Dienstag, 16.Mai

Heute haben
Friedrich Rückert * 1788
Jakob van Hoddis * 1887
Juan Rulfo * 1918
Geburtstag
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Endlich! Wir mussten ein ganzes Jahr warten:

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Frankfurter Anthologie
Herausgegeben von Hubert Spiegel
Gedichte und Interpretationen
S.Fischer Verlag € 25,00

Als Marcel Reich-Ranicki vor vier Jahrzehnten die „Frankfurter Anthologie“ begründete, war nicht abzusehen, wie lange dieses Experiment Bestand haben würde. Und auch nach vierzig Jahren ist der Vorrat deutscher Poesie keineswegs aufgebraucht.
Inzwischen liegen über 2.150 Gedichte vor.
Ja wirklich, es ist so gut, daß es diese Anthologie noch gibt und auch gut, daß seit dem letzten Band fremdsprachige Lyrik vorgestellt und besprochen wird. Schlecht allerdings ist, und das muß ich Herrn Spiegel unbedingt schreiben, daß diese Gedichte nicht im Original abgedruckt sind. Da verweist der Rezensent auf eine bestimmte Textzeile und wir können diese nur in der deutschen Übertragung nachlesen. Geht gar nicht.
Genug gemeckert. Diese einzigartige Anthologie lädt ein zum Verweilen, zum täglichen Lesen, bevor einem die Augen zufallen. Matthias Claudius, Goethe, Fichte, Schopenhauer, Eichendorff, Heine bis zu Jan Wagner, Ulrich Zieger, Thomas Kling, Hans-Ulrich Treichel sind u.a. vertreten. Nicht zu vergessen den aktuellen Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan.

Matthias Claudius
Der große und der kleine Hund
oder
Packan und Alard

Ein kleiner Hund, der lange nichts gerochen
Und Hunger hatte, traf es nun
Und fand sich einen schönen Knochen
Und nagte herzlich dran, wie Hunde denn wohl tun.

Ein großer nahm sein wahr von fern:
»Der muß da was zum Besten haben,
Ich fresse auch dergleichen gern!
Will doch des Wegs einmal hintraben.«

Alard, der ihn des Weges kommen sah,
Fand es nicht ratsam. daß er weilte;
Und lief betrübt davon, und heulte,
Und seinen Knochen ließ er da.

Und Packan kam in vollem Lauf
Und fraß den ganzen Knochen auf.

Ende der Fabel

»Und die Moral?« Wer hat davon gesprochen? –
Gar keine! Leser, bist du toll?
Denn welcher arme Mann nagt wohl an einem Knochen.
Und welcher reiche nähm‘ ihn wohl?

Walt Whitman
Leaves of Grass
49. City of Orgies

CITY of orgies, walks and joys!
City whom that I have lived and sung in your midst will one day make you illustrious,
Not the pageants of you—not your shifting tableaux, your spectacles, repay me;
Not the interminable rows of your houses—nor the ships at the wharves,
Nor the processions in the streets, nor the bright windows, with goods in them; 5
Nor to converse with learn’d persons, or bear my share in the soiree or feast;
Not those—but, as I pass, O Manhattan! your frequent and swift flash of eyes offering me love,
Offering response to my own—these repay me;
Lovers, continual lovers, only repay me.

Joachim Ringelnatz
Stuttgarts Wein- und Bäckerstübchen

Vor dem heißen Ofen balgen
Katzen sich. Wie dumme Jungen.
Auf dem Tisch an kleinem Galgen
Hängen Brezel, schön geschwungen.

Würdebärte schlürfen kräftig
Wichtig diskutierte Weine. –
Links im Laden bückt die kleine
Bäckerstochter sich geschäftig.

Zinn blitzt von der Holz-Fassade.
Zeichnungen an allen Wänden,
(Stumm, mit mehlbestaubten Händen,
Rückt der Wirt die schiefen gerade.)

