Freitag, 29.Juli

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Meine Reise ist vorbei und statt im Süden bin ich in Ostfriesland gelandet

Heute haben
Simon Dach * 1605
August Stramm * 1874
Chester Himes * 1909
Harry Mulisch * 1927
Sten Nadolny * 1942
Geburtstag.
Aber auch Ulrich Tukur, Mikis Theodorakis und Dag Hammarskjöld.
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Der Juli ist noch nicht ganz rum und wir stellen Ihnen heute schon das August-Heftle aus dem Reclam Verlag vor, damit Sie es noch rechtzeitig mitnehmen können.

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August
Gedichte
Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
78 Seiten, Reclam Verlag € 5,00

Es dürften fast 70 Gedichte sein, die sich in diesem Büchlein befinden. Sie machen uns den August zugänglicher, gilt er doch als der Sommermonat. Allerdings kippelt meist in den letzten Wochen das Wetter vom Sommer zum Herbst. Die Ernten werden eingefahren und die Landschaft verändert sich.
Denken wir noch nicht daran, genießen wir die heissen Tage und warmen Nächte.
U.a. finden wir Erich Kästner,Ernst Jandl, Gottfried Benn, Eugen Roth, Nicolas Born, Günter Grass, Joachim Ringelnatz, Novalis und natürlich die üblichen Verdächtigen, wie Erich Fried, Robert Gernhardt, Enzensberger und Eichendorff, Hesse und Jandl. Aber, ach, oh Wunder kein Goethe. Gut, dass der nicht in allen Lyrikanthologien auftaucht.

Joseph Freiherr von Eichendorff
Treue

Wenn schon alle Vögel schweigen
In des Sommers schwülem Drang,
Sieht man, Lerche, dich noch steigen
Himmelwärts mit frischem Klang.

Wenn die Bäume all verzagen
Und die Farben rings verblühn,
Tannbaum, deine Kronen ragen
Aus der Öde ewiggrün.

Darum halt nur fest die Treue,
Wird die Welt auch alt und bang,
Brich den Frühling an aufs neue,
Wunder tut ein rechter Klang!

Christian Morgenstern
Hochsommernacht

Es ist schon etwas, so zu liegen,
im Aug der Allnacht bunten Plan,
so durch den Weltraum hinzufliegen
auf seiner Erde dunklem Kahn!

Die Grillen eifern mit den Quellen,
die murmelnd durch die Matten ziehn;
und droben wandern die Gesellen
in unerhörten Harmonien.

Und neben sich ein Kind zu spüren,
das sich an deine Schulter drängt,
und ihr im Kuß das Haar zu rühren,
das über hundert Sterne hängt …

Es ist schon etwas, so zu reisen
im Angesicht der Ewigkeit,
auf seinem Wandler hinzukreisen,
so unaussprechlich eins zu zweit …

Und noch ein Morgenstern-Gedicht, da wir doch gerade ein paar Tage auf Usedom waren, direkt dort, wo die goldene Stadt Vineta versunken ist.

Ein einunddreissigster August

Das war der letzte leuchtende August:
Der Sommer gipfelte in diesem Tage.
Und Glück erklang wie eine Seegrundsage
in den Vinetatiefen unsrer Brust.

Ein leises fernes Läuten kam gegangen –
und welche wollten selbst die Türme sehn,
in denen unsres Glückes Glocken schwangen:
so klar liess Flut und Himmel sie verstehn.

Der Tag versank. Mit ihm Vinetas Stunde.
Septembrisch ward die Welt, das Herz, das Glück.
Ein Rausch nur wie von Tönen blieb zurück
und schwärmt noch über dem verschwiegnen Grunde.

Theodor Storm
August

Die verehrlichen Jungen, welche heuer
Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,
Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen
Wo möglich insoweit sich zu beschränken,
Dass sie daneben auf den Beeten
Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.
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Im ersten Dienstag im August stellen wir wieder vier neue Bücher vor.
Diesmal mit dabei:

Margriet deMoor: Schlaflose Nacht
Bachtyar Ali: Der letzte Granatapfel
Jami Attenberg: Saint Mazie
Sarah Blackwell: Das Café der Existenzialisten
Freiheit, Sein und Aprikosencocktails

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Es liest Clemens Grote, der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 14.Juli

