Donnerstag, 3.Dezember


Andreas Gryphius

Der schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn /
Und führt die Sternen auff. Der Menschen müde Scharen
Verlassen feld und werck / Wo Thier und Vögel waren
Trawert itzt die Einsamkeit. Wie ist die zeit verthan!

Der port naht mehr und mehr sich / zu der glieder Kahn.
Gleich wie diß licht verfiel / so wird in wenig Jahren
Ich / du / und was man hat / und was man siht / hinfahren.
Diß Leben kömmt mir vor alß eine renne bahn.

Laß höchster Gott mich doch nicht auff dem Lauffplatz gleiten
Laß mich nicht ach / nicht pracht / nicht lust / nicht angst verleiten.
Dein ewig heller glantz sei vor und neben mir /

Laß / wenn der müde Leib entschläfft / die Seele wachen /
Und wenn der letzte Tag wird mit mir abend machen /
So reiß mich auß dem thal der Finsterniß zu dir.
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Das dritte Rätsel wartet auf seine Auflösung.

Aus welchem Roman(zyklus) stammen diese ersten Zeilen?


Wenn Sie die Lösung wissen und Lust haben, dann auf der Kommentarfunktion die richtige Antwort eingeben.

Danke und viel Vergnügen.
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Unser Jahresrückblick:

Im März hatten wir einen ausergewöhnlichen Hörtipp.
Aber nur im ersten Moment. Danach ist es einfach schöne Musik.

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Marie-Claude Chappuis – Au Coeur des Alpes (Volkslieder der Schweiz)
Marie-Claude Chappuis, Luca Pianca, Duilio Galfetti, Marco Frezzato, Liana Mosca, Choeur des Armaiilis de la Gruyere
SONY CD € 18,99

Musik aus den Schweizer Bergen. Da wird doch sicherlich gejodelt?
Na klar. Auch das. Und Alphörnen sind auch dabei und Hörner und Mandolinen. Marie-Claude Chappuis singt in verschiedenen Sprachen, glockhell und ergreifend schön. Wenn Sie die Mezzosopranistin live sehen wollen, dann müssen Sie schon nach London. Dort singt sie die Dido in Purcells Oper.
Chappuis wird von verschiedenen Freunden begleitet und ein handfester Männerchor darf auch nicht fehlen. So sind dies zwar Schweizer Volkslieder aus den verschiedensten Regionen, aber meilenweit entfernt von jeglicher Volkstümelei.
Die Musik tut so gut und wenn das letzte Lied (ein Gute-Nacht-Lied in deutscher Sprache) verklungen ist, fühlt man sich richtig erholt.

Freitag, 2.Oktober

Heute haben
Andreas Gryphius * 1616
Graham Greene * 1904
Helga Schütz * 1937
Anna Mitgutsch * 1948
Lisa St.Aubin de Terán * 1953
Geburtstag
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Andreas Gryphius
Morgen Sonnet

Die ewig helle schar wil nun jhr licht verschlissen/
Diane steht erblaßt; die Morgenrötte lacht
Den grawen Himmel an/ der sanffte Wind erwacht/
Vnd reitzt das Federvolck/ den newen Tag zu grüssen.
Das leben dieser welt/ eilt schon die welt zu küssen/
Vnd steckt sein Haupt empor/ man siht der Stralẽ pracht
Nun blinckern auf der See: O dreymal höchste Macht
Erleuchte den/ der sich jtzt beugt vor deinen Füssen.
Vertreib die dicke Nacht/ die meine Seel vmbgibt/
Die Schmertzen Finsternüß die Hertz vnd geist betrübt/
Erquicke mein gemüt/ vnd stärcke mein vertrawen.
Gib/ daß ich diesen Tag/ in deinem dinst allein
Zubring; vnd wenn mein End‘ vnd jener Tag bricht ein
Daß ich dich meine Sonn/ mein Licht mög ewig schawen.
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Heute erscheint die neue Kraan-Scheibe:

KRAAN: Sandglass
36music / Broken Silence
Erscheint am 2. Oktober 2020 (CD / LP / digital)

