Freitag, 15.September

Heute haben
Ferdinand von Saar * 1833
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel 1928
Jurek Becker * 1937
Werner Schmidli * 1939
Cecilia Ahern * 1981
Geburtstag.
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Annette von Droste-Hülshoff
Spätes Erwachen

Wie war mein Dasein abgeschlossen,
Als ich im grün umhegten Haus
Durch Lerchenschlag und Fichtensprossen
Noch träumt in den Azur hinaus.

Als keinen Blick ich noch erkannte,
Als den des Strahles durchs Gezweig,
Die Felsen meine Brüder nannte,
Schwester mein Spiegelbild im Teich.

Nicht rede ich von jenen Jahren,
Die dämmernd uns die Kindheit beut;
Nein, so verdämmert und zerfahren
War meine ganze Jugendzeit.

Wohl sah ich freundliche Gestalten
Am Horizont vorüberfliehn;
Ich konnte heiße Hände halten
Und heiße Lippen an mich ziehn;

Ich hörte ihres Grußes Pochen,
Ihr leises Wispern um mein Haus
Und sandte schwimmend, halbgebrochen,
Nur einen Seufzer halb hinaus.

Ich fühlte ihres Hauches Fächeln,
Und war doch keine Blume süß;
Ich sah der Liebe Engel lächeln,
Und hatte doch kein Paradies.

Mir war, als habe in den Noten
Sich jeder Ton an mich verwirrt,
Sich jede Hand, die mir geboten,
Im Dunkel wunderlich verirrt.

Verschlossen blieb ich, eingeschlossen
In meiner Träume Zauberturm,
Die Blitze waren mir Genossen
Und Liebesstimme mir der Sturm.

Dem Wald ließ ich ein Lied erschallen,
Wie nie vor einem Menschenohr,
Und meine Träne ließ ich fallen,
Die heiße, in den Blumenflor.

Und alle Pfade mußt‘ ich fragen:
Kennt Vögel ihr und Strahlen auch?
Doch keinen: wohin magst du tragen?
Von welchem Odem schwillt dein Hauch?

Wie ist das anders nun geworden,
Seit ich ins Auge dir geblickt!
Wie ist nun jeder Welle Borden
Ein Menschenbildnis eingedrückt!

Wie fühl‘ ich allen warmen Händen
Nun ihre leisen Pulse nach,
Und jedem Blick sein scheues Wenden,
Und jeder schweren Brust ihr Ach!

Und alle Pfade möcht‘ ich fragen:
Wo zieht ihr hin? wo ist das Haus,
In dem lebend’ge Herzen schlagen,
Lebend’ger Odem schwillt hinaus?

Entzünden möcht‘ ich alle Kerzen
Und rufen jedem müden Sein:
Auf ist mein Paradies im Herzen,
Zieht alle, alle nun hinein!
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Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel & Halina Kirschner:
Trecker kommt mit
Mairisch Verlag 15,00
Kinderbuch ab 3 Jahren

Hilfe, ein Umzug steht an. ein Umzug vom Land in die Stadt. Das ist ja mal schon nicht lustig, wenn aber Trecker nicht mitdarf, dann wird es sehr sehr ernst für den kleinen Ich-Erzähler, oder kleine Ich-Erzählerin.
Trecker muss mit! Diese Aussage wird auch mehrfach getroffen und fett gedruckt lesen wir das auf jeder zweiten Seite. Trecker ist nämlich lebensnotwendig, wie Luft und Wasser. Allein, was der alles kann, was man alles mit ihm anstellen kann. Er ist super praktisch. Beim Einkaufen natürlich und wenn Stau ist – nix wie weg mit den lästigen Autos. Ist ein Wald zu weit weg, dann schieb Trecker ihn her. Muss ein Loch gegraben werden – Trecker macht das. Klein, rot, praktisch. Auch zum Chillen und Pause machen. Warum verstehen die Großen das nicht?
Und nach der Lektüre wird uns klar, dass ein Leben ohne Trecker zwar möglich ist, aber keinen Sinn macht.
Trecker muss mit!

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Finn-Ole Heinrich, vielfach preisgekrönter Autor, hat nach seinen erfolgreichen Titeln »Frerk, du Zwerg« und der Trilogie »Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt« jetzt erstmals zusammen mit Dita Zipfel ein Kinderbuch für ganz kleine Kinder geschrieben – wie immer anarchisch, wild, unerschrocken und mutig.

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Für diese Geschichte hat die Leipziger Illustratorin Halina Kirschner mit ihrer Siebdruckoptik und ihren leuchtenden Farben starke Bilder gefunden.

