Donnerstag, 13.Februar

IMG_7751

Heute haben
Georges Simenon * 1903
Sybil Gräfin Schönfeldt * 1927
F.C.Delius * 1943
Katja Lange-Müller * 1951
Irene Dische * 1952
Geburtstag
____________________________

Theodor Storm
Februar

Im Winde wehn die Lindenzweige,
Von roten Knospen übersäumt;
Die Wiegen sind’s, worin der Frühling
Die schlimme Winterzeit verträumt.
_____________________________

Emilia Wiltschek (14) empfiehlt:

ARTK_CT0_9783446266070_0001

Adam Baron: „Freischwimmen“

Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Alter: 10 ( wenn man viel liest) sonst 11
Hanser Verlag € 15,00

Cym ist noch nie in seinem Leben geschwommen. Nicht im Meer, in einem See oder im Schwimmbad. Noch nie. Außerdem hat er den wohl außergewöhnlichsten Namen. Cymbeline Iglu. Als seine Lehrerin plötzlich verkündet, dass sie statt der Religionsstunde am Montag mit der ganzen Klasse ins Schwimmbad gehen werden, ist er entsetzt. Wie soll er das seinem besten Freund erklären, der davon ausgeht, dass er ein Ass im Schwimmen ist? Als er dann auch noch für einen Wettbewerb heraus gefordert wird, ist er sich sicher. Er wird lügen über seine Schwimmfähigkeiten. Als er im Schwimmbad jedoch halb ertrinkt, ist er sich sicher, dass, das die schlechteste Idee überhaupt war. Er ist sauer auf seine Mutter, die ihm nie das Schwimmen beigebracht hat und will wissen, warum. Sie hatte bisher immer nur so doofe Ausreden, wie: da ist ein Monster im See und du hast bestimmt eine Chloralergie. Doch als Cym am nächsten Morgen aufwacht, ist seine Mutter nicht mehr da und sein Onkel sitzt in der Küche und macht im Frühstück. Wo ist seine Mutter? Und warum verhalten sich alle plötzlich so komisch? Ein Buch über eine tragische Familiengeschichte und Freundschaften die entstehen und gerettet werden müssen.

Leseprobe

Mittwoch, 29.Mai

IMG_3588.JPG

Heute haben
Leah Goldberg * 1911
André Brink * 1935
Dagmar Chidolue 1944
Kerstin Hensel * 1961
Geburtstag
___________________

Theodor Fontane
Maisonntag

Du klare Luft, du liebe Sonne,
Du grüner Wald, du Blütental
Du ganze große Maienwonne,
sei mir gegrüßt viel tausendmal.

Wie regungslos ob deiner Schöne
Hemmt seinen Lauf der Morgenwind,
Und Vogelsang und Glockentöne
Nur in der Luft lebendig sind.

Es steigt der Rauch vom Hüttenherde
Wie Abels Opfer himmelwärts,
Doch höher hebt sich von der Erde
Mein Lied – und dankerfülltes Herz!
______________________

maschinen-wie-ich-9783257070682

Ian McEwan: „Maschinen wie ich“

Aus dem Englischen von Bernhard Robben
Diogenes Verlag 25,00

Kaum ist der neue Roman von an McEwan auf dem Markt, wird er auch schon überall besprochen. Nach dem ich die ersten Seiten gelesen hatte, war mir klar, dass ich dieses Buch zu Ende lesen will. McEwan ist ein großer Meister im Beschreiben von zwischenmenschlichen Zuständen, von Beziehungen und Biografien, die plötzlich aus dem Ruder laufen. So auch hier. Zusätzlich hat er ein Faible mit der Geschichte zu spielen. In vergangene Zeiten einzutauchen, oder sich vorzustellen, was in naher Zukunft mit uns passieren könnte.
Hier geht er noch einen Schritt weiter. Also: Er geht in der Zeit zurück ins Jahr 1982, in der wissenschaftlichen Entwicklung einen Schritt voraus. Die Menschheit besitzt schon Handys und selbstfahrende Autos. Er dreht an wahren Begebenheiten, lässt die Engländer den Falkland-Krieg verlieren. Er lässt Tony Benn (Blair) einem Attentat zum Opfer fallen. Dafür überlebt John F.Kennedy. Die Beatles bringen zehn Jahre nach ihrer Trennung ein neues Album heraus und es gibt die ersten Androiden. Einen dieser Adams und Eves kauft sich die Hauptperson Charlie für 86.000 englische Pfund, obwohl er sich so einen künstlichen Menschen gar nicht leisten kann. Gleichzeitig entwickelt sich eine Liebesbeziehung mit seiner Mitbewohnerin Miranda. Diese Dreierbeziehung ist eines der Erzählstränge von „Maschinen wie ich“. Parallel dazu gibt es immer wieder Einschübe über den Stand der Wissenschaft, über Philosophie und Moral. McEwan spielt, erstaunt uns, klärt uns auf und benutzt den Androiden Adam, um uns unsere Art zu leben zu erläutern. Dass Adam, als künstliche Intelligenz, uns Menschen in vielen Dingen überlegen ist, dürfte klar sein. Aber wieso bringen sich dann einige seiner Artgenossen nach kürzester Zeit um? Dieses Geheimnis löst McEwan in seinem Roman, genauso, wie das Geheimnis, das Miranda zu verbergen versucht. Im Gegensatz zu uns Menschen kann Adam nicht schwindeln, lügen, vertuschen, oder etwas gerade biegen. Er handelt nach strengen moralischen Vorsätzen und stellt das junge Paar vor viele Belastungsproben, die Charlie am Ende mit dem Hammer löst.
Ein flott geschriebener, kluger, frecher Roman, in den McEwan viel hineingepackt hat und der trotzdem großen Spaß bei Lesen bereitet.

Donnerstag, 14.März

IMG_2287

Heute haben
Peter Paul Zahl * 1944
Jochen Schimmang * 1948
Christian Ditfurth * 1953
Geburtstag
______________________

Theodor Fontane
Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh‘,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!
_____________________

Sarah Wiltschek empfiehlt:

2848

Virginie Despentes: „Vernont Subutex 2“
Aus dem Französischen übersetzt von Claudia Steinitz
Kiwi Taschenbuch € 12,00

Ganz unten angekommen in der Gesellschaft bedeutet gleichzeitig völlige Freiheit. Frei von allen Zwängen, Mietverträgen, Geld, Anerkennung. Virginie Despentes´ tragischer Held Vernont Subutex landet am Ende des ersten Bandes auf der Straße und findet sich im Laufe des zweiten dort immer besser zurecht. Vor allem findet er Freunde. Neue auf der Straße und die alten, die wieder zu ihm zurückkommen und sich um ihn scharen, wie um einen neuzeitlichen Guru. Der ganze Druck von Arbeits- und Beziehungswelt fällt von ihnen ab. Sie können einfach sein, wie sie sind, ohne darüber nach zu denken, wie sie sein sollten.
Der erste, der den Kontakt zu Vernont sucht, ist Xavier, ein gescheiterter Drehbuchautor, der sich von seiner Frau aushalten lässt und sich weiter Erfolg vorgaukelt. Der Moment ist denkbar ungünstig. Vernont, Xavier und die obdachlosen Olga werden von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen. Xavier hat Glück im Unglück und erwacht geläutert aus dem Koma. Von da an verbringt er seine Zeit mit Vernont, tagsüber im Park und abends in der Bar, in der Vernont auflegt. Vernont bringt sie alle zum tanzen. Auch ungepflegt und ungewaschen. Am Ende sogar Loic, der Xavier verprügelt hat. Vernont setzt etwas in Bewegung, das in allen schlummert. Es brodelt. Es ist vor allem das Gefühl, keinen rechten Platz zu haben in dieser neuen Pariser Gesellschaft, in der nur die Reichen und die Harten eine Chance haben und in der jeder für sich allein kämpft.
Doch es kommt Bewegung in die Sache. Die mysteriösen Videoaufnahmen, die der berühmte Sänger Alexander Bleach kurz vor seinem Tod aufgenommen hat, tauchen auf. Beweismaterial gegen den skrupellosen Produzenten Dopalet, der mindestens ein Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Die alten Freunde rücken enger zusammen, rächen sich an den Ungerechtigkeiten der Mächtigen und formieren ein solidarisches Wir. Schließlich brechen sie auf und lassen die Stadt und alle gesellschaftlichen Verpflichtungen hinter sich. Auf der Suche nach einem anderen, einem besseren Leben.
Es ist v.a. die Angst, die alle fest im Griff hat. Angst um ihre Beziehungen, Angst um Freundschaft, Angst um den Arbeitsplatz, Angst ums Geld.
Daraufhin schließt sich Aicha einer Gruppe junger Aktivistinnen an, um sich an den Männern im Allgemeinen und an Dopalet im Speziellen zu rächen. Bis sie irgendwann zu weit geht und untertauchen muss.

Virginie Despentes, geboren 1969, wurde bereits mit ihrem Debütroman ‚Baise-moi – Fick mich‘ (2002), den sie später auch verfilmt hat, einem großen Publikum bekannt. Seither hat sie mehrere Romane veröffentlicht. Für ‚Apocalypse Baby‘ erhielt sie 2010 den renommierten Prix Renaudot, ihr Roman ‚Vernon Subutex‘ wurde u.a. mit dem Prix Anaïs Nin ausgezeichnet. Seit Erscheinen der Subutex-Trilogie zählt sie zu den wichtigsten Schriftstellerinnen Frankreichs und wurde im Januar 2016 in die Académie Goncourt gewählt.

Leseprobe