  1. SANDGLASS 4:19 (Hattler)
  2. FUNKY BLUE 2:47 (Wolbrandt)
  3. SOLITUDE 4:01 (Hattler)
  4. GLEIS 10 4:58 (Wolbrandt)
  5. PICK PEAT 5:44 (Hattler)
  6. PATH 4:35 (Hattler)
  7. SCHÖNER WIRD’S NICHT 2:20 (Fride/Wolbrandt)
  8. DAS MEER 2:39 (Wolbrandt)
  9. HALLO KANTE 4:57 (Wolbrandt)
  10. MOONSHINE ON SUNFLOWERS 3:10 (Fride/Hattler/Wolbrandt)
  11. BUDENZAUBER 4:03 (Wolbrandt)
  12. RESCUE 3:12 (Wolbrandt)
  13. HIPPIE JAM 3:12 (Hattler)

    Total playing time: 50:15 min.
    All tracks edited, mixed and mastered by Juergen Schlachter at 36music Studio, Leipheim,
    Germany

    Peter Wolbrandt: Guitars, synths, vocals
    Jan Fride: Drums, percussion
    Hellmut Hattler: Basses, vocals
    Martin Kasper: Keys on „Sandglass“, „Solitude“, „Path“ and „Hippie Jam“, supporting vocals
    on „Solitude“ and „Path“; Shirley Fischer: Flute on „Sandglass“; Joo Kraus: Horns and
    Wurlitzer Piano on „Pick Peat“; Juergen Schlachter: Tambourine on „Solitude“; Ingo Bischof:
    Keys on „Moonshine On Sunflowers“

    Front cover logo and back cover painting by Peter Wolbrandt

Solitude“ als Hörprobe.

Gibt es intelligente Töne? Kluge Melodien? Scharfsinnige Beats?

Wer KRAAN kennt und wer das neue Album „Sandglass“ mit wachen Ohren hört, wird dies bestätigen können. Drei hochmusikalische Könner ihres Fachs zelebrieren ebenso lässig wie konzise, gleichermaßen geschichts- wie selbstbewusst und souverän über die eigenen Stärken verfügend eine komplexe und doch entspannte Musik, die aus der Zeit gefallen zu sein scheint und doch tatsächlich zeitlos ist.

In Reinkultur und erneuter Verfeinerung spielen die drei Kraaniche ihre ureigene Form des melodischen Jazzrocks mit dem Markenzeichen „KRAAN-Stil“, für den es weithin keine klangliche Entsprechung gibt.

Auf dem neuen Album sind Melodiebögen von purer Schönheit, subtiler Melancholie und kompositorischer Gestaltungsfähigkeit zu bewundern. Originelle harmonische Wendungen und eine trickreiche Rhythmisierung veredeln die 13 Titel in einer Weise, die man von KRAAN zwar im Grunde schon lange kennt, die doch nun in neuer Anmutung mit erstaunlich viel Popappeal daherkommt.

Sieben der dreizehn Titel sind Songs, also mit gesungenen Texten, wobei die Gesangsstimme wie ein weiteres Instrument ins Arrangement eingebunden wird.

Auffällig im neuen KRAAN-Werk ist eine ihrer bekannten Qualitäten, die nun noch brillanter in Erscheinung tritt: Die Meister des Offbeats erzeugen mit vorgezogenen Betonungen und spannungsvollen Akzenten zwischen den Grundschlägen ein polyrhythmisches, pulsierend-vibrierendes Gewebe, das ihre Musik in einer Weise vitalisierend grooven und swingen lässt als würden drei Kraniche im Liebesrausch ihre Balztänze hüpfend auf einem Trampolin wie ein mitreißendes Leidenschafts-Ritual aufführen (wenn man mir diese etwas verwegene Metapher erlaubt).

Vor 10 Jahren erschien in gleicher Triobesetzung das letzte Studiowerk von KRAAN „Diamonds“. In den Jahren danach folgten zwei Live-Alben: „The Trio Years“ von 2018 und „The Trio Years – Zugabe“ von 2019.

