Donnerstag, 24.August


Heute haben
Jean Rhys * 1890
Jorge Luis Borges * 1899
AS Byatt * 1936
Joshua Sobel * 1939
Paulo Coelho * 1947
Stephen Fry * 1957
Michael Kleeberg * 1959
Geburtstag
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Frank Wedekind
Auf dem Faulbett

Auf mein Faulbett hingestreckt
überdenk ich so meine Tage,
Forschend, was wohl dahinter steckt,
Daß ich nur immer klage.

Ich habe zu essen, ich habe Tabak,
Ich lebe in jeder Sphäre,
Ich liebe je nach meinem Geschmack
Blaustrumpf oder Hetäre.

Die sexuelle Psychopathie,
Ich habe sie längst überwunden –
Und dennoch, ich vergeß es nie,
Es waren doch schöne Stunden.
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Juhu, Band 6 ist erschienen:

Sabine Lemire (Text) und Rasmus Bregnhøi (Illustrationen):
Mira #freunde #zahnspange #kleineschwester

Aus dem Dänischen von Franziska Gehm
Klett Kinderbuch Verlag € 16,00
Comic Lesebuch ab 10 Jahren

Mira ist schlecht gelaunt. Sie findet keine frische Socken mehr. Aber in ihrem Zimmer liegen jede Menge kreuz und quer auf dem Boden. Leider nicht im Wäschekorb. Ihr Vater, der mit seiner neuen Familie in der Stadt wohnt, will mit ihr reden. Und wenn Erwachsene reden wollen, dann ist es meist etwas Ernstes.
Dann auch noch ein Pickel auf der Stirn. Gut, einer lässt sich mit einem Pflaster abkleben. Aber wenn es dann mehr werden? Eine Zahnspange ist auch noch fällig und Mira bindet sich dann gleich mal ein Tuch über den Mund. Allerdings meint ihre Freundin, dass eine Spange extrem cool sei. Sie wiederum hat bis jetzt ihre Brille nicht aufgesetzt.
Also: ein großes Gefühlsdurcheinander. Zu klein, zu dick, … Dann auch noch Sexualunterricht in der Schule.
Auf jeden Fall bekommt Mira eine kleine Schwester und irgendwie bekommt sie es hin, sich mit der Oberzicke in der Klasse auszusprechen und ihr kleiner Halb-Bruder ist plötzlich nicht mehr so stinkig und übernachtet bei Mira mit im Bett. Und sie hat ja immer ihre Schulclique, auf die sie sich verlassen kann.

Hier bekommen Sie einen Eindruck von den ersten Seiten des Buches.

Sonntag, 21.August

Heute haben
Emilio Salgari * 1862
Mary M.Kaye * 1908
Ali Mitgutsch * 1935
Geburtstag
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Eduard Mörike
An die Geliebte

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
Dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
Auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Daß nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf – da lächeln alle Sterne;
Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.
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Band 5 ist erschienen:


Sabine Lemire & Rasmus Bregnhøi: „Mira #kinder #gegen #erwachsene
Aus dem Dänischen von Franziska Gehm
Klett Kinderbuch Verlag € 16,00
Graphic Novel ab 10 Jahren

Irgendwann ist einfach genug. Nein, nicht mit den Büchern um und mit Mira. Da warte ist sehnsüchtig schon auf den nächsten Band. Genug haben Mira und ihre Freundinnen von den Erwachsenen, die das Leben der Kinder bestimmen. Über ihre Köpfe hinweg Entscheidungen treffen, ohne ihre Kinder miteinzubeziehen.
Die Lehrer in Miras Klasse wollen jeden Tag eine Klassenarbeit schreiben lassen, da demnächst Elterntag ist. Miras Mama hat vor, mit der Familie und dem Hausboot von Kopenhagen nach Bornholm zuziehen. Dort sei es nicht so teuer und sie will dort selbstgestrickte Socken vom Boot anTouristen verkaufen. Mira könne ja dann dort zur Schule gehen. Und Liva, eine Freundin von Mira, ist traurig, da sich ihre Eltern nur noch streiten.
Irgendwann ist einfach Schluß. Wie wäre es mit einem Schulstreik? Einer Demo? Wenn Erwachsene nicht zuhören wollen, dann müssen Mira und ihre MitschülerInnen eine härte Gangart einlegen.

Wieder ist es Sabine Lemire dem Illustrator Rasmus Bregnhøi gelungen, eine sehr lebensnahe Geschichte um Mira zu veröffentlichen. Witzig, frech und sehr sehr treffend sind Dialoge und Illustrationen, in denen wir uns Erwachsene genau wiederfinden.
Herrlich.

