Dienstag

Heute haben
Ernst Meister * 1911
und
Kiran Desai * 1971
Geburtstag
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Von Heinrich Heine gibt es heute ganz starken Tobak in meinem Gedichtekalender:

Morphine

Groß ist die Ähnlichkeit der beiden schönen
Jünglingsgestalten, ob der eine gleich
Viel blässer als der andre, auch viel strenger,
Fast möcht ich sagen viel vornehmer aussieht
Als jener andre, welcher mich vertraulich
In seine Arme schloß – Wie lieblich sanft
War dann sein Lächeln und sein Blick wie selig!
Dann mocht es wohl geschehn, daß seines Hauptes
Mohnblumenkranz auch meine Stirn berührte
Und seltsam duftend allen Schmerz verscheuchte
Aus meiner Seel – Doch solche Linderung,
Sie dauert kurze Zeit; genesen gänzlich
Kann ich nur dann, wenn seine Fackel senkt
Der andre Bruder, der so ernst und bleich. –
Gut ist der Schlaf, der Tod ist besser – freilich
Das beste wäre, nie geboren sein.
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titel

Mac Barnett: „Extra Garn
mit Illustrationen von Jon Klassen
Aus dem Englischen von Susanne Lin
Verlag Freies Geistesleben € 15,90

Jawoll! Ein weiteres Buch von Jon Klassen. Diesmal tritt er „nur“ als Illustrator in Erscheinung. Aber was für tolle Bilder. Wow! Kein Wunder stand das Buch auf der New York Times-Bestsellerliste und ist zudem Gewinner der Caldecott Honor 2013 und wurde mit dem Boston Globe-Horn Book Award ausgezeichnet. Was will man mehr. Ich finde: Zu Recht. Jon Klassen spielt immer in der Champions League.
Vor Kurzem hatte ich hier auf dem Blog das Buch von ihm vorgestellt, in dem der kleine Fisch dem großen Fisch den Hut klaut und meint, er sei so schlau, dass der Große ihn nie finden wird. Zuvor wurde doch dem Bären der Hut gemopst. Diesmal wird allerdings nichts weggenommen, sondern es kommt immer mehr dazu. Gut, es ist vielleicht noch nicht die Jahreszeit dafür, aber die kalten Herbsttage stehen in den Startlöchern und der Winter kommt bestimmt. Hier nun zum Inhalt:
Annabelle wohnt in einer kleinen, grauen Stadt, in der alles weiß von Schnee, oder schwarz von Ruß ist. Da findet sie eine kleine Truhe voll mit Wollgarn in allen Farben. Annabelle geht nach Hause und strickt sich einen Pulli, aber es ist immer noch Garn übrig. Also bekommt ihr Hund Mars auch einen. Aber: Es ist immer noch Garn übrig. So bekommen innerhalb kürzester Zeit alle Freunde, Nachbarn und Mitschüler einen Pulli.

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Nur Herr Pflaume nicht. Der trägt nämlich auch im tiefsten Winter nie einen und hat immer kurze Hosen an. Aber er hat keine Mütze. Naja, hatte keine. Annabelle strickt ihm nämlich eine. Nachdem alle Menschen und auch alle Tiere (sehr lustig anzuschaun) bestrickt worden sind (und immer noch Garn übrig ist) bekommen Dinge einen Pullover, die sonst nie einen haben.

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Briefkästen, Vogelhäuser, richtige Häuser, Türme und ganze Kirchen. Auch Bäume und Sträucher leuchten in den bunten Farben von Annabelles nie ausgehendem Garn.

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Davon bekommt auch ein Großherzog zu hören. Er macht sich mit seinem Schiff sofort auf den Weg, um der kleinen Annabelle die Holzkiste mit dem Garn abzukaufen. Die Kleine geht aber auf das Angebot von einer Million nicht ein. Auch beim letzten Angebot von zehn Millionen sagt sie nein.

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So schickt der Großherzog nachts drei Räuber los, um die Holzschatulle zu stehlen. Jetzt muss ich aber aufhören, sonst kennen Sie ja schon die ganze Geschichte. Aber Sie ahnen sicherlich, dass das alles gut ausgeht.
Mac Barnetts Geschichte und Jon Klassens Illustrationen sind so stimmig und liebevoll, dass einem fast das Herz überläuft. Wir erkennen bei den Tiere immer wieder welche, die in seinen anderen Bilderbücher vorgekommen sind und wissen nun, wo sie wohnen. Und das mit dem Strickgarn ist doch ne tolle Geschichte. Hoffentlich haben Sie in der Familie auch eine Oma oder Tante, der die Wolle nie ausgeht und von der Sie immer zu Nikolaus ein Pärchen Socken bekommen. Ein Traum, wenn dem so ist.
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humansofnewyork

Gefunden bei humansofnewyork.tumblr.com
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