Mittwoch, 22.März


Heute haben
Albrecht Goes * 1908
Michael Hamburger * 1924
Wolfgang Bächler * 1925
Eveline Hasler * 1933
Bruno Ganz * 1941
André Heller * 1947
Érik Orsenna * 1947
Aleida Assmann * 1947
Geburtstag.
Heute, im Jahre 1832, ist Goethe gestorben.
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„Wer im Leben nur rechnet, kommt nie auf seine Rechnung.“
Albrecht Goes
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Arno Frank: „Seemann vom Siebener
Tropen Verlag € 24,00

Ein Tag im Freibad, der letzte schöne Tag am Ende der Ferien, in einem Bad, das noch so aussieht wie früher. Noch keine Tunnelrutsche, die Kabinen mit zugestopften Gucklöchern und der Bademeister ist der gleiche wir vor 25 Jahren. Ein Investor sitzt schon in den Startlöchern.
Da ist Renate, die im Kassenhäuschen sitzt , nachdem ihr Kassensitz in der Bank durch den Automaten getauscht wurde. Da ist Joe, die eigentlich nicht unbedingt hier sein sollte, denn heute ist die Beerdigung ihres (mittlerweile ungeliebten) Mannes. Da ist Isobel, die noch aus einer ganz fernen Zeit stammt und dort auch mehr oder weniger wieder zuhause ist. Melanie kommt mit ihrer Kitagruppe zum Seepferdchen machen und das angeschlagene Geschwisterpaar, sie redet nicht und hat sich frisch die Haare abrasiert, halten das Publikum mit „dem Seemann“ vom Sprungturm in Atem.
Nun taucht auch noch Lenny auf, der in der großen Welt ist und eigentlich zur Beerdigung des ehemaligen Freundes in die Heimststadt gekommen ist. Warum ihn ausgerechnet der Weg ins Freibad geführt hat, weiß er auch nicht so recht. Jetzt steht er hier und staunt, dass es hier so aussieht wie immer und dann trifft er auch noch seine Jugendliebe Joe.
Kiontke, der Bademeister, hätte eigentlich ein gutes Leben, wäre nicht vor ein paar Jahren ein Unglück im Bad geschehen. Er fühlt sich schuldig, ist er aber keinesfalls.
Wäre es nicht März, würde ich sagen: Ab damit ins Freibad!
Der Anfang des Romans ist ein bisschen derb, aber bitte weiterlesen, dahinter versteckt sich ein wunderbar feinsinniger, humorvoller Roman im Hier und Jetzt mit einem bisschen Damals.

Leseprobe

Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier Journalist vor allem für den SPIEGEL, die taz und den Deutschlandfunk. Er lebt mit seiner Familie in Wiesbaden. Zuletzt erschien von ihm der Roman „So, und jetzt kommst du“ .
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Auf SWR Landesschau Rheinland-Pfalz gibt es einen Beitrag über Gérard Scappini, der bei uns im Buchladen aus seinem letzten Buch vorgelesen und viel erzählt hat. Genießen Sie die 4-5 Minuten.

Auf seiner Homepage können Sie den Beitrag anschauen.

Samstag, 23.Juli

Der neue Bücherbus
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Heute haben
Raymond Chandler * 1888
Elio Vittorini * 1908
Hubert Selby * 1928
Werner Kofler * 1947
Thea Dorn * 1970
Geburtstag
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„Mir ist es piepegal, ob Salz, Butter, Wein oder Frauen schlecht für mich sind; das Leben ist eine unheilbare Krankheit.“
George Tabori ( gestorben am 23.7.2007)
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Neu als Taschenbuch:

David Szalay: „Turbulenzen
übersetzt aus dem Englischen von Henning Ahrens
dtv € 11,00

Ein Reigen von von zwölf Erzählungen, zwölf Menschen, zwölf unterschiedliche Situationen, zwölf Ländern, zwölf Städten. Bis sich am Ende der Reigen wieder schließt. Das Leben der Personen gerät unerwartet in Turbulenzen. Also nicht im Flugzeug, sondern auf der Erde, dort wo sie wohnen und leben, fallen sie aus ihrem Alltag.
Von der Globalisierung wissen wir, dass alles mit allem zusammenhängt und dass es nicht einfach ist, Situationen losgelöst zu betrachten. Corona hat uns das deutlich vor Augen geführt. Und so lesen wir hier, dass diese individuellen Leben auch nicht einzeln zu betrachten sind.
Ein unterhaltsamer, spannender Roman, der mit vielen Wendungen aufwartet und uns zeigt, wie klein unsere Welt und wie wichtig Solidarität in dieser Zeit ist.

