Freitag, 26.März

Heute haben
Edward Bellamy * 1850
Robert Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Erica Jong * 1942
Patrick Süskind * 1949
Geburtstag
und es sind die Todestage von Walt Whitman, Raymond Chandler, B.Traven und Tomas Tranströmer
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Winfried Hermann Bauer
Ein Schatten nur

Es ist nur ein Schatten
Der über mich hinweg streicht
Ein Segel vor dem Licht
Der Schatten einer Wolke nur
Vor der strahlenden Sonne
Könnte ich mein Haupt heben
Würde ich sie sehen

Es ist nur ein Schatten
Trotz der Schwere
Mit der er sich auf mein Herz senkt
Als wollte er die Glut darin ersticken
Ein Schatten aus Blei
Der mir den Atem nimmt
Mit seinem Gewicht

Es ist nur ein Schatten
Auch wenn er sich frostig
Auf mich legt
Lodert mein Feuer noch immer
Nach innen – trotz der Kälte
Und ich rufe alle Wasser der Wel
Um nicht zu verbrennen

Es ist nur ein Schatten
Der weiter wandert irgendwann
Auch wenn er sich auf mich senkt
Als wäre er das letzte Tuch
So ist es doch nur ein Schatten
Ein Sichtschutz vor meinem Fenster
Nichts als ein Vorhang
Im Bombenhagel der Wirklichkeit
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Richard David Precht: „Von der Pflicht
eine Betrachtung
Goldmann Verlag € 18,00

So! Jetzt ist es mal wieder passiert, dass dieses Programm meinen kompletten Text gelöscht hat. Diesen K(r)ampf hatte ich schon ein paar Mal. Also nochmal von vorne, aber dieses Mal in Kurzversion, damit ich rechtzeitig im Laden auftauche.

Richard David Prechts aktuelles Buch erläutert uns den Begriff „Pflicht“. Woher kommt er, was bedeutet er? Wem bin ich verpflichtet und kann ich mich auch ent-pflichten, wie es Corona-Gegner tun? Steht der Staat nicht auch in der Pflicht und versorgt uns? Wenn wir nicht als Solidargemeinschaft auftauchen, funktioniert unsere Demokratie nicht mehr.
In den letzten Monaten haben wir gesehen, wie wir versucht haben, die Alten und Schwachen zu schützen und auch uns, indem wir Masken tragen. Wenn nun dies von einer Gruppe von Menschen nicht mehr gemacht wird, trifft das die Gesundheit aller in einem Staat, der gleichzeit aber sein Auffangnetz durch das Gesundheitssystem bereithält.
Precht nimmt uns in einem Kapitel mit zu den alten Philosophen und zitiert ausführlich Cicero.
Am Ende denkt er laut über ein zweijähriges Pflichtjahr für alle nach. Ein Zeichen von Solidariät und eine Pflicht gegenüber unseren Mitmenschen.

Es ist eine Betrachtung und eine ruhige Streitschrift über die heftig dikutiert werden kann. Der „Spiegel“ hat damit schon begonnen. Aber so bleiben wir im Gespräch.

Freitag, 17.Januar

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Heute haben
Anne Bronte * 1820
Emmy Ball-Hennings * 1885
Einar Schleef * 1944
Geburtstag
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Emmy Ball-Hennings
Nach dem Cabaret

Ich gehe morgens früh nach Haus.
Die Uhr schlägt fünf, es wird schon hell,
Doch brennt das Licht noch im Hotel.
Das Kabarett ist endlich aus.
In einer Ecke Kinder kauern,
Zum Markte fahren schon die Bauern,
Zur Kirche geht man still und alt.
Vom Turme läuten ernst die Glocken,
Und eine Dirne mit wilden Locken
Irrt noch umher, übernächtigt und kalt.
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Susanne Link empfiehlt:

Eine gewoehnliche Familie von Sylvie Schenk

Sylvie Schenk: „Eine gewöhnliche Familie“
Goldmann TB € 10,00

Tante und Onkel sterben hochbetagt und kinderlos. Nichten und Neffen kommen zurück und erinnern sich.
Eine ungewöhnliche Hommage einer gewöhnlichen Familie mit Geheimnissen und schwerem Erbe erzählt von der wunderbaren Sylvie Schenk,die mich schon mit „Schnell,ein Leben“ begeisterte.

Freitag, 19.Januar

Heute haben
Edgar Allan Poe * 1809
Patricia Highsmith * 1921
Julian Barnes * 1946
Geburtstag
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Edgar Allan Poe
A Dream Within A Dream

Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow —
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.

