Freitag, 15.Januar

Kunst auf dem Recyclinghof


Heute haben
Moliere * 1622
Franz Grillparzer * 1791
Walter Serner * 1889
Ossip Mandelstam * 1891
Franz Fühmann * 1922
Geburtstag
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Franz Grillparzer
Sorgenvoll

Mein Kummer ist mein Eigentum,
Den geb ich nicht heraus.
Was gut wohl sonst an mir und schlimm,
Besitzt und teilt! Das hab und nimm!
Mit ihm nur halt ich Haus.

Und wie der Geizge seinen Schatz
Des Nachts besieht bei Licht,
So zähl ich ihn, wenn alles Ruh,
Entsprungne Körner leg ich zu
Und lausch und atme nicht.

Und kommts zu sterben, leg ich ihn
Als Obol in den Mund,
Vielleicht zahlt er den Fährmann mir
Und zähmt das Frohen neidsche Tier,
Des schwarzen Orkus Hund.
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Dank Jürgen Kanold, der dieses Buch gestern in dern Ulmer Südwestpresse groß und überschwenglich besprochen hat, habe ich mir gestern abend das Buch geschnappt und hatte einen sehr vergnüglichen Lektüreabend.


Julian Barnes: „Der Mann im roten Rock
Deutsch von Gertraude Krueger
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 24,00

Julian Barnes begann diesen Roman im Jahr 2019 zu schreiben, als in England die Brexit-Verhandlungen die Stimmung im Lande aufheizten. „Chauvinismus ist eine Erscheinungsform der Ignoranz“, schreibt er als ersten Satz in seinem kurzen Nachwort. Dabei ist er auf Dr. Samuel Pozzi (1846–1918) gestoßen, einem Arzt, Lebemann, Übersetzer, Reisender, Liebhaber, ach was weiß ich nicht noch alles. Ach ja: Sammler. Dass er durch eine Kugel sterben musste, nimmt Barnes gleich vorne weg und nimmt uns mit auf eine Reise durch das Paris der Belle Époche. Humorvoll, spritzig, geistreich und klug, mit vielen Fotos und Porträts versehen, mäandern wir durch diese Zeit, genießen die Menge an Namen, die auftauchen, ähnlich wie bei Illies´“1913″ und staunen immer wieder über die Menschen, die sich in diesen hohen Kreisen bewegten. Barnes verknüpft, erläutert (u.a. das franz. System der standesgemäßen Verheiratung, des standesgemäßen Kinderproduzieren und der danach folgenden Liebschaften), spinnt ein großes Netz und zeigt sich als sehr wissensbegieriger und wissenreicher Mensch, der uns schon auf den ersten Seiten eine kunsthistorische Bildbetrachtung des Porträts auf der Titelseite präsentiert.
Ein Genuß.

Leseprobe
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Das Abholen am Buchladen klappt ganz gut.
Wenn Sie uns bei der Bestellung ein (vorgeschriebenes) Zeitfenster angeben, erfüllen wir auch noch diese Corona Verordnung.
Vielen Dank.

Bitte denken Sie daran, dass wir während des Lockdowns am Samstag nur von 9 bis 13 Uhr geöffnet haben.

Samstag

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Heute haben
J.R.R.Tolkien * 1892
und Maxie Wander *1933
Geburtstag.
Es ist auch der Todestag von Rose Ausländer und Eva Strittmatter.
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baenes

Julian Barnes: „Eine Geschichte der Welt in 10½ Kapiteln“
Kiwi Taschenbuch € 9,99
Titel der Originalausgabe: The History of the World in 10½ Chapters
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger
€ 12,99

Es tut so gut, alte Bekannte wieder zu treffen. Jetzt, während der vielen Feste, sitzen sie um den Küchentisch herum und reden und auch auf dem Büchertisch im Buchladen tauchen immer wieder Freunde auf, die ich aus den Augen verloren habe. Julian Barnes‘ Buch zählt auch dazu. Was war das für ein Hype (damals gab es das Wort noch gar nicht), als sein „Flauberts Papagei“ erschienen ist. Es muss ein Haffmans-Buch gewesen sein. Und dann dieses Buch, das danach kam. Hier zeigt sich, was Barnes alles drauf hat. In diesen 10½ Kapiteln lässt er verschiedene Personen auftreten und ihre Geschichten erzählen, Hölzwürmer in der Arche Noah, ein Terrorkommando, die ein Schiff kapern, ein Fussballstar im Himmel, usw. Er berichtet von einem blinden Passagier, der mit ansehen muss, wie seine Mitreisenden einer nach dem anderen von der hungrigen Mannschaft der Arche Noah verspeist werden, von den sonderbaren Irrfahrten einer jungen Frau, von einer beschwerlichen Reise zum Berg Ararat, einem Filmdreh in Südamerika, der furchtbar in die Hose geht, von einer Geiselnahme auf hoher See, von Géricaults »Floß der Medusa« und wie aus einer Katastrophe Kunst wird. Es sind einzelne Geschichten, die Barnes gekonnt mit immer wieder auftauchenden Motiven verknüpft. Ein pures Lesevergnügen, in dem sich der satte englische Humor des Autors zeigt und auch seine Gabe mit uns, den Lesern, zu spielen. „Das Ende einer Geschichte“, ein Buch, das vor nicht all zu langer Zeit erschienen ist, spielt mit unseren Erinnerungen und verblüfft uns ein ums andere mal. Und so ist es auch hier, in diesem Buch, das 1989 im Original erschienen ist. Barnes zieht alle Register der Erzählart: Briefe, Gerichtsprotokolle, Bildbeschreibungen, Erinnerungsberichte.
Lassen Sie sich von diesem Buch verführen und genießen Sie diese Geschichte der Welt in 10½ Häppchen, die sich für jeden Abend vor dem Einschlafen gönnen können.
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Die neuen Verlagsvorschauen sind endlich ausgepackt, die dazugehörenden Leseexemplare ins Regal gestellt und jetzt kann der Wahnsinn wieder losgehen. Das Hamsterrad beginnt sich zu drehen. Nächste Woche stehen die ersten Vertreter auf der Matte und bieten uns ihre neuen Bücher an, die wir natürlich alle einkaufen sollen. Wie soll das bloß gehen? Auch wenn der Tag 34 Stunden hätte und wenn ich nur die wirklich guten Bücher rausgreifen würde – die Zeit reicht nie und nimmer. Zwei Bücher, die mir nicht sonderlich gut gefallen haben, raubten mir schon diese wervolle Zeit. Im Moment verschlinge ich den neuen Roman von Sibylle Berg, die mal wieder sehr frech ist. Ich hoffe, eine gute Auswahl an Büchern zu finden, die wir dann auf unserem großen Ladentisch präsentieren können. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
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Es bringen

Hier kommt ein weiterer Textausschnitt aus dem Roman, aus dem Verena Güntner bei uns am Freitag, den 16.1. ab 19 Uhr vorlesen wird.

„Ich will nicht dumm sterben. ich will auch nicht ZU klug sterben, was manchmal passieren kann, ich kennen Leute, denen das passiert ist, und das ist übel, könnt ihr mir glauben. Nur eins weiß ich, Leute: Dumm  sterb ich auf keinen Fall.“