1975
Paolo Cognetti * 1978
Geburtstag.
Heute ist der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
___________________________

„If you don’t know where you are going, any road will get you there.“
Lewis Carroll
___________________________

Passt für einen geruhsamen Sonntagnachmittag:

Alex Capus: „Das kleine Haus am Sonnenhang
Hanser Verlag € 22,00

Es sind die neunziger Jahre in Italien. Alex Capus bezieht ein einsam stehendes Steinhaus am Sonnenhang eines Weinbergs unweit eines kleinen Dorfs. Im Winter schwillt der Fluss derart an, dass der Weg zur Hauptstraße nicht mehr passierbar ist. Im Sommer zirpen die Grillen und die Glühwürmchen leuchten. Capus verbringt viel Zeit in diesem kleinen Idyll, im Sommer mit seiner Freundin, Besitzerin eines gelben Renault 4, und vielen Freunden. Dann werden Schaukelstuhlrennen auf den Terrassen veranstaltet, Schießwettbewerbe mit dem rostigen Luftgewehr und abendliche Gesangsfeste. Nach ihrer Abreise genießt er die Einsamkeit und widmet sich dem Schreiben seines ersten Romans.
Alex Capus schreibt aber nicht einen der vielen Romane über ein Steinhaus in Italien und die lokale Küche und Gebräuche. Er geht einen Schritt weiter und erzählt über sich, über sein Schreiben und was das alles mit seinen vielen Besuchen in der Bar Da Pierluigi zu tun hat. Wie und in welcher Form tauchen Menschen und Episoden und seinen Romanen auf? Was ist eigentlich das wirkliche Leben und was Fiktion? Kann es wirklich sein, dass er fünf Söhne hat? So etwas lesen wir eigentlich nur in Büchern. Warum hieß der Tankwart im Dorf Walther? Er muss zur Zeit der deutschen Besatzung geboren worden ein. Welche Geschichte steckt dahinter?
Capus schreibt auch über ein / sein zufriedenes Leben. Er muss im Sommern nicht von Strand zu Strand hüpfen. Ihm genügt einer – wenn er gut ist. Er isst sich nicht durch alle Pizzasorten, wenn ihm die Pizza Fiorentina (mit ein wenig Knoblauch) gut schmeckt. Was bleibt von unserem Leben, wenn wir mal nicht mehr sind? Welche Spuren hinterlassen wir und welche Gedanken von uns spuken auch in der Zukunft weiter?
Alex Capus hat in seinem autofiktionalem Roman viel über sich preisgegeben und unterhält uns prächtig mit seiner klugen, ruhigen Plauderei. Ein Buch für einen gemütlichen Sonntagnachmittag, zum Weitergeben, Darüberreden und Nochmalslesen.

Donnerstag, 25.Januar


Heute haben
Daniel Casper von Lohenstein * 1635
William Somerset Maugham * 1874
Virginia Woolf * 1882
Eva Zeller * 1923
Silvio Blatter * 1946
Dzevad Karahasan * 1953
David Grossman * 1954
Alessandro Baricco * 1958
Geburtstag
______________________________

Achim von Arnim
Stern

Ich sehe ihn wieder
Den lieblichen Stern.
Er winket hernieder,
Er nahte mir gern;
Er wärmet und funkelt,
Je näher er kömmt,
Die andern verdunkelt,
Die Herzen beklemmt.

Die Haare im Fliegen
Er eilet mir zu,
Das Volk träumt von Siegen,
Ich träume von Ruh‘,
Die andern sich deuten
Die Zukunft daraus,
Vergangene Zeiten
Mir leuchten ins Haus.
_________________________________

Was für ein Zufall.
Ich möchte heute die neuerschienenen Texte von David Grossman hier vorstellen und stelle beim Bloggen fest, dass er heute Geburtstag hat. Gratulation.