Nun endlich, ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung des letzten Studioalbums und 50 Jahre nach der KRAAN-Gründung, kommen die Welt des Pop und die KRAAN-Fans im Besonderen in den Genuss neuer, bedeutsamer KRAAN-Musik. Das Warten hat sich also gelohnt. Wird es eine Fortsetzung geben? Das Leitmotiv des Albums lässt da Zweifel aufkommen: „See the time pass – There’s a crack in the sandglass“.

Zu den Aufnahmen:
Die verstreichende Zeit, die kostbare Lebenszeit, die ja nicht vermehrbar ist, sondern höchstens im Erleben zu intensivieren, das scheint das durchgängige Leitmotiv des Albums zu sein.

Hellmut Hattler: „Die Arbeit an diesem Album ist in der Zeit des lockdowns entstanden; jeder hat den jeweils anderen Kraanichen seine Files geschickt, und da alle ans Haus gefesselt waren und Zeit hatten, ging der Ideenaustausch ziemlich flott vonstatten und alle waren froh, diesem gespenstischen Zuhause-bleiben eine auf- und anregende, ja, leicht magische Arbeit entgegenstemmen zu können.“

Hellmut Hattlers Albumtitel sind überwiegend in dieser Zeit entstanden.

Peter Wolbrandt hatte den Großteil seiner sieben neuen Stücke bereits in der Schublade liegen. Seine Titel mussten nur noch von den beiden Kraan-Freunden ergänzt und fertig gestellt werden. Er spielt seine Gitarrensoli mit dringlichem Gespür und immer mit dem Wissen um die reichen Schatzkammern der großen Gitarreros der Rockgeschichte im Hinterkopf. Zu den besonderen Soundfinessen, fantasievollen Klangräumen und attraktiven Arrangementdetails des Albums tragen auch seine ornamentale Synthesizer-Einspielungen bei.

Zum ersten Mal bei KRAAN übernimmt Hellmut Hattler die Leadstimme gleich bei drei Titeln, die er auch selbst geschrieben hat. Es sind sehr persönliche Texte, also drängt es sich geradezu auf, dass er diese, seine persönlichen Gedanken auch selbst mit seiner Stimme mitteilt – auch wenn seine Gesangsstimme sicher nicht sein bevorzugtes Ausdrucksmittel ist. Sein unverkennbarer Basston, sein virtuoses, immer melodiebetontes und ungemein intelligentes Bass-Spiel dominiert den KRAAN -Sound vor allem bei seinen fünf Eigenkompositionen des Albums.

Auch der im Januar 2019 verstorbene langjährige KRAAN-Keyboarder Ingo Bischof ist im Album präsent. Hellmut Hattler: „ich habe in meinem digitalen Schallarchiv noch ein paar Keyboard-files von Ingo gefunden, da er ja früher, bevor er krank wurde, mit seinen Klängen viele meiner Kompositionen angereichert hatte – und die Akkorde bei „Moonshine On Sunflowers“ sind nun sozusagen sein aktueller Beitrag aus dem Jenseits (vielleicht zur Abrundung unserer langjährigen KRAAN-Freundschaft oder wie immer man so einen Vorgang nennen möchte…)“.

Anspieltipps:


1. Sandglass

Schon das Titelstück startet mit einer verwirrend uneindeutigen Rhythmik im Sinne von: „Wo bitte ist die Eins?“ Das clever punktierte Riffmotiv zum Einstieg lässt die klare Taktzuordnung ebenso offen wie der später einsetzende, akkordisch gespielte Bass und das vor Offbeat-Betonungen nur so strotzende Schlagzeug. Erst mit dem Gesangseinsatz verläuft die Rhythmusstruktur im nachzählbaren Achtelmetrum. Was für ein vorzüglicher, raffiniert gebauter Auftakt des Albums!

Wie der Schlagzeuger Jan Fride im Instrumentalteil des Openers „Sandglass“ den Takt verschleiert durch unkonventionelle Schlagfolgen und verblüffende Betonungen außer der Reihe und doch in einem stimmigen pulsierenden Rhythmus-System (ab 2:23 bis 3:01), das zeugt von außergewöhnlichem Rhythmusverständnis, superber Technik und inhaltlicher Kompetenz.

