Dienstag, 4.Juli

Grüße aus der Normandie
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Heute haben
Christian Fürchtegott Gellert * 1715
Nathaniel Hawthorne * 1804
Christiane Lavant * 1915
Neil Simon * 1927
Deon Meyer * 1958
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Auf dem Berge Sinai
wohnt der Schneider Kikriki.
seine Frau, die Margarete,
saß auf dem Balkon und nähte.
Fiel herab, fiel herab,
und das linke Bein brach ab.
kam der Doktor hergerannt
mit der Nadel in der Hand,
näht es an, näht es an,
daß sie wieder laufen kann.
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Im Englischen gibt es diese Romane schon. Teilweise auch als Taschenbuch. In Deutsch erscheinen sie im Laufe des Sommers. Ich freue mich schon, da die deutschen Vorab-Leseexemplare extrem gut waren.






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„Die erste Seite“
Heute abend, Dienstag, 4.Juli, 19 Uhr
liest Clemens Grote aus:
Franzobel: Einsteins Hirn
Percival Everett: God’s Country
Dorothy Gallagher: Und was ich Dir noch erzählen wollte
Ewald Frie: Ein Hof und elf Geschwister

Kommen, hinsitzen und zuhören.
Eintritt frei.

Montag, 3.Juli

Foto: Julia
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Heute haben
Franz Kafka * 1883
Elizabeth Taylor * 1912 (nicht die Schauspielerin)
Günter Bruno Fuchs * 1928
Manfred Bieler * 1934
Tom Stoppard* 1937
Jana Hensel * 1976
Geburtstag
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„Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“
Franz Kafka
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Schon wieder hat ein neuer Monat angefangen.


Juli
Gedichte herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 6,00

Der heisse Juni ist vorbei und jetzt beginnt erst der richtige Sommer.
Mit dieser Gedichtesammlung kommen wir sicherlich gut durch die nächsten Wochen.

Der Sommer hat schon lang eröffnet
Sommergewitter
Sommernächte und Gartenfreuden
Endlich Ferien
Sommerfreuden
Hochsommer
heißen die Überschriften und zeigen uns, wo es hier lang geht.

Leseprobe

Theodor Storm
Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.

Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk‘,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
„Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut.“

Christian Morgenstern
Sommermittag

Wiese, lass mich ganz in dein
Wohlgefühl versinken,
dein legionenfältig Sein
als mein eignes trinken.

Deine breite Sonnenbrust
lass die meine werden,
meine Lust die feine Lust
deiner Gräserherden.

Mächtig schwelle mein Gesang
dann aus solchem Grunde,
künde Glückesüberschwang
höchster Sommerstunde.

Kurt Tucholsky
Feldfrüchte

Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß.

Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.

Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh …
Ja, und hier –? Die ganz verbockte
liebe gute SPD.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.
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„Die erste Seite“ bei uns in der Buchhandlung



Clemens Grote liest morgen Abend aus diesen vier Büchern.
Wir erzählen noch etwas dazu und freuen uns über Ihr/Euer Kommen.
Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr.
Eintritt frei.
Für Getränke und Knabbereien ist gesorgt.

Freitag, 30.Juni

Heute haben
Friedrich Theodor Vischer * 1807
Czeslaw Milosz  * 1911 (Nobelpreis 1980)
Philippe Jacottet * 1925
Assia Djebar * 1936
Otto Sander * 1941
Juli Zeh * 1974
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Christian Morgenstern
Mensch und Blitz

Nächtiges Gewitterlicht,
schütte rings um dieses Haus
deines Blendwerks Fülle aus,
doch es selber rühre nicht.

Denn in seinem Dunkel schläft,
der dich sein Geschwister heißt.
Blitze, wenn ihr diesen träft,
träft ihr Geist von eurem Geist.
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Noch ein paar Fotos zu unserer Ausstellung in den Schaufenstern der Buchhandlung.