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Finn-Ole Heinrich & Dita Zipfel (Foto: Dawn Stoloff)

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Unsere nächste Veranstaltung:

Mittwoch, 20.September um 19:00

Helmut Gotschy: „Die Tote in der Blau“
Buchpräsentation

Eine bekannte Ulmer Kulturschaffende wird tot zwischen den Zillen in der Blau entdeckt – und das ausgerechnet eine Woche vor dem Schwörmontag, dem wichtigsten Ulmer Stadtfest, zu dem die Touristen zu Tausenden in die Stadt strömen. Kommissar Bitterle und seinem Team bleibt nur wenig Zeit, um den Fall aufzuklären. Die Lösung scheint zum Greifen nah – da geschieht ein weiterer Mord.

Bei uns in der Buchhandlung

Mittwoch

Heute haben
Michail Lermontow * 1814
Bettine von Brentano * 1901
Mario Puzo * 1920
Italo Calvino * 1923
AFTh van der Heijden * 1951
Geburtstag.
Aber auch Friedrich Nietzsche.
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Friedrich Nietzsche

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens.

Sind doch alle Ordnungen des Menschen darauf eingerichtet, daß das Leben in einer fortgesetzten Zerstreuung der Gedanken nicht gespürt werde.

Gott ist eine faustgrobe Antwort, eine Undelicatesse gegen uns Denker –, im Grunde sogar bloss ein faustgrobes Verbot an uns: Ihr sollt nicht denken!

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Nachklapp zu Wolfgang Herrndorfs Roman. „Bilder deiner großen Liebe“. Nils Mohr hat ein schönes Essay über das wunderbare Buch verfasst. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit. Hier geht es zum Text.

In Herrndorfs Roman stolperte ich über einen Namen und dachte, er kann damit nur Finn-Ole Heinrich meinen, von dem gerade sein dritter Band der Maulina-Bücher erschienen ist. Beim nochmaligen Durchblättern blieb dieser Vermerk jedoch unsichtbar, für mich. Vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben. Ich hoffe, ich habe dies nicht geträumt.
Die neuen Abenteuer von Maulina Schmitt liegen also auf dem Neuerscheinungtisch in der Kinder- und Jugendbuchabteilung. Ich schlage das Buch auf und denke: Doch richtig getippt.
Auf der ersten Seite sehen wir nämlich wie Maulina den rechten Arm von sich streckt, und mit dem Daumen die Sonne verdeckt.
Alles eine Frage der Perspektive:
Wenn ich mir den Daumen am ausgestreckten Arm vor die Nase halte, ist er so groß wie die Sonne.
Und genauso fängt auch Herrndorfs Roman an. Zufall kann das keiner sein.
Somit war klar, das Buch muss mit nachhause, zumal ich die ersten Bände auch schon gelesen und großen Spaß dabei hatte.

Mauina

Finn-Ole Heinrich und Rán Flygenring:
„Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt
Ende des Universums“
Hanser Verlag € 12,90

Paulina/Maulina hat sich ihr eigenes Reich geschaffen. Maultropolis. Auf dem Dachboden ihres Hauses ist dieses Reich, in dem alle Platz haben, die kommen wollen. Und es ist der geniale Rückzucksort für die Meisterin des Maulens. Maulen ist nämlich eine Lebenseinstellung. Findet zumindest Maulina Schmitt, die frechste Maulerin unter der Sonne. Nachdem ihr Vater eine zweite Familie gegründet hat, tobt in ihrem alten Zuhause Mauldawien wieder das Leben.
Finn-Ole Heinrichs Texte sind witzig, frech, voller neuer Worterfindungen und -verdrehungen (Nocken = Kopschütteln. Im Gegensatz zu Nicken). Er lässt neue Galaxien entstehen und wir verstehen damit auch Maulina viel besser. Aber: Und jetzt kommts, ohne Rán Flygenring, der Illustratorin aus Island, wäre das nur die halbe Miete. Was hier alles gezeichnet, gekritzelt, illustriert wurde, ist einzigartig gut. Verschiedene Schrifttypen, Farben und Comicsgeben den drei Bücher den ganz speziellen Reiz. Nicht umsonst werden sie überall sehr gut besprochen und erhalten verschiedene Preise.
Maulina hat sich ihre eigene Welt geschaffen, ihren eigenen (Welt)raum, in dem die Sternzeichen Namen wie Schal, Papierflieger, Heidelbeere, Zebra, Narben Jack, usw. haben. Was passiert aber, wenn das Universium untergeht, verglüht, verschwindet? Ist es dann Nacht, dunkel? Maulina macht sich viele Gedanken, hauptsächlich nachdem ihr Vater eine neue Familie gedründet und seine jetzige Frau Zwillinge bekommen hat. Das Verhältnis von Maulina zu der neuen Frau ist nicht das Beste, im Moment eigentlich gar keines. Das Rumtoben mit den beiden Babys ist aber schon große klasse, hauptsächlich wenn ihr Papa noch Cello dazu spielt. In der Schule läuft es gut, ihr Lehrer lebt im Wohnmobil und bringt die Klasse immer wieder auf neue Ideen. Aber was ist mit der Krankheit ihrer Mutter? Ist ihr noch zu helfen? Auch hier kommt der Krankheitsverlauf in Schüben (s. das Verrücktsein im Roman von Herrndorf) und wahrscheinlich nicht mehr heilbar. Sie liegt meist in ihrem Spezialbett, da die Muskeln immer weniger werden und Maulina ist mit einem Piepser mit ihr verbunden. So ist sie immer da, wenn Mama z.B. auf Klo muss. Und Abputzen war eigentlich nur beim ersten Mal komisch. Dann überhaupt nicht mehr. Und Maulina meint, sie könnte ihre Mama dauernd abputzen. Aber wie kann Maulina helfen? Gibt es Kräuter, Säfte, Elexiere, die sie wiede aus dem Bett bringen? Ein Elektroroller, den sie organisiert habe, war nur eine kurzfristige Hilfe.
Also geht es auch hier ums Sterben. Nicht um das Verschwinden einer Galaxie, des Universums, aber doch um das Verschwinden ihrer Mama, die doch der Mittelpunkt von Maulinas Welt ist.
Wie Heinrich und Flygenring dies hinbekommen, müssen Sie selbt herausfinden.
Es gibt auf jeden Fall wahnsinnig viel zu Lachen und zu Staunen. Es gibt ein Happy End und dann doch keines. Und: Es gibt einen Brief von Maulina Mama am Ende des Buches, der so herzzerreissend schön ist.
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Mehr Bücher-Bilder finden Sie auf unseren Blog-Seiten:

