Freitag, 19.Mai

Heute haben
Rahel Varnhagen von Ense * 1771
Fritz Rudolf Fries * 1935
Otto Jägersberg 1942
David Glattauer * 1960
Jodi Picoult * 1966
Geburtstag
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Heute ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit.
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Friedrich Rückert
Himmelsschlüsselchen

Himmelschlüsselchen ist genannt ein goldnes
Feingebildetes Blümchen auf der Wiese,
Weil den Himmel auf Erden sieht die Unschuld
Aufgeschlossen im Frühling unter Blumen.
Himmelschlüsselchen nenn‘ ich, sprach ein Jüngling,
Dich mit eigenem Rechte, weil ein Himmel
Mir auf Erden, ein Herz, sich aufgeschlossen,
Ein geliebtes, im Frühling, als zum ersten
Kranz ich schüchtern dich wand mit andern Blumen.
Himmelschlüsselchen! den mir aufgeschloss’nen
Himmel schließe mir jeden Frühling neu auf,
Still verschließ’ ihn vor jedem Blick des Neides!
Jedem anderen aber sei ein andrer
Himmel offen, den ich nicht ihm beneide.

(aus dem unten besprochenen Buch)
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Unser Buchtipp:

Es flüstern und sprechen die Blumen
Eine Blütenlese in Bild und Gedicht
Ausgewählt von von Karl-Heinz Göttert
Reclam Verlag € 14,00

Die Eisheiligen halten sich dieses Jahr sehr tapfer. Es ist immer noch kühl, windig und nass. Ja, wir brauchen dringend den Regen, aber unsere Seele braucht auch Sonne und etwas Wärme in die Knochen.
Diese Neuerscheinung im Reclam Verlag zeigt, was wir jetzt schon sehen und im Laufe des Frühjahrs und des Frühsommers wieder entdecken können. Die Natur wird bunt, überall im Garten, in den letzten Ecken, spitzelt etwas Buntes. Kein Wunder, dass sich auch Dichter und Künstler von Rose und Hyazinthe seit jeher beflügelt fühlten. Dieses Buch versammelt eine wunderbare Auswahl kunstvoller Naturmalerei von Maria Sibylla Merian, Albrecht Dürer, Pierre Joseph Redouté und anderen und Gedichte von Eduard Mörike, Clemens Brentano, Elisabeth Langgässer, Joachim Ringelnatz und vielen anderen.


Leseprobe

Samstag, 1.April



Heute haben
Nikolai Gogol * 1809
A.Kollontai * 1872
Edgar Wallace * 1875
Carl Sternheim * 1878
Milan Kundera * 1929
Rolf Hochhuth * 1931
Geburtstag
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Eduard Mörike
Zitronenfalter im April

Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!
Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.
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Nach dem Zitronenfalter, jetzt Hummeln und Bienen:


Von Bienen, Hummeln und Menschen
Gedichte herausgegeben von Eberhard Scholing
Reclam Verlag € 7,00

Noch habe ich keine gesehen. Aber lange kann es nicht mehr dauern und die gestreiften Insekten sind wieder unterwegs. So hoffe ich doch zumindest. Hier bekommen Sie schon einen ganzen Schwung davon. Das kleine Bändchen versammelt eine große Auswahl an Poeten und Poetinnen aus Jahrhunderten, die Gedichte über die fleißigen Brummer verfasst haben. Lassen Sie sich überraschen.

Die Kapitel-Überschriften lauten:

Emsig unterwegs
Fabelbienen
Liebesgesumm
Stachelstiche
Poetischer Honig
Heile Bienenwelt
Ein Bienenjahr geht zu Ende

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Gotthold Ephraim Lessing
Die Biene

Als Amor in den goldnen Zeiten
Verliebt in Schäferlustbarkeiten
Auf bunten Blumenfeldern lief,
Da stach den kleinsten von den Göttern
Ein Bienchen, das in Rosenblättern,
Wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Amor klüger.
Der unerschöpfliche Betrüger
Sann einer neuen Kriegslist nach:
Er lauscht in Rosen und Violen;
Und kam ein Mädchen sie zu holen,
Flog er als Bien heraus, und stach.