David Grossman: „Frieden ist die einzige Option
Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer und Helene Seidler
Hanser € 10,00

„Wie viel Blut muss noch vergossen werden, bis wir einsehen, dass der Frieden unsere einzige Option ist?“ – so David Grossmans Appell bei der Münchner Sicherheitskonferenz.
David Grosman ist als Privatmensch und Autor ein politischer Mensch. Dies sehen wir immer wieder in seinen Romanen und Reden und Texten, die in deutschen Zeitungen veröffentlicht werden.
In „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ verarbeitet er u.a. den Tod seines Sohnes im Libanonkrieg.
Immer wieder warnt er vor der Eskalation von Gewalt. Jetzt, nach dem 7.Oktober, dem „Schwarzen Schabbat“, herrscht wieder Krieg in Gaza und Israel. Grossman setzt sich, trotz des nicht zu rechtfertigenden Massaker der Hamas, für eine Versöhnung ein. Für ein menschenwürdiges Leben in Gaza, für eine Zweistaatenlösung und spricht über die Millionen von Israelis, die gegen die eigene Regierung auf die Straßen gingen.
In diesem Band sind sieben seiner Texte abgedruckt und zeigen ein etwas anderes Bild, als das, was wir in den schnellen Nachrichten im Fernsehen bekommen.
Weitere Informationen über Menschen, die Frieden wollen und keinen Hass findet sich auch hier: https://www.standing-together.org/en, die auch auf Instagram aktiv sind.

Leseprobe
____________________________________

Gestern auf tagesschau.de von Jakob Mayr

Kritik des EU-Rechnungshofs
Kaum weniger Autoabgase – trotz strenger Regeln

Trotz hoch gesteckter EU-Klimaziele und strenger Vorgaben aus Brüssel stoßen die meisten Autos heute noch genauso viele Treibhausgase aus wie vor zwölf Jahren. Die Hoffnung: mehr E-Autos.
Die EU hat den Ausstoß klimaschädlicher Gase über die vergangenen Jahrzehnte in einigen Bereichen deutlich eingedämmt – nur nicht im Verkehr. Der macht weiter rund ein Viertel der EU-Emissionen aus. Ein Großteil davon stammt aus den Auspuffen von Pkw. Daran haben bestehende Vorschriften laut einer Untersuchung des Europäischen Rechnungshofs wenig geändert.
Der Behörde zufolge sind Emissionen neuer Pkw auf den Straßen im Jahrzehnt vor 2020 kaum gesunken. Die Motoren wurden zwar immer leistungsfähiger, aber auch PS-stärker, und die Autos immer schwerer. Die Folge laut der Luxemburger Behörde: Trotz hoch gesteckter Klimaziele und strenger Vorgaben stoßen die meisten Autos im Alltagsbetrieb heute noch genauso viele Treibhausgase aus wie vor zwölf Jahren.

Den kompletten Bericht gibt es hier.

Dienstag, 28.November


Heute haben
William Blake * 1757
Washington Irving * 1859
Alexander Blok * 1880
Stefan Zweig * 1881
Alberto Moravia * 1907
Tomi Ungerer * 1931
Ulrike Schweikert * 1966
Geburtstag
________________________________

Ludwig Uhland
Auf die Reise

Um Mitternacht, auf pfadlos weitem Meer,
Wann alle Lichter längst im Schiff erloschen,
Wann auch am Himmel nirgends glänzt ein Stern,
Dann glüht ein Lämpchen noch auf dem Verdeck,
Ein Docht, vor Windesungestüm verwahrt,
Und hält dem Steuermann die Nadel hell,
Die ihm untrüglich seine Richtung weist.
Ja! wenn wir’s hüten, führt durch jedes Dunkel
Ein Licht uns, stille brennend in der Brust.
___________________________________

Unser Buchtipp:


Niklas Maak (Texte) und Leanne Shapton (Illustrationen): “ Eine Frau und ein Mann“
Hanser Verlag € 26,00


Niklas Maak und Leanne Shapton hatten im Hanser Verlag vor Jahren schon einmal ein gemeinsames Projekt verwirklicht. Damals wanderten sie von der Südspitze Manhattans nach Norden und zwar entlang einer Linie, den sie auf dem Stadplan gezogen haben. Niklas Maak schrieb auf, was er sah und Leanne Shapton malte ihre Eindrücke dazu.
Dieses Mal sind sie nicht zu Fuß unterwegs, sondern mit dem Auto: Sie fahren berühmte Filmszenen nach, in denen eine Frau und Mann im Auto sitzen. Nach einer Einleitung zu ihrem Projekt, beginnen sie mit „Annie Hall“, zu deutsch „Stadtneurotiker“, und wir sind wieder mitten in Manhatten zu Beginn der 70er Jahre. Locker, leicht und im Plauderton erfahren wir viel über Woody Allen, Diane Keaton, New York, die Verwandlung vom deutschen Volkswagen zum hippen Käfer, mit dem die beiden im Film durch die Straßenschluchten fahren. Nach einer Bildbetrachtung ganz anderer Art befinden wir uns in Montana, dort wo „Shining“ spielt. Es folgen noch „Un homme et une femme“, „Viaggio in Italia“ und „Crash“ und können uns treiben lassen, sitzen praktisch auf der Rückbank der beiden, hören Niklas Maak zu und übernehmen die Aquarelle, die Leanne Shapton während des Fahrens gemalt hat.
Da Niklas Maak ein großer Autofan ist, der ein Buch über seinen alten Mercedes geschrieben hat, erfahren wir, neben Kino, Kunst und Architektur auch vieles über diese Kultobjekte und natürlich über das Verhältnis von Frau und Mann im Auto.
Ein vergnügliches Lesebuch mit wunderbaren, -samen Aquarellen der kanadischen Künstlerin, die in New York lebt.