3. Solitude

Zum Thema Einsamkeit würde man eher eine melancholische Ballade erwarten. Doch Hellmut Hattlers musikalische Umsetzung des Themas ist rhythmisch packend und beginnt mit einem energisch intonierten und akkordisch gesetzten Bass-Akzent. Peter Wolbrandts singendes, hoch melodisches Solo in „Solitude“ kann als Referenzbeispiel für ein absolut gelungenes, das Leitmotiv bereichernd ausdeutendes Gitarrensolo gelten. Und die fast poppige Refrainmelodie klingt eher forsch und positiv als klagend oder deprimiert. „Solitude“ beschreibt gleichermaßen die Einsamkeit eines isolierten Patienten in der Intensivstation und die coronabedingte Abgeschiedenheit in der Isolation der Quarantäne. Dennoch formuliert der Refrain fast trotzig: „Solitude can’t bring me down“.

5. Pick Peat

Großartiger Instrumentaltitel, komponiert von Hellmut Hattler mit dem Trompeter Joo Kraus, als Kreator der Horn Section.

6. Path

„Gelassenheit in Tönen“ so könnte eine Charakterisierung des Songs „Path“ lauten, in dem Hellmut Hattler sein Textmotiv aus „Sandglass“ erneut aufgreift: Die Irritation, wenn Zukunftsperspektiven ins Schwanken geraten, weil der eingeplante Weg plötzlich verbarrikadiert zu sein scheint. So klug wie der Text ist hier tatsächlich auch die Melodieführung des Songs. Die instrumentale Hauptmelodie ist wunderbar gefühlvoll geschwungen und lebt von einem tiefen Sentiment, das die Balance zwischen Melancholie und Hoffnung zu halten sucht. Auch die Gesangsmelodie orientiert sich am dynamisch rhythmisierten Sprechgesang aus „Sandglass“. Daneben gibt es noch zwei Melodievarianten oder Nebenthemen, die mal von der Gitarre, mal von den Keyboards, gespielt von Martin Kasper, getragen werden. Dieser Song „Path“, eine Komposition von Gewicht, steht exemplarisch für den Weg, den das gesamte Album im Blick hat.

7. Schöner wird’s nicht

Jan Fride erweist sich im neuen KRAAN-Album wieder als ein exzellenter Schlagzeuger, der keine mathematisch berechneten Patterns perfektioniert, sondern organisch-musikalisch, „geradezu harmonisch“ spielt (Hellmut Hattler). Seine Komposition „Schöner wird’s nicht“, gemeinsam geschrieben mit seinem Bruder Peter Wolbrandt, ist ein perkussives Lehrstück für die spielerische Wandlungsfähigkeit und tänzelnde Lebendigkeit eines weltoffenen, Stilgrenzen überschreitenden Schlagwerks. Im rein perkussiven, conga-dominierten Mittelteil (ab 1:08) lassen Afrobeat und Latinrock à la Santana freundlich grüßen.

8. Das Meer

In Peter Wolbrandts beatle-esken Song „Das Meer“ klingt im Refrain die „Mind Games“-Melodie von John Lennon an und George Harrisons Songjuwel „Something“ aus dem „Abbey Road“-Album scheint angedeutet. Und doch, trotz pophistorischer Anklänge ist dieses gravitätisch schreitende Reflektionslied „Das Meer“ eine originäre Songkomposition von Peter Wolbrandt. Es ist übrigens der einzige deutschsprachige Song des Albums („Ich starre auf das Meer und wünsch mir etwas mehr Gelassenheit in dieser öden Zeit. Möwen ziehen dahin, bin froh, dass ich hier bin am weißen Strand – und ich seh’, es tut weh, doch es ist vorbei.“)

12. Rescue
In Peter Wolbrandts Songkomposition „Rescue“ finden sich kleine Reminiszenzen an große Momente der Pophistorie: Die melodisch umspielenden Gitarrenfiguren erinnern die an typische Phrasierungen von Jimi Hendrix, wobei der Song letztlich in seiner raffinierten Harmonik und sorgfältigen, vielgestaltigen Gitarrenarbeit ganz und gar als Wolbrandt/Kraan-Original zu gelten hat.