Wilhelm Müller
Die Bienen

Biene, dich könnt‘ ich beneiden,
Könnte Neid im Frühling wachsen,
Wenn ich dich versunken sehe,
Immer leiser leiser summend,
In dem rosenroten Kelche
Einer jungen Apfelblüte.

Als die Knospe wollte springen
Und verschämt es noch nicht wagte,
In die helle Welt zu schauen,
Jetzo kamst du hergeflogen
Und ersahest dir die Knospe;
Und noch eh‘ ein Strahl der Sonne
Und ein Flatterhauch des Zephyrs
Ihren Kelch berühren konnte,
Hingest du daran und sogest.

Sauge, sauge! – Schwer und müde
Fliegst du heim nach deiner Zelle:
Hast dein Tagewerk vollendet,
Hast gesorgt auch für den Winter!

Leseprobe
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Am kommenden Dienstag, den 4.April ist es wieder soweit.
Ab 19 Uhr liest Clemens Grote aus neuen Romanen und wir sagen noch ein paar Worte dazu.
Dieses Mal sind es sogar fünf Bücher.

Carolina Schutti: „Meeresbrise“
Markus Orths: „Mary & Claire“
Judith Hermann: „Wir hätten uns alles gesagt“
Tarjei Vesaas: „Der Keim“
Laurent Mauvignier: „Von Menschen“

Der Eintritt ist frei.


Montag, 27.März


Heute haben Geburtstag:
Heinrich Mann * 1871
Francis Ponge * 1899
Golo Mann * 1909
Hansjörg Schneider * 1938
Harry Rowohlt * 1945
Dubravka Ugresic * 1949
Patrick McCabe * 1955
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Selma Meerbaum-Eisinger
Frühling

Sonne. Und noch ein bißchen aufgetauter Schnee
und Wasser, das von allen Dächern tropft,
und dann ein bloßer Absatz, welcher klopft,
und Straßen, die in nasser Glattheit glänzen,
und Gräser, welche hinter hohen Fenzen
dastehen, wie ein halbverscheuchtes Reh …

Himmel. Und milder, warmer Regen, welcher fällt,
und dann ein Hund, der sinn- und grundlos bellt,
ein Mantel, welcher offen weht,
ein dünnes Kleid, das wie ein Lachen steht,
in einer Kinderhand ein bißchen nasser Schnee
und in den Augen Warten auf den ersten Klee …

Frühling. Die Bäume sind erst jetzt ganz kahl
und jeder Strauch ist wie ein weicher Schall
als erste Nachricht von dem neuen Glück.
Und morgen kehren Schwalben auch zurück.
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Wiederentdeckt:


Tarjei Vesaas: „Der Keim
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Guggolz Verlag € 24,00

Das ist der dritte Roman des norwegischen Autoren, den Sebastian Guggloz in seinem Verlag herausbringt. Der dritte und gleichzeitig auch der älteste von den dreien. 1940 erschienen, im Jahr der Besatzung Norwegens durch die deutsche Armee. Treffender könnte der Inhalt des Buches kaum sein. In seiner verknappten Sprache spielt Tarje Vesaas mit den Gefühlen der Personen in seinem Buch und auch mit unseren Beziehungen zu ihnen.
Auf einer kleinen norwegischen Insel, auf der jeder jede kennt, geschieht aus heiterem Himmel ein Mord aus dem Affekt heraus, der nicht nachvollziehbar ist. Sofort macht sich die Insel-Dorf-Gemeinschaft zu einer Hetzjagd auf, um den fremden Menschen und Mörder, der erst kurz vorher mit dem Schiff angekommen ist, zu finden, ihn zur Rede zu stellen und ihn hinzurichten. Rolv Li der Bruder der toten jungen Frau und Sohn des Großbauern befindet sich inmitten der Meute und ersticht den Täter, nachdem dieser von allen umringt worden ist. Alle machen sich bei diesem zweiten Lynchmord schuldig, aber sie zeigen mit ihren Fingern auf Rolv.
Das sich an diesem Sommertag etwas tragisches geschehen wird, bahnt sich an, da Tarjei Vesaas zu Beginn des Romanes mit einer sehr merkwürdigen Szene aus dem Schweinestalls des Bauern beginnt, in dem zwei Schweine komplett durchdrehen und versuchen sich zu zerfleischen.
Im Roman spielen Schuld und Sühne, sinnlose Gewalt, Familienbande und Ausbrechen aus der Inselgemeinschaft wichtige Rollen und zeigen hier schon das außergewöhnliche schriftstellerische Können des Autoren, wie wir es aus „Die Vögel“ und „Das Eisschloß“ kennen.
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Im Rahmen der Leipziger Buchmesse und dem Schwerpunktland Österreich
haben wir den Droschl Verlag und Milena Michiko Flasar zu uns eingeladen.