I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand —
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep — while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?
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Michael Pollan:Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht
als Essen erkannt hätte

Goldene Regeln für gute Ernährung
Mit vielen Illustrationen von Maira Kalman
Aus dem Englischen von Rita Höner
Goldmann Taschenbuch  € 10,00

„Essen ist heutzutage zu einer komplizierten Angelegenheit geworden“ schreibt Michael Pollan als ersten Satz in seinem Vorwort zur Originalausgabe 2009. Ja das stimmt. Etwas später kam das Buch unter dem deutschen Titel: „64 Grundregeln Essen“ heraus und jetzt neu mit Illustrationen von Maira Kalman. Kalmans Bilder kennen wir von dem genialen Jugendbuch: „43 Gründe, warum es AUS ist“ im Hanser Verlag. Sie hatte in der MoMA eine eigene Ausstellung bekommen und zählt zu den ganz großen Namen im Kunstgeschäft. Aber nun wieder zurück zum Buch, das ich eigentlich schon ganz lange hier vorstellen wollte, weil es einzigartig gut und schön ist. Handlich und informativ sowieso.
Essen Sie nur Lebensmittel, die verderben können. Meiden Sie Nahrungsmittel, für die im Fernsehen geworben wird. Essen Sie Tiere, die selbst gut gegessen haben. Trinken Sie das Spinatwasser mit. Meiden Sie Nahrungsprodukte mit Zutaten, die ein Drittklässler nicht aussprechen kann. Essen Sie möglichst vieles, was wild wächst und lebt. Essen Sie möglichst nicht allein.
Solche Sätze hat Pollan seinen einzelnen Kapiteln vorneweggesetzt und führt uns damit durch seine Sicht für ein gesundes Leben, für eine gesunde Art, sich zu ernähren; auch mit dem Hintergedanken, woher denn unser Essen kommt. Das schöne Wort Lebens-Mittel, statt Lebensmittel ist passend für seine Aussagen und er findet insgesamt drei Sätze, die für ihn einen festen Boden unter den Füssen bedeuten.
Essen Sie Lebens-Mittel.
Nicht zu viel.
Und vorwiegend Pflanzen.
Polland ist nun aber keiner dieser Spaßverderber, sondern er liebt das Essen und Trinken. Gerade in Gemeinschaft. Und halt gerade nicht allein auf der Straße. Wir können uns einen Blumenstrauß auf den Tisch stellen und schon schmeckt das Essen besser. Und dass ein Essen mit Freunden eh lustiger ist, als allein vor der Glotze, ist jedem klar.
Essen Sie nur Lebensmittel, die verderben können.
Was für ein Satz! Aber vielleicht gar nicht so abwegig, wenn wir schauen, wie lange Essen in Packungen halten können. Somit sind wir natürlich gleich beim nächsten Schritt und genießen den Einkauf auf dem Markt, dem einem oder anderen Schwätzle und lustigem Hinundher.
Polland schreibt auch, dass wir nun nicht alle seine Punkte abhaken sollen. Nein, genau das nicht. Aber Sie können sich von seinen Thesen (die er jeweils in seinen Kapiteln genauer ausführt und wissenschaftklich belegt) inspirieren lassen und vielleicht passt die eine oder andere Regel auch für Sie.
Lieben Sie ihre Gewürze finde ich auch schön und natürlich am Ende: Brechen Sie immer wieder Regeln.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit der Leseprobe.

Leseprobe

Michael Pollan, 1955 auf Long Island geboren, ist preisgekrönter Journalist, Aktivist und Autor mehrerer Bücher zum Thema Ernährung, u.a. »Lebens-Mittel« und zuletzt »Das Omnivoren-Dilemma«, auf dem der erfolgreiche Dokumentarfilm »Food Inc.« basiert. Pollan ist einer der Vorreiter der kritischen Auseinandersetzung mit der Nahrungsmittelindustrie und unterrichtet als Professor für Wissenschafts- und Umweltjournalismus an der University of California in Berkeley. Mehr auf www.michaelpollan.com

Maira Kalman, 1949 in Tel Aviv geboren und mit vier Jahren nach New York übersiedelt, ist eine der bekanntesten und besten Illustratorinnen Amerikas. Sie ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher für Kinder und Erwachsene. Mehr auf www.mairakalman.com

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Samstag, 14.Januar

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Heute haben
John Dos Passos * 1896
Anatoli Rybakow * 1911
Rudolf Hagelstange * 1912
Yukio Mishima * 1925
Marek Hlasko * 1934
Andreas Steinhöfel * 1962
Geburtstag
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Zadie Smith:London NW
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Goldmann Taschenbuch € 9,99

Als das Buch im Original herauskam, hat es die New York Times zu einem der zehn besten Romane des Jahres 2013 gewählt und jetzt ist es als Taschenbuch erschienen.