Text von Volker Rebell.

Dienstag, 26.November

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Heute haben
Georg Forster * 1754
Franz Jung * 1888
Eugène Ionesco * 1909
und Charles M.Schulz * 1922
Geburtstag
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Andreas Gryphius
Ebenbild unseres Lebens

Auf das gewöhnliche Königs-Spiel

Der Mensch das Spiel der Zeit / spielt weil er allhie lebt.
Im Schau-Platz diser Welt; er sitzt / und doch nicht feste.
Der steigt und jener fällt / der suchte der Paläste /
Vnd der ein schlechtes Dach / der herrscht und jener webt.

Was gestern war ist hin / was itzt das Glück erhebt;
Wird morgen untergehn / die vorhin grüne Aeste
Sind numehr dürr und todt / wir Armen sind nur Gäste
Ob den ein scharffes Schwerdt an zarter Seide schwebt.

Wir sind zwar gleich am Fleisch / doch nicht von gleichem Stande
Der trägt ein Purpur-Kleid / und jener grabt im Sande /
Biß nach entraubtem Schmuck / der Tod uns gleiche macht.

Spilt denn diß ernste Spil: weil es die Zeit noch leidet /
Vnd lernt: daß wenn man von Pancket des Lebens scheidet:
Kron / Weißheit / Stärck und Gut / bleib ein geborgter Pracht.
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Katharina Hacker: „Darf ich dir das Sie anbieten?“

Minutenessays
Berenberg Verlag € 19,00

Das ist ein Buch für Leute, die gerne lesen:
es geht um Sprache.
Das ist ein Buch für Leute, die nicht gerne lesen:
die Texte sind sehr kurz.
Das ist ein Buch für Leute, die gern schreiben:
da ist genug Platz.
Das ist ein Buch für Leute, die nicht gern schreiben:
steht schon was drin.

Katharina Hackers neues Buch ist ein Notizbuch in kleinem Format. Passend für die Manteltasche, damit man es überall mitnehmen kann. Es ist ein Notizbuch von ihr, aber es birgt auch viel freien Raum für eigene Gedanken. Katharina Hacker schreibt über Alltäglichkeiten, die plötzlich kippen und aus eventuell Banalem wird ein Gedankenstrom in unserem eigenen Hirn.
Sie zitiert ihre eigenen Heiligen, wie zB. Martin Buber und Thomas von Aquin, lässt aber weiten Raum für Betrachtungen über Familie, die Kuscheliere der eigenen Kinder, über Liebe und Tod. Und halt über das Leben. Ihr Leben. Unser Leben.

Leseprobe
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Mittwoch, 27. November 2019, 19 Uhr,
Kulturbuchhandlung Jastram
Eintritt € 8,00

Wortreich

Von Auslöschern und Geistesmenschen
Eine Exkursiuon in Thomas Bernhardts Welt

Einst erregten seine Werke die Gemüter so heftig wie kaum die eines anderen deutschsprachigen Dichters nach 1945. Ihre Auslieferung wurde gerichtlich untersagt, sie lösten Skandale aus, Politiker ergingen sich in Beschimpfungen und Verdammungen des Autors. Mittlerweile ist der einst Geschmähte so etwas wie ein österreichischer Nationalheiliger. Dieses posthume Schicksal teilt er mit vielen anderen zu Lebzeiten Miss- oder Unverstandenen. Und der Reiz seiner Werke wirkt unvermindert, sie sind mittlerweile in 27 Sprachen übersetzt, die Sekundärliteratur über den Autor füllt zig Regalmeter, und an den Theatern weltweit werden längst nicht mehr nur seine Stücke gespielt, sondern auch Romane und Erzählungen für die Bühne adaptiert. Anlässlich der Inszenierung von „Alte Meister“ im Museum Ulm und der kunsthalle weishaupt begeben sich Christel Mayr, Markus Hottgenroth und Christian Katzschmann auf eine Exkursion ins Bernhardsche literarische Universum.