Donnerstag, 24.Juni

Heute haben
Ambrose Bierce * 1842
Bruce Marshall * 1899
Yves Bonnefoy * 1923
Anita Desai * 1937
Gerhard Roth * 1942
Eugen Ruge * 1954
Geburtstag
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Georg Trakl
Sommer

Am Abend schweigt die Klage
des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
der rote Mohn.

Schwarzes Gewitter droht
über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
erstirbt im Feld.

Nimmer regt sich das Laub
der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
rauscht dein Kleid.

Stille leuchtet die Kerze
im dunkeln Zimmer;
eine silberne Hand
löschte sie aus;
windstille, sternlose Nacht.
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Oswald Egger: „Entweder ich habe die Fahrt am Mississippi nur geträumt, oder ich träume jetzt
Suhrkamp Verlag im Großformat € 28,00

Was ist das denn für ein Gesamtkunstwerk? Ein Gedankenspiel, ein Wunderwerk von Worterfindungen. Eine Reise am großen Fluss in Amerika entlang und ein Gedankenfluss der besonderen Art. Es ist eine Reise in die Vergangenheit mit den österreichischen Auswanderen über den Ozean, eine Reise während der Corona-Pandemie von einem Autoren, der in der Raketenstation in Hombroich wohnt und nach den Sternen greift. Im Kopf, mit dem Stift und seinen Zeichnungen auf dem Papier und mit seiner Sprache. Egger mäandert durch Zeit und Raum und ist trotzdem extrem strukturiert, denn seine fast 400 kurzen Abschnitte sind exakt 17 Zeilen lang und je zwei auf einer Seite.
Dass Egger ein Worterfinder, ein Wortausgraber und Sprachverdreher ist, können Sie in der Leseprobe feststellen. Lassen Sie sich überraschen. Und: ich glaube, wir können die Texte auch in anderer Reihenfolge lesen. Ein Versuch wäre es wert.
„Ich springe wie ein Gespinst zwischen Bucht und Ufer, und ich vernähe sie. Faulschlammschwämme grub ich mit der Pfote aus dem Lehm und klopfte sie zu zweien, beide Böden: Wie ein Schwingsieb pendelte der Rieselsand Bahnen. Und solche Auskolkungen vertiefen sich.“

Leseprobe
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Berichtsentwurf des Weltklimarats
„Das Schlimmste kommt erst noch“

tagesschau.de: 23.06.2021 09:09 Uhr

Mehr Hitzewellen, mehr Hunger, Überschwemmungen, Artensterben – Experten des Weltklimarats zeichnen ein düsteres Bild für den Fall, dass es nicht gelingt, die Erderwärmung einzudämmen: Sie sehen die Menschheit in Gefahr.

Der komplette Artikel unter tagsschau.de.
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Donnerstag, 26.Januar

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Heute haben
Antonio Pennacchi * 1950
Jochen Missfeldt * 1941
und Achim von Arnim * 1781
Geburtstag
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Georg Trakl
Der Schlaf

Verflucht ihr dunklen Gifte,
Weißer Schlaf!
Dieser höchst seltsame Garten
Dämmernder Bäume
Erfüllt von Schlangen, Nachtfaltern,
Spinnen, Fledermäusen.
Fremdling! Dein verlorner Schatten
Im Abendrot,
Ein finsterer Korsar
Im salzigen Meer der Trübsal.
Aufflattern weiße Vögel am Nachtsaum
Über stürzenden Städten
Von Stahl.
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Nuria Rial und Valer Sabadus: „Sacred Duets
Nuria Rial, Valer Sabadus, Kammerorchester Basel
Sony  CD  € 19,99

Endlich sind die beiden Größen der Barockmusik auf einer CD zu hören. Die Sopranistin Buria Rial und der Countertenor Valer Sabadus.
Beide zeigen ihre Gesangskunst mit weitgehend unbekannten Arien und Duetten aus Oratorien von u. a. Alessandro Scarlatti, Giovanni Paolo Colonna, Giovanni Gabrieli, Antonio Lotti, Giovanni Battista Bonnoncini, Bernardo Pasquini und Antonio Caldara legt. Unterstützt werden Rial und Sabadus vom Kammerorchester Basel, das für seine historische Aufführungspraxis mit Barockinstrumenten bekannt ist. Es ist nicht das erste Mal, daß ich eine CD der Sängerin hier vorstelle. Ihr glockenheller Klang ist schon sehr bewegend und wenn dann noch die Stimme des Sängers dazukommt, ist das schon etwas Besonderes. Schön auch, daß hier neue Musik zu entdecken ist und nicht nicht schon wieder Händel. Zwar hören wir Scarlatti, aber mit Stücken, die nicht so oft zu hören sind. Im 17.Jahrhundert verbot der damalige Papst seine Musikstücke. Kurzerhand firmierte er sie in geistliche Oratorien um. So blieben uns diese Musikstücke erhalten. Wenn auch unter neuem / falschen Namen. Zwar werden alle Register der Liebe gezogen:  so auch Leid, Schmerz und Rachegelüste. Dies war jedoch nichts Ungewöhnliches in der damaligen geistlichen Musik, da viele Komponisten diese Themen unter einem kirchlchen Deckmäntelchen veröffentlichten.
So können wir uns zurücklehnen, die Liebesduette der beiden lauschen und uns wundern, was die menschliche Stimme zustande bringt.
Leider habe ich kein Musikbeispiel aus der CD gefunden, das ich hier veröffentlichen könnte. Einen Eindruck der Gesangskunst der beiden, zeigen aber auch diese Videos.