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Heute haben
Issac B.Singer * 1904
Natalia Ginzburg * 1916
Polina Daschkowa * 1960
Geburtstag.
Aber auch Gustav Klimt, Ingmar Bergman und Lino Ventura.
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Bachtyar Ali:Der letzte Granatapfel
Originaltitel: Dwahamin Hanari Dunya
Aus dem Kurdischen (Sorani) von Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim
Unionsverlag  € 22,00

Aufmerksam auf dieses Buch bin ich durch einen euphorischen Bericht in der Süddeutschen Zeitung geworden. Zeit für die Lektüre habe ich mir danach aber nicht genommen. Erst als klar war, das Bachtyar Ali und sein Verleger Lucien Leitess im Rahmen der Cafe Beirut Veranstaltungsreihe nach Neu-Ulm in die Steinwerkstatt Vogel kommen, schnappte ich mir das Buch und war während des Lesens entrückt von dieser Welt.

Bachtyar Ali stammt aus dem Nordirak, hat dort schon einige Bücher veröffentlicht und ist dort einer wichtigsten Autoren. Vom Erlös seiner Bücher kann er hier sein Leben in Deutschland, das er seit fast 20 Jahren führt, mitfinanzieren. Mit dem Granatapfel-Buch hat er sich für mich ganz weit nach oben in der privaten Bestenliste geschrieben. Verstanden habe ich nicht alles, gebe jedoch meinen Kunden den Tipp auf den Weg: Einfach weiterlesen. Es ist ein Genuß, eine Offenbarung, etwas ganz Besonderes, sehr Spezielles. Ali vermischt Hochaktuelles aus den Kriegen, den Kämpfen in und um den Irak mit Märchenhaftem, einem orientalischen magischen Realismus. Was geschieht mit den Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten zwischen den Fronten der Regierungstruppen und denen der Revolutionären stehen? Wie verändern sich Soldaten, die kein anderes Leben kennen, als zu kämpfen und zu töten?

Nicht daß Sie nun meinen, daß es sich in dem Roman um eine Wiedergabe von Gräueltaten handelt. Ali schreibt über die Menschen, die damit leben müssen. Wie kann ich noch ehrlich und erhobenen Hauptes durch den Tag gehen, wenn ich überall den Schrecken sehe? Ist es nicht so, daß jeder Mensch verschedene Seite in sich hat und daß im Laufe eines Lebens sich Personen verändern, die Fronten und Ansichten wechseln? Dies erzählt Ali in einer sehr einfühlsamen Sprache, die fast schon ins Märchenhafte kippt, jedoch jeglichen Kitsch vermeidet. Der Autor versteht es seine Sprache sehr fein und nuanciert einzusetzen, Vergleiche und Bilder zu schaffen, die sich beim Lesen sofort einprägen. Bilder und Szenen, die noch länger im Kopf hängenbleiben, zum Nachdenken und Wundern anregen. Selten habe ich so ein intensives Leseerlebnis, wie hier ei diesem Roman. Es hat mich in seiner Art mit Erinnerungen umzugehen an den „Scheiterhaufen“ von György Dragoman erinnert. Gleichzeitig hatte ich im Hinterkopf, daß mich „Kruso“ von Lutz Seiler ähnlich gepackt hat, obwohl ich auch dort nicht alles kapiert habe und doch durch die Intesivität des Textes gefesselt war.

Ali erzählt von verwunschenen Schlössern, von Bienenschwärmen und Honigsammlern, von Kindern auf Schlachtfeldern, von den weißen Schwestern, die mit ihren Liedern den Bazar verzaubern, von Freiheitskämpfern, die zu Fürsten werden, von Seelen in schwarzer Trauer – und von einem Jungen mit Namen Glasherz, der von einer Welt träumt, in der alles durchsichtig und rein ist. Er sucht seinen gestorbenen Sohn und findet drei Jungen mit dem gleichen Namen. Er taucht ein in Traumwelten, besucht ein Heim für verbrannte Kinder, ist auf der Suche nach dem letzten Granatapfelbaum, der einem seine innersten Wünsche erfüllt und Blinde sehend macht.

Muzafari Subhdam war 21 Jahre in einem Gefängnis in der Wüste, hat die Hoffnung an ein Leben in Freiheit längst aufgegeben (Die Menschen meinen sowieso, daß er längst tot ist), als er von einem Freund, dessen Leben er gerettet hat und für den er ins Gefängnis ging, durch einen Austausch raus aus der ewigen Wüste kommt. Jedoch nicht ins normale Leben, sondern in ein abgeschiedenes Schloß, da er sich nicht mit dem Schrecken und der Zerstörungen der letzen Jahre auseinandersetzen soll.