Setzte mich so ganz bescheiden hin
Und vergaß auch nicht, sehr laut zu grüßen.
Dennoch ließen Blicke mich leicht büßen,
Daß ich kein Stuttgarter bin.

Dienstag, 26.April

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Heute haben
Daniel Defoe * 1731
Ludwig Uhland * 1787
Arno Holz * 1863
Carl Einstein * 1885
Bernard Malamud * 1914
Geburtstag

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Ludwig Uhland
Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste, Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.
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Frankfurter Anthologie
Neununddreißigster Band
Herausgeber: Hubert Spiegel
Gedichte und Interpretationen Begründet von Marcel Reich-Ranicki
S.Fischer Verlag € 24,99

Als Marcel Reich-Ranicki vor vier Jahrzehnten die ›Frankfurter Anthologie‹ begründete, war nicht abzusehen, wie lange dieses Experiment Bestand haben würde. Und auch nach vierzig Jahren ist der Vorrat deutscher Poesie keineswegs aufgebraucht. Dennoch ist es an der Zeit für eine Öffnung. So widmet sich die „Frankfurter Anthologie“, die seit Oktober 2014 von Hubert Spiegel betreut wird, jetzt auch der Poesie aus aller Welt: Neben deutschsprachigen Gedichten wird in diesem Band erstmals fremdsprachige Lyrik behandelt.
Die Bände der „Frankfurter Anthologie“ fassen die Gedichte und Interpretationen eines Jahrgangs zusammen. Inzwischen liegen über 2.100 Gedichte vor.

Gewundert habe ich mich schon, als ich die Plastikfolie vom Buch weggemacht und einen ersten Blick auf das Inhaltsverzeichnis geworfen habe. „Li Tai-Po“ lese ich als ersten Autoren und denke, dass dies nicht gerade deutsch klingt, so wie ich es von den Autoren der 38 Jahre zuvor gewohnt war. „William Carlos Williams“ taucht gleich zweimal auf, von zwei verschiedenen Männern übersetzt. Verwirrt lese ich die obige Bemerkung von Hubert Spiegel und schaue nochmals auf die Autorenliste. So findet sich neben Georg Heym Guiseppe Ungaretti, gefolgt von Marina Zwetajewa und Peter Huchel. Irgendwie interessant und doch auch schade. Doof ist allerdings wirklich, dass bei den fremdsprachigen Gedichten nicht auch noch das Original abgedruckt ist. Ich denke, ich werde dies dem Verlag mitteilen, was immer sie damit anfangen. Egal. Ich freue mich in den nächsten Wochen über die drei Gedichte von Günter Grass, auf die von Tomas Tranströmer, die beiden von Charles Simic, bis hin zum letzten von Marion Poschmann. „Hinweise zur Erderwärmung“ und all die anderen dazwischen.

Lassen wir uns überraschen und lesen, was Michael Krüger, Kerstin Hensel, Ralph Dutli, Ilma Rakusa (die übrigens etwas über ihr eigenes Gedicht „Gedicht gegen die Angst“ schreibt), Jochen Jung,  Lutz Seiler, Kerstin Holm, Wolf Wondratschek u.v.m. zu den Gedichte wissen.
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Dienstag. 26.April um 20 Uhr
Roxy Ulm, Werkhalle
VVK 17,50  AK 20,—
Einlass: 19 Uhr
Bestuhlt / Pause

Linda Zervakis: „Königin der bunten Tüte

So, wie Linda Zervakis heute in die Wohnzimmer der Nation guckt, hat sie früher aus dem Kiosk ihrer Eltern geschaut. Was sie da gesehen hat? „Leute, die zum Frühstück Kräuterschnaps bestellen“. Und natürlich: Gute, herzliche Typen, die sich in ihrem Kiez umeinander kümmern und ihre Roth-Händle, Dickmanns-Frischebox und bunte Tüten seit 20 Jahren bei Familie Zervakis kaufen. Linda hatte Glück, eine gute Schule und den festen Willen, nicht für immer aus dem Büdchen zu schauen. Der Rest ist ihre Geschichte.

Linda Zervakis, 39, ist als Tochter griechischer Eltern in Hamburg geboren. Nach dem Abitur arbeitete sie als Werbetexterin bei der renommierten Agentur BBDO. Seit 2001 ist sie als Redakteurin und Nachrichtensprecherin für den NDR tätig. Seit Mai 2013 spricht sie die ARD-Tagesschau um 20 Uhr.

Freitag

Heute haben
Dorothea von Schlegel * 1764
August von Platen * 1796
Alexandra David-Neel * 1868
Wenedikt Jerofjew * 1938
Walter Kappacher * 1938
Zsuzsa Bánk * 1965
Geburtstag.
Aber auch Gilbert Bécaud.
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[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=sizoMv4RZ3A]

Tolle Inszenierung, noch bessere Frisuren!
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Rainer Maria Rilke
Wie die Vögel

Wie die Vögel, welche an den großen
Glocken wohnen in den Glockenstühlen,
plötzlich von erdröhnenden Gefühlen
in die Morgenluft gestoßen
und verdrängt in ihre Flüge
Namenszüge
ihrer schönen
Schrecken um die Türme schreiben:

können wir bei diesem Tönen
nicht in unsern Herzen bleiben
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——————-

Dieses Gedicht fand sich gestern in der Frankfurter Anthologie, die gerade meine Tageslektüre ist. Jochen Jung, der zu diesen Zeilen von Rilke etwas schreibt, beginnt mit den Sätze, ob man bei Rilke an Alfred Hitchcock denken darf. Ja, meint, bei Lyrik ist alles erlaubt.
In diesem Sinne: Genießen Sie die auffliegenden Vögel von Rilke.
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Hara

Nino Haratischwili: „Das achte Leben (für Brilka)“
Frankfurter Verlagsanstalt € 34,00

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Gestern abend waren wir im Literaturhaus Stuttgart, in dem Nino Haratischwili ihren neuen Roman: „Das achte Leben (für Brilka)“ vorgestellt und daraus vorgelesen hat.
Schön an der Präsentation war, dass es nicht nur eine Lesung gab, sondern dass die Autorin vorgestellt, interviewt wurde, dass Fragen zu ihrem Werk gestellt wurden und dazwischen bekamen wir dann Textpassagen von ihr. So haben wir erfahren, dass sie 1983 in Georgien geboren wurde, dort in eine Schule mit Deutsch als Fremdsprache kam, dass sie als Mädchen mit ihrer Mutter nach Deutschland ging, sich hier nicht wohlfühlte und dass sie zurück nach Tiflis ging, ihr Abitur machte und an der Universität begann, Theaterarbeit zu studieren. Dies war ihr jedoch zu eng, zu streng, so dass sie sich in Deutschland für einen Studienplatz bewarb, in Hamburg hängenblieb, wo sie auch jetzt noch wohnt. Sie stellte klar heraus, dass sie nicht als junge, weibliche Autorin gesehen werden will, die über Georgien schreibt. Dies meinte sie zumindest vor ein paar Jahren, nach Erscheinen ihres ersten Buches. „Das achte Leben“ ist nun ihr dritter Roman (Theaterstücke schreibt sie zwischendurch auch) und sie ist mitten in Georgien gelandet. 100 Jahre Georgien. 100 Jahre Familiengeschichte im schönsten Land der Welt, so sagt es der Entstehungsmythos, den sie zu Beginn des Abends vorgetragen hat. Die Hauptperson (Jahrgang 1973) erzählt die Geschichte ihres Ur-Ur-Grossvaters bis zur Gegenwart. Und dies auf über 1.200 Seiten.
Dass dieses Buch nicht auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis landete, ist schon ein kleiner Skanadal. Nino Haratischwili kann erzählen, wie keine zweite. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch die Geschichte(n) des Landes, der Familie, unterhält uns aufs Beste und wer einmal angefangen hat zu lesen, wird gefesselt, wird süchtig, wie die Personen im Roman von der wunderbaren Schokolade, die als Geheimrezept durchs Buch geistert.
Ich kann hier auf die Schnelle die vielen Erzählstränge gar nicht wiedergeben. Sie meinte gestern abend auch, dass es ihr wichtig war, dass die Personen immer präsent im Roman waren, dass es nicht ein dauerndes Kommen und Verschwinden geben sollte. Somit fühlen wir uns in diesem dicken Wälzer richtig gborgen, dürfen mit den Hauptpersonen mitleben und mitleiden. Denn Leiden, Sterben und Trennungen, der ganze Horror des Stalinismus steckt natürlich genuso im Roman, wie die Lebensfreude. Und dass Nino Haratischwili dies in einem lakonischen Ton aufschreibt, rettet uns vor der großen Depression. Es erinnert ein wenig an die Art wie Lemaitre an sein grausliges Thema herangegangen ist, dessen Buch ich hier vorgestellt habe.

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Seien Sie also nicht geschockt vor dem dicken Buch. Beginnen Sie zu lesen. Es wird sie begleiten, begeistern und nicht mehr loslassen.

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Hier sehen und hören Sie die Autorin auf der Frankfurter Buchmesse. Sie erzählt Ihnen viel besser und aus erster Hand, was es mit ihrem Roman auf sich hat.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=LL3u1-1l4WI]

Donnerstag

Heute haben
Oscar Wilde * 1854
Eugene O’Neill * 1888
Dino Buzzati * 1906
Günter Grass * 1927
Gerold Späth * 1939
Marc Levy * 1961
Geburtstag.
Aber auch Herr von Knigge, David Ben Gurion
und die klasse Schauspielerin Corinna Harfouch.

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Gestern in Radio Free FM
Samy Wiltschek mag Bücher!
Seit Jahren bereichert er die Ulmer Kulturlandschaft mit Büchern und Veranstaltungen rund ums Lesen. Man kann auch guten Gewissens behaupten, dass Hans-Michael “Samy” Wiltschek aus der Ulmer Literaturszene garnicht mehr wegzudenken ist.
Nur… wer ist das eigentlich? Der Samy von der Kulturbuchhandlung. Woher kommt er? Was hat er alles so gemacht? Wie kam es zu seinem Engagement in Sachen Bücher, Bücher, Bücher? Schreibt er auch selbst welche?
Heute ist Samy Wiltschek zu Gast bei Tobias Baur in der Plattform. Beide entwickeln aus dem Gespräch ein kleines feines Portrait. Wir freuen uns!
Eine Stunde Interview mit Musik. Die Kurzversion mit ca. 35 Minuten können Sie hier nachhören.
Viel Vergnügen.
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In diesem Interview ging es auch um Vernetzungen in der Literatur. Darum, dass wir als LeserIn von einem zum anderen geführt werden und somit immer noch mehr Neues entdecken.
So ging es mir dann auch gleich mit meiner Lektüre der Frankfurter Anthologie. Ich lese ein Gedicht von Justinus Kerner, das Peter von Matt gekonnt mit Esprit kommentiert. In der gestrigen Süddeutschen Zeitung steht paralell folgender Artikel:
Immer noch Swing
Zum Auftakt der Münchner Akademie-Reihe verteidigt Peter von Matt die Schönheit des Gedichts.
Prima!

Justinus Kerner
Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes

Du herrlich Glas, nun stehst du leer,
Glas, das er oft mit Lust gehoben;
Die Spinne hat rings um dich her
Indes den düstren Flor gewoben.

Jetzt sollst du mir gefüllet sein
Mondhell mit Gold der deutschen Reben!
In deiner Tiefe heil’gen Schein
Schau‘ ich hinab mit frommem Beben.

Was ich erschau‘ in deinem Grund
Ist nicht Gewöhnlichen zu nennen.
Doch wird mir klar zu dieser Stund‘,
Wie nichts den Freund vom Freund kann trennen.

Auf diesen Glauben, Glas so hold!
Trink‘ ich dich aus mit hohem Mute.
Klar spiegelt sich der Sterne Gold,
Pokal, in deinem teuren Blute!

Still geht der Mond das Tal entlang,
Ernst tönt die mitternächt’ge Stunde.
Leer steht das Glas! Der heil’ge Klang
Tönt nach in dem kristallnen Grunde.
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Am morgigen Freitag ist es soweit.
Vier schreibende Ulmerinnen lesen aus noch unveröffentlichten Texten.
Martina Jung, Fee Katrin Kanzler, Silke Knäpper und Christiane Wachsmann
sind ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
Wir freuen uns vin Ihren Besuch.
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Und das ist die Gelegenheit am Sonntag das Spatzennest in Weidach zu besuchen. Nicht nur wegen der Kartoffelsuppe, die es von der Fmilie Palmer geben wird, sondern weil Wolfram Mikuteit ab 11 Uhr seinen Vortrag über die Partisanenpfade im Piemont halten wird. Wir sind mit einem Büchertisch auch dort und genießen dazu die einmalig schöne Umgebung.
Es lohnt sich also mehrfach.

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Sabine Bade und Wolfram Mikuteit: „Partisanenpfade im Piemont“
Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso.
Ein Wanderlesebuch
Querwege Verlag € 19,90

Die 20 Monate der italienischen Resistenza, in denen sich Menschen unterschiedlichster politischer Couleur ab September 1943 zusammenschlossen, um gegen deutsche Besatzung und italienischen Faschismus und für einen radikalen Wandel in ihrem Land zu kämpfen, haben Italien nachhaltig geprägt. Ganz besonders die stark entvölkerte Gebirgsregion Piemonts nah an der Grenze zu Frankreich. Die Konstanzer Autoren Sabine Bade und Wolfram Mikuteit nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine historische Zeitreise und machen die Geschichte der piemontesischen Widerstandsbewegung erlebbar – zu Fuß, automobilisiert oder zu Hause auf dem Sofa.

„Partisanenpfade im Piemont“ ist ein Buch, das einführt in die Welt der Alpentäler, die sich fächerartig westlich der Barockstadt Turin bis zum Alpenhauptkamm ziehen. An Plätze führt, in denen die Geschichte der Resistenza wachgehalten wird und an Orte, in denen gut gegessen und genächtigt werden kann.

Ein Buch, das 23 Touren – vom Stadtspaziergang durch Turin bis zur Hochtour auf über 3.000 Meter – umfasst. Alle GPS-kartiert, alle anhand von Waypoints exakt nachvollziehbar und jede Tour mit herunterladbarem Track für das eigene GPS-Gerät. Mit Hinweisen zum ÖPNV, Kartenmaterial und Einkehrtipps.

Donnerstag

Heute haben
Léopold Sédar Senghor * 1906
Gert Loschütz * 1946
und Durs Grünbein * 1962
Geburtstag.
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Die aktuelle Frankfurter Anthologie Nr.37 beginnt gleich mit einem Paukenschlag.

Andreas Gryphius
Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Da bin ich aber sehr gespannt auf mein tägliches Gedicht. 50 sind abgedruckt mitsamt den interessanten Interpretationen.

„Frankfurter Anthologie“ Nr.37
S.Fischer Verlag € 24,99
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Über Winston Churchill haben wir in den letzten Wochen und Monaten schon einiges gelesen. Erstaunlich, was dieser Staatsmann alles gemacht hat. Dass er geschrieben hat, war mir klar, dass er aber den Literatur Nobelpreis bekommen hat, habe ich vergessen. Dass er als Schreiber für Zeitungen deutlich mehr verdient hat, als im Posten eines Politikers, hat auch was. Dass er getrunken hat, wie ein Loch, sickerte immer schon durch. Dass er, mit seinem Freund Charlie Chaplin gemeinsam, stark an Depressionen litt, haben wir in Michael Köhlmeiers Buch: „Zwei Herren am Strand“ lesen können. Die ersten Biografien liegen schon auf den Tischen und nächstes Frühjahr begehen wir den 50.Todestag dieses kleinen, großen Mannes.
Gestern erschien im Verlag Hoffmann&Campe ein schmales Bändchen mit dem Titel: „Zum Zeitvertreib – Vom Lesen und Malen“, das im Original 1932 erschienen ist.

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Winston Churchill: „Zum Zeitvertreib“
Hoffmann&Campe Verlag € 14,00

Wir können ihn hier als eigensinnigen und sehr persönlichen Essayisent entdecken, der über zwei seiner Lieblingshobbys schreibt. Ein Leben ohne Bücher war für Churchill undenkbar, aber das Lesen war für ihn kein Mittel zum Zweck, er vertrat die Auffassung, man solle sich dabei allein von seiner Lust und Laune lenken lassen. In der Malerei fand Churchill, der erst mit vierzig Jahren zu Pinsel und Palette griff, Trost und Stärkung. Er hatte seine eigene Welt gefunden, fernab vom Druck, dem er als Person des öffentlichen Lebens ausgesetzt war, eine Welt, von der er sagte: „Glücklich sind die Maler, denn sie sind niemals einsam„.

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Er schreibt gleich zu Beginn, dass es an guten Ratschlägen nicht mangelt, wie man sich den täglichen Stress vom Hals schaffen kann. Ruhe, oder Geselligkeit – beides sind für ihn gute Tipps. Er meint jedoch, man solle sich nicht auf eines festlegen, sondern stets die Abwechslung vorziehen. „Abwechslung ist der Schlüssel schlechthin„. Man solle sich ein paar Hobbys zulegen, und zwar rechtzeitig, damit man sie zur Entspannung einsetzen kann. Sport sei schon ganz gut, aber was machen wir im Alter, wenn nix mehr geht? Da sei doch das Lesen und Malen bis ins hohe Alter immer noch möglich. Das Lesen sei natürlich die beliebteste Art der Zerstreuung, schreibt Churchill 1932. Na wenn er wüsste, wie das heute im Internetzeitalter aussieht. Aber so eine kleine Grundbibliothek (von ca. 5.000 Büchern !!!), wie sie ein Bekannter von ihm besitzt, das hat schon was. Wir müssen doch auch nicht alle Bücher gelesen haben; ein Tag in so einer Bibliothek können ein Gefühl von großer Zufriedenheit vermitteln. All dies Wissen, das darin steckt, alle Abenteuer und Biografien sind ein wahrer, unsetzbarer Schatz. „Und wenn Sie schon nicht alle lesen können, dann nehmen Sie die Bücher wenigstens in die Hand, als wollten Sie sie streicheln. Schauen Sie hinein. Schlagen Sie sie aufs Geratewohl auf. Lesen Sie den ersten Satz, der Ihnen ins Auge springt, und von dort ein Stück weiter.“ Sie merken, Churchill ist ein Bücherverführer. Er ist jedoch ein großer Warner. Man solle als junger Mensch nicht zu viel lesen. „Jemand sagte mir einmal, er habe alle Bücher gelesen, auf die es ankomme.“ Er fragte die Person etwas aus und stellte fest, sie sehr viel gelesen habe, aber die meisten Bücher hätten keinen großen Eindruck hinterlassen. Das sei schade, denn erst im Alter sei man oft reif für die große Literaturen der Welt. „Junge Menschen sollten mitdem,was sie lesen, so vorsichtig sein wie alte Menschen mitdem, was sie essen. Sie sollten nicht zu viel zu sich nehmen. Und sie sollten es gut durchkauen.“
Was Churchill über seine Malerei schreibt, lesen Sie dann selbst im Buch nach. Nur ein Satz vielleicht zum Scharfmachen. Beim Ölmalen, sei es wichtig, wie ein Feldherr zu agieren. Man solle immer noch Truppen in der Reserve haben, um die Schlacht zu gewinnen. Heisst: Erst mal kräftig mit den Farben daruf auf die Leinwand und wenn irgend etwas nicht stimmig ist, ruhig weg mit den alten Farben und neue drauf.