Donnerstag, 20.April, 19 Uhr. Der Literaturverlag Droschl stellt sich vor.

Kurz bevor Österreich Gastland auf der Leipziger Buchmesse ist, präsentiert sich Österreichs feine Adresse für Literatur: Verlegerin Annette Knoch stellt ihren Verlag vor, erzählt zu Programm, Idee und Geschichte des Hauses. Danach werden zwei druckfrische Neuerscheinungen präsentiert:

Die Tirolerin Carolina Schutti, Droschl-Autorin seit 2021, liest aus ihrem Roman „Meeresbrise„.
„Ein schmales Buch, aber eines, das eine ganze Welt in sich birgt, eine Welt aus Lügen und Märchen, mit denen eine etwas seltsame Mutter ihre zwei Töchter eingesponnen hat.“ (Martin Sailer, ORF)

Anschließend tritt Bodo Hell auf, Droschl-Autor der ersten Stunde, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat und nach wie vor jeden Sommer als Senner im Dachsteingebirge arbeitet. In seinem neuen Buch „Begabte Bäume“ gibt er vom Ahorn bis hin zur Zirbe Botanisches, Historisches, Kulturgeschichtliches, Erstaunliches, Listiges und Listen zum Besten und führt uns durch Österreichs Vergangenheit und Gegenwart.
Nach der Veranstaltung lädt der Verlag zu einem Glas steirischen Wein.

Literaturverlag Droschl Stenggstraße 33 A-8043 Graz
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Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

»Alleinstehend. Mit Hamster«, so beschreibt sie sich selbst. Suzu lebt in einer japanischen Großstadt. Unscheinbar. Durchscheinend fast. Der neue Job aber verändert alles. Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung.
Herr Ono ist unbemerkt verstorben. Allein. Es gibt viele wie ihn, immer mehr. Erst wenn es wärmer wird, rufen die Nachbarn die Polizei. Und dann Herrn Sakai mit dem Putztrupp, zu dem Suzu nun gehört. Sie sind spezialisiert auf solche Kodokushi-Fälle. »Fräulein Suzu«, wie der Chef sie nennt, fügt sich widerstrebend in die neuen Aufgaben. Es braucht dafür viel Geduld, Ehrfurcht und Sorgfalt, außerdem einen robusten Magen. Die Städte wachsen, zugleich entfernt man sich voneinander, und häufig verschwimmt die Grenze zwischen Desinteresse und Diskretion.
Suzu lernt schnell. Und sie lernt schnell Menschen kennen. Tote wie Lebendige, mit ganz unterschiedlichen Daseinswegen. Sie sieht Fassaden bröckeln und ihre eigene porös werden. Und obwohl ihr Goldhamster sich neuerdings vor ihr versteckt, ist sie mit einem Mal viel weniger allein.
Milena Michiko Flašar hat eine frische, oft heitere Sprache für ein großes Thema unserer Zeit gefunden. Und sie hat liebenswert verschusselte Figuren erschaffen, die man gern begleitet. Ein unvergesslicher, hellwacher Roman über die ›letzten Dinge‹.
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Bitte reservieren Sie sich rechtzeitig Plätze, damit Sie sie bei den besonderen Veranstaltungen dabei sein können.


Samstag, 25.März

Heute haben
Flannery O’Connor
Wieslaw Mysliwski * 1932
Geburtstag
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Georg Trakl
Im Frühling

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.