London NW ist der Nordwesten der Metropole, weit weg der Touristenströme, weit weg von dem, was wir in den Reisefüher finden und sicher nicht die Gegend, in der wir uns als Urlauber aufhalten wollen. Es ist Caldwell, ein Stadtteil mit allen Nationen der Welt, versammelt in Sozialwohnungen und Hochhaussiedlungen, so wir es aus vielen anderen Grossstädten kennen. Schreibt Jagoda Marinic u.a. über den Wedding in Berlin im Winter mit all seiner Kälte, so ist es hier in diesem Multikulti-Stadtteil Sommer. Die Hitze ist groß und die Verzweiflung der Personen nicht weniger klein. Dabei hat der Roman eine sehr komische, witzige Seite, die Zadie Smith sehr gut mit dem Tragischen verbindet.
Vier Personen, zwei Pärchen stehen im Mittelpunkt. Leah, Natalie, Felix und Nathan. Alle vier sind in dieser Gegend aufgewachsen und haben gehofft diesen (auch gefährlichen) Stadtteil zu verlassen. Aber nur Natalie scheint als Anwältin die Einzige zu sein, die es wirklich geschafft hat. Auf ihren Dinnerpartys treffen sich viel hohle Leute, mit denen Leah und Michel nichts anfangen können. Leah und Natalie (die diesen Namen angenommen hat und eigentlich Keisha heisst) sind seit ewigen Zeiten Freundinnen. Und wenn Leah viel in Club herumgehangen ist und auch Drogen nahm, war Natalie zielstrebig, fast erfolgssüchtig. Sie hat mittlerweile eine Familie mit zwei Kindern und wohnt in einem vikorianische Häuschen. Leah hingegen arbeitet als einzige Weiße in einem Büro und ihr Mann versucht vergeblich ein Kind mit ihr zu machen. Was jedoch nicht klappen kann, da sie heimlich die Pille nimmt. Sie merken schon, da brodelt es. Als ganz zu Beginn des Romans eine Fremde an der Tür von Leah klingelt und sie um Geld bittet, eskalieren die Ereignisse und die vier Personen geraten aus ihren abgefahren Wegen.
Und Zadie Smith dreht die Schraube noch weiter. Ihr Sprachstil ist komprimiert und aufs Nötigste verkürzt. Hier gibt es keine ausschweifenden Beschreibungen und lange Schachtelsätze. Smith hat gestrichen und somit den Szenen eine sehr genaue Wirklichkeit verpasst. Sie springt von einem zum anderen Kapitel. Von einer Zeit zu einer anderen. Nur als sie die Geschichte von Natalie/Keisha erzählt, sind alle Abschnitte durchnummeriert. Von 1 bis 185. Das könnte das Spiegelbild ihrer geplanten Karriere sein. Aber was bleibt, ist auch eine große Leere und der Neid auf die anderen. Zadie Smiths Hauptpersonen sind die beiden Frauen. Es sind ihre Lebenswege, die sie interessiert und an die sich mit ihrer Sprache annähert.
London NW„, das im Englischen nur „NW“ heisst, besticht durch seine Sprache, durch seinen eigenwilligen Stil und seine Mischung aus Komödie und Tragodie. Smith hat diesem Stadtteil, in dem sie selbst aufgewachsen ist, einen Roman gewidmet und es lohnt sich sehr, ihn zu lesen.

Leseprobe

Freitag, 11.November

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Heute haben
Fjodor Dostojewski * 1821
Kurt Vonnegut * 1922
Noah Gordon * 1926
Carlos Fuentes * 1928
Hans Magnus Enzensberger * 1929
Geburtstag
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Theodor Storm
Mit einer Handlaterne

Laterne, Laterne!
Sonne, Mond und Sterne,
Die doch sonst am Himmel stehn,
Lassen heut sich nimmer sehn;
Zwischen Wasserreih und Schloß
Ist die Finsternis so groß,
Gegen Löwen rennt man an,
Die man nicht erkennen kann!