Leseprobe

Sabine Lemire

hat in Kopenhagen und Paris Design studiert. Wie Mira im Buch denkt sie sich gern kreative Projekte aus, und sie möchte Kinder und Erwachsene dazu anregen, selbst kreativ zu werden. Sie hat mehrere Bücher geschrieben, gibt Workshops und arbeitet daneben als Stylistin für verschiedene Zeitungen. Sie lebt mit ihren vier Kindern in Kopenhagen.

Rasmus Bregnhøi

hat in Kopenhagen Design studiert und arbeitet mittlerweile als Maler, Autor und Illustrator. Er hat über 100 Kinderbücher geschrieben und/oder illustriert und wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Illustratorenpreis des dänischen Kulturministeriums.

Freitag, 27.August


Hermann Hesse
Spätsommer

Noch schenkt der späte Sommer Tag um Tag
Voll süßer Wärme. Über Blumendolden
Schwebt da und dort mit mildem Flügelschlag
ein Schmetterling und funkelt sammetgolden.

Die Abende und Morgen atmen feucht
Von dünnen Nebeln, deren Naß noch lau.
Vom Maulbeerbaum mit plötzlichem Geleucht
Weht gelb und groß ein Blatt ins sanfte Blau.

Eidechse rastet auf besonntem Stein,
Im Blätterschatten Trauben sich verstecken.
Bezaubert scheint die Welt, gebannt zu sein
In Schlaf, in Traum, und warnt dich, sie zu wecken.

So wiegt sich manchmal viele Takte lang
Musik, zu goldener Ewigkeit erstarrt,
Bis sie erwachend sich dem Bann entrang
Zurück zu Werdemut und Gegenwart.

Wir Alten stehen erntend am Spalier
Und wärmen uns die sommerbraunen Hände.
Noch lacht der Tag, noch ist er nicht zu Ende,
Noch hält und schmeichelt uns das Heut und Hier.

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Unser Kinderbuchtipp:

Kim Fupz Aakeson: „Hugo & Hassan forever
Illustrationen: Rasmus Bregnhøi
Aus dem Dänischen von Franziska Gehm
Klett Kinderbuchverlag € 15,00
Kinderbuch ab 8 Jahren

(Illustrationen: Rasmus Bregnhøi)

Hugo und Hassan sind zurück. Und wie! Die beiden (Maul)Helden halten sich für die Größten, gründen eine Heavy Metall Band (also fast), verdienen Millionen auf YouTube (also fast) und werden fast noch Gangster. Ansonsten sind sie halt doch noch Buben, streiten sich, toben rum und haben tolle Ideen.
Eine schöne Idee der beiden Buchmacher ist, als Hugo bei Hassan zum Fastenbrechen eingeladen ist und in den Sprechblasen nur arabische Schriftzeichen zu lesen sind und Hugo und wir nichts verstehen.
Ich habe mich so auf den zweiten Band gefreut, als ich ihn in Händen gehalten habe und diese Vorfreude wurde noch übertroffen.
Hurra!

Schauen Sie in die Leseprobe.
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen

Bettina Gabbe (Journalistin, Rom) empfiehlt:

1.Arnold Hauser: „Sozialgeschichte der Kunst und Literatur„, Gert Loschütz „Besichtigung eines Unglücks“ und Elizabeth Bowens „Der letzte September„.
2.Als Neuerscheinung würde ich unbedingt Bowen empfehlen. Als spannenden Klassiker die „Odyssee„.
3.Immer schon mal wieder lesen wollte und will ich Manzonis „Die Verlobten/Die Brautleute„.

Grazie mille.

Samstag, 20.Februar

Heute haben
Johann Heinrich Voß * 1751
Heinz Erhardt * 1909
Julia Franckh * 1970
Geburtstag
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Hoffentlich mein letztes Wintergdicht für die nächsten Monate:

Matthias Claudius
Ein Lied hinterm Ofen zu singen

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.

Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
haßt warmen Drang und warmen Klang
und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn’s Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert;

wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich‘ und Seen krachen;
das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
dann will er sich tot lachen. –

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande;
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.

So ist er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.
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Unser Tipp:


Sabine Lemire (Text) und Rasmus Bregnhøi (Illustrationen):
Mira #familie #paris #abschied

Aus dem Dänischen von Franziska Gehm
Klett Kinderbuch € 15,00
Ab 10 Jahren

Das ist jetzt schon der vierte Band von Miras Erlebnissen als Graphic Novel.
Ich habe das nie so richtig beachtet, bin nach der dieser Lektüre hellauf begeistert und habe die ersten drei Bände nachbestellt. Die Geschichte ist so treffend erzählt und gezeichnet. Genauso so, wie es im wirklichen Leben ist. Dazu noch mit einer ordentlichen Portion Humor. Die Kleinigkeiten, wie das dauernde aufs Handy starren, die Dreitagebärte der Männer, machen schon ordentlich Spaß.
In diesem Buch findet Mira alles doof, die Mutter nervig und den kleinen Bruder überflüssig. Gut, dass sie ihre Freundinnen hat, obwohl in der Schule auch schwer gezickt wird. Und noch besser: Ihre Oma, mit der sie alles besprechen kann.
Miras Mama kann ihrer Tochter nichts recht machen und da kommt Omas Vorschlag, mit ihrer Enkelin nach Paris zu fahren, gerade richtig.
Irgendwie kommt es doch ganz anders und das wiederum gibt viel Stoff in Miras Tagebuch.
Ein super Buch für Mädchen ab 12 und die passenden Eltern dazu.

Leseprobe

Mittwoch

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Heute haben
Carlo Goldoni * 1707
Karl May * 1842
Anthony Burgess * 1917
Erica Pedretti * 1930
Amin Maalouf * 1949
Franz Xaver Kroetz * 1946
Geburtstag

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„Für das, was in einem einzigen Menschen Platz hat, ist die Aussenwelt zu klein, zu eindeutig, zu wahrhaftig.“
Franz Kafka in einem Brief an Felice Bauer
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Franziska Gehm und Horst Klein (Ill.): „Was macht der Mann denn da?“
Klett Kinderbuch Verlag € 12,95
ab vier Jahren

Etwas durchgedreht ist das Bilderbuch schon. Aber kennen wir nicht die englischen Gundschulverse, die wirklich auch nicht politisch korrekt sind. Hier also ein (tatsächliches) Mutter-Kind-Gespräch, in dem alltägliche Situationen ganz anders erklärt werden. Und es stellt sich wirklich die Frage: Ist es vielleicht nicht tatsächlich so? Ich meine, wer von uns versteht schon, wenn wir auf unseren Smartphones herumwischeln und mit Siri und Frau Google reden, wie das funktionieren kann? Siehe Kafka. Und machen wir uns nicht (heimlich) über bestimmte Verhaltensweisen von Mitmenschen auf der Straße lustig? Sind nicht die Walker die Mantafahrer der Marathonläufer?
Hier bekommen Sie endlich erklärt, was die Menschen in ihren Handflächen suchen und finden und warum sie darauf herumwischeln. (Sehr schön nachzulesen in der Leseprobe). Oder warum die Person mit hochrotem Kopf und Skistöcken durch die Stadt hetzt. Und wenn der Mann an den leuchtenden Laternenmast pinkelt, dann dient es dazu, dass die gelbe Farbe in die Lampe kommt. Der Raucher kann vielleicht auch gleich Feuer spucken. Achtung. Und weil die Chefin der Mama auch immer wieder Feuer spuckt, wird sie von der Mama auch Drachen genannt, sagt ihr kleiner Sohn. Dem tätowierten Mann gehen immer die Malpapiere aus und so schreiben seine vielen Kinder auf seiner Haut weiter. Und der Kleine meint, dass die vielen Ringe in seinem Gesicht sicherlich von seinen vielen Frauen sind. Und so weiter und so weiter.
Dazu die wirklich frechen, ausdrucksstarken Holzschablonendrucke von Horst Klein, die dieses Buch zu einem besonderen Bilderbuch machen.
Wie gesagt: überdreht, frech. Aber warum kein Spiel daraus machen und sich die Umwelt mal ganz anders erklären. So vieles ist einfach da, alle wissen wofür sie nützlich sind. Aber stimmt das wirklich? Ich meine, ich sitze hier vor einer kleinen Maschine mit Bildschirm und hämmere auf Tasten und gleichzeitig nimmt mich die eingebaute Kamera auf und Obama hat seine Freude mit mir. Alles nicht ganz so eindeutig.
Also los gehts. Nehmen Sie ihre Kleinen und schauen sich die Nachbarschaft mit anderen Augen an. Sie finden sicherlich einen Sack voller Erklärungen. Einfach neugierig bleiben.

Leseprobe
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Sind Sie neugierig, was sich im Manesse Verlag alles tummelt und tut?
Dann schauen Sie heute abend ab 19 Uhr bei uns in die Buchhandlung.
Der Verlagsleiter Horst Lauinger stellt uns den Verlag mit den vielen Klassikern vor.
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