Immmer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:


Markus Orths: „Mary & Claire
Hanser Verlag € 26,00

Mary Shelley, geborene Godwin, wächst bei Ihrem Vater, Wiliam Godwin (Sozialphilosph und Anarchist), dessen neuer Frau und ihrer Halbschwester Clara ( päter Claire) auf. Die Mutter ist kurz nach Marys Geburt gestorben, trotzdem hat Mary ein inniges Verhältnis zu ihr und verbringt Stunden und Tage an ihrem Grab. Mary wird wegen ihrer Aufmüpfigkeit ins Internat gesteckt, reißt dort aus und danach landet sie in Schottland auf dem Land. Wieder zurück in London, verliebt sie sich in den Dichter und Romantiker Percy Shelly, auch ihre Halbschwester Claire ist dem Lebemann und Frauenheld verfallen. In seliger Verliebtheit wollen sie von Marys Vater den Segen, setzten sie doch wegen dessen Freigeistigkeit seine Zustimmung voraus. Leider geht diese Rechnung nicht auf, Percy ist noch verheiratet und hat ein Kind, das kann der Vater nicht gelten lassen und verbietet Mary jeglichen Kontakt.
Zu dritt (Mary, Claire und Percy) fliehen sie nach Frankreich, wo Percy, durch eine erwartete Erbschaft , ihnen ein tolles Leben verspricht. Leider klappt das nicht wie erwartet, sie leben in immer ärmlicheren Verhältnissen. Percy fängt mit Claire ein Verhältnis an und Mary ist schwanger.
Es geht zurück nach England, die Wogen glätten sich und sie leben immer wieder in einer Dreiecksbeziehung, bis Claire sich heillos in Lord Byron verliebt, der sowohl Männer und Frauen liebt , und das in unüberschaubarer Menge. Da in England die Todesstrafe auf Homosexualität steht, wechselt er mit seinem Leibarzt (auch Schriftsteller) an den Genfer See. Das Trio folgt (Claire hat alles eingefädelt) und zwischen Byron und Percy entsteht eine enge Freundschaft, Claire wiederum bekommt nicht, was sie sich erhofft hat, außer ein Kind vom Lord.
Ein turbulentes Durcheinander und Miteinander einer Künsterclique, die völlig unkonventionell in die Tage gelebt haben. Das geht natürlich nur mit Geld, und das hatten sie. Alle schreiben, auch die Frauen.
Mary Shelly hat am Genfer See ihren „Frankenstein“ geschrieben, den ich jetzt wohl doch mal lesen werde.
Ein tolles Buch, ich habe es tatsächlich am Stück verschlungen und empfehle es wärmstens.

Leseprobe

Auf der Hanserseite gibt es 5 Fragen an Markus Orths:

Lieber Markus Orths, in Ihrem neuesten Roman geht es um junge Menschen, die sich ins Leben werfen. Es geht um Rausch und um Literatur. Wer sind Mary & Claire?
Es sind Mary Shelley und ihre Stiefschwester Claire Clairmont. Mary Shelley ist bekannt als Autorin von Frankenstein. Claire Clairmont kennt man kaum. Auch Claire hat geschrieben. Unter anderem ein verschollenes Manuskript mit dem Titel: Idiot. Die beiden Schwestern entfliehen der Londoner Enge mit ihren Normen und Konventionen, sie sind jung und voller Liebe, sie wollen reisen, schreiben, lesen, das Leben einatmen. An der Seite des Rebells und Dichters Percy Shelley stürzen sie sich in abenteuerliche Fahrten durch Frankreich, die Schweiz und Deutschland. Doch die Freiheit schmeckt anders, als sie es sich vorstellen.

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zum ersten Mal dachten, dass hier der Stoff für einen Roman verborgen liegt?
Mein Buch hieß ursprünglich Mary. Das Leben von Mary Shelley fand ich schon bei meinem Englisch-Examen erschütternd (so viele tote Menschen um sie her) und aufregend zugleich. Beim Schreiben hat sich Claire immer mehr ins Buch gedrängt. Ihre Briefe haben mich begeistert. In einem dieser Briefe las ich plötzlich von ihrem Buchprojekt Idiot. Ich erfuhr, dass Lord Byron das Manuskript gelesen und gelobt hat. Und fragte mich sofort: Was war das für ein Buch? Warum ist es verschollen? Worum ging es? Was für eine Schriftstellerin ist hier verloren gegangen? So wurde langsam, aber sicher aus dem geplanten Roman Mary der Roman Mary & Claire.