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Auf tagesschau.de am 29.Juni gefunden:

Zweitsonnigster Juni seit Aufzeichnungsbeginn

Der diesjährige Juni ist laut dem Deutschen Wetterdienst der zweitsonnigste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Mit mehr als 300 Stunden lag der Monat deutlich über dem Sollwert. Zudem war er deutlich wärmer als im langjährigen Schnitt.
Der Juni war nach der vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit knapp 305 Stunden Sonnenschein der zweitsonnigste seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit lag der Monat um rund 50 Prozent über dem durchschnittlichen Wert von 203 Stunden, wie der DWD nach ersten Auswertungen seiner rund 2000 Messstationen mitteilte.
Außerdem war es der 14. zu warme Juni in Folge. So lag das Temperaturmittel mit 18,5 Grad um 3,1 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung 2,1 Grad.
Regional zeigte sich die überdurchschnittlich hohe Temperatur sogar noch auffälliger. Im Südwesten Deutschlands war der Juni im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 mehr als vier Grad wärmer. Aus dem Oberrheingraben seien bis zu 29 Sommertage und lokal, wie in Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg), sogar 13 heiße Tage gemeldet worden, teilte der DWD weiter mit. Am heißesten war es am 22. Juni im oberbayerischen Reit am Winkl, wo die Temperatur auf 35,7 Grad stieg. In Sohland in Südostsachsen sank das nächtliche Thermometer am 3. Juni hingegen mit minus 0,7 Grad sogar in den leichten Frostbereich.

Starkregen und massive Trockenheit

Anhaltende Sommerhitze wurde im letzten Monatsdrittel verzeichnet: Vielfach war es drückend heiß. Vor allem über der nördlichen Mitte Deutschlands kam es zu heftigen Gewittern und Starkregen mit enormen Niederschlagsmengen. Trotzdem fielen im Juni 2023 mit durchschnittlich rund 51 Litern pro Quadratmeter nur knapp 60 Prozent des Niederschlags der Referenzperiode 1961 bis 1990. Üblich gewesen wären 85 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
Doch davon war in einem Gebietsstreifen von Nordrhein-Westfalen bis Berlin nichts zu spüren, als Gewitter und Starkregen zu regionalen Monatsmengen von mehr als 120 Liter pro Quadratmeter führten. Den höchsten Tagesniederschlag gab es am 22. Juni in Bad Berneck im Fichtelgebirge während eines Unwetters mit 120,7 Litern Niederschlag pro Quadratmeter. Im äußersten Norden, in Rheinland-Pfalz und im Saarland verstärkte sich hingegen die Trockenheit massiv. Dort fielen im ganzen Monat teilweise weniger als zehn Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
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Dienstag, 4.Juli, 19 Uhr
Clemens Grote liest aus:
Franzobel: Einsteins Hirn
Percival Everett: God’s Country
Dorothy Gallagher: Und was ich Dir noch erzählen wollte
Ewald Frie: Ein Hof und elf Geschwister

Kommen Sie und genießen Sie eine Stunde pralle Literatur mit der Stimme von Clemens Grote.
Eintritt frei.

Donnerstag, 29.Juni


125 Jahre Gärtnerei Gairing, Ulm
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Heute haben
Johann Heinrich Campe * 1746
Giacomo Leopardi * 1798
Antoine de Saint-Exupery * 1900
Oriana Fallaci * 1930
Ror Wolf * 1932
Geburtstag
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Paul Heyse
Morgenwind


Wenn noch kaum die Hähne krähen,
Macht sich auf der Morgenwind,
Feget aus mit starkem Wehen
Stadt und Flur und Wald geschwind.

Allen Bäumen in der Runde
Schüttelt er die Locken aus,
Weckt die Blümlein in dem Grunde,
Lockt die Lerch‘ ins Tal hinaus.

Nebel, die an Bergen hangen,
Jagt er ohne Gnade fort;
Kommt Frau Sonne dann gegangen,
Find’t sie sauber jeden Ort.

Will sie bei dem treuen Winde
Sich bedanken in Person,
Ist er, daß ihn keiner finde,
Über alle Berge schon.
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Schauen Sie sich unsere wundervolle Ausstellung in zwei unserer Schaufenster an.
Es bleiben so viele Menschen stehen. Schauen, fotografieren und kommen in den Laden und fragen und berichten von eigenen Erfahrungen.
Vielen Dank an Chantal Wallot, Christel Müller, Silvia Trummer.