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Vielleicht doch ganz dick fett und rot im Kalender notieren, daß Ihnen der Termin nicht untergeht. Sonntag abend im Theater Ulm.

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Mittwoch, 3.Februar

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Heute haben
Gertrude Stein * 1874
Georg Trakl * 1887
Johannes Urzidil * 1896
Simone Weil * 1909
Andrzej Szczypiorski * 1928
Paul Auster * 1947
Henning Mankell * 1948
Geburtstag


Georg Trakl
In einem verlassenen Zimmer

Fenster, bunte Blumenbeeten,
eine Ogel spielt herein.
Schatten tanzen an Tapeten,
Wunderlich ein toller Reihn.

Lichterloh die Büsche wehen
Und ein Schwarm von Mücken schwingt
Fern im Acker Sensen mähen
Und ein altes Wasser singt.

Wessen Atem kommt mich kosen?
Schwalben irre Zeichen ziehn.
Leise fließt im Grenzenlosen
Dort das goldne Waldland hin.

Flammen flackern in den Beeten.
Wirr verzuckt der tolle Reihn
An den gelblichen Tapeten.
Jemand schaut zur Tür herein.

Weihrauch duftet süß und Birne
Und es dämmern Glas und Truh.
Langsam beugt die heiße Stirne
Sich den weißen Sternen zu.

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David Grossman:Kommt ein Pferd in die Bar
Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer
Hanser Verlag € 19,90
Auch als Ebook erhältlich

Was hier David Grossman geschrieben hat, ist so anders, als das, was wir von ihm kennen und doch vereint es all seine Themen, die er in seinen vielen Bücher verarbeitet hat. Dieser neue Roman ist so scharf, so böse, so witzig und so unglaublig traurig, dass mir immer wieder der Atem gestockt hat. Dass es ein Autor schafft, ähnliche Themen in einer ganz anderen Schreibweise wiederzugeben, zeigt allein schon die große Klasse des israelischen Autors. „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ gehört zu meinen Lieblingsromanen und Grossman schreibt darin über die militarisierte israelische Gesellschaft, über traumatisierte Kinder, Shoahüberlebende und die tägliche Angst vor Krieg, Attentanten und Tod. Hier nimmt er uns mit in einen Club in einer Kleinstadt am Meer. Die Zuschauer erwarten einen heiteren Abend mit dem Stand-up Comedian Dovele Grinstein. Grinstein hat seine besten Tage schon gehabt. Er tourt durch kleine Städte, reisst Possen und Zoten über komische Alltagskatastrophen. Daher auch der etwas komisch anmutende Titel des Buches. Dovele Grinstein hat an diesem Abend seinen ehemaligen Jugendfreund eingeladen, der als Richter tätig war, jetzt pensioniert ist und der ihn in einer wichtigen Situation im Stich gelassen hat. Er, der Richter solle genau zusehen, hat er ihn aufgefordert. Das tut er auch und berichtet uns über diesen schauerlichen, bösen, lustigen, tragischen Abend. Denn Dovele Grinstein entgleitet die Show. Es ist nicht der gewohnte Witzeerzähler, wie ihn die Zuschauer kennen. Sie wollen lachen, sich amüsieren, haben viel Geld dafür bezahlt und bekommen nun einen ganz anderen Auftritt geboten. Als Grinstein in der ersten Reihe seine zwergwüchsige Freundin aus Kindertagen entdeckt, ist es um den Komiker geschehen. Er brüllt sich sein Innerstes nach aussen, er geht die Zuschauer an, die reihenweise den Saal verlassen. Aus einem Comedy-Abend wird eine bitterböse Tragodie, die nicht weit von King Lear entfernt ist.
David Grossman hat viel gewagt und zu recht gewonnen.
Ein Buch, das mich sehr bewegt hat.

Leseprobe
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Nach einem knallvollen Buchladen, gestern abend zur „Ersten Seite“, möchte ich jetzt schon auf unsere nächste Veranstaltung bei uns hinweisen:

Donnerstag , 18.Februar um 19 Uhr
Zora del Buono liest aus:
„Gotthard“ und „Das Leben der Mächtigen“
Bei uns in der Buchhandlung € 10,00

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