Doch Muzafari Subhdam begibt sich auf eine Reise durch das, was aus seinem Land geworden ist. Eine Reise durch Geschichten, Geheimnisse und zu Personen, die ihm dabei helfen, seinen verschollenen Sohn zu finden. Eine Reise, die ihn schließlich auf den Weg führt, den Tausende schon vor ihm genommen haben: übers Mittelmeer in den Westen.

Ein großartiger Roman, dem ich viele LeserInne wünsche, obwohl er in einer Komplexität nichts für ein schnelles Lesen ist.

Am Donnerstag, den 21.07.2016 ist Bachtyar Ali ab 19 Uhr in der
Steinwerkstatt Vogel, Wileystraße 21, 89231 Neu-Ulm
Es liest Clemens Grote.

Literatursalon Ulm e. V. / Cafe Beirut
Ein Projekt der Griesbadgalerie e. V.
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Nicht vergessen:
Morgen, Freitag, den 15.Juli lesen wir Erzählungen von Martina Jung, die im Mai diesen Jahres verstorben ist.
Wir beginnen um 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Mittwoch, 29.Juni

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Heute haben
Johann Heinrich Campe * 1746
Giacomo Leopardi * 1798
Antoine de Saint-Exupery * 1900
Oriana Fallaci * 1930
Ror Wolf * 1932
Geburtstag.
Und auch Anne-Sophie Mutter

Café Beirut Ausstellungsprojekt
25.05. – 30.08.2016

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Unter dem Titel Café Beirut legt die Griesbadgalerie in Ulm für 3 Monate den Fokus auf zeitgenössische Kunst aus dem Nahen Osten. Von der Mittelmeerküste bis zum Iran sind aktuelle Positionen teils von jungen Künstlern teils mit internationalem Renommee vertreten. Neben 4 Ausstellungen finden Aktionen im öffentlichen Raum und Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträge oder Filmvorführungen statt. Das Café Beirut ist von 25. Mai bis 30 August in einem leeren Ladenlokal (Gideon-Bacher-Straße3, Ulm) installiert. Damit bekommt das Thema eine eigenen Ort. Dieser funktioniert als Ausstellungsraum, Treffpunkt und Zentrale des Projekts.

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Mazen Kerbaj (Beirut) – Drawings and sound installation
24.06. – 24.07.2016, Café Beirut, Gideon-Bacher-Straße 3

Als Zeichner verarbeitet Mazen Kerbaj die Alltagsrealität in einem von
Krisen geprägten Staat, wobei er immer einen gewissen Humor bewahrt.
Als Experimentalmusiker bringt er die Trompete an die Grenzen des Mög-
lichen.

Wafa Hourani (Ramallah) – Qalandia 2087
03.08. – 28.08.2016 Café Beirut, Gideon-Bacher-Straße 3

In einem Ansatz zwischen Kunst, Architektur, Design und Stadtplanung en-
twirft Wafa Hourani Zukunftsutopien als Installationen. In der Reihe Qalan-
dia behandelt er das gleichnamige Flüchtlingslager im Norden Jerusalems

Azadeh Akhlaghi (Teheran / Melbourne) – By an Eyewitness
30.07. – 28.08.2016, Südwest Presse-Galerie, Olgastraße 129

Azadeh Akhlaghi arbeitet konzeptuell mit den Medien Fotografie
und Film. In Ihrer Fotoserie „By an Eye-Witness“ stellt sie Todesfäl-
le und Attentate aus der iranischen Geschichte nach. Ihre fiktive
Dokumentation erreicht dabei eine sehr spezielle Ästhetik.

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Der Literatursalon Ulm e.V. beteiligt sich mit einer Lesung. Es besucht
uns der Unionsverlag mit Gründer Lucien Leitess und dem Irakischen
Autor Bachtyar Ali mit seinem Buch: „Der letzte Granatapfel.
Die Veranstaltung findet statt am Do. 21. Juli, 19.30 Uhr
in der Steinwerkstatt Vogel,
Wileystr. 21, Neu-Ulm, Eintritt: 8 €.