Wie haben Sie recherchiert und was davon findet sich im Roman wieder?
Ich habe die Tagebücher und Briefe gelesen, manche Schriften dieser Menschen, aber man muss maßhalten in der Recherche, sonst verliert man den Fokus. Ins Buch fließt alles, was ich selber spannend und verrückt genug finde und was dem roten Faden des Buches entspricht. Bei Claire habe ich auch viel erfunden. Kurz gesagt: Das Bekannte, die Briefe, Tagebücher, Schriften, die vorliegen, bilden den Hintergrund des Romans; all das Unbekannte, die herausgerissenen Seiten aus Tagebüchern und verlorenen Texte bilden den Vordergrund.

Ihr Roman ist Schwesterngeschichte, Liebesgeschichte und Künstlerinnenroman. Was ist für Sie selbst der Kern des Buches?
Das Gegensatzpaar Einsamkeit und Alleinsein. Einsamkeit ist im Roman positiv besetzt: Aus ihr erwächst die Kraft für das Schreiben. Sich selbst zum Ausdruck zu bringen gelingt nur im Rückzug vom anderen. Die Einsamkeit aber hat ihre Kehrseite im Alleinsein. Da wird sie zur Qual, zur Hölle. Wie soll man erfüllt leben ohne andere Menschen, ohne Begegnung, Reden, Vorlesen, Zuhören, Liebe? Das Leben für die Romantiker war ein Wechselspiel zwischen der Fülle des Abtauchens in sich selbst und der Fülle der Begegnung mit anderen.

Für Mary & Claire ist Schreiben eine existenzielle Notwendigkeit. Was bedeutet Schreiben für Sie persönlich?
Wenn ich aufhöre zu schreiben, gehe ich ein wie eine Primel. Das weiß ich. Das fühle ich. Mit allem Pathos: Ich schreibe um mein Leben. Es ist das, was mir Sinn und Halt gibt, nur aus der Einsamkeit des Schaffens kann Begegnung mit anderen gelingen. So gibt es eine große innere Nähe zum Thema des Buches und zu den Menschen: Mary & Claire & Percy & Byron.

Sonntag, 19.März


Heute haben
Philip Roth * 1933
Kirsten Boie * 1950
Thomas Lang * 1967
Geburtstag
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Friedrich Hölderlin

Die Sonne kehrt zu neuen Freuden wieder,
Der Tag erscheint mit Stralen, wie die Blüte,
Die Zierde der Natur erscheint sich dem Gemüte,
Als wie entstanden sind Gesang und Lieder.

Die neue Welt ist aus der Tale Grunde,
Und heiter ist des Frühlings Morgenstunde,
Aus Höhen glänzt der Tag, des Abends Leben
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Angela McAllister und Anna Shepta (Illustrationen): „Gutenachtgeschichten rund um die Welt
Aus dem Englischen von Kristin Lohmann
Ravensburger Verlag € 18,99


Ene Reise ins Land der Träume

50 zauberhafte Gutenachtgeschichten aus aller Welt nehmen Groß und Klein mit auf eine Reise und erzählen fantastische Geschichten von Träumen, Abenteuern und Tieren.
Europa, Afrika, Asien, Australien und Ozeanien, Nordamerika, Naher Osten, Südamerika u.a. mit „Aladin und die Wunderlampe“ (Orient), „Das Sternenmädchen“ (Nordamerika), „Das Schwert im Stein“ (England), „Die Frau, die das Meer stahl“ (Fidschi), „Der Mäsuekönig“ (Bolivien), „Die schlaue Schildkröte“ (Nigeria), „Der Sack voller Winde“ (Griechenland) und vielen mehr.
Es sind Geschichten die wir (in Varianten) kennen und Entdeckungen aus fernen Ländern und Kontinenten. Der Umfang einer Gutenachtgeschichte beträgt meistens nicht mehr als eine Seite, dazu noch die märchenhaften, folkloristischen Illustrationen. Somit eignen sie sich bestens für das Vorleseritual im Bett.