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Gestern gab es eine tolle Lesung mit Franzobel aus seinem Buch „Einsteins Hirn“.

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Am kommenden Dienstag gibt es wieder eine „1.Seite“ bei uns in der Buchhandlung.
Lassen Sie sich von den vier vorgestellten Büchern überraschen und genießen Sie Clemens Grote, während er die ersten Seiten der jeweiliegen Romane vorliest.
Das Alles ist umsonst und drinnen.
Beginn ist pünktlich um 19 Uhr.
Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Mittwoch, 28.Juni

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Heute haben
Jean-Jacques Rousseau * 1712
Anton Philipp Reclam * 1807
Luigi Pirandello * 1867
Berthold Viertel * 1885
Eric Ambler * 1909
Jürg Federspiel * 1931
Juan José Saer * 1937
Marlene Streeruwitz * 1950
Geburtstag
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Heinrich von Kleist
An S[ophie] v. H[aza]

(als sie die Kamille besungen wissen wollte)

Das Blümchen, das, dem Tal entblüht,
Dir Ruhe gibt und Stille,
Wenn Krampf dir durch die Nerve glüht,
Das nennst du die Kamille.

Du, die, wenn Krampf das Herz umstrickt,
O Freundin, aus der Fülle
Der Brust, mir so viel Stärkung schickt,
Du bist mir die Kamille.
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Unser Buchtipp:


Andrea Schomburg, Nikolaus Heidelbach: „Schimpfwörter, die es nicht auf Hochdeutsch gibt
Mit 50 Aquarellen von Nikolaus Heidelbach
DuMont Verlag € 20,00

Nach „Wörter, die es nicht auf Hochdeutsch gibt“, folgen jetzt 50 Schimpwörter, die wir zum größten Teil wohl noch nie gehört haben.
Gut, wir kennen wahrscheinlich den Entaklemmer, den Halbdackel und den Dipfalesscheisser, aber was ist ein Pienzje (saarländisch), ein Bullerballer (plattdeutsch), oder ein Kluntjeknieper (ostfriesisch)?
Andrea Schomburg hat bei DuMont die Bändchen „Der geheime Ursprung der Wörter“ und „Der geheime Ursprung der Redensarten“ veröffentlich und schreibt in einem ausführlichen Vorwort, wie sie von ihrer Großmutter aus Suhl das erste Wort, das man nicht sagen durfte, hörte. Sogar in den Buddenbrooks wird auf diese Weise geschimpft und geflucht, hat sie herausgefunden.
So können wir uns kreuz und quer durch den deutschsprachigen Raum schimpfen. Von Friesland, über das Berner Oberland, bis hinein nach Österreich. Und vielleicht lassen wir dann auch mal die fünfe gerade sein und führen uns nicht auf wie ein Dipfalesscheisser, ein Mensch, der in „hohem Maße pingelig und genau ist, der sich immer in Kleinigkeiten verliert und auch für seine Umwelt eine echte Prüfung darstellt“. Also halt so ein richtiger Korintenkacker.
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Mittwoch, 28.Juni, 19:30 Uhr
Freilichtforum der Glaspyramide
Lesung mit Franzobel: „Einsteins Hirn“
Moderation: Ingo Bergmann, Bibliotheksgesellschaft Ulm e. V.
In Kooperation mit dem Museum „Die Einsteins“
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Dienstag, 4.Juli, 19 Uhr
„Die erste Seite“

Wir stellen vier neue Bücher vor.
Es liest Clemens Grote.
Bei uns in der Buchhandlung. Eintritt frei
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Dienstag, 27.Juni


Heute haben
Helen Keller * 1880
Frank O´Hara * 1926
Rafael Chirbes * 1949
Geburtstag
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Eduard Mörike
In der Frühe

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
Dort gehet schon der Tag herfür
An meinem Kammerfenster.
Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nachtgespenster.
– Ängste, quäle
Dich nicht länger, meine Seele!
Freu dich! schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.
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Unser Bilderbuchtipp:


Elisabeth Longridge: „Ich bin etwas schüchtern
Aus dem Englischen von Anne Brauner
Verlag Freies Geistesleben € 16,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Die Londoner Künstlerin Elisabeth Longridge packt mit ihrer zarten Malweise und den leuchtenden Farben ein brisantes Thema an. Diversität. Jede/r von uns ist anders. Deshalb brauchen wir uns aber nicht vor anderen zu verstecken, oder müssen schüchtern sein. Das ist die Botschaft an die kleinen Kinder.
Denn der blaue Vogel, von dem wir nur seinen Kopf und seinen Hals sehen, meint, dass er komisch aussieht. Deshalb traut er sich nicht auf die Bilderbuchseite. Aber alle Tiere, die er trifft, haben etwas Besonderes, etwas Einzigartiges. Groß, klein, dick dünn. Und so traut sich der Pfau mit seinem aufgeplüsterten Federkleid dann doch noch in voller Größe ins Bilderbuch.
Wie schön er aussieht.

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Mittwoch, 28.Juni, 19:30 Uhr
Freilichtforum der Glaspyramide
Lesung mit Franzobel: „Einsteins Hirn“
Moderation: Ingo Bergmann, Bibliotheksgesellschaft Ulm e. V.
In Kooperation mit dem Museum „Die Einsteins“

Samstag, 24.Mai

Heute haben
Ambrose Bierce * 1842
Bruce Marshall * 1899
Yves Bonnefoy * 1923
Anita Desai * 1937
Gerhard Roth * 1942
Eugen Ruge * 1954
Geburtstag
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August Stramm
Traum

Durch die Büsche winden Sterne
Augen tauchen blaken sinken
Flüstern plätschert
Blüten gehren
Düfte spritzen
Schauer stürzen
Winde schnellen prellen schwellen
Tücher reißen
Fallen schrickt in tiefe Nacht.
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Franzobel: „Einsteins Hirn
Zsolnay Verlag € 28,00

Der Österreichische Autor Franzobel versteht es einfach immer wieder sehr gut zu unterhalten. In seinen Romanen verquickt er Fakten mit Fiktionen. Als Autor darf er das und er macht es perfekt.
„Das Floß der Medusa“, „Die Erboberung Amerikas“ sind hierfür prima Beispiele.
Beim Thema Einstein sind wir Ulmer*Innen sofort angefixt und werden dafür abelohnt.

Am 18. April 1955 kurz nach Mitternacht stirbt Albert Einstein im Princeton Hospital, New Jersey. Seinem Wunsch entsprechend wird der Körper verbrannt und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut. Vorher jedoch hat der Pathologe Thomas Harvey Einsteins Hirn entfernt, danach tingelt er damit 42 Jahre durch die amerikanische Provinz. Mit ihm erlebt Harvey die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten und die erste Landung auf dem Mond, Woodstock und Watergate und das Ende des Vietnamkriegs; und irgendwann beginnt das Hirn, mit Harvey zu sprechen.

Franzobel steht mit diesen Büchern in der Tradition der Romane von T.C.Boyle und braucht sich hinter diesem großen Namen nicht zu verstecken. Sehr gute Lektüre und beste Unterhaltung.

Leseprobe

Foto: Julia Haimburger

Falls Sie mehr zum Buch und zum Autor erfahren wollen, dann schauen Sie doch in der Stadtbibliothek Ulm vorbei.

Mittwoch, 28.Juni, 19:30 Uhr
Freilichtforum der Glaspyramide
Lesung mit Franzobel: „Einsteins Hirn“
Moderation: Ingo Bergmann, Bibliotheksgesellschaft Ulm e. V.
In Kooperation mit dem Museum „Die Einsteins“

Eintritt frei
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Samstag

Heute haben
Giorgos Seferis * 1900
Ralph Ellison * 1914
Franz Hohler * 1943
Franzobel * 1967
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Banana

Banana Yoshimoto: „Der See“
Aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg
Diogenes Verlag € 19,90

