Mittwoch, 4.März

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Heute haben
Gabriele Tergit  * 1894
Giorgio Bassani * 1926
Alan Silitoe * 1928
James Ellroy * 1948
Khaled Hosseini * 1965
Geburtstag
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Joseph von Eichendorff
Frühlingsnacht

Über’n Garten durch die Lüfte
Hört‘ ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt’s schon an zu blühn.

Jauchzen möchte‘ ich, möchte weinen,
Ist mir’s doch, als könnt’s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen’s,
Und in Träumen rauscht’s der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen’s:
Sie ist Deine, sie ist dein!
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Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“
Eine Einladung
Ullstein Verlag € 17,99

Eine Einladung steht als Untertitel auf dem Buch. Das klingt fast etwas makaber, wenn wir wissen, von was, über was Maja Göpel schreibt.
Es geht bei ihr nicht um mehr oder weniger, als eine große Wirtschaftskritik. Ein vernichtende Analyse der Marktwirtschaft (wir können auch Kapitalismus sagen) in der wir aufgewachsen sind, die als alleingültig dasteht. Diese Wirtschaftsform hat uns in Europa großen Wohlstand gebracht und gleichzeitig viele Länder in die Armut getrieben.
Dass dieser Wachstumswahn nicht anhalten kann, dürfte uns allen klar sein und trotzdem ist dieses „mehr mehr“ das oberste Credo unserer Politiker. Gerade wollen Altmeier und Scholz das, wegen Corona, gefährdete Wachstum finanziell unterstützen.

Unsere Welt steht an einem Kipp-Punkt, und wir spüren es. Nicht so stark, wie in den Ländern des Südens, da wir Hauptverschmutzer es immer noch am Angenehmsten haben. Aber den Klimawandel merken wir auch hier in Ulm.
Der us-amerikanische Autor Jonathan Franzen schreibt: „Game over“. Es ist nichts mehr zu retten und die Fakten, die Maja Göpel auflistet, gehen in die gleiche Richtung. Doch sieht sie immer noch Hoffnung, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Unser Denken, Tun, die Wirtschaft und Politik und technischen Inovationen müssen in die richtige Richtung gelenkt werden.
Diese Zukunft neu und ganz anders in den Blick zu nehmen – darin besteht die Einladung, die Maja Göpel ausspricht.

Maja Göpels Buch fängt mit einer Aktion von Extinction Rebellion in London an. Wenn Sie mehr über die kommende Klimakatastrophe wissen wollen, dann schauen Sie am kommenden Freitag um 19 Uhr in der vh Ulm vorbei. Dort halten Aktivist*Innen der Ulmer Gruppe von XR einen sehr informativen Vortrag zum Thema.

Ein Interview des Ullstein Verlages:

Wenn wir über den Klimawandel sprechen, denken wir an die Erderwärmung oder das Schmelzen der Gletscher. Sie zeigen in Ihrem Buch, dass es auch um Freiheit, Demokratie, Wohlstand, Armut und Migration geht. Wie hängt das zusammen?

Der Klimawandel ist wie alle globalen Umweltschäden die Folge einer Lebensweise, deren Ideen aus dem vergangenen Jahrhundert stammen. Damals dachte man, die Natur, die Ressourcen, die Widerstandsfähigkeit des Planeten seien endlos und damit auch das Wachstum der Wirtschaft. Heute wissen wir, der Kuchen kann nicht immer weiter wachsen. Dass jeder unterm Strich ständig mehr hat, geht nicht auf. Also müssen wir uns fragen, wie wir den Kuchen anders backen und verteilen. Unser Wohlstand darf nicht die Ursache für die Armut anderer Menschen sein, unsere Freiheit nicht der Grund dafür, dass andere ihre Heimat verlassen müssen.
Maja Göpel Unsere Welt neu denken

Was ist Ihr Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?

Die Diskussion darüber, was zu tun ist, wird mit großer Leidenschaft geführt. Gleichzeitig führt sie nicht zu Lösungen. Extreme Positionen bestimmen das Bild. Immer heißt es: Entweder Wohlstand oder Klimaschutz. Entweder Kapitalismus oder Ökodiktatur. Entweder Freiheit oder Verbote. Der Mittelweg hat kaum Fürsprecher, dabei würde ihn die Mehrheit der Leute vermutlich mitgehen. Worum sorgen wir uns wirklich? Was haben wir abseits der Extreme gemeinsam? Diese Fragen zu stellen und dann zu zeigen, dass viele Dinge, die angeblich einander ausschließen, sich gut kombinieren lassen – das ist mein Appell.