Samstag, 25.Februar


Heute haben
Victor Hugo * 1802
Hermann Lenz * 1913
Elizabeth George * 1949
Leon de Winter * 1954
Michel Houellebecq * 1958
Atiq Rahimi * 1962
Geburtstag
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Friedrich Hölderlin
Der Frühling

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,

O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh‘ und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.
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Christoph Marx
(Text) & Dieter Wiesmüller (Illustrationen):
Deutsche Geschichte in 100 Zitaten

Von Tacitus bis Merkel
Duden Verlag € 29,00

„Ora et labora.“, „Frisch, fromm, fröhlich, frei.“, „Hier stehe ich! Ich kann nicht anders.“ „So schnell schießen die Preußen nicht.“, „Ich bin ein Berliner.“, „Wir sind Papst.“, „Wir schaffen das!“, „Wie könnt ihr es wagen?!“.
Das sind ein paar der 100 Zitate, die chronologisch, von der Antike bis in die Gegenwart, aufgelistet sind und danach auf dem historischen Hintergrund erläutert und zugeordnet und ihr heutiger Gebrauch erklärt werden. Christoph Marx schreibt über die Persönlichkeiten, von der das jeweilige Zitat stammt, aus welchem Zusammenhang es entnommen wurde und was der geschichtliche Hintergrund dazu ist. Er wirft somit Schlaglichter auf die deutsche Geschichte und macht sie damit lebendig.
Am Ende eines jeden Kapitels findet sich noch eine Kurzbiographie der Person.
Ein Lesebuch, ein Nachschlagewerk, ein Zitatenschatz für Junge und Alte.

Dienstag, 5.April


Heute haben
Robert Bloch * 1917
Arthur Hailey * 1920
Hugo Claus * 1929
Bora Cosic * 1932
Jochen Ziem * 1932
Werner J.Egli * 1943
Geburtstag
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Lessie Sachs (1897-1942)
Frühling

Die Sonne scheint, und man ist bass erstaunt,
Die Bäume schmücken sich mit Perlen-Schnüren,
Und haben, weiss Gott, junge-Braut Allüren,
Und alle Welt ist plötzlich gut gelaunt.

Der Frühling kommt wahrhaftig jetzt in Gang,
Der Herr von nebenan pfeift „Winterstürme“, –
Der Häftling denkt, wie er am besten türme, –
Du denkst: wie werd‘ ich wieder jung und schlank? –

Man sollte jetzt sofort die Grosstadt fliehn,
Die Kinder spielen draussen Ringelreihe, …
Vielleicht kann man am Sonntag doch in’s Freie, …
Doch hat man leider garnichts anzuziehn. –

Man wärs eigentlich jetzt gern zu zwei’n,
Man ist bereit zu jeder Art von Märchen, –
Zur Hälfte sind die Menschen Liebespärchen,
Die and’re Hälfte möcht es gerne sein.
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Christine Langer: Ein Vogelruf trägt Fensterlicht
Gedichte
Kröner Verlag / Edition Klöpfer € 20,00

An der Schwelle

Lichtrisse schieben den Himmel vor sich her bevor sie die Abend-
Glocken in die Baumwipfel hängen

Schwer wiegen sich die Schatten des Walds in den Wolken
Und spannen Laken über die Erde

Der Geruch feuchter Steine trägt Spuren wilder Tiere in mein Haus:
Ich habe die Stirn gelehnt an die offene Tür der Nacht

Christine Langers Gedichte aus diesem neuen Band spüren den Kleinigkeiten in der Natur nach. Spiegelungen am Himmel, im Fenster werden zu Lyrik umgewandelt, die wiederum irgendwo in der Natur auftauchen.

Der Blick aus dem Fenster geht mit dem Sturm,
Bald bricht sich Zweig um Zweig an jenem Baum,
Von dem es hieß, daß der Himmel darin wächst.

Es ist eine Reise durch das eigene Zimmer, durch den Garten vor dem Haus, den Wiesen und dem Wald um die Ecke, mit allem was sich darin und darüber bewegt, in Verse gesetzt, die eine große Leichtigkeit in sich bergen und doch nicht auf den ersten Moment schlüssig sind. Das zweite und dritte Lesen machen den Reiz der Gedichte aus.
Erinnerungen mischen sich mit Gefühlen und verbinden sich mit dem Klang der Wörter zu einem stimmigen Ganzen.

Das Krähenpaar im offenen Fenster holt den Morgen
aus dem Winterschlaf eines fremden Tiers


Montag, 14.März

35.000 Menschen bei der Friedensdemo in Stuttgart

Heute haben
Peter Paul Zahl * 1944
Jochen Schimmang * 1948
Christian Dithfurth * 1953
Geburtstag
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Theodor Fontane
Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh‘,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!
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Unser Bilderbuchtipp:


Miriam Zedelius: „Picknick mit Herrn Klein / Picknick mit Frau Groß
Rotfuchs Pappbilderbuch € 10,00
ab 2 Jahre

Das kleinformatige Pappbilderbuch enthält gleich zwei Geschichten. Einmal lädt Herr Klein Frau Groß zu sich ein. Aber: Das Haus ist viel zu klein und den Minikuchen macht Frau Groß auch nicht satt. Aber sie können ja zusammen auf die Wiese gehen, ein Picknick veranstalten und die Kirschen vom Baum pflücken. Gemeinsame liegen sie danach unter der Sonne und ruhen sich aus.
Danach: Einfach umdrehen!
Jetzt lädt Frau Groß Herrn Klein ein. Aber der Stuhl und der Tisch sind viel zu groß. Also nix wie raus auf die Wiese. Vom riesigen Kuchen von Frau Groß bekommen alle Vögel aus dem Park noch etwas ab und die beiden liegen unter der Sonne und ruhen sich aus.
Hier auf der Wiese, unter der Sonne, in der Mitte des Buches treffen sich nämlich die beiden und wir können das Buch wieder umdrehen und von vorne beginnen.
Eine schöne Freundschaftsgeschichte über alle Hindernisse hinweg.

Montag, 19.April

Heute haben
August Wilhelm Iffland * 1759
Riccardo Bacchelli * 1891
Richard Hughes *1900
Stefan Schütz * 1944
Pierre Lemaitre * 1951
Geburtstag
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Friedrich Hölderlin
Der Frühling

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo Feste sich verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.
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Susanne Link empfiehlt:


Steffen Kopetzky: „Monschau“
Rowohlt Berlin Verlag € 22,00

Angelockt von dem Namen Monschau (zu meinen Schulzeiten die stärkste Volleyballschulmannschaft) und um das Wissen, wie schön es dort ist,h abe ich mir das Buch fürs Wochenende geschnappt und bin eingetaucht in die Welt der jungen Bundesrepublik. 1962, Wirtschaftswunderzeit, Karneval und die Pocken in der Eifel. Ein junger kretischer Arzt, der die Menschen in Quarantäne schickt und sich in die reiche Erbin verliebt und natürlich der Hürtgenwald mit seiner Geschichte ganz in der Nähe. Aus diesen vielen verschiedenen Erzählfäden hat Kopetztky einen spannenden Roman gestrickt, der brandaktuell ist und auf wahren Begebenheiten basiert.
Lesenswert.

Leseprobe
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Dies schrieb unser Verband am Sonntag:

Baden-Württemberg-Notbremse ab Montag, 19. April 2021 ­
­Sehr geehrter Herr Wiltschek,

wie am Freitag verkündet, möchte die Landesregierung Baden-Württemberg nicht auf die „Bundes-Notbremse“ warten. Mit der gestern Nacht verkündeten und am morgigen Montag, den 19. April in Kraft tretenden CoronaVO werden ab einer Inzidenz von 100 strengere Maßnahmen verordnet. Im wesentlichen sind das:
– verschärfte Kontaktbeschränkungen (eigener Haushalt plus eine weitere Person über14 Jahren)
– Ausgangsbeschränkungen zwischen 21 und 5 UhrBau- und Raiffeisenmärkte müssen schließen
-für Friseurbesuche ist ein negativer Coronatest vorgeschrieben
Wichtig für Buchhandlungen in Baden-Württemberg ist, dass entgegen der Aussagen von Sozialminister Lucha am Freitag Click & Collect auch bei einer Inzidenz von über 100 weiter erlaubt bleibt.
Dieser Vorschlag wurde in der Ressortabstimmung gestrichen, wir gehen davon aus, dass das Wirtschaftsministerium, getrieben vom massiven Widerspruch, den sowohl wir als auch Handelsverband und IHK eingelegt haben, das verhindern konnte.
Die für die sog. Bundes-Notbremse vorgesehene Einreihung des Buchhandels in die Sortimente des täglichen Bedarfs hat Baden-Württemberg nicht übernommen. Aufgrund der weiter bestehenden Entscheidung des VGH Mannheim war das aber auch nicht zu erwarten.

Was heisst das für die Buchhandlungen in Baden-Württemberg?

Die ab Montag, den 19. April geltende CoronaVO bringt für Buchhandlungen in Baden-Württemberg  keine Veränderungen. Es gilt weiterhin:
– bei einer Inzidenz von weniger als 50 darf unter Beachtung der Regelungen zur maximalen Kundenzahl pro Quadratmeter geöffnet werden
– bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 ist Click&Meet erlaubt
ab einer Inzidenz von 100 ist nur Click&Collect und Lieferung erlaubt.
Also der Verkauf an der Ladentür.
An diesen Regelungen wird nach jetzigem Stand auch die sog. „Bundes-Notbremse“ nichts ändern, falls sie in der kommenden Woche verabschiedet wird. Denn nach dem bisher vorliegenden Entwurf bleiben „weitergehende Regelungen“ der Länder unberührt. Sollte sich an dieser Einschätzung etwas ändern, werden wir Sie informieren.

MIttwoch 14.April

Heute hat
Peter Esterházy * 1950
Geburtstag
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Friedrich Schiller
An den Frühling

Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!

Ei! ei! da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.

Denkst auch noch an mein Mädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen,
Und ’s Mädchen liebt mich noch!

Fürs Mädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir –
Ich komm‘ und bitte wieder,
Und du? – du gibst es mir.

Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
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Unser heutiger Tipp:

Sara Pennypacker: „Hier im echten Leben
Kann ein Träumer die Welt verändern?
Aus dem Amerikanischen von Brigitt Krollmann
Mit ein Vignetten von Jon Klassen
Sauerländer Verlag € 17,00
Jugendbuch ab 11 Jahren

Wade ist ein 11-jähriger pummeliger, verträumter Junge, der von seinen Eltern (der Vater ist Flugzeugeinwinker, die Mutter Managerin in einem Krisenzentrum) überbehütet wird. In diesem Sommer soll er ins Ferienlager, da Vater und Mutter Doppelschichten arbeiten wollen, damit sie ihr Haus abbezahlen können. Schwierig für Wade, der sich gerne in der Welt der Ritter und ihrer Art zu leben und ihrem Ehrencodex lebt. Kontakt zu anderen Gleichaltrigen aufzunehmen, fällt ihm schwer.
Schon nach einem Tag geht er nicht mehr ins Lager, sondern ein eine eingezäunte Gelände mit einer eingefallenen Kirche, auf der Jolene Papayas in kleinen Blechdosen großzieht. Jolene ist eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Isa aus den Romanen von Wolfgang Herrndorf. Sie ist das Gegenteil von verträumt und wirft Wade immer wieder vor, dass er im Wunderland lebe, hier aber das echte Leben sei. Im Gegensatz zu Wade hat sie keine Helikoptereltern. Ganz im Gegenteil.
Wie diese beiden Jugendlichen, die unterschiedlicher wohl kaum sein könnten, an sich wachsen und reifen, erzählt uns Sara Pennypacker mit großer Wärme und Empathie.
Mit dem Auftauchen von Ashley nimmt die Geschichte nochmals Fahrt auf, da sie weiß, was mit dem Gelände geschehen soll und gemeinsam hecken sie diverse Pläne aus, wie sie ihre eigene Welt, die sie in dieser Brache geschaffen haben, retten können.
Es endet dann doch ganz anders, aber mit einem fulminanten Ende, bei dem sich nicht nur bei Wade Veränderungen zeigen, sondern sich auch seine Eltern und Jolene öffnen und merken, dass Vertrauen für den jeweils anderen sehr wichtig ist.
Vielen Dank Sara Pennypacker für dieses Jugendbuch.