Freitag, 30.September

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Heute haben
Ferdinand von Saar * 1833
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel 1928
Jurek Becker * 1937
Werner Schmidli * 1939
Cecilia Ahern * 1981
Geburtstag
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„Lesen ist eine ernste Angelegenheit, doch einsam oder gelangweilt sind Leser selten, denn Lesen ist eine Zuflucht und eine Erleuchtung, eine Erfahrung, die zuweilen offen zutage tritt. Mir kommt es immer vor, als ginge vom Gesicht eines lesenden Menschen etwas Strahlendes aus.“
Paul Theroux

Steve McCurry. „Lesen
Eine Leidenschaft ohne Grenzen
Mit einer Einführung von Paul Theroux
Prestel Verlag € 29,85
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Der Magnum Fotograf Steve McCurry hat magische Momente des Lesens, diese Versunkenheit abgelichtet. Rund um die Welt, mit den verschiedensten Menschen. Ob alt oder jung, arm oder reich. Egal, sie alle haben ein Buch, eine Zeitung in der Hand. Ob auf der Kühlerhaube, oder an einen kleinen Elefanten gelehnt – sie lesen und sind ihrer Welt entrückt. Und das macht ja das Lesen aus. Etwas Ver-rückt zu sein, etwas aus der Welt gefallen. Nicht alles besser zu wissen und zu allem einen Kommentar abzugeben. Nein, wir überlassen uns den Autoren. Ob dicker Roman, oder ein Fußballbericht. Wir lesen und verschwinden hinter den Worten, die dort stehen. Dieser Moment wird auf den Fotografien deutlich sichtbar.
Gut, es ist ein Coffeetable Buch, eines, das wir hin und wieder durchblättern. Aber jede Wette, wenn Sie es auf einem Tisch liegen lassen, Ihre richtigen Freunde werden anfangen darin zu blättern und ein paar Minuten still sein. Bis ein Schrei zu hören ist. „Ah, diese Stelle kenne ich! Da war ich auch schon.“ Und sei es nur in einem Roman.

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Das hervorragende Vorwort von Paul Theroux zeigt den Autoren nicht nur als begeisternden Leser und Weltreisenden, sondern auch als genauen Beobachter.
Gelesen wird immer und überall. Es gibt fast nichts Wichtigeres, als dass alle Menschen lesen können, denn nur dann können sie sich selbst ein Bild von dem machen, was um sie herum geschieht und müssen nicht nur das glauben, was ihnen gesagt wird.

Von Rom bis Kyoto, Marrakesch bis Los Angeles – überall auf der Welt lesen Menschen – lautet die schlichte wie überaus erfreuliche Nachricht dieses Bildbandes und überall gibt es Buchhandlungen. Große und kleine, egal, auf den „Inhalt“ kommt es an.
Kathrin Passig hat in ihrem Vortrag in der Ulmer Stadtbibliothek erwähnt, dass der Buchhandelsverband mitgeteilt hat, dass der stationäre Buchhandel noch 100 Jahre hätte, bis er verschwunden ist. Kathrin Passig geht von 50 Jahren aus. Aber: Wer denkt schon so weit. Jetzt im Moment gibt es eine schöne Auswahl an unabhängigen, engagierten Buchhandlungen. Nutzen Sie dies aus.
Aber wem sage ich das, Sie machen das ja eh schon.
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Wenn ich schon dabei bin:
Bitte nicht vergessen.
Dienstag, 4.Oktober ab 19 Uhr
Jastrams „Erste Seite“ mit vier neuen Büchern und Clemens Grote als Vorleser.
Bei uns in der Buchhandlung

Donnerstag, 4.Februar

Heute haben
Pierre Marivaux * 1688
Friedrich Glauser * 1896
Jacques Prévert * 1900
Alfred Andersch * 1914
Betty Friedan * 1921
Werner Schwab * 1958
Stewart O’Nan * 1961
Geburtstag
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Mit etwas Verspätung, setze ich den Februar-Gedichtband auf den Blog.
Ich habe den Eintrag vom letzten Jahr übernommen, damit wir uns an das Wetter von vor einem Jahr erinnern. Von Schnee ist im Moment nicht die Rede, obwohl gerade jetzt etwas Weißes vom Himmel fällt.

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Februar
Herusgegeben von Christine Schmidjell und Evelyne Polt-Heinzl,
wie alle anderen Monatsgedichte in dieser Reihe.
Reclam Verlag € 5,00

Wieder sind es fast 70 Gedichte, die hier in das Februar-Heftchen aufgenommen worden sind und wieder ist kein Goethe dabei. Die beiden Damen halten an ihrem Prinzip fest. Gut so! Goethe findet sich in vielen anderen Anthologien und zu allen Gelegenheiten. So kommen wir auch mal ohne ihn aus.

Ringelnatz dichtet sich schon in den Karneval:

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Berta, wir gehn zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pourri und Drall.
Denn mancherlei im Leben
vielerlei!
Das man nicht sagt, läßt tanzen sich und gröhlen
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

In der Anthologie hat es auch Überschriften wie “Das wilde Treiben”, “Ballgeflüster”, “Frühlingserwartung” und “Vorfrühling”. Wir bleiben jedoch noch bei den Wintergedichten, bei den Schneemassen vor den Häusern und so wie ich gestern Schneeschippen durfte. Wir bleiben somit bei den Rubriken “Immer noch Winter” und “Stille Februartage”:

Christian Friedrich Hebbel
Winter-Landschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,
bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,
es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,
so gräbt er, glaub’ ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,
doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.

Joseph von Eichendorff
Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Richard Dehmel
Winterwärme

Mit brennenden Lippen,
unter eisblauem Himmel,
durch den glitzernden Morgen hin,
in meinem Garten,
hauch ich, kalte Sonne, dir ein Lied.

Alle Bäume scheinen zu blühen;
von den reifrauhen Zweigen
streift dein Frühwind
schimmernde Flöckchen nieder,
gleichsam Frühlingsblendwerk;
habe Dank!

An meiner Dachkante hängt
Eiszapfen neben Zapfen,
starr,
die fangen zu schmelzen an,
Tropfen auf Tropfen blitzt,
jeder dem andern unvergleichlich,
mir ins Herz.
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Stadthaus Ulm
17. Dezember 2015 bis 13. März 2016
Nadja Wollinsky: Am Rand
Fotografien aus Ulm, Neu-Ulm und Umgebung

„Ich würde nie etwas fotografieren, das ich hässlich finde.“
Diese Fotos soll man sich genau anschauen. Man soll sich Zeit für sie nehmen, denn hier kann es aufs ganz kleine Detail ankommen. „Im Idealfall“, sagt sie stattdessen, „funktionieren die Bilder auf drei Ebenen: Farbe, Form und Inhalt. Klappt leider nicht immer.“
In Ulm und Neu-Ulm entdeckt Nadja Wollinsky Randerscheinungen, doch bildet sie keine Tristesse ab. Ihre Settings sind meist menschenleer, doch nicht vereinsamt. Nicht selten erzählen die Bilder von einem Scheitern, doch immer sind sie tröstlich. Sie sind leise lustig, doch nie sich lustig machend. Sie sind subtil und niemals platt. Und ein Saurier vor einer Neu-Ulmer Bahntrasse-und-Parkhaus-Kulisse ist irgendwie „menschlich“.

Nadja Wollinsky, Jahrgang 1967, wurde Mitte der 90er Jahre am Stadtarchiv Ulm zur Fotografin ausgebildet und leitet seit 2006 die Bilddokumentation der Stadt Ulm. Dazwischen absolvierte sie ein Studium „Digitale Medien“ und war zuständig für Grafik und Fotografie in der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Ulm.

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Mittwoch

Termine der Literaturwoche Ulm

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Heute haben
Detlev von Liliencron * 1844
Martin Gregor-Dellin * 1926
Allen Ginsberg * 1926
Monika Maron * 1941
Philippe Djian * 1949
Norbert Gstrein * 1961
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Franz Kafka und Arno Schmidt
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„Zweifellos ist in mir die Gier nach Büchern. Nicht eigentlich sie zu besitzen oder zu lesen, als vielmehr sie zu sehen, mich in der Auslage eines Buchhändlers von ihrem Bestand zu überzeugen.“
Franz Kafka., aus: Tagebücher, 11.11.1911

„Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt;
ich war oft genug in Hannover.“
Arno Schmidt

Am Donnerstag, den 11.Juni lesen Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach aus den Briefen von Arno Schmidt, die unter dem Titel „Und nun auf, zum Postauto!!“ bei Suhrkamp erschienen sind.
Beginn ist 19:30.
Der Eintritt ist frei.
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Buchtipp des Tages:

Roma

Jakob Straub: „Roma Rotunda“
Text von Mark Gisbourne
Deutsch, Englisch
96 Seiten, 37 Abb.
19,50 x 38,50 cm
gebunden, Leporello
Verlag Hatje Cantz € 45,00

Ja, Sie haben richtig gelesen. Es ist ein Leporello. Und was für eins. 18 Meter (in Worten: achtzehn) lang ist dieses Buchkunstwerk und verneigt sich somit in voller Länge vor den 36 Kuppeln in Rom, bei denen wir uns normalerweise fast die Halswirbel ausrenken, wenn wir sie anschauen wollen.

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(Bildrechte: Hatje Cantz)

Der Berliner Grafikdesigner und Fotograf Jakob Straub (*1975) reiste in den letzten Jahren immer wieder nach Rom, um mit seiner analogen Mittelformatkamera Kuppeln im Innern von Kirchen und Profanbauten zu fotografieren. Dabei interessierte ihn nicht unbedingt die Kirchengeschichte, sondern betrachtete diese Formen und Farben nach architektonischen und ästhetischen Gesichtspunkten. Wie Mandalas, wie Blumenbilder, Kristalle liegen diese Kuppelbilder vor uns und wir stauen über die Symetrie, die Struktur und die Farbgebung, als wären es Gemälde und keine dreidimensionalen Kuppeln. Diese Himmel lassen uns stauen, genauso wie Marco Lodoli u.a. in seinen „Insel in Rom“ schreibt. Er beschreibt die Scheinkuppel in Sant Ignazio und meint, dass so eine Kuppel, die gar keine ist, jeden Rombesucher umhaut. Und so ähnlich geht es uns auch mit diesen fotografierten Kuppeln. Schöner ist es wahrscheinlich nur, wenn wir direkt vor Ort sind. Aber da heisst es erstmal suchen und finden und auf geeignete Öffnungszeiten hoffen (was nicht so einfach sein dürfte). Hier liegen diese Kunstwerke vor ihnen und das Blättern in einem so langen Leporello hat ein ganz eigene Aussagekraft.