Dienstag, 2.August

Heute haben
Thomas Mofolo * 1875
Philippe Soupault * 1897
Joseph Hayes * 1918
James Baldwin * 1924
Isabel Allende * 1942
Bei Dao * 1949
Caleb Carr * 1955
Geburtstag
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Not everything that is faced can be changed, but nothing can be changed until it is faced.
James Baldwin
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„Die erste Seite“
Heute abend ab 19 Uhr

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Diese vier Bücher stellen wir heute abend vor.
Ralf Grimminger erzählt über sein Buch „Kleinstadthelden“.
Clemens Grote liest aus den anderen drei Romanen.


Milena Busquets: Meine verlorene Freundin, Suhrkamp Verlag € 22,00
Ralf Rothmann: Die Nacht unterm Schnee, Suhrkam Verlag € 24,00
Ralf Grimminger: Kleinstadthelden, Gmeiner Verlag € 20,00
Amor Towles: Lincoln Highway, Hanser Verlag € 26,00

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Montag, 20.Juni

Heute haben
Kurt Schwitters * 1887
Lillian Hellman * 1905
Gerhard Meier * 1917
Vikram Seth * 1952
Geburtstag
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August von Platen

Farbenstäubchen auf der Schwinge
Sommerlicher Schmetterlinge,
Flüchtig sind sie, sind vergänglich
Wie die Gaben, die ich bringe,
Wie die Kränze, die ich flechte,
Wie die Lieder, die ich singe:
Schnell vorüber schweben alle,
Ihre Dauer ist geringe,
Wie ein Schaum auf schwanker Welle,
Wie ein Hauch auf blanker Klinge.
Nicht Unsterblichkeit verlang ich,
Sterben ist das Los der Dinge:
Meine Töne sind zerbrechlich
Wie das Glas, an das ich klinge.
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Eine Vorankündigung:


Ralf Grimminger: „Kleinstadthelden
Gmeiner Verlag € 20,00

Am 13. Juli erscheint im Gmeiner Verlag der Roman „Kleinstadthelden“ von Ralf Grimminger. Es ist der erste Roman des Ulmer Journalisten und Autor.  
„Zwischen Mixtapes, Demos, Schulterpolstern und Synthiepop! Mit viel Humor holt Ralf Grimminger das Lebensgefühl der späten 70er und frühen 80er Jahre zurück, inmitten einer Wohngemeinschaft in der Kleinstadt“, schreibt der Gmeiner Verlag. 
Ein Roman mit Ulmer Geschichten? Ja und nein, hat uns Ralf Grimminger verraten. „Natürlich ist in der Story auch Ulm eingearbeitet. Manche Ereignisse oder Lokalitäten werden dem einen oder anderen sicher bekannt sein. Es ist aber kein Roman über oder von Ulm, schließlich will ich mit der Geschichte Leserinnen und Leser über Ulm hinaus unterhalten und begeistern“.
Ralf Grimminger hat vor 20 Jahren das Buch „Nice Society“ über das Nachtlokal „Aquarium“ veröffentlicht. 
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Hardy on Tour


Tag 24 
120 km von Queensferry über Perth nach Pitlochry 

Es ist halb zehn am Abend und ich sitze bei Tee und Schokolade an der Skateranlage im schönen Freizeitpark von Pitlochry, wo ich dann gleich auch das Zelt aufschlagen werde und bin doch etwas gefrustet weil ich vorhin die inzwischen 5. Speiche ersetzen musste, weil wieder heut eine gebrochen ist. Dabei hatte ich nach dem letzten Werkstattbesuch ein richtig gutes Gefühl. Das hab ich für morgen nun definitiv nicht, denn das Laufrad eiert doch ziemlich, ich krieg das einfach nicht so gut zentriertt Da steht dann wohl ein neuer Werkstattbesuch an. Nun gut. 
Soll jetzt auch nicht den Tag bestimmen heute, denn der war ein richtig prima Radeltag, trotz Gegenwind. In der Sonne war es gut auszuhalten und die schien doch meist und es war auch 2-3 Grad wärmer als gestern. Die Landschaft bot schöne Aussichten und Abwechslung. Felder und Weiden und immer wieder auch längere Wegstrecken durch hohe Wälder voller Farne und Moose. Dazu in genau den richtigen Abständen kleine Städtchen mit dem vollen Angebot um Pause bei Kaffee und der ein und anderen Leckerei zu machen.
Die Steigungen sind mittlerweile länger, aber längst nicht mehr so steil und auch die Abfahrten kann ich nun genießen ohne ständig die Bremsen drücken zu müssen. Schade ist der viele Müll, der entlang der Straße so rumliegt. Hier würde ein Dosen-und Becherpfand sicherlich etwas Abhilfe schaffen. 
Das Highlight des Tages für mich gab es gleich morgens um halb acht beim überqueren der gigantischen „Forth Road Bridge“ von Süd-Queensferry nach Nord-Queensferry mit einer Länge von über 2,5 km.
Es gibt 3 Brücken: die neue ist seit gut 2 Jahren in Betrieb. Die mittlere ist nun für Radfahrer, Fußgänger und Busse reserviert, weil sie dem vielen Verkehr nicht mehr gewachsen war und die wunderschöne alte Eisenbahnbrücke wurde bereits 1880 eröffnet und sie gilt als die längste Ausleger Brücke der Welt, bei deren Erbauung 73 Menschen ihr Leben verloren.
Ich war jedenfalls von allen 3 Brücken schwer beeindruckt und hoffe, mein Hinterrad trägt mich morgen ebenso eindrucksvoll weiter Richtung Norden.

Dienstag

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Heute haben
Meret Oppenheim * 1913
Yasar Kemal * 1923
Louis Begley * 1933
Silvio Huonder * 1954
Geburtstag

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Unser Tipp für alle, die mehr über Ulm wissen wollen, für Ulmer, die an Geschichten um die Stadt und ihre Bewohner interessiert sind.

9783839217931

Dagmar Hub und Elvira Lauscher:Ulm – Porträt einer Stadt
Gmeiner Verlag € 14,99

35 Personen berichten über ihre Lieblingsorte. 35 Kapitel über Menschen, die in Ulm arbeiten und wirken und die wir vielleicht gar nicht kennen. 35 Geschichten über die Stadt und ihre Plätze. Das geht nicht unbedingt sehr in die Tiefe, aber zeigt doch ein schönes Spektrum der Stadt.
Lilli Langohr, die Fledermaus, die in zwei Kinderbüchern die Stadt erkundet, taucht im ersten Kapitel auf. Zusammen mit ihrer Erfinderin Kathrin Schulthess. Die Ulmer Zuckerbäckerei folgt als nächster Beitrag. Eine Bekannte von mir ist aus Italien angereist, um in der Bäckerei zu lernen, wie Brezeln gemacht werden. Hier wird das nämlich noch von Hand gemacht und nicht nur aufgetaut. Ein wunderschöner Ort in einem alten Gebäude. Die Restaurierung der ehemaligen Dreikönigskapelle, die Geschichte des Ulmer Schwimmbades und einer Dauerbesucherin und die Tochter des letzten Königs von Ulms sind weitere Kapitel. Sie werden sich wundern, dass wir noch einen König hatten. Aber der Goldschmied Dentler bezeichnete sich selbst so und spazierte mit Krönchen durch die Stadt. Seine Goldschmiedearbeiten sind weltweit zu besichtigen und einmal im Jahr, am Schwörmontag, verlieh er einen alternativen Kulturpreis, verbunden mit einem, von ihm gefertigten Ring. Dies führt, nach seinem Tod, seine Tochter Ira weiter.
Günter Merkle macht Filme über Ulm, Ralf Hagmayer Pfannkuchen. OB Gönner hält jedes Jahr seine Schwörrede zum Wohl des Ulmer Volkes, Albrecht Schmid ist ein musikalisches Genie und Jürgen Dangel fährt eine Ulmer Schachtel. Was das ist, erfahren Sie auf Seite 125. Bernhard Gerstner baut Geigen und Celli, Volker Beckers riesige Legolandschaften und Elise Ihle erzählt über ihr Leben in einer ehemaligen Kapelle und von ihrem Mann, der die schönsten Ulmer Schränke gebaut hat. Leider ist die kleine, freundliche, lustige Frau Ihle dieses Frühjahr verstorben. Es geht um den Löwenmenschen und das Ulmer Museum, den Fussballclub und den vielleicht weltbesten Jazztrompeter Joo Kraus, der schon oft in der Pauluskirche Konzerte gegeben hat.
Die Kabarettistin Heike Sauer berichtet über ihr Lieblingscafé in Ulm-Söflingen, dort wo sie sich ihre Ideen holt. Letztes Jahr hatte sie mir ihrer Partnerin Hannah Münch einen Kurzauftritt in unserer Buchhandlung. Hildegard Knef wurde in Ulm geboren, lebte allerdings nur ein halbes Jahr in der Stadt, bevor sie mit ihrer Mutter wieder nach Berlin gezogen ist. Heute abend dürfen wir, im Rahmen unserer „1.Seite“, in das Knef-Programm von Tini Prüfert schnuppern, das noch einige Male im Theater Ulm aufgeführt wird.
Passt doch! Beginn: 19 Uhr.
Sie merken: Ein großer Reigen von Geschichtchen um die Stadt und ich habe noch nicht alle Personen aus dem Buch erwähnt. Da gäbe es noch ………..

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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche (für Erwachsene)
Eitelkeit

Ein Mann macht sich mit seinem Föhn
Tag für Tag die Haare schön.
Schon seit der Kindheit ist er eitel,
deshalb zieht er scharf den Scheitel
vier Finger breit über dem Ohr,
eh‘ er vom Kopf aus Styropor
nimmt die alte Haarmatratze,
um zu bedecken seine Glatze.

Ungereimtheit für Kinder
Die Qualle

Ein kleines Kind am Badestrand
mal einen Glibberpudding fand.
Als es aus Neugier daran leckte,
merkte es, dass er nicht schmeckte.

Bis auf das Kind wussten es alle:
Der Glibberpudding war ’ne Qualle
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Ein weiterer Textausschnitt aus Kai Weyands Roman: „Applaus für Bronikowski“, aus dem er am kommenden Donnerstag bei uns in der Buchhandlung lesen wird.
Beginn: 19 Uhr.

Ein echter Männerhaushalt, nur ihr zwei, das ist doch super, sagte der Vater.
Ihr könnt so viel Tiefkühlpizza essen, wie ihr wollt, stimmte die Mutter lachend zu.
Nies beschlich das Gefühl, dass sie alle zusammen ein Spiel mit ihm trieben. Ihr meint das nicht ernst, oder?, fragte er.
Seine Eltern schwiegen und schauten ihn an. Sein Bruder Bernd verdrehte die Augen.
Hör mal, sagte sein Vater schließlich, es ist doch nicht so, dass wir euch verlassen. Aber solange ihr in der Schule und der Ausbildung seid, ist es besser, wenn ihr erst mal hier bleibt.
Ihr kommt uns natürlich besuchen. Die Mutter nickte Nies zu, der ihren Blick missmutig erwiderte. In -Kanada kann man super angeln, sagte sie, du isst doch so gerne Fisch.
Kanada, geil. Bernd ballte vor Freude seine Faust, so wie er es immer tat, wenn ihm etwas geglückt war.
Kanada, geil, äffte Nies ihn nach.
Bernd schlug ihm mit der Hand auf den Hinterkopf. Du Idiot.
Der Vater schob seinen Teller beiseite und stützte beide Ellbogen auf der Tischplatte ab, so dass seine Arme ein Dreieck auf der Platte bildeten. Nies kannte diese Geste. Sie war immer der Beginn einer Auf-zählung. Der Vater beugte sich über den Tisch zu Nies und zog mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand den Daumen der rechten nach oben: Erstens; das deutsche Bildungssystem ist besser, das sagen alle Studien, es ist sinnvoller, hier den Abschluss zu machen.
Der Zeigefinger kam hinzu: Es ist gut, möglichst früh zu lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Das macht dich selbstbewusst, und du wirst dich später von Krisen nicht so leicht umwerfen lassen.
Jetzt streckte der Vater den Mittelfinger in die Höhe: Was glaubst du, was für eine starke Bindung zwischen dir und deinem Bruder entstehen wird. Ein Pakt fürs Leben sozusagen.
Es ist so wichtig, dass man jemanden hat, auf den man sich verlassen kann, fügte die Mutter hinzu.
Falls seine Eltern doch einen heimlichen Wettkampf führten, wer zu größerer Ironie fähig war, wollte Nies seine Mutter zur Siegerin erklären: Jemanden zu verlassen und im selben Moment zu betonen, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, auf den man sich verlassen kann, war ein Achttausender unter den Ironiegipfeln. Und doch blieben beide ernst und schauten Nies erwartungsvoll an, als warteten sie darauf, dass er ihren Argumenten zustimmte. Nies schluckte, er wusste nichts zu sagen. Er und sein Bruder waren so unterschiedlich, schon immer gewesen, er konnte sich nicht erinnern, dass sie jemals miteinander gespielt hätten, ohne sich nach kürzester Zeit zu streiten. Natürlich waren da auch die fünf Jahre Altersunterschied, außerdem es gab keine Interessen, die sie teilten, und wenn es jemals darum gegangen war, von seinem Bruder Unterstützung zu bekommen, um länger fortbleiben oder fernsehen zu dürfen, war jede Hoffnung umsonst gewesen.
Das alles mussten seine Eltern doch wissen. Sie konnten nicht vergessen haben, dass die Unterschiedlichkeit der Grund gewesen war, das Arbeitszimmer des Vaters in ein Kinderzimmer umzuwandeln, um das Zusammenleben zu entspannen.
Wir machen das schon, sagte Bernd. Kein Problem, ich pass auf ihn auf.