Montag, 6.November

Heute haben
Robert Musil * 1880
Michael Cunningham * 1952
Karin Fossum * 1954
Geburtstag
__________________________

Conrad Ferdinand Meyer
Novembersonne

In den ächzenden Gewinden
Hat die Kelter sich gedreht,
Unter meinen alten Linden
Liegt das Laub hoch aufgeweht.

Dieser Erde Werke rasten,
Schon beginnt die Winterruh –
Sonne, noch mit unverblassten,
Goldnen Strahlen wanderst du!

Ehe sich das Jahr entlaubte,
Gingen, traun, sie müßig nie,
Nun an deinem lichten Haupte
Flammen unbeschäftigt sie.

Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,
Und ein Traubenkoch zuletzt
Bist du nun der freie Ritter,
Der sich auf der Fahrt ergetzt.

Und die Schüler, zu den Bänken
Kehrend, grüßen jubelvoll,
Hingelagert vor den Schenken,
Dich als Musengott Apoll.
______________________________

Unser Sachbuchtipp:


Alice Hasters: „Identitätskrise
Hanser Verlag € 20,00

Mit großer Begeisterung habe ich das neue Buch von Alice Hasters gelesen. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch die Geschichte Deutschlands, der BRD, den Kolonialismus, die Globalisierung und schreibt in vielen Schleifen über Nebensächlichkeiten in den Zeitläuften, die sich für das Verständnis unserer Krisen als sehr wichtig herausstellen.
Zuerst definiert sie das Wort „Identität“ und sieht es als eine lange Erzählung über uns selbst, die sich auch noch Jahren und Jahrzehnten nicht verändert hat. Wenn nun aber verschiedene Erzählungen aufeinanderprallen und das System des kapitalistischen, freien Westens über alles gestülpt wird, heisst es immer wieder seine eigene Erzählung zu überprüfen.
Hasters schreibt in einem nicht wissenschaftlichen Ton, berichtet aus ihrer Kindheit und verknüpft die damaligen Erinnerungen an die Weltgeschichte. So entsteht ein sehr klares Bild unserer diversen Krisen, angefangen mit der Klimakrise, die sich aus unserem Wirtschaftssystem entwickelt hat. Ihre Lösungsvorschläge sind radikal, die Wirklichkeit, die Vergangenheit war jedoch deutlich brutaler und hat sehr viele Menschenleben gekostet und Leid und Elend auf die Welt gebracht.

Leseprobe

Auf NDR finden Sie eine Buchbesprechung und ein Interview mit der Autorin:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Alice-Hasters-Wir-koennen-nicht-so-weitermachen,audio1501704.html
_______________________________________

Morgen Abend stellen wir wieder vier neue Romane vor.
Um 19 Uhr geht es los.
_______________________________________

Samstag, 4.November


Heute haben
Felix Braun * 1885
Klabund * 1890
Gert Ledig * 1921
Judith Herzberg * 1934
Bettina Wegner * 1947
Erich Wolfgang Skwara * 1948
Geburtstag
___________________________________

Selma Meerbaum-Eisinger
Kristall

Ganz still. Und viele welke Blätter liegen
wie braunes Gold, in Sonne eingetaucht.
Der Himmel ist sehr blau,
und weiße Wolken wiegen.
Ein heller Frost den Reif auf Bäume haucht.

Die Tannen stehen frisch und grün,
und ihre Wipfel zeigen in die Luft.
Und rote Buchen schlank und kühn
hör’n auf den Adler, dessen Flug sie ruft,
und steigen immer höher himmelan.
Einsame Bänke stehen dann und wann
und auch ein bißchen Gras, schon halb erfroren –
die Sonne hat’s zu ihrem Liebling auserkoren.

8.12.1940
______________________________

Ende Oktober war Jan Wagner in der vh Ulm und hatte seinen neuen Gedichtband dabei.


Jan Wagner: „Steine & Erden

Hanser Verlag € 22,00

Die neue Gedichten Jan Wagners erzeugen eine Atmosphäre, eine Stimmung, die einzigartig in der deutschsprachigen Lyrikwelt ist. Kleinigkeiten, Nebensächliches, Unscheinbares und am Wegesrand Vergessenes kommt hier zu Tage.
Wer kennt schon einen Lyrikband, der mit einem Gedicht über alte Autoreifen, die irgendwo an einem Bahndamm gestapelt sind, beginnt? In der Leichtigkeit seines Gedichtes entstehen sofort Bilder im Kopf und lassen mich schmunzeln, über die Treffsicherheit seiner Sichtweise.
Arno Schmidts „Kühe in Halbtrauer“ tauchen kurz auf im Gedicht „kühe“:

einmal umschlossen sie, kurz hinter swords,
uns und das auto, zogen mit der würde
einer begräbnisfeier, doch nur halb so schwarz,
an uns vorüber. einmal waren wir herde. …

Im Gedicht „krähenghasele“ lese ich die Zeile „gestenreich wie eine witwe auf sizilien“, wo wir doch gestern Abend mit Germana Fabiano und Ihrem Buch „Mattanza“ genau dort gelandet sind.

Sie merken schon, in Jan Wagners finden wir alles und das, ohne ausschweifend zu werden und uns mit dem Kleinen begnügnen und darin unseren Kosmos wiederfinden.

Schauen Sie einfach mal in die Leseprobe.
_______________________________

Am kommenden Dienstag, den 7.November stellen wir wieder vier neue Bücher vor.
Clemens Grote liest aus:

Toni Morrison: Sehr blaue Augen
Florian Illies: Die Zeit der Stille
Necati Öziri: Vatermal
Lauren Groff: Die weite Wildnis

Beginn: 19 Uhr
Eintritt: frei

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Montag, 21.August

Heute haben
Emilio Salgari * 1862
Mary M.Kaye * 1908
Ali Mitgutsch * 1935
Geburtstag
______________________________

„Seit ich nicht mehr rauche, huste ich, aber das ist kein rechter Ersatz.“
Wolfgang Hildesheimer (9.12.19076 – 21.8.1991)

______________________________

Unser Buchtipp:


Richard Ford: „Valentinstag“
Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert
Hanser Verlag € 28,00
Original „Be Mine“ € 22,00

Richard Ford hat seine berühmteste Figur Frank Bascombe wieder ausgepackt.
Bascombe ist mittlerweile Mitte 70. Er war u.a. Sportreporter, Immobilienverkäufer, wie wir es in den Romanen nachlesen können. Sein erster Sohn ist früh gestorben, seine erste Frau ist tot, seine zweite irgendwo auf der Welt, um Gutes zu tun und sein zweiter Sohn ist mit 47 Jahren sterbenskrank mit ALS.
Dem Vater bleibt nicht mehr viel Zeit, um sich mit seinem schon schwer eingeschränkten Sohn auszusprechen. Das wird ihnen auch nicht gelingen. Sie reden zwar miteinander, aber nicht über sich, sondern über Banales. Und trotzdem überrascht Franks Fürsorge für seinen Sohn, der oft sehr ruppig zu ihm ist.
Es ist Valentinstag und tiefster Winter, als Frank seinen Sohn dazu überredet mit ihm und einem gemieteten alten Wohnmobil ein paar Tage bis zum Mount Rushmore zu fahren.
Diese Fahrt durch die amerikanische Provinz, die Aufeinandertreffen mit den verschiedensten Menschen, die Gespräche der beiden Männer, haben in ihrer Besonderheit und Banaliät etwas Humoriges. Immer wieder scheint während dieser letzten Fahrt, im Angesicht des baldigen Todes des Sohnes, eine große Liebe durch, die verbunden ist mit dem Schmerz der Verluste, die Frank Bascombe in seinem Leben erlitten hat.
Und all dies schreibt Richard Ford mit einer großen Lässigkeit und zeigt, dass er ein genauer Beobachter und großer Schriftsteller ist.

Leseprobe