Leseprobe

5 Fragen des Hanser Verlages an David Szalay

Wie entstand die Idee, Ihr Buch Turbulenzen zu schreiben, welches auf der ganzen Welt spielt – und wie steht das mit Ihrem letzten Buch Was ein Mann ist in Verbindung?
Eine einzige Geschichte kann der Vielfalt des Lebens nicht gerecht werden und erst durch das Nebeneinanderstellen von verschiedenen Geschichten kann etwas Bedeutungsvolles geschaffen werden. Man braucht mehrere Stimmen in einem Buch, um die heutige Welt zu erfassen, weil die Gesellschaft so fragmentiert und zunehmend divers ist. In Turbulenzen wollte ich die geographische Reichweite, die sich in Was ein Mann ist schon auf Europa ausdehnt, noch vergrößern. Die Herausforderung des Buches war es also, in relativ kurzen Geschichten etwas über die Welt zu sagen. Vermutlich eine ehrgeizige Idee.

Das Buch beginnt und endet in London: Gibt es einen Grund, wieso Sie bestimmte Routen eher gewählt haben als andere?
Das Buch sollte auf jeden Fall am gleichen Ort beginnen und enden. Die Zirkularität ist für mich ein grundlegender Aspekt des Buches. Ich bin in London aufgewachsen und die Stadt ist ein Zentrum meiner persönlichen Welt – auch wenn ich mittlerweile in Budapest lebe. Auch in Turbulenzen schließt sich der Kreis mit der letzten Geschichte, in der eine Engländerin, die in Budapest lebt, nach London zurückkehrt und sich dort von ihrer Vergangenheit abgetrennt fühlt. Für die anderen Schauplätze des Buches – von Dakar bis São Paulo, Toronto und Delhi – habe ich versucht, Orte zu finden, die ich selbst zumindest schon einmal besucht habe – bis auf zwei Ausnahmen… Ich bin gespannt, ob die Leserinnen und Leser herausfinden, welche das sind.

Sind Entfremdung und Einsamkeit ein relevantes Merkmal unserer kosmopolitischen Welt geworden, trotz der Zunahme von Kontakten und der neuen Möglichkeiten von Begegnungen?
Ich denke, dass wir optimistischer sein können. Auf eine Art ist Turbulenzen natürlich auch ein Buch darüber, wie uns unsere Freiheit und Mobilität sowohl physisch als auch virtuell stärker vernetzen ohne jedoch zwangsläufig die Qualität der Begegnungen zu erhöhen. Aber es ist auch ein Buch über die Wichtigkeit der grundlegendsten Verbindungen, wie zum Beispiel der familiären, die unserem Leben Bedeutung geben.

Menschliche Fragilität ist eines der Hauptthemen des Buches: In unserer „schönen neuen technologischen Welt“ scheint sich der Mensch seiner Sterblichkeit aber nicht mehr bewusst zu sein. Sehen Sie das in der aktuellen Krise bestätigt?

Die Krise bringt uns zu unserer Zerbrechlichkeit zurück – zu unserer Sterblichkeit und unserer letztlichen Hilflosigkeit. Das Buch ist in gewisser Weise auch eine Fallstudie, wie unser Lebensstil die Grundlage dafür legt, dass sich Krankheiten oder ähnliches schnell und einfach um die ganze Welt verbreiten können. Globalisierung ist also nicht nur ein abstraktes Wort, Globalisierung ist eine sehr physische Realität. Ob wir unseren Lebensstil aufgrund des Coronavirus ändern werden, weiß ich nicht und bezweifle es sogar. Aber es hat ganz sicher schon verändert, wie wir uns selbst sehen.

Fliegen Sie gerne und welche besonderen Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie in der Luft sind?
Beim Fliegen verdampfen für mich die Orte dazwischen. 2008 bin ich einmal von London nach Timbuktu geflogen und habe dort einen Monat verbracht, Leute getroffen in ganz unterschiedlichen Landschaften, die wüstenähnlicher werden, je südlicher man kommt. Der Rückflug nach London hat nur sechs Stunden gedauert, seitdem habe ich ein tiefsitzendes Bewusstsein dafür, wie Orte nicht zu existieren scheinen, wenn man über sie fliegt.
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Hardy on Tour
Tag 57


97 km und 1450 HM von Freiburg über Hinterzarten, Titisee und Schluchsee nach kurz hinter Blumberg

Nach ausgiebigem Frühstück am späten Vormittag bei Lisa losgeradelt. Das Navi wollte mich auf die Bundesstraße durch’s Höllental führen (ich hab Rennradmodus eingestellt bei der Tourplanung), aber das wollte ich mir dann doch nicht antun und bin schließlich einfach der Radbeschilderung nach Titisee gefolgt. Gute Entscheidung; denn die Route war völlig verkehrsarm und landschaftlich natürlich sehr sehr schön.
Aber echt auch anstrengend. Der Anstieg von Oberied nach Hinterzarten hoch mit durchgängig 9 – 11 % Steigung. Da waren die müden Vogesen-Beine nochmal tüchtig gefordert und genossen wenig später dann das erfrischende und wohlverdiente  Bad, im immer wieder schönen Titisee. Dort dann die Zeit verbummelt bevor es weiterging zum nächsten See, dem Schluchsee.
Im so lieblichen Abendlicht schließlich noch im Auf und Ab der Straße  bis hinter Blumberg gestrampelt und den Blick auf die Hegauberge gerichtet Das Zelt am Ufer des Flüßchens Biber aufgestellt. Ob ich wohl einen zu sehen bekomme????