Kleine freundliche Latern‘,
Sei du Sonne nun und Stern:
Sei noch oft der Lichtgenoß
Zwischen Wasserreih und Schloß
Oder – dies ist einerlei –
Zwischen Schloß und Wasserreih!
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„Jeden Morgen betrittst du die übliche Bar, um zu frühstücken. Seit du allein lebst – eine ganze Weile schon – kannst du das zu Hause nicht mehr. Zu Abend essen ja, manchmal auch zu Mittag. Aber Frühstücken irgendwie nicht. Also gehst du jeden Morgen in die Bar. Mal stellst du dich an den Tresen, mal lässt du es gemütlicher angehen und setzt dich an ein Tischchen. Da bist du nicht festgelegt, es kommt ganz darauf an, wie du dich fühlst – oder wie du dich nicht fühlst – auf’s Wetter, darauf, ob du was zu tun hast oder nicht, auf den Zufall. Keine Ahnung, warum du dich mal hinsetzt und mal nicht.“

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Gianrico Carofiglio: „Am Abgrund aller Dinge
Originaltitel: Il Bordo Vertiginoso Delle Cose
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Goldmann Taschenbuch € 9,99

Gianrico Carofiglio wurde 1961 in Bari geboren und arbeitete in seiner Heimatstadt viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. 2007 war er als Berater des italienischen Parlaments für den Bereich organisierte Kriminalität tätig. Von 2008 bis 2013 war Gianrico Carofiglio Mitglied des italienischen Senats. Berühmt gemacht haben ihn vor allem seine Romane um den Anwalt Guido Guerrieri, von denen wir die ersten drei immer auf Lager haben.

Carofiglio bleibt seiner Heimatstadt treu. In seinem neuen Roman kehrt Enrico Vallesi aus Florenz zurück nach Süditalien, weil ihm eine Zeitungsmeldung nicht mehr aus dem Kopf geht. Ein ehemaliger linksradikaler Kämpfer, der auch längere Zeit im Gefängnis saß, wurde bei einem Bankraub erschossen. Beim Namen Salvatore klingeln bei ihm alle Glocken. Er erinnert sich an seine Schulzeit, an seine Zeit bei seinen Eltern daheim. Er war ein angepasster, schmächtiger Junge, der seine Zeit in seinen eigenen vier Wänden verbrachte und viel gehänselt worden ist. In der Schule ist er unauffällig und er wundert sich sehr, als ein deutlich älterer Schüler zu ihm in die 11.Klasse kommt. Salavtore sieht schon richtig männlich aus und nicht so knabenhaft wie er und seine Kumpels. Auch lässt sich dieser neue Schüler nichts gefallen, kontert den Aussagen des Lehrers mit linken Thesen, schimpft über die kommunistische Ikone Gramsci, der die kommunistische Partei verraten hätte. Alle Augen sind auf Salvatore gerichtet und das neue Schuljahr wird wohl einiges Neues bringen.
Carofiglio wechselt die Perspektiven vom heutigen Bari, in das während der Schulzeit Enricos. In der Gegenwart trifft er nach langer Zeit wieder seinen Bruder und seine Familie, die sich in der Stadt mit ihrem Wohlstand gut eingerichtet haben, er trifft auf ehemaligen Mitschüler, aus denen er mehr über Salvatore herausfinden will. Aber eigentlich will er mehr über sich herausfinden. Was ging ihm tatsächlich im Kopf herum? Wie sahen ihn seine Freunde und Bekannten? Wie sieht seine erste Freundin ihn heute? All diese Szenen sind eingebettet in Enricos Schulzeit, in der dann auch noch eine Aushilfslehrerin für Philosophie auftaucht, in die er sich als 16jährigen unsterblich verliebt. Natürlich nur im Kopf. Aber vergessen hat er sie nie.
Enrico ist fasziniert von Salvatore und als er Enrico zu sich einlädt, taucht er tatsächlich in seiner Wohnung auf. Dort trainiert Salavatore junge Männer für den Kampf gegen die Faschisten, die ihnen immer wieder auflauern. Diese Ausbildung ist äusserst brutal. Enrico bekommt alle Tricks beigebracht, wie er als Sieger aus einem Zweikampf hervorgeht. Salvatore bringt ihm bei Motorrad zu fahren, mit echten Pistolen zu schiessen, damit sie gemeinsam ein Attentat auf den berüchtigten Faschistenführer der Stadt verüben können. Dies geht schief, aber Enrico steckt mittendrin in dieser Untergrundgruppe. Er führt ein Doppelleben und kann sich niemandem mitteilen. Als er sich dann auch noch gegen Salvatore zur Wehr setzt, gewinnt er zwar das Ansehen der ganzen Schule, verliert jedoch seinen Freund aus den Augen.
Enricos Spurensuche im heutigen Bari bringt ihn immer näher an die damalige Zeit. Es öffnen sich immer mehr Türen und Fenster und er dringt in dunkle, vergessene Ecken in seinem Gehirn vor.
Gianrico Carofiglio hat auch hier wieder einen Protagonisten geschaffen, der als einsamer Cowboy durch die Straßen zieht, wie wir es aus seinen ersten drei Krimis kennen. Enrico ist voller Zweifel, eine leichte Melancholie schwebt über ihm. Deshalb will er auch so hartnäckig herausfinden, was damals geschah. Diese Atmosphäre hat der Autor hervorragend eingefangen und dem Roman eine ganz spezielle Note gegeben. Wer Guido Guerrieri gemocht hat, wird auch Enrico Vallesi ins Herz schließen.

Donnerstag

Heute haben
Clara Reeve * 1729

Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Anna Maria Jokl * 1911
Derek Walcott * 1930
Joao Ubaldo Ribeiro * 1941
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Und schon wieder ein Kinder-Jugendbuch.
Und schon wieder etwas ganz Schräges.
Nachdem Lemony Snicket mit seiner Buch Serie: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ auch hier einen schönen Erfolg hatte (s. auch die Erwähnung auf diesem Blog) und unter seinem richtigen Namen Daniel Handler (heisst er wirklich so?) mit dem Jugendbuch: „43 Gründe, warum es aus ist“ beim Hanserv Verlag zu Weihnachten ganz groß eingestiegen ist (s.unser Blog), freute ich mich natürlich auf diese neue Serie, die im Goldmann Verlag erschienen ist und von der demnächst ein weiterer Band hereinflattert.(Nicht vergessen, das neue Bilderbuch von Snicket und Jon Klassen: „Dunkel“. Ich liebe Klassen und was die beiden produziert haben, ist erste Sahne. Dazu aber später).

Snicket

Lemony Snicket: „Der Fluch der falschen Frage
Meine rätselhaften Lehrjahre 1
Originaltitel: Who can that be at this Hour (Noir Book 1)
Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth
Mit Illustrationen von Seth
Goldmann Verlag € 10,00
Kindebuch ab 9 Jahren
Gibt es auch als eBook

Ein junger Detektiv, ein mysteriöser Diebstahl und immer die falsche Frage.
Der skurrilste Fall aller Zeiten!
So schreibt der Goldmann Verlag. Na, wenn die das Abenteuerbuch mit den Schlenderinsel kennen würden, das ich gestern hier vorgestellt habe, dann hätten sie das vielleicht anders formuliert. Aber irgendwie haben sie auch recht. Ein ganz wilde, verworrene Geschichte, die um vier oder fünf Ecken geht und von der wir am Anfang nicht wissen, was hinter jeder Figur steckt. Ausser natürlich das Mädchen mit der Schreibmaschine, die sich zusammenklappen lässt. Was noch hinzukommt ist, dass dies ein biografischer Teil von Lemony Snicket ist. Also nicht von Daniel Handler. Sie merken schon, verworrener kann es nicht formuliert werden.
Lemony Snicket, der den Leser schon öfter an der Nase herumgeführt hat, ist wirklich nicht zu trauen. In seiner neuen Reihe von Detektivromanen erzählt er nun erstmals seine eigene Geschichte. Oder gibt er dies nur vor? Und treibt ein höchst raffiniertes und vergnügliches Verwirrspiel mit uns, wenn er uns in seine Kindheit entführt?
Alles beginnt in einer verwunschenen Stadt am Meer. Hier soll der junge Lemony Snicket zusammen mit S. Theodora Markson (Für was steht eigentlich „S“?), einer mehr als lausigen Detektivin, den ominösen Diebstahl einer noch ominöseren Statue aufklären. Als er mit seinen Nachforschungen beginnt, muss er aber leider erkennen, dass er immer die falschen Fragen stellt. Doch vielleicht sind es gerade diese Fragen, die Theodora und ihn auf die richtige Spur führen? Natürlich hat Lemony den richtigen Riecher und das richtige Mädchen an seiner Seite. Aber für was für eine Organisation arbeiter er und warum ist seine Mentorin die schlechteste von 52, die zur Verfügung gestanden haben? Und warum hat Lemony gerade sie ausgesucht? War es wirklich ein Diebstahl und gibt es die alte Dame wirklich, die die Diebstahlsanzeige gestellt hat?
Das Buch ist voller Sprachwitz, schrägen Typen (z.B. ein dauernd streitendes Polizistenehepaar), tollen Illustrationen und es macht Lust auf mehr Fälle um und mit dem jungen Lemony Snicket. Wie gesagt, Teil zwei folgt demnächst, zumal in diesem Buch schon erwähnt wird, dass es sich beim Wiederfinden der Statue nur um einen ganz kleinen Fall handelt, der große kommt erst noch. Das kann ja was geben.

Leseprobe

David spielt Akkordeon und erklärt nebenbei sein neues Buch.

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