jastram.tumblr.com
wiebuecherleben.tumblr.com

Dienstag

Heute haben
Georg Forster * 1754
Franz Jung * 1888
Eugène Ionesco * 1909
Geburtstag
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Franz Jung: „Das Trottelbuch“
(Leseprobe aus: Das Trottelbuch, 2013, Edition Nautilus).

Um einen Tisch des Café du Dôme saßen mehrere Herren. Eine Frau schritt draußen am Fenster vorbei. Sie hatten sie alle gekannt, und einige kannten sie noch. Einer las vor: Zwei junge Burschen stolpern aus einer Vorstadtkneipe in die Nacht. Blutjunge Burschen und sehr betrunken. Sie schlagen das Pflaster mit ihren Stöcken, sie johlen, krümmen sich vor Lachen, und sie schleppen die schwer gewordenen Füße hinter sich her, dass sie von fern wie hinkende Greise erscheinen. Eine Katze huscht über den Weg.
Die Betrunkenen bleiben stehen, die Lässigkeit ist aus ihren Gliedern gewichen, ein Rausch ballt sich zusammen. Sie jagen dem Tier nach, verstellen den Weg, sie schlagen mit ihren Stöcken – als ob das Tier schuld wäre an ihrer Jugend und ihrer Betrunkenheit, so schlagen sie.
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Finn-Ole Heinrich:Frerk, du Zwerg!
Illustrationen von Rán Flygenring
dtv € 8,95
Deutscher Jugendliteraturpreis 2012.
Jetzt als Taschenbuch.

Jargs Blog hat mich drauf gebracht, dieses tolle Buch auch hier vorzustellen. Sein Grund ist allerdings die Hör-CD von Finn-Ole Heinrich selbst gesprochen. Und diese Aufnahme lobt er sehr.
Nachdem wir sein letztes Buch (Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt – Mein kaputtes Königreich“) auch schon auf unserem Blog vorgestellt haben, jetzt also die Taschenbuch-Ausgabe des prämierten „Frerk, du Zwerg!„.
Frerk hat es nicht leicht. In der Schule wird er gehänselt. Den Spruch kennen Sie jetzt ja schon: „Frerk, du Zwerg“, obwohl er doch nur der Zweitkleinste in der Klasse ist. Es reimt sich halt so schön. Und eigentlich hätte Frerk gerne einen Hund. Aber keinen kleinen, schnuckeligen, sondern einen großen, einen Wolfshund, der brüllen und heulen kann. Der ihm treu ergeben ist und der sooo groß sein soll, dass Frerk gerne so klein wie ein Zwerg neben im aussähe. „Ein wilder Hund riecht nämlich wie Waldboden, Sauerkirschen und Baumrinde, wie Abenteuer und Apfelblüten und Heu, wie Erde und Salzwasser, das auf der Haut getrocknet ist.“ Aber: Hund is nich, da Frerks Mutter allergisch ist. Allergisch gegen ganz vieles und wennn es ