Donnerstag, 18.Juli

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Heute haben
W.M.Thackeray * 1811
Ricarda Huch * 1864
Nathalie Sarraute * 1900
Nelson Mandela * 1918
Georg Kreissler * 1922
Ludwig Harig * 1927
J.Jewtuschenko * 1933
Geburtstag.
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Ricarda Huch
Mondfahrt

Schien das süße Mondenlicht
Über Berg und Tal hin wie Opal;
Schläft mein Leib, doch meine Seele spricht:
Nimm mich mit dir, bleicher Strahl!

In dem silberhellen Kahn
Fliegt sie lautlos durch die Nacht dahin,
Wie am Himmel zarte Wolken ziehn,
Wie ein weiß beschwingter Schwan.

Fliegt zu meines Gatten Haus,
Wo er liegt und schläft, das schöne Bild.
„Kommt ein Traum, der meine Sehnsucht stillt?
Wie mein Liebchen sieht er aus.“

– Bin kein Traum, bin dein Gemahl;
Bin kein Traum, bin dein geliebtes Weib;
Schmiegen will ich mich an deinen Leib
Und dich küssen hundertmal.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Delia Owens: „Der Gesang der Flusskrebse“
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Hanser Verlag € 2,00
„Where the Crawdads Sing“ € 19,90

„Marschland ist nicht gleich Sumpf. Marschland ist ein Ort des Lichts, wo Gras in Wasser wächst und Wasser in den Himmel fließt. Träge Bäche mäandern, tragen die Sonnenkugel mit sich zum Meer, und langbeinige Vögel erheben sich mit unerwarteter Anmut – als wären sie nicht fürs Fliegen geschaffen – vor dem Getöse tausender Schneegänse.“
So beginnt der ergreifende Roman von Delia Owens.
Kya Clark lebt mit ihrem alkoholkranken Vater, ihrer Mutter und mit drei Geschwistern in diesem ungewöhnlichem Land. Erst verlassen ihre Geschwister die Familie und eines Tages ist auch ihre Mutter verschwunden, alle ertragen den gewalttätigen, ständig betrunkenen Vater nicht mehr. Kya ist noch ein kleines Kind, muss sich selbst und ihren Vater versorgen, der bis auf eine kurze alkoholfreie Zeit, nicht fähig ist, dem Kind das zu geben, was es braucht. Dann taucht auch er nicht mehr auf und Kya ist allein. Kein Geld, kein Essen, kaum Kleidung – aber Kya hält durch, gerade mal 6 Jahre alt.
Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze und die Natur hilft ihr zu wachsen und durchzuhalten. Das “ Marschmädchen “ wird sie genannt und lebt als ungeliebte Aussenseiterin ihr Leben. Nur zwei Menschen, selbst vom Rassismus ins Abseits getrieben, sind auf ihrer Seite.
Ein Buch voller Natur, berauschend. Mit einem Kind aus dem eine starke Frau wird, die alle in den Schatten stellt.
Einfach wunderbar !

Leseprobe

Das fand ich auf der Seite des Hanser Verlages.

5 Fragen an Delia Owens

Delia Owens, worum geht es in Ihrem Debütroman?
Der Gesang der Flusskrebse ist eine Kriminalgeschichte, eine Liebesgeschichte und ein Gerichtsdrama, aber vor allem geht es um Eigenständigkeit, ums Überleben und darum, wie die Isolation menschliches Verhalten beeinflusst. Wir sind soziale Säugetiere, rein genetisch wollen wir zu eng verbundenen Gruppen wie Familien und Freundeskreisen dazugehören. Doch was passiert, wenn ein junges Mädchen – so wie Kya, die Heldin des Romans – sich ganz allein und ohne Anbindung an eine Gruppe wiederfindet? Natürlich fühlt sie sich einsam, bedroht, unsicher und unfähig. Kya verhält sich außerdem seltsam: Sie versteckt sich hinter Bäumen, wenn andere Menschen sich am Strand nähern, meidet das Dorf. Sie zieht sich tief in die Wildnis der Marsch zurück, weit weg von den Menschen, und lernt dabei direkt von der Natur. Diese Lektionen helfen ihr, zusammen mit dem instinktiven Verhalten, dass aus der Isolation entsteht, zu überleben und sich zu schützen. Mehr als das sogar: Aus ihrer Eigenständigkeit zieht sie so viel Selbstvertrauen, dass ihr Dinge gelingen, von denen sie nicht einmal zu träumen wagte. Der Roman befasst sich mit isolierten Individuen, mit ihrem von der Norm abweichenden Verhalten und damit, wie sehr wir uns verändern, wenn wir Zurückweisung durch andere erfahren. Allein und ausgeschlossen verhalten sich Menschen auf einmal so ähnlich wie die Urmenschen, die in den Savannen überlebten oder wie Menschen, die dort leben, „wo die Flusskrebse singen“.

Wie kann Ihre Hauptfigur, Kya Clark, die im Alter von zehn Jahren von ihrer Familie verlassen, von den Bewohnern der Kleinstadt zurückgewiesen und verachtet wird, nicht nur einfach überleben, sondern ein erfülltes Leben für sich aufbauen?
Kya ist zugleich ein kleines Mädchen wie jedes andere und eines von einer Million. Kya ist wie wir alle, sie steht für das, was wir sein können, wenn wir es müssen. Ich glaube von ganzem Herzen an sie. Wir alle können mehr schaffen, als wir uns vorzustellen wagen, sofern das Leben es erfordert. Ich habe mir Mühe gegeben, Kyas Überleben so realistisch und glaubwürdig wie möglich zu beschreiben. Die Geschichte musste unbedingt plausibel sein. Es ist Absicht, dass Pa noch so lange da ist, bis Kya zehn wird, ein Alter, in dem sie selbständig Nahrung und Feuerholz sammeln, kochen und mit dem Boot die Marsch und das Meer durchqueren kann. Und natürlich gelingt es ihr in dem Alter auch, wegzurennen und sich zu verstecken. Als sie also ganz alleine zurückbleibt, ist es durchaus möglich für sie, aus eigener Kraft zu überleben. Und wer in der Wildnis überleben kann – Feuer machen in strömendem Regen, im Dunklen den Weg finden –, glaubt wirklich an sich selbst. Aber wir dürfen nicht vergessen, Kya ist auch abenteuerlustig, intelligent und mutig. Und voller Liebe. Sobald sie mit anderen zusammen ist, treten ihre verborgenen Charakterzüge hervor.

Kya wächst in Einsamkeit und Isolation auf. Sie haben ebenfalls an sehr isolierten Orten gelebt. Hat Ihre Erfahrung als Forscherin in abgelegenen Gegenden des afrikanischen Kontinents die Figurenentwicklung von Kya beeinflusst?
Große Teile meines Erwachsenenlebens, über dreiundzwanzig Jahre, habe ich in extremer oder zumindest teilweiser Isolation verbracht. Sieben Jahre lang lebte ich zusammen mit einer anderen Person in der Kalahari Wüste, wir waren die einzigen zwei Bewohner eines Gebiets von der Größe Irlands (es gab ein paar nomadische Gruppen von Buschleuten im Süden, aber so weit von uns entfernt, dass wir sie nie zu Gesicht bekamen). Im Luangwa Nationalpark war mein Lager in einem einsamen Teil. Und selbst heute in Idaho sehe ich meistens nur ein- oder zweimal die Woche andere Leute (Anmerkung: Inzwischen ist Delia Owens nach North Carolina, an den Schauplatz ihres Romans gezogen).Meine Erfahrungen sind also ganz sicher in die Erschaffung von Kya eingeflossen. Ich weiß, was es bedeutet, alleine zu sein. Sich mit Pavianen und Hyänen anzufreunden, weil keine Freundinnen in der Nähe leben. Die Isolation kann dich verunsichern und ein Gefühl von Unzulänglichkeit erzeugen. Ich weiß, wie es ist, in die Stadt zu gehen und den Menschen auszuweichen, weil du dich nicht zugehörig fühlst. All das ist auch Kya: allein, unsicher, ungeschickt im Umgang mit Menschen, aber auch zugleich stark, ausdauernd, kenntnisreich und sehr mutig. Am Ende gibt ihr das Vertrauen, dass durch ihr selbständiges Überleben in der Natur entsteht, die Stärke in der menschlichen Welt zu reüssieren.

Im Roman wird die Küstenmarsch in North Carolina fast selbst zum Protagonisten. Warum haben Sie gerade dieses Setting gewählt?
Die Küstenmarsch in North Carolina und überhaupt Natur ist definitiv ein Protagonist des Buches. In einem Satz heißt es „Kya legte ihre Hand auf die atmende nasse Erde, und die Marsch wurde ihr zur Mutter“. Nachdem ihre Familie sie verlassen hat, kann Kya nur noch von der Natur etwas über das Leben lernen. Durch ihre Beobachtung der Krähen lernt Kya, Muscheln zu ernten. Unehrlichkeit begegnet ihr bei den Signalen der Glühwürmchen Loyalität und Freundschaft bei den Möwen.
Ich habe die Marsch ausgewählt, weil sie mir vertraut ist, als Kind bin ich mit meiner Mutter mit dem Kanu campen gegangen im Okefenokee Sumpf und an anderen Orten in der Wildnis. Ein anderer wichtiger Grund: Es wurde bisher nur sehr wenig über die historische Bevölkerung geschrieben, die seit über vierhundert Jahren in den ungezähmten Deltas und Ästuaren lebt. Eine Mischung aus meuternden Schiffsleuten, Schiffbrüchigen, Schuldnern und Flüchtigen, Ausreißern und befreiten Sklaven. Sie ignorierten die Regeln ihrer Zeit, ob britisch, amerikanisch oder die der Bundesstaaten, lebten von dem, was das Land abwarf und balgten sich wie Bisamratten über ihre abgesteckten Reviere. Kya wurde in den 1940ern geboren und wäre damit möglicherweise Teil der letzten echten Bevölkerung der Marsch, die über Generationen in ihrer eigenen Nation zwischen Land und Wasser gelebt haben. (Anmerkung: Auf keinen Fall möchte ich die Populationen der Native Americans vergessen, die dort noch länger als alle anderen, seit vielen hunderten Jahren lebten. Um sie geht es jedoch nicht in diesem Roman. Sie waren zivilisiert und lebten in strenger sozialer Ordnung, starken Familien und mit Regelwerken.) Ebenfalls für die Marsch als Setting spricht, es ist zwar ein wilder Ort, aber dennoch vorstellbar, dass Kya dort alleine überleben kann. Nahrung zum Sammeln gab es im Überfluss, das Klima ist mild, es gibt unzählige Verstecke. Und Gefährten wie Jumpin’ und Mabel sind nicht allzu weit entfernt.

Und können Flusskrebse wirklich singen?
Rein wissenschaftlich-technisch können Flusskrebse nicht singen. Ich habe jedoch eigene Studien betrieben. Ich habe dabei Folgendes herausgefunden: Als erstes musst du – ganz alleine – ein einfaches Lager in der echten Wildnis aufschlagen. Also an einem Ort, weit weg von Straßen oder Dörfern. Kein Park, sondern ein abgelegenes, wildes Fleckchen Land voller irdischer Kreaturen. Bei Beginn der Dämmerung musst du tief in den Wald hineinlaufen. Dort stehst du ungeschützt und ganz alleine, während sich die Dunkelheit um dich legt. Wenn du fühlen kannst, wie der Planet unter deinen Füßen und die Bäume um dich herum sich bewegen, musst du mit offenen Ohren zuhören – und ich verspreche, du wirst die Flusskrebse singen hören. Und tatsächlich wird es ein ganzer Chor sein.

Aus dem Englischen von Ulrike v. Stenglin
Alle Rechte vorbehalten. © G. P. Putnam’s Sons, ein Imprint von Penguin Random House 2018

Samstag

Heute haben
Annette von Droste-Hülshoff * 1797
Alexei Nikolajewitsch Tostoi * 1883
Axel Eggebrecht * 1899
Ingeborg Drewitz * 1923
Yasmina Khadra * 1949
Geburtstag

Annette von Droste-Hülshoff
Am Weiher
Ein milder Wintertag

An jenes Waldes Enden,
Wo still der Weiher liegt
Und längs den Fichtenwänden
Sich lind Gemurmel wiegt;

Wo in der Sonnenhelle,
So matt und kalt sie ist,
Doch immerfort die Welle
Das Ufer flimmernd küßt:

Da weiß ich, schön zum Malen,
Noch eine schmale Schlucht,
Wo all die kleinen Strahlen
Sich fangen in der Bucht;

Ein trocken, windstill Eckchen,
Und so an Grüne reich,
Daß auf dem ganzen Fleckchen
Mich kränkt kein dürrer Zweig.

Will ich den Mantel dichte
Nun legen übers Moos,
Mich lehnen an die Fichte,
Und dann auf meinen Schoß

Gezweig’ und Kräuter breiten,
So gut ich’s finden mag:
Wer will mir’s übel deuten,
Spiel ich den Sommertag?

Will nicht die Grille hallen,
So säuselt doch das Ried;
Sind stumm die Nachtigallen,
So sing’ ich selbst ein Lied.

Und hat Natur zum Feste
Nur wenig dargebracht:
Die Lust ist stets die beste,
Die man sich selber macht.

Und passend zum Sturm, der über uns hinwegbläst:

Am Turme

Ich steh‘ auf hohem Balkone am Turm,
Umstrichen vom schreienden Stare,
Und lass‘ gleich einer Mänade den Sturm
Mir wühlen im flatternden Haare;
O wilder Geselle, o toller Fant,
Ich möchte dich kräftig umschlingen,
Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand
Auf Tod und Leben dann ringen!

Und drunten seh‘ ich am Strand, so frisch
Wie spielende Doggen, die Wellen
Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch,
Und glänzende Flocken schnellen.
O, springen möcht‘ ich hinein alsbald,
Recht in die tobende Meute,
Und jagen durch den korallenen Wald
Das Walroß, die lustige Beute!

Und drüben seh ich ein Wimpel wehn
So keck wie eine Standarte,
Seh auf und nieder den Kiel sich drehn
Von meiner luftigen Warte;
O, sitzen möcht‘ ich im kämpfenden Schiff,
Das Steuerruder ergreifen,
Und zischend über das brandende Riff
Wie eine Seemöve streifen.

Wär‘ ich ein Jäger auf freier Flur,
Ein Stück nur von einem Soldaten,
Wär‘ ich ein Mann doch mindestens nur,
So würde der Himmel mir raten;
Nun muß ich sitzen so fein und klar,
Gleich einem artigen Kinde,
Und darf nur heimlich lösen mein Haar,
Und lassen es flattern im Winde!
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Johannes Brahms: „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?“
Brahms: Choral Works
Cappella Amsterdam unter der Leitung von Daniel Reuss

Inhalt:
Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen op. 74 Nr. 1; Intermezzo op. 119 Nr. 1; 5 Gesänge op. 104; Schicksalslied op. 54; 3 Motetten op. 110; 3 Quartette; Fest- und Gedenksprüche op. 109

Diese Musik passt vielleicht zu diesem stürmischen Wetter und diesen unberechenbaren Zeiten. Darauf gestossen bin ich auf eine Besprechung in der Lokalpresse und den darauffolgenden Anfragen unserer Kunden. Brahms „Deutschen Requiem“ ist vielen von uns bekannt und auch seine anderen kammermusikalischen Werke. Diese Motetten und Chormusik kam mir bisher noch nicht unter. Nun bin ich überhaupt kein Fachmann in klassicher Musik und schon gar nicht in Chormusik, das, was ich aber auf dieser CD zu hören bekam, hat mich stark berührt. Irgendwie scheint Brahms hier all seine Erfahrung eingebaut zu haben und es ist wie eine musikalischer Spaziergang von der Renaissance bis ins 19.Jahrhundert. Nun ist Weihnachten vorbei und das Auflegen von besinnlicher Musik schon wieder in weite Ferne gerückt. Wenn Sie sich jedoch etwas Gutes tun wollen und aus dem Alltag entfliehen, dann legen Sie sich diese CD auf und genießen die musiklaische Meisterleistung.

Hier die drei Fragen an den Dirigenten Daniel Reuss, die in der Ulmer Südwestpress veröffentlicht worden sind:

Herr Reuss, was gab den Ausschlag für die Auswahl der zu hörenden Stücke?

Auf der CD sollten wirklich nur die allerbesten Stücke versammelt sein, die Brahms für Chor geschrieben hat. Die Betonung lag dabei auf seinem Spätwerk. Ich habe versucht, die Werke so anzuordnen, dass hoffentlich ein durchgängiger Spannungsbogen zu hören ist.

Was hat es mit der Klavierbearbeitung des Schicksalsliedes auf sich?

Diese Bearbeitung des Werks hat der Komponist Karsten Gundermann vor rund zehn Jahren vorgenommen. Sie orientiert sich an Brahms‘ eigener Bearbeitung des Deutschen Requiems für Klavier zu vier Händen. Das kammermusikalische Element, das bei Johannes Brahms ja immer präsent ist, kommt darin, wie ich finde, hervorragend zum Ausdruck.

Welche Bedingungen stellen Sie an den Chor und die Akustik?

Wir haben vor der Aufnahme eine Tour mit sechs Konzerten gemacht und die CD dann anschließend in einer sehr schön klingenden, nicht zu großen Kirche in Amsterdam eingespielt – mit genügend Zeit für alle Stücke. Mein akustisches Ideal ist der geschlossene Chorklang, bei dem man einfach alle Stimmen hören kann, also nicht zu sopranlastig, was ja doch bei Brahms recht schnell passieren kann, sondern mit Betonung auf Harmonie und Transparenz.

Auf der Seite von jpc, unserem CD-Grosshändler, können sie in die einzelnen Stücke hineinhören.