Freitag, 14.September

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Heute haben
Theodor Storm * 1817
Michel Butor * 1926
Ivan Klima * 1931
Eckhard Henscheid * 1941
Uli Becker * 1953
Geburtstag
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Theodor Storm
Gern schließ ich einmal meine Türen

Gern schließ ich einmal meine Türen,
Um auf des Nachbars Grund zu gehn;
Doch muß ich deutlich dort verspüren
Den Duft des Kräutleins »Gerngesehn«.
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Lucas Harari:Der Magnet
Aus dem Französischen von Christoph Schuler
Handgelettering von Michael Hau
Edition Moderne € 32,00

Vals in der Schweiz, das berühmte Bad, die Farbe Blau, der Architekt Zumthor, das alles lässt Bilder im Kopf entstehen, auch wenn man noch nicht dort gewesen ist.  So geht es auch dem Architekturstudenten in dieser großformatigen Graphic Novel, der von diesem Ort magisch angezogen wird. Normalerweise geht es dann zum Baden und Entspannen, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Hier entwickelt sich das ruhige Buch zu einem Gebirgsthriller und taucht ein in ein dunkles Geheimnis hinter dem Designerbecken.

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Dienstag, 14.November

Heute haben
Claude Monet * 1895
und Astrid Lindgren * 1907
Geburtstag.
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Paul Boldt
In der Welt

Ich lasse mein Gesicht auf Sterne fallen,
Die wie getroffen auseinander hinken.
Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen,
Ins Blaumeer, daraus meine Blicke winken.

Mein Ich ist fort. Es macht die Sternenreise.
Das ist nicht Ich, wovon die Kleider scheinen.
Die Tage sterben weg, die weißen Greise.
Ichlose Nerven sind voll Furcht und weinen.
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Keaton Henson:Gloaming
Luftschacht Verlag € 23

„Ich habe meine Kindheit alleine verbracht, mit dem Ausblick auf Dächer und Schornsteine, und habe mich gefragt, wo all die Kreaturen aus meinen Märchenbüchern waren, warum ich sie nicht in der Vorstadtlandschaft sehen konnte, wo sie doch eindeutig hingehörten. Nun, da ich erwachsen bin, lässt mich diese Idee nicht los, und im Laufe eines Jahres in Abgeschiedenheit beschloss ich, dass meine Heimatstadt Monster bräuchte. Das Ergebnis ist dieses Buch. Es zeigt, wo ich lebe, was ich sehe, und wie ich mir wünsche, dass es sein könnte. Ich nenne es Gloaming.“
Keaton Henson

Es ist schon sehr verstörend, was mir da entgegenkommt. Diese Graphic Novel, in schwarzweiss gezeichnet, erinnert an englische Gespenstergeschichten, Kindheitsphantasien, Erwachsenenängste, japanische Comics und immer wieder zeigt sich eine warme Geborgenheit, die zuerst gar nicht zu vermuten ist.
Der englische Maler, Musiker und Poet erzählt eine melancholische Geschichte ohne Worte. Er schafft sich eine eigene Welt, die er selbst Gloaming nennt. Er zeichnet Kreaturen, die in Stadtlandschaften und Vorstädten herumschleichen, in Wohnungen eindringen. Irgendwie auf der Suche nach … Ja nach was? Geborgenheit? Dazuzugehören?
Ich blättere vor, dann wieder zurück, bleibe bei bestimmten Bildern hängen. Nehme den Schutzumschlag ab und schaue auf deren Innenseite, die auch bedruckt ist. Nichts ist dem Zufall überlassen. Alles hängt zusammen. Ein eigene Szenerie, die so fremd ist und doch gleich um die Ecke auftauchen könnte.

Draußen ist alles weiß verreift, zwischen den Bäumen ist es noch dunkel.
Vielleicht …., wenn wir genau hinschauen …?

In der „Tiny Desk“ Serie können wir Keaton Henson als Sänger und Musiker zuhören.

Freitag, 8.September

Heute haben
Eduard Mörike * 1804
Frédéric Mistral * 1830
Alfred Jarry * 1873
Michael Frayn * 1933
Helga Novak * 1935
Matt Ruff * 1965
Geburtstag.
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Eduard Mörike
An den Schlaf

Schlaf! süßer Schlaf! obwohl dem Tod wie du nichts gleicht,
Auf diesem Lager doch willkommen heiß ich dich!
Denn ohne Leben so, wie lieblich lebt es sich!
So weit vom Sterben, ach, wie stirbt es sich so leicht!
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Gion Capeder: „Superman
Edition Moderne € 28,00

In seiner neuen Arbeit bleibt sich der Schweizer Zeichner und Autor in seiner Art gleich. Klare Zeichnungen mit reduzierten Farben und wenig Personal. Manchmal erinnert es an ein Drehbuch für einen Film, hat Anklänge an eine sehr intensive Erzählung, oder wäre bestens geeignet für einen dicken Roman, in dem dieses Psychodrama detailliert ausgearbeitet wird. Hier kommt er mit wenigen Worten aus und denken uns das, was Chris bewegt.

Bei Chris scheint beruflich und familiär alles in bester Ordnung. Er wird von seinen Freunden geschätzt, im Geschäft wird er befördert, seine Frau liebt ihn und er kümmert sich rührend um seine kleine Tochter. Doch hinter der gutbürgerlichen Fassade herrscht das Chaos. Chris verliert die Kontrolle über seine Sex- und Gewalteskapaden, der Superman entpuppt sich als wandelnde Zeitbombe.

Dies schreibt der Verlag und wir blättern eifrig durch diese Graphic Novel, weil wir wissen wollen, wie diese Geschichte zu Ende geht. Chris ist sich seiner Situation bewusst, aber er schafft es nicht, sich selbst aus dem Strudel zu retten. Er muss funktionieren, so meint er. Er muss den Superman spielen, sonst fällt er durch das Getriebe, sagt er seiner Frau. Gleichzeit merkt er, dass ihm alles zu viel wird, dass er sich immer weiter verstrickt und keinen Horizont für sich mehr sieht.

Diese Situation fängt Gion Capeder perfekt ein und zeigt, wie ein Mensch offensichtlich grundlos allmählich ausser Kontrolle geraten kann. So lassen sich vielleicht Meldungen in den Zeitungen besser verstehen, wenn wir über unverständliche Gewalttaten lesen.