Dienstag, 23.Mai


Heute haben
Harry Graf Kessler * 1868
Max Herrmann-Neiße * 1886
Pär Lagerkvist * 1891
Annemarie Schwarzenbach * 1908
Dieter Hildebrandt * 1927
Friedrich Achleitner * 1930
Geburtstag
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Max Herrmann-Neiße
Ein Licht geht nach dem andern aus

Ein Licht geht nach dem andern aus,
und immer dunkler wird das Haus
Ich bin allein beim Lampenschein,
ein Leuchtturmgeist in all der Nacht,
der in dem Schlaf der andern wacht
und Angst hat, auf dem Meer zu sein.

Vorn fern und nah umflattern blass
der andern Liebe mich und Hass,
gelockt von meinem späten Licht;
ihr Stöhnen tönt mit Lust und Leid
in meine große Einsamkeit,
ihr Gram weht kühl um mein Gesicht.

Schon liegen sie, wie Tote tun,
als probten sie, im Grab zu ruhn,
und nur ihr Atem flackert sacht.
Ich fürchte dieses Schlafes Bann,
der mich für immer halten kann,
und bleibe wach in all der Nacht.
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Jetzt, wenn es in den Gärten blüht, passt das Büchlein ausgezeichnet.

„Claude Monets Garten in Giverny
Herausgegeben von Gloria Köpnick und Rainer Stamm
Inselbücherei € 14,00

Claude Monet (1840-1926) gilt als einer der bedeutendsten französischen Impressionisten, seine Seerosen-Bilder sind weltberühmt. 1883 ließ er sich in Giverny nordwestlich von Paris nieder; dort lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod. Am Zusammenfluss der Flüsse Seine und Epte legte er nach eigenen Vorstellungen seinen Garten an, der mit der „japanischen Brücke“ und dem Seerosenteich zum Motiv einer Vielzahl seiner Bilder wurde. Die hier entstandenen Werke erweiterten die impressionistische Malerei hin zu einem Fest der Farbe, und der gemalte Garten führte Monet schließlich bis an die Grenzen der Abstraktion.
In dem vorliegenden Band zeigen Gloria Köpnick und Rainer Stamm die Entwicklung von Monets Bildserie anhand ausgewählter Meisterwerke und erläutern die Geschichte der in Giverny entstandenen Gartenbilder in einem Nachwort.
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Ulmer Lyriksommer 2023:
Lesung mit Markus Orths: „Mary & Claire
Auftaktveranstaltung zum 2. Ulmer Lyriksommer

Freitag, 26.Mai, 19.30 Uhr, Eintritt € 6,00

Romanautor Markus Orths
© Peter-Andreas Hassiepen

Markus Orths mitreißender Roman über die Stiefschwestern und Schriftstellerinnen Mary Shelley und Claire Clairmont – eine sprudelnde Geschichte über die Literatur, das Leben und die Liebe. Mary & Claire lieben Percy. Und Percy liebt Mary & Claire. An seiner Seite entfliehen die Frauen der Londoner Enge. Sie wollen atmen, reisen, lesen, verrückt sein, lieben und schreiben. Und sie nehmen den schillerndsten Popstar der Literatur Anfang des 19. Jhd. in ihre Gemeinschaft auf: den jungen Lord Byron.

Samstag, 25.März

Heute haben
Flannery O’Connor
Wieslaw Mysliwski * 1932
Geburtstag
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Georg Trakl
Im Frühling

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.

Immmer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:


Markus Orths: „Mary & Claire
Hanser Verlag € 26,00

Mary Shelley, geborene Godwin, wächst bei Ihrem Vater, Wiliam Godwin (Sozialphilosph und Anarchist), dessen neuer Frau und ihrer Halbschwester Clara ( päter Claire) auf. Die Mutter ist kurz nach Marys Geburt gestorben, trotzdem hat Mary ein inniges Verhältnis zu ihr und verbringt Stunden und Tage an ihrem Grab. Mary wird wegen ihrer Aufmüpfigkeit ins Internat gesteckt, reißt dort aus und danach landet sie in Schottland auf dem Land. Wieder zurück in London, verliebt sie sich in den Dichter und Romantiker Percy Shelly, auch ihre Halbschwester Claire ist dem Lebemann und Frauenheld verfallen. In seliger Verliebtheit wollen sie von Marys Vater den Segen, setzten sie doch wegen dessen Freigeistigkeit seine Zustimmung voraus. Leider geht diese Rechnung nicht auf, Percy ist noch verheiratet und hat ein Kind, das kann der Vater nicht gelten lassen und verbietet Mary jeglichen Kontakt.
Zu dritt (Mary, Claire und Percy) fliehen sie nach Frankreich, wo Percy, durch eine erwartete Erbschaft , ihnen ein tolles Leben verspricht. Leider klappt das nicht wie erwartet, sie leben in immer ärmlicheren Verhältnissen. Percy fängt mit Claire ein Verhältnis an und Mary ist schwanger.
Es geht zurück nach England, die Wogen glätten sich und sie leben immer wieder in einer Dreiecksbeziehung, bis Claire sich heillos in Lord Byron verliebt, der sowohl Männer und Frauen liebt , und das in unüberschaubarer Menge. Da in England die Todesstrafe auf Homosexualität steht, wechselt er mit seinem Leibarzt (auch Schriftsteller) an den Genfer See. Das Trio folgt (Claire hat alles eingefädelt) und zwischen Byron und Percy entsteht eine enge Freundschaft, Claire wiederum bekommt nicht, was sie sich erhofft hat, außer ein Kind vom Lord.
Ein turbulentes Durcheinander und Miteinander einer Künsterclique, die völlig unkonventionell in die Tage gelebt haben. Das geht natürlich nur mit Geld, und das hatten sie. Alle schreiben, auch die Frauen.
Mary Shelly hat am Genfer See ihren „Frankenstein“ geschrieben, den ich jetzt wohl doch mal lesen werde.
Ein tolles Buch, ich habe es tatsächlich am Stück verschlungen und empfehle es wärmstens.

Leseprobe

Auf der Hanserseite gibt es 5 Fragen an Markus Orths:

Lieber Markus Orths, in Ihrem neuesten Roman geht es um junge Menschen, die sich ins Leben werfen. Es geht um Rausch und um Literatur. Wer sind Mary & Claire?
Es sind Mary Shelley und ihre Stiefschwester Claire Clairmont. Mary Shelley ist bekannt als Autorin von Frankenstein. Claire Clairmont kennt man kaum. Auch Claire hat geschrieben. Unter anderem ein verschollenes Manuskript mit dem Titel: Idiot. Die beiden Schwestern entfliehen der Londoner Enge mit ihren Normen und Konventionen, sie sind jung und voller Liebe, sie wollen reisen, schreiben, lesen, das Leben einatmen. An der Seite des Rebells und Dichters Percy Shelley stürzen sie sich in abenteuerliche Fahrten durch Frankreich, die Schweiz und Deutschland. Doch die Freiheit schmeckt anders, als sie es sich vorstellen.

Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zum ersten Mal dachten, dass hier der Stoff für einen Roman verborgen liegt?
Mein Buch hieß ursprünglich Mary. Das Leben von Mary Shelley fand ich schon bei meinem Englisch-Examen erschütternd (so viele tote Menschen um sie her) und aufregend zugleich. Beim Schreiben hat sich Claire immer mehr ins Buch gedrängt. Ihre Briefe haben mich begeistert. In einem dieser Briefe las ich plötzlich von ihrem Buchprojekt Idiot. Ich erfuhr, dass Lord Byron das Manuskript gelesen und gelobt hat. Und fragte mich sofort: Was war das für ein Buch? Warum ist es verschollen? Worum ging es? Was für eine Schriftstellerin ist hier verloren gegangen? So wurde langsam, aber sicher aus dem geplanten Roman Mary der Roman Mary & Claire.

Wie haben Sie recherchiert und was davon findet sich im Roman wieder?
Ich habe die Tagebücher und Briefe gelesen, manche Schriften dieser Menschen, aber man muss maßhalten in der Recherche, sonst verliert man den Fokus. Ins Buch fließt alles, was ich selber spannend und verrückt genug finde und was dem roten Faden des Buches entspricht. Bei Claire habe ich auch viel erfunden. Kurz gesagt: Das Bekannte, die Briefe, Tagebücher, Schriften, die vorliegen, bilden den Hintergrund des Romans; all das Unbekannte, die herausgerissenen Seiten aus Tagebüchern und verlorenen Texte bilden den Vordergrund.

Ihr Roman ist Schwesterngeschichte, Liebesgeschichte und Künstlerinnenroman. Was ist für Sie selbst der Kern des Buches?
Das Gegensatzpaar Einsamkeit und Alleinsein. Einsamkeit ist im Roman positiv besetzt: Aus ihr erwächst die Kraft für das Schreiben. Sich selbst zum Ausdruck zu bringen gelingt nur im Rückzug vom anderen. Die Einsamkeit aber hat ihre Kehrseite im Alleinsein. Da wird sie zur Qual, zur Hölle. Wie soll man erfüllt leben ohne andere Menschen, ohne Begegnung, Reden, Vorlesen, Zuhören, Liebe? Das Leben für die Romantiker war ein Wechselspiel zwischen der Fülle des Abtauchens in sich selbst und der Fülle der Begegnung mit anderen.

Für Mary & Claire ist Schreiben eine existenzielle Notwendigkeit. Was bedeutet Schreiben für Sie persönlich?
Wenn ich aufhöre zu schreiben, gehe ich ein wie eine Primel. Das weiß ich. Das fühle ich. Mit allem Pathos: Ich schreibe um mein Leben. Es ist das, was mir Sinn und Halt gibt, nur aus der Einsamkeit des Schaffens kann Begegnung mit anderen gelingen. So gibt es eine große innere Nähe zum Thema des Buches und zu den Menschen: Mary & Claire & Percy & Byron.

Montag, 7.Juni

Heute haben
Elizabetrh Bowen * 1899
Mascha Kaleko * 1907
Orhan Pamuk * 1952
Louise Erdrich * 1954
Fred Vargas * 1957
Geburtstag
und es ist der Todestag von Friedrich Hölderlin, Goerge Sand, Hans Arp, Dorothy Parker, E.M.Forster, Christine Lavant, Henry Miller, Michael Hamburger und Jorge Semprun.
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Friedrich Hölderlin
An eine Rose

Ewig trägt im Mutterschoße,
Süße Königin der Flur!
Dich und mich die stille, große,
Allbelebende Natur;
Röschen! unser Schmuck veraltet,
Stürm entblättern dich und mich,
Doch der ewge Keim entfaltet
Bald zu neuer Blüte sich.
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Eine Entdeckung:


Ralf König: „Frankenstein
Carlsen Verlag € 12,00
Band 8 aus der Reihe: „Die Unheimlichen“

Ich kannte diese Reihe „Die Unheimlichen“ gar nicht, nahm das kleine Bändchen im Laden in die Hand und dachte zunächste: „Oh, Ralf König in der Insel-Bücherei“. Von wegen. Der Carlsen Verlag veröffentlicht, unter der Regie von Isabel Kreitz, diese besondere Reihe, in der Grusel- und Schauergeschichten der klassischen Literatur, von Zeicherinnen und Zeichner neu interpretiert werden. Antigone, Unterm Birnbaum, Edgar Allen Poes Berenice, Hans Christian Andersens Der Schatten gehören u.a. dazu. Band 7, Die Affenpfote, wurde von Sabine Wilharm illustriert.
Ralf Königs Frankenstein erzählt nicht Shelleys Roman nach, sondern lässt einen Mediziner seine Geschichte von Leben und Tod, von der Wiederbelebung von Toten erzählen. Von der Verzweiflung und dem Glauben und Hoffnung daran, dass es so etwas geben kann. Ralf Königs Geschichte lebt vom grünschwarzen Ton der Illustrationen, in den natürlich „seine“ Figuren mit ihren Vorlieben auftauchen. Herrlich, wie er seine Variation dieses alten Themas, mit Witz und Grusel, bearbeitet.
Eine Kunde hat mir im Laden erzählt, dass der nächste Band der Lucky Luke Homage-Bände von Ralf König illustriert wird. Hurra! Das wird ein Spaß.