Viel Vergnügen mit dem schön gemachten, schmalen Bändchen.

Mittwoch

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Heute haben
Harold Robbins * 1916
Gabriele Wohmann * 1932
Urs Widmer * 1938
Geburtstag
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Es gibt mal wieder etwas Neues in der Buchhandelswelt. Und es funktioniert wirklich. Irgendwie ganz lustig: Sie sind unterwegs und doch mit unserer Buchhandlung direkt verbunden.
Jastram immer in der Hosen-, Handtasche.

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Empfehlungen
Neuerscheinungen
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Gestern stellten wir einen Gedichtband vor. Und heute gleich wieder.
Kann nix schaden, so denke ich.

Anthologie

Frankfurter Anthologie
Siebenunddreißigster Band
Gedichte und Interpretationen
S.Fischer Verlag € 24,99

1974, also vor 30 Jahren, stellte Marcel Reich-Ranicki zum ersten Mal in der FAZ ein Gedicht vor und ließ es von einem namhaften Interpreten erläutern. Mittlerweile gibt es mehr als 2.000 solcher Gedichte mit Interpretationen.
Und jetzt ist Band 37 erschienen. In jedem Jahresband befinden sich alle Gedichte des vergangenen Jahres jetzt in Buchform.

Diesmal u.a. mit Gottfried Benn – Hans Christoph Buch, Wolf Biermann – Uwe Wittstock, Clemens Bretano – Hans-Joachim Simm, Johann Wolfgang Goethe – Joachim Sartorius, Rainer Maria Rilke – Oliver Vogel, und viele andere mehr.

Johann Wolfgang Goethe
Ob der Koran von Ewigkeit sei

Ob der Koran von Ewigkeit sei,
Darnach frag‘ ich nicht.
Ob der Koran geschaffen sei,
Das weiß ich nicht.
Daß er das Buch der Bücher sei,
Glaub ich aus Mosleminen-Pflicht.

Daß aber der Wein von Ewigkeit sei,
Daran zweifl‘ ich nicht;
Oder daß er vor den Engeln geschaffen sei,
Ist vielleicht auch kein Gedicht.
Der Trinkende, wie es auch immer sei,
Blickt Gott frischer in’s Angesicht.

Clemens Brentano
Lieb und Leid im leichten Leben ..
.

Lieb und Leid im leichten Leben
Sich erheben, abwärts schweben,
Alles will das Herz umfangen,
Nur Verlangen, nie erlangen,

In dem Spiegel all ihr Bilder
Blicket milder, blicket wilder
Jugend kann doch nichts versäumen
Fort zu träumen, fort zu schäumen.

Frühling soll mit süßen Blicken
Sie entzücken und berücken,
Sommer mich mit Frucht und Myrten,
Reich bewirten, froh umgürten.

Herbst du sollst mich Haushalt lehren,
Zu entbehren, zu begehren,
Und du Winter lehr mich sterben
Mich verderben, Frühling erben.

Wasser fallen um zu springen,
Um zu klingen, um zu singen,
Schweig ich stille, wie und wo?
Trüb und froh, nur so, so!

Andreas Gryphius
Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.
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Wir haben noch ein paar Bücher von der Lesung mit Jan Weiler im ROXY.
Er hatte den Saal innerhalb kürzester Zeit auf seiner Seite und nach über zwei Stunden Programm taten die ZuhörerInnen wahrscheinlich die Lachmuskeln weh.

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Montag

Heute haben
Felix Hartlaub * 1913
Hanna Johansen * 1939
Geburtstag.

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Mein Buchtipp für den Einstieg in die heisse Woche hat nun mal gar nichts mit der kommenden Hitze zu tun.
Die Frankfurter Anthologie wurde und wird immer wieder zweit- und drittverwertet, was auch gut ist. Und so bringt der Insel Verlag ein Taschenbuch heraus, in dem nur Gedichte von deutschsprachigen Frauen zu lesen sind.
Mittlerweile ist die Anthologie bei S.Fischer gelandet und Suhrkamp / Insel schauen halt nun, wie sie ihren Bestand in neuen Ausgaben herausgeben können. Diesmal ist es wirklich gelungen und setzt sich von vielen anderen Lyrik-Anthologien ab.

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Frauen dichten anders
Deutsche Dichterinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart
Ausgewählt von Marcel Reich-Ranicki
Insel Taschenbuch € 10,00

„Ein Plädoyer für die Poesie der Frauen.“
Marcel Reich-Ranicki

„Gedichte können die Zeit besser überstehen als die prächtigsten Tempel und Paläste“, sagt Marcel Reich-Ranicki. Dieser Band versammelt die für den Literaturkritiker wichtigsten und schönsten Gedichte deutscher Lyrikerinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die vorliegende Sammlung macht in ihrer Vielfalt den Band nicht nur zu einem anregenden Lesevergnügen, sondern auch zu einer bislang einzigartigen Literatur- und Kulturgeschichte.
Was hier (natürlich) fehlt, sind die Beschreibungen der Gedichte, die die Frankfurter Anthologie ausmacht. Wir haben also nur die Gedichte und müssen uns selbst einen Reim darauf machen.
Mit Gedichten von Annette von Droste-Hülshoff, Ricarda Huch, Nelly Sachs, Getrud Kolmar, Marie Luise Kaschnitz, Mascha Kaléko, Friederike Mayröcker, Ingeborg Bachmann, Elisabeth Borchers, Sarah Kirsch, Ulla Hahn, Ulrike Draesner u.v.a. Und das alles auf fast 250 Seiten.


Karoline Günderrode
Der Kuss im Traume

Es hat ein Kuß mir Leben eingehaucht,
Gestillet meines Busens tiefstes Schmachten.
Komm, Dunkelheit! mich traulich zu umnachten,
Daß neue Wonnen meine Lippe saugt.

In Träume war solch Leben eingetaucht,
Drum leb’ ich, ewig Träume zu betrachten,
Kann aller andern Freuden Glanz verachten,
Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht.

Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen,
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen
Und mich verzehren seiner Sonne Gluthen.

Drum birg dich Aug’ dem Glanze irrd’scher Sonnen!
Hüll’ dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluthen.

Marianne von Willemer
Suleika

Ach, um Deine feuchten Schwingen
West, wie sehr ich Dich beneide:
Denn Du kannst ihm Kunde bringen,
Was ich in der Trennung leide.

Die Bewegung Deiner Flügel
Weckt im Busen zartes Sehnen.
Blumen, Augen, Wald und Hügel
Stehn bei Deinem Hauch in Tränen.

Doch Dein mildes, sanftes Wehen
Kühlt die wunden Augenlider.
Ach, für Leid müsst ich vergehen,
Hofft ich nicht zu seh’n ihn wieder.

Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen;
Doch vermeid, ihn zu betrüben
Und verbirg ihm meine Schmerzen.

Sag ihm, aber sag’s bescheiden:
Seine Liebe sei mein Leben.
Freudiges Gefühl von beiden
Wird mir seine Nähe geben.

Genießen Sie die Leseprobe mit einigen Gedichten und einer kompletten Inhaltsangabe.
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Literyescapist

Diese Jugend! (gefunden bei: literacyescapist)