In Japan schon 2005 erschienen, können wir den Roman jetzt (wieder) lesen. Ich weiss nämlich nicht, ob es diesen Roman schon einmal in deutsch gab. Banana Yoshimoto ist hier wohl die bekanneste Autorin nach Haruki Murakami und hat schon viele Bücher, die alle im Diogenes Verlag erscheinen, veröffentlich. Ihr bekanntestes dürfte wohl „Kitchen“ sein. Dieser schmale Band, den ich gestern gelesen habe, erinnerte mich stark an den neuen Roman von Murakami. Vielleicht liegen diese Themen in Japan in der Luft und in den Herzen der Menschen, oder Murakami hat einfach diesen Roman vor langer Zeit gelesen und in irgendeiner Form abgespeichert.
Die junge Frau Chihiro hat ihre Mutter verloren. Sie starb noch nicht alt im Krankenhaus. Chihiro hat sie dort dort begleitet, zusammen mit ihrem Vater. Ihre Eltern waren nie verheiratet; sie leitete eine Nachtbar, er übernahm die Firma seines Vaters. Chihiro lebt nach dem Verlust der Mutter allein, studiert Kunstgeschichte, hat gerade eine Affäre beendet und steht kurz davor einen schönen Auftrag (eine öffentliche Wandmalerei) zu bekommen. Sie genießt ihre Wohung und steht öfters am Fenster und schaut über die Stadt hinweg. Ihr gegenüber wohnt ein junger Mann, der die gleiche Angewohnheit hat. Nakajima scheint ein sehr ordentlicher Mensch zu sein. Während ihre Wäsche im schief und krumm auf der Leine hängt, sieht es bei ihm sehr akurat aus. Die beiden kommen sich näher, er übernachtet sogar bei ihr, ohne dass es zu einer körperlichen Annäherung kommt. Irgendein Geheimnis scheint in dem dünnen Mann zu stecken. Ist er schwul, denkt Chihiro sich. Banana Yoshimoto erzählt dies alles in einer sehr einfachen Sprache, schreibt von Mama und Papa, wenn sich Chihiro an ihre Eltern erinnert und schafft es dadurch, oder trotzdem eine zarte Atmosphäre um die beiden jungen Menschen zu spinnen, die in ihrer Vergangenheit etwas dramatisches erlebt haben müssen. Das ist es, was mich an den neuen Murakami erinnert hat. Junge Menschen, Verluste, Ortswechsel, Zerbrechen von Freundschaften, Geheimnisse in der Jugend oder Kindheit. Dazu eine einfache Sprache, eine fremde Welt, die aber doch sehr allgemein scheint. Die Beiden leben sozusagen zusammen und so langsam öftet Nakajima sich. Auch er hat seine Mutter verloren, mit der er eine sehr intensive Beziehung hatte. Warum, wird am Ende des Buches erklärt. Sie schlafen zusammen und beginnen sich über ihre Verluste, über ihre Kindheit auszutauschen. Nakajima schlägt Chihiro vor mit ihm an einen See zu fahren. Dort wohnen Freunde von ihm. Erst auf Nachfragen, was denn das für Freunde seinen, da er doch sonst niemand sonst um sich herum ertragen könne, erzählt er ihr von diesem Geschwisterpaar, die zurückgezogen in einem Teil eines Tempels wohnen. So beginnt ein neuer Teil dieser Freundschaftsgeschichte, in der wir fast in eine andere Welt eintauchen und das Geheimnis von Nakajima erfahren. Dieses Geschwisterpaar erscheint Chihiro zunächst sehr fremd, sie fährt jedoch etwas später alleine nochmals dorthin und nach diesem zweiten Besuch kommt sie gestärkt zurück und blickt gefasst in eine neue Zukunft. Mehr mag ich nicht erzählen, um die Spannung hochzuhalten.
Banana Yoshimotos Buch „Der See“ liest sich leicht, manchmal etwas zu leicht, lässt uns aber tief in das Innenleben dieses jungen Paares schauen. Und irgendwie komme ich nicht umhin, ob dieser Roman und der neue von Murakami nicht auch Geschwister sind.

Leseprobe
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Hier noch etwas zum Streit zwischen Papier und E-Buch:

Und_off-

Jajajajaja!