Freitag, 22.Juli

Vollmond über dem Latemar / Dolomiten vom Ritten aus gesehen. Foto: Margit

Heute haben
Karoline Pawlowa * 1807
Oskar Maria Graf * 1894
Tom Robbins * 1936
Arno Geiger * 1968
Geburtstag
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Detlev von Liliencron
Heimgang in der Frühe

In der Dämmerung,
Um Glock zwei, Glock dreie,
Trat ich aus der Tür
In die Morgenweihe.

Klanglos liegt der Weg,
Und die Bäume schweigen,
Und das Vogellied
Schläft noch in den Zweigen.

Hör ich hinter mir
Sacht ein Fenster schließen.
Will mein strömend Herz
Übers Ufer fließen?

Sieht mein Sehnen nur
Blond und blaue Farben?
Himmelsrot und Grün
Samt den andern starben.

Ihrer Augen Blau
Küßt die Wölkchenherde,
Und ihr blondes Haar
Deckt die ganze Erde.

Was die Nacht mir gab,
Wird mich lang durchbeben,
Meine Arme weit
Fangen Lust und Leben.

Eine Drossel weckt
Plötzlich aus den Bäumen,
Und der Tag erwacht
Still aus Liebesträumen.
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Gestern ging es um Wörter, die man nicht sagen soll,
heute geht es um ausgewanderte Wörter.

Matthias Heine: „Ausgewanderte Wörter
Von Deutschland in die ganze Welt
DuMont Verlag € 20,00

Nach seinem Buch „Eingewanderte Wörter“ dreht der Matthias Heine jetzt den Spieß um und zeigt uns deutsche Wörter, die in anderen Sprachen (leicht abgeändert) benutzt werden. „kindergarten“, „pretzel“ und „wurst“ kennen wir von den Us-Amerikanern, aber wussten Sie, dass auf Samoa „Benzin“ „pensini“, auf Papua-Neuguinea „Schubkarre“ „supkar“ heißt. Dass eine Minute 60 Sekunden hat, ist klar, aber dass die Inuit „minuti“ und „situnti“ benutzen, war mir fremd.
Kurios wird es, wenn andere Sprachen einen Germanismus nutzen, wo wir uns für einen Anglizismus entschieden haben. So nennen die Franzosen einen katastrophalen Absturz der Aktienkurse „krach“, während bei uns „Crash“ das deutsche Wort fast verdrängt hat. Was wir im Computerjargon „Firewall“ nennen, heißt bei den Russen „brandmauer“ und im Englischen bekommt man keinesfalls einen „Shitstorm“, sondern „flak“, so schreibt es der Autor.

Ungarisch: radirgumi
Englisch: schadenfreude
Swahili: shule
Polnisch: stempel
Bulgarisch: Bormaschina

sind weitere ausgewanderte Wörter und im Buch gibt es noch viele andere Beispiele.
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Hardy on Tour
Tag 56


148 km und 1600 HM von Bruyeres über den Col du Grand Ballon und Hartmannswillerkopf  nach Freiburg

Ziemlich geschafft, doch sehr erfüllt heut Abend in Freiburg bei Lisa angekommen. Ich darf auf einen richtig schönen Radtag zurückblicken. Durfte staunend die weiten  Ausblicke von den Höhen der Vogesen auf der „Route des Cretes“ erleben. Davor ein herrlich wohltuendes Bad im Lac de Longemer nehmen und beim Bäcker Drive In genüsslich frühstücken nach einer feuchten Nacht mit allerlei Nacktschnecken am und erfreulicherweise nicht im  Zelt.
Mein Weg führte mich bewusst zum Hartmannswillerkopf und zu der eindrucksvollen Gedenkstätte mit dem neu gestalteten Museum dort. Es wurde als deutsch-französisches Projekt 2017 von den Präsidenten Macron und Steinmeier der Öffentlichkeit übergeben und dokumentiert durchaus nachfühlbar die Schrecken dieses grausamen Stellungskrieges im 1. Weltkrieg, bei dem tausende junge Soldaten ihr Leben grausamst im Granathagel verloren haben.
Nach dieser schweren Kost tat die rauschende Abfahrt hinunter ins Elsaß so richtig gut und die flachen 76 km über Fessenheim nach Freiburg schaffte ich mit einer ausgiebigen Trinkpause dann vollends auf der vorvorletzten Rille ganz ordentlich.
Ja es war ein gutes Gefühl, als ich über die Rheinbrücke radelte und wieder in Deutschland eintraf. Schon so ein bisschen wie heimkommen und das hatte ich dann erst recht in Freiburg und vollends bei Lisa, wo Hirsesalat und Schokopudding auf mich warteten.
Und das Fußball Viertelfinale.