Und Sie fordern, dass wir das Soziale mit dem Ökologischen versöhnen, um bei der Klimadebatte voranzukommen?

Das Soziale und das Ökologische miteinander zu versöhnen würde uns nicht nur beim Klima helfen. Es ist die Grundlage dafür, dass die Menschheit überhaupt weiter in Frieden auf dem Planeten leben kann. Die künstliche Trennung – hier der Mensch, da die Umwelt – lieferte in der Vergangenheit die Begründung dafür, warum die natürlichen Ressourcen so rücksichtslos ausgeplündert werden durften, als könne der Mensch ohne Umwelt existieren. Heute beeinflusst die Menschheit die natürlichen Entwicklungsprozesse der gesamten Erde. Daraus entsteht eine neue Verantwortung. Wir brauchen ein neues Weltbild, aber auch ein neues Selbstbild, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.

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Bildrechte: Kai Müller

Maja Göpel, geboren 1976, ist Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin und berät die Bundesregierung zu Umweltfragen als Generalsekretärin des wissenschaftlichen Beirates zu globalen Umweltveränderungen. Die gefragte Rednerin stellte im März 2019 vor der Bundespressekonferenz die Kampagne Scientists for Future vor, bei der sich mehr als 26.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Forderungen der Schülerproteste zu mehr Klimaschutz anschlossen. Sie ist ein häufiger Gast in TV-Diskussionen.
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Heute abend ab 19 Uhr gibt es im Gleis 44 in der Schillerstraße 44
und am Freitag, den 6.März ab 19 in der vh Ulm jeweils einen Vortrag zum Klimawandel, zur Klimakatastrophe.
Veranstalter ist die Ortsgruppe Ulm von Extinction Rebellion.

Freitag, 31.Mai

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Heute haben
Ludwig Tieck * 1773
Georg Herwegh * 1817
James Krüss * 1926
Swetlana Alexijewitsch * 1948
Gabriel Barylli * 1957
Frank Goosen * 1966
Geburtstag.
Aber auch Rainer Werner Fassbinder.
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Georg Herwegh
Frühlingsnacht

So sel’ge Stille traf ich nie!
Kaum lispelt’s in den Zweigen,
Als hätten ein Geheimnis sie
Den Menschen zu verschweigen.

Kaum plätschert noch die Welle fort,
Kaum knospet’s in den Hecken,
Als gälte es, die Sterne dort
Am Himmel nicht zu wecken.

Die guten Geister senken sich
Auf ihren Strahlen nieder
Und bringen, die bei Tag entwich,
Die Ruh den Träumen wieder.

Mein Schifflein treibt im Sturm allein,
Und niemand will es retten;
So müd dies Haupt, es schläft nicht ein –
Ich muß ihm tiefer betten.
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9783423640473

Jason Reynolds: „Lu“
Wir sind Familie

dtv € 14,95
Jugendbuch ab 12 Jahren

9783423640411 9783423640428 9783423640466

Endlich ist der vierte Band erschienen. Ich habe mich nach Ghost, Patina und Sunny gleich auf Lu gestürzt und wurde nicht enttäuschst. Irgendwie ging es dieses Mal etwas anders los und es dauerte ein wenig, bis ich in die Geschichte hineinfand. Aber dann. Wow, was für ein klasse Jugendbuch. „Wir sind Familie“ heisst der Untertitel. Ja und sie sind mit ihrer Leichtatletik-Gruppe eine Familie und Jason Reynolds schafft es, einige wichtige Frage ganz am Ende dieses vierten Bandes zu lösen. Positiv und für alle Beteiligten mit Blick auf eine gute Zukunft.

Dieses Mal geht es um das Großmaul Lu. Er ist schnell, sehr schnell und ein Albino. Als er erfährt, dass er ein kleines Geschwisterchen bekommt, sieht er einige Dinge seines Lebens anders. Genau, wie die drei Jugendlichen der Vorgängerbücher hat auch er keine leichte Kindheit. Was wir aber über seinen Vater erfahren ist noch viel gefährlicher, als wir alles dachten. Es wendet sich alles zum Guten, da Lu einen guten Draht zu seinem Vater hat und der Vater sich u.a. beim Trainer für seine frühere Taten entschuldigt. Dazu ist nämlich Familie da.
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Am kommenden Dienstag ist wieder „1.Seite“ und wir stellen vier neue Bücher vor.
Beginn ist um 19 Uhr.
The one and only Clemens Grote wird lesen.