Samstag, 27.Februar

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Heute haben
Henry Longfellow + 1807
John Steinbeck * 1902
Lawrence Durrell * 1912
Elisabeth Borchers * 1926
Geburtstag.
Aber auch Elizabeth Taylor, Enrico Caruso und Rudolf Steiner.

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Unser Lesetipp für’s Wochenende hält nicht lange an. Dazu ist die Novelle zu schmal und zu schnell gelesen. Aber Sie bleibt Ihnen noch länger im Gedächtnis. Nicht nur, weil es ein sehr schön gestaltetes Buch ist, das sich die Seiten teilt mit dem Text des Autors und Fotos zerstörter Häuser von Philippe Gerlach (dafür wurde es auch als einer der schönsten Bücher des Jahres ausgewählt), sondern weil die Geschichte einfach aberwitzig ist.

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Joshua Groß:Magische Rosinen
Die Geschichte von Mascarpone und Sahra Wagenknecht
Novelle aus dem Spätkapitalismus
starfruit publications € 17,90

Der 1989 bei Nürnberg geborene Autor Joshua Groß erzählt uns hier eine wirklich irre Geschichte. Nicht nur dass Sahra Wagenknecht in einem Hotelzimmer mit akkurater Flechtfrisur, Slip, Nylons und den leichten Abdrücken eines Pistolenholsters am rechten Oberschenkel auftaucht. Nein sie glaubt auch, dass es diese berühmten magischen Rosinen gibt, nach denen die Menschheit lechzt, um ihr Bewusstsein zu erweitern.

Die Laken waren frisch, draußen leuchtete New York, spät abends. Der Rapper trank vom Tee, fühlte sich wohl, fuhr mit der Nasenspitze über den Gänsehautoberarm der Abgeordneten. Sahra Wagenknecht wollte sich bei ihm entschuldigen, wusste aber nicht, wie. Für was entschuldigen eigentlich? „Ist da was dran, an den Außerirdischen, an den magischen Rosinen, an eurer Geheimorganisation?“, fragte Mascarpone, drehte sich auf den Rücken und starrte erwartungsvoll die verzierte Zimmerdecke an. Vergoldeter Stuck oder so was. „Weißt du…“, begann die Abgeordnete, „wie soll ich dir das erklären, also… mit den magischen Rosinen ist das ungefähr so, ähm: Niemand glaubt an ihre Existenz, aber jeder will sie haben. Alle sind hinter den magischen Rosinen her… also, könnte man eigentlich sagen, auf irgendeine völlig idiotische Weise wird doch an ihre Existenz geglaubt, oder so ähnlich. Puuh.“

So endet dieses Buch und dazwischen kommt es zu einer Begegnung zwischen der unerbittlichen Politikern Wagenknecht und dem Rapper Mascarpone. Sie reden, diskutieren, streiten, lieben sich in Hotelzimmern, suchen und forschen nach diesen Rosinen. Auf diesem Weg nehmen sie uns mit in die literarische Unterwelt. Jushuia Groß kramt den Altmeister Burroughs aus, bereichert die deutsche Gegenwartsliteratur um eine neue Art des Erzählens. Er zitiert, klaut, benutzt, kommt selbst ins Reflektieren, bringt sich ein, rührt, bohrt und unterhält aufs Beste.

„Phrasen, Phrasen, als würden wir uns wegducken. Das ist doch zum Kotzen. Du kannst nörgeln so viel du willst, gewählt sprechen und all das. Am Ende zählt doch nur, was wir machen. Also… beim Handeln gibt es keine Phrasen. Erst durchs Handeln können wir zu uns selbst kommen, das findest du vielleicht bei Hegel und der erste Batman-Film von Nolan hat dieselbe Botschaft, mein Lieber. Verstehst du das?“, sagt Sahra Wagenknecht relativ zu Beginn der Novelle und stellt schon mal klar, was uns auf den nächsten Seiten erwartet.

Joshua benutzt bewusst die Szenerie eines B-Movies, eines dieser Filme, die etwas aus der Welt gefallen sind und in Nachtkinos Jahre später zu kurzfritiger Berühmtheit werden. Er kritisiert unsere Welt des Kapitalismus und wir betrachten zwischen seinen Kapiteln die Fotos von Wirbelstürmen und Hochwasser zerstörten Holzhäusern und verwüsteten Städten.
Die Heroe der linken deutschen Politik und der Nachwuchs- und Hegel-Rapper Mascarpone werden zu einem Dream-Team. Sie streunen durch Manhattan, finden Hinweise für Verschwörungstheorien in Secondhand-Plattenläden, treffen auf transatlantische Geheimbündler, befinden sich am Strand und in mitten der Hochhausschluchten.
Joshua Groß schreibt aus der Sicht eines jungen Mannes, der noch mit dem Longboard unterwegs ist, vom Surfen träumt, der respektlos mit vorgefertigten Mythen umgeht, der es mit diesem Buch nicht auf eine Bestsellerliste bringen wird, Musikfetzen, Kinosequenzen einbaut und uns verwundert zurücklässt. Was alles so möglich ist, auf dem Papier und in der Wirklichkeit (welcher?), zeigt uns dieser Autor, dem ich viel Erfolg wünsche.

Die Homepage des Verlages Starfruit Publications

Auf Doktor Peng können Sie den kompletten Roman nachlesen.

Interview mit Joshua Groß


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Morgen zeigen die 25.Sonntagsskizzen von Detlef Surrey Eindrücke aus der Marheineke Markthalle in Kreuzberg.

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Nicht vergessen:
Kommenden Dienstag stellen wir ab 19 Uhr wieder vier neue Romane vor.
Auf unserer neuen Homepage finden Sie die einzelnen Titel mit einer kleinen Inhaltsangabe.

Clemens Grote und (hoffentlich) Marion Weidenfeld werden uns Passagen aus den Büchern vorlesen und es gibt frisch gezapftes Pumatorbier aus dem Fass.

Mittwoch

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Nun wird es langsam Zeit, dass sich das Wetter wieder ändert. Aber bevor wir über Kälte und Regen schimpfen, wollen wir doch zuerst das noch klären:
Hier klicken: Was ist eigentlich die Schafskälte?
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Heute haben Geburtstag:
Ambrose Bierce * 1842
Kurt Kusenberg * 1904
Yves Bonnefoy * 1923
Anita Desai * 1937
Gerhard Roh * 1942
Eugen Ruge * 1954
und auch noch
Albrecht Ludwig Berblinger * 1770 (Schneider von Ulm)
Marc Chagall * 1887
Claude Chabrol * 1930
Lionel Messi * 1987
David Alaba * 1992

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Guillermo Srodek-Hart: „Stories“
mit Texten von Anne Tucker
Sprache: Englisch
160 Seiten und 75 farbige Abbildungen
Prestel Verlag € 49,95
Gibt es nicht als eBook. Dafür ist es viel zu schön!

Guillermo Srodek-Hart, 1977 in Buenos Aires geboren, studierte am Mass College of Art in Boston sowie an der School of the Museum of Fine Arts/Tufts University in Boston. Seine Arbeiten bekamen zahlreiche Auszeichnungen und wurden vielfach ausgestellt, unter anderem auf der letzten Biennale 2013 in Venedig. Seine Fotografien sind Teil verschiedener privater und öffentlicher Sammlungen, darunter das Santa Barbara Museum of Art, das North Dakota Museum of Art und das Attleboro Museum of Art. Er wird vertreten von der Kuckei + Kuckei Galerie in Berlin, der jdc fine art in San Diego und der Schneider Gallery in Chicago. Er lebt in Buenos Aires, Argentinien.

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„Das Leben des Toten bleibt nur in der Erinnerung der Lebenden.“
Diesen Spruch fand der Fotograf in der Werkstatt eines Steinmetzes. Dieser Mann war der einzige in der Region, der Grabsteine mit jiddischen Inschriften herstellen konnte. Da kurz vorher der Großvater von Guillermo Srodek-Hart gestorben war und er nicht viel hinterließ, als das Hörgerät, Kleidung, Fotos, Uhren, …, war es für ihn wie eine Eingebung und es entwickelte sich eine Idee, eine künstlerische Vision daraus.

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Zehn Jahre lang fuhr er ins argentinische Hinterland und fotografierte solche Tante- Emma-Länden, alte Werkstätten, verlassene und immer noch benutzte Läden und Privaträume. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Und genau dieses Phänomen setzte er auch in seine Fotografiertechnik um. Nicht mit einer neuwertigen Digitalkamera war er unterwegs, sondern mit einer alten Plattenkamera, bei er noch unter dem schwarzen Umhang verschwinden musste, um die richtige Einstellung zu finden. Er bat die Besitzer der Läden aus dem Bild zu treten, oder die sich bewegenden Menschen verschwanden ganz einfach durch die lange Belichtungszeit. Eingefroren, museal und manchmal auch schon fast wie eine Requisite für einen Breitwand-Kinofilm, so wirken diese großformatigen Fotografien. Und ich denke mal, dass sie aufgehängt an der Wand eines Museum noch um ein Vielfaches beeindruckender sind.
Diese menschenleere Kneipen, die rostigen Werkbänke, Friseursalons und Treffpunkte eines namenlosen Ortes, in denen man Fußball schauen, Bier trinken und das Notwendigste einkaufen konnte und kann, erzählen ganze Geschichten und lassen wahrscheinlich bei jedem Betrachter einen anderen inneren Film ablaufen. Die Aufnahmen wirken in unserer blinkenden, schnellen Zeit, in der die Smartphones überall zu sehen und zu hören sind, die Hupkonzerte und der Baustellenlärm allgegenwärtig sind, in der sich neueste Meldungen täglich überschlagen, wie aus einer anderen Welt und verlangsamen unseren Puls und unsere Augen verweilen von Bild zu Bild immer länger auf diesen Interieurs und wollen auch noch das kleinste Detail eintdecken.
Vielen Dank an den Prestel Verlag, dass dieser Schatz nicht im argentinischen Niemandsland versteckt bleibt, sondern uns nun in diesem Prachtband zugänglich gemacht worden ist.

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Die „25“ steht für eine schöne Zeit in der Buchhandlung. Mit Ihnen und den Büchern, und und und.
Das wollen wir am Samstag, den 4.7. mit Ihnen ein klein wenig feiern.
Für Essen und Trinken ist gesorgt und ab 15 Uhr legt Jürgen Grözinger Musik auf.

Zuvor kommt aber am Mittwoch, den 1.7. um 19 Uhr Wernern Färber zu uns.
Sie kennen ihn von seinen“Ungereimtheiten“, die ich wöchentlich hier auf den Blog übernehme. Ein paar Tage vor dem 1.7. erscheint sein neustes Buch mit Ulmer Kriminalgeschichten und und und.
Lassen Sie sich überraschen. Es wird auf jeden fall sehr unterhaltsam.
Ich freue mich auf Ihr/Euer Kommen.

9783839217788

Und dies schreibt der Verlag:

Ulmheimlich

Mittwoch, 01. Juli 2015
Premierenlesung mit Werner Färber in Ulm
Lesung aus »Baumkiller« und »Wer mordet schon in Ulm, um Ulm und um Ulm herum?«
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Buchhandlung Jastram
Schuhhausgasse 8
89073 Ulm

Nach Monaten der Trennungsfunkstille meldet sich Yannick, Leas Ex, ein selbständiger Landschaftsgärtner, mit der Nachricht, dass einer seiner Partner auf dem Altonaer Hauptfriedhof erhängt in einem Baum gefunden wurde. Zunächst deutet alles auf Selbstmord hin. Lea ist eine der ersten, die dies bezweifelt. Auch wird sie von Yannick in ein falsches Alibi verwickelt. Hat er etwa mit Hannos Tod zu tun? Oder kam Hanno doch wegen seiner Wett-Eskapaden oder wegen einer illegalen Baumrodung zu Tode? In Ulm, um Ulm und um Ulm herum herrscht unheimliche Stimmung – ob Mord aus Notwehr, Psychose, Neurose, Ver- und Überdruss, oder gar Lust am Töten, keiner ist mehr sicher! Ist die fitte Oma Mendle Opfer oder Täterin? Was findet der Hund von Carmen im Haus ihres Vaters? Flammt die alte Liebe zwischen Polizeiobermeister Joachim Wagner und Hannelore wieder auf oder wird sie durch einen grausigen Fund im Keim erstickt? Ulm hat doch mehr dunkle Seiten als man meinen könnte …