Samstag, 20.August

Heute haben
HP Lovecraft *1890
Salvatore Quasimodo * 1901
Robert Merle * 1908
Luciano De Crescenzo * 1928
Arno Surminski * 1934
und Lilli * 2020
Geburtstag
_____________________________________

„Übrigens ist der Regen keines Menschen Freund, aber wohl der Tiere, denn das Gras wächst schön, und die Biertrinker haben sich auch nicht zu beklagen, daß die Gerste nicht gerät.“
Johann Wolfgang von Goethe aus: Briefe an seine Tochter Ottilie, 12.Juli 1820
_____________________________________
Unser Buchtipp:

Giulia Caminito: „Das Wasser des Sees ist niemals süß
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner
Wagenbach Verlag € 26,00

Die italienische Autorin Giulia Caminito hat für mich einen der besten Romane des Jahres geschrieben. Das Buch hat eine so starke Erzählkraft, genauso wie die Haupterson, die wir nicht so schnell vergessen werden. Überhaupt sind hier Frauen die entscheidenden Personen. In der prekär, im Untergschoss wohnenden, Familie sitzt der Vater im Rollstuhl, der große Bruder ist nicht von ihm und verdrückt sich, so gut es geht und die beiden kleinen Zwillingsbrüder nerven nur. Zwischen drin die kleine Gaia (der Name wird nur einmal erwähnt) und ihre Mutter. Ein sozialer Aufstieg geschieht, als sie aus dem einen Zimmer in eine kleine Wohnung und dann, durch einen Wohnungstausch, aus Rom herauskommen und an den Lago di Bracciano ziehen.
Es ist ein Buch über soziale Schranken, über Standesdunkel, Hierachien und vielen Hoffnungen. Mittendrin das Mädchen, die nicht unbedingt sympatisch, aber voller Lebenswillen, voller Wut ist. Sie benutzt schon mal den Tennisschläger ihrer „Freundin“, um sie hart zu treffen. Sie ist das Mädchen mit dem riesigen Rummelplatz Plüschtier und dem alten Handy. Egal, wie sie sich auch anstrengt und gut in der Schule ist, sie wird immer wieder in ihre Schranken gewiesen. Auch wenn sie den Sprung an die Universität nach Rom schafft, muss sie doch (aus Geldmangel) zuhause wohnen bleiben und wird von ihren Dozenten abwertend behandelt.
Aber genug über die Inhalt, denn dieser großartige italienische Roman ist für alle, denen die vier Bücher von Elena Ferrante zu seicht waren (eine Elena taucht auch auf, ihr wird aber über mitgespielt) und die keine Autofiktion wie von Èdouard Louis oder Annie Ernaux brauchen. Es ist ein Roman, der unglaublich starke Bilder erzeugt, der nicht verkitscht, oder uns aufklären will. Ein Buch, in dem bis in die Nebenfiguren alles stimmig ist. Giulia Caminito ist ein Meisterwerk der Gegenwartsliteratur gelungen und wenn der nicht verfilmt wird, weiß ich auch nicht.

Auf deutsch ist ihr Vorgängerbuch „Ein Tag wird kommen“ lieferbar.
Wagenbach Verlag € 23,00
Als Taschenbuch ab Oktober € 14,00

Der Roman wird im Literarischen Quartett vorgestellt und diskutiert.
Gäste sind Vea Kaiser, Deniz Yücel und Adam Soboczynski.
Im TV-Programm: ZDF, 26.08.2022, 23:45 – 00:40
Verfügbarkeit: Video verfügbar ab 24.08.2022, 10:00

Montag, 8.August

Heute haben
Nina Berberowa * 1901
Jostein Gaarder * 1952
Birgit Vanderbeke * 1956
Ralf König * 1960
Geburtstag
____________________________________

Johann Wolfgang von Goethe
Sommer

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.

Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
______________________________________

Frisch ausgepackt:


Steffen Mensching: „Hausers Ausflug
Wallstein Verlag € 22,00

David Hauser hatte eine tolle Idee, mit der er viel Geld verdient: Seine Firma AIRDROP stellt sogenannte Rückführboxen her, in denen Asylbewerber, deren Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt worden ist, mittels eigens hierfür entwickelter Flugzeuge in ihre Herkunftsregionen zurückbefördert werden.
Dass er nun selbst in so einer Box sitzt und irgendwo in einer wüstenähnlichen, unwirtlichen Gegend abgeworfen wird, versteht er nicht. Ist es ein Versehen? Will ihn jemand loswerden? Das ganze Programm hat ja viele Gegner, unter anderem auch sein Vater. Aber wer kommt auf so eine Idee? Er trägt eine ihm fremde Kleidung, er hat einen arabischen Pass in der Tasche. Klar wird ihm auf jeden Fall sehr bald, dass die Nahrung, die er in der Box vorfindet, nicht lange anhalten wird. Doch es kommt noch schlimmer. Kaum kann er sich aus der Box befreien, wird er angegriffen und gefesselt. Der Angreifen spricht nicht und nimmt ihn mit in eine Höhle. Steckt hinter allem eine großangelegte Entführung? Geht es um Lösegeld?
Ein spannender Roman, der u.a. ein brandaktuelles Thema aufgreift und unsere Abschiedepraktiken auf literarische Weise hinterleuchtet.

Aus einem Interview mit dem Steffen Mensching:

Wie ist überhaupt die Idee dazu entstanden? 

Steffen Mensching: Mich beschäftigt schon lange die weit verbreitete Illusion, unser Leben würde sich in sicheren Bahnen bewegen, alles wäre planbar, berechenbar, solange man nur über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt. Das Leben ist aber eher eine ständige Gefahrenkonstellation. Der Auslöser für die konkrete Story war ein zweistündiger Flug von Wien nach Tirana. Ich saß in der Maschine in der letzten Reihe neben einem Albaner, der während des Fluges keinen Blick mit mir wechselte, ganz zu schweigen von Worten. Als wir in Tirana landeten, blieb die Maschine auf dem Rollfeld stehen, ein Polizeiauto mit Blaulicht raste heran und ein Mann wurde in Handschellen aus dem Flugzeug begleitet: mein Sitznachbar. Er wurde abgeschoben und flog ins Gefängnis, ich hingegen in den Urlaub.

Freitag, 17.Juni

Heute haben
Ferdinand Freilingrath * 1810
James Weldon Johnson * 1871
Felix Hartlaub * 1913
Hanna Johansen * 1939
Peter Rosei * 1946
Franz Böni * 1952
_______________________________

Johann Wolfgang von Goethe
Nachtgedanken


Euch bedaur’ ich, unglücksel’ge Sterne,
Die ihr schön seyd und so herrlich scheinet,
Dem bedrängten Schiffer gerne leuchtet,
Unbelohnt von Göttern und von Menschen.
Denn ihr liebt nicht, kanntet nie die Liebe!
Unaufhaltsam führen ew’ge Stunden
Eure Reihen durch den weiten Himmel.
Welche Reise habt ihr schon vollendet,
Seit ich weilend in dem Arm der Liebsten
Euer und der Mitternacht vergessen!
________________________________________

Zum 90.Geburtstag von Albert Cüppers heute ein Doppelbild des Monats:

Lieber Albert,
vielen Dank für Deine Bilder, die ich bei uns im Buchladen ausstellen und hier auf den Blogs veröffentlichen kann.
Alle vorgestellten Bilder auf https://albertcuepper.wordpress.com
_____________________________________

Freitag, 17. Juni 2022, 19:30 Uhr, Stadtbibliothek Ulm
Der Lyriker José F. A. Oliver, u. a. ausgezeichnet mit dem Basler Lyrikpreis 2015 und dem Heinrich-Böll-Preis 2021, liest aus seinem Gedichtband „wundgewähr“.
Moderation: Christine Langer
Die Lesung findet im Rahmen des Literatursommers Baden-Württemberg statt, der in Form des Ulmer Lyriksommers die Veranstaltungsreihe „Wandelmut – Lyrik ohne Grenzen“ präsentiert.
Gefördert von der Baden-Württemberg-Stiftung.
Eintritt frei.
_____________________________________

Rekordtemperaturen in Europa
Hitzewelle nähert sich Deutschland

Große Teile Südwesteuropas leiden unter einer massiven Hitzewelle. Italien, Frankreich und Spanien melden steigende Temperaturen. Am Wochenende werden auch in Süddeutschland bis zu 38 Grad erwartet.
Es ist die die früheste Hitzeperiode in einem Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Frankreich: Das Land leidet bereits seit Dienstag unter der aus Nordafrika kommenden Hitzewelle. Am Mittwoch waren im Süden des Landes bereits Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad gemessen worden, am Samstag sollen es über 40 Grad sein.

Die Zunahme der Hitzewellen ist laut Wissenschaftlern eine direkte Folge der globalen Erwärmung. Dabei nehmen sowohl Intensität als auch Dauer und Häufigkeit dieser Phänomene zu.

Der komplette Bericht hier auf tagesschau.de
______________________________________

Hardy on Tour

Tag 21
132 km von Lea bei Preston über Garstang und Kirkby Lonsdale bis kurz vor Penrith

Was für ein wunderschöner Radeltag in Mittelengland bei angenehmen 22 Grad und einem Sonnen-Wolken Gemisch.
Bevor ich gestartet bin hab ich auf dem Spielplatz, neben dem ich gezeltet hatte, noch Müll aufgesammelt und sauber gemacht. Es war eindeutig nötig und quasi mein Dankeschön für die ruhige Übernachtung dort. 
Im schönen Städtchen Garstang gönnte ich mir nach 25 km einen Milchkaffee. Auch England ist absolutes Kaffeeland, Überall bekommt man das schwarze Gebräu in allen Variationen.
Ab dann wurde es wieder hügelig, die Landschaft geschwungen und im satten Grün in vollem Saft. Schafweiden überall, durchzogen von diesen uralten markanten Steinmauern, wo man sich immer fragt, wer die wohl in mühevoller Handarbeit aufgebaut haben mag.. Dazu schöne Anwesen und Dörfer mit allerlei Blumen und blühenden Sträuchern, malerisch britisch. Die schmalen asphaltierten Straßen, ein sich wiederholendes Auf und Ab mit tollkühnen Abfahrten und strammen Anstiegen mit verboten steilen Rampen drin.
Ein Augenschmaus die Landschaft, wenn man die Blicke in die Ferne lenkte. 
Mein Tagesziel war eine Farm mit Campmöglichkeit. Schließlich sollte mal wieder die Wäsche gewaschen werden und zudem brauchte ich Strom um Handy, Navi und die Powerbank aufzuladen. Eine Dusche nach 3 Tagen Ganzkörperpflege mit Babypflegetüchern wäre auch kein Fehler. All das bekam ich dann auch auf dem alten, entlegenen Hof bei Julia und Jim, dazu noch frische Eier und ein Stück Schokokuchen. Ein Glas Honig von Jim’s Bienen kaufte ich mir auch. Ganz fein zu all der Milch, die ich ja so gern trinke. Jim kannte diese Variation gar nicht und wird es testen. 
Ach ja, nur ganz kurz hab ich mir die gute Laune heut verderben lassen, als bei Kilometer 72 mal wieder eine Speiche gebrochen ist. Den Termin morgen früh 9:00 Uhr im Fahrradladen in Penrieth hab ich gleich unterwegs noch fix gemacht.

Die beiden schöne kleine Städte Garstang und Kirkby Londale

Dazu nette Begegnungen.
Jason ist mit Pferdegespann, Hund und zugelaufenem Huhn unterwegs.
Und Herman und Gerry aus den Niederlanden touren mit ihren Rädern quer durch’s Land.

Der von Jim und Julia übernommene alte Hof, auf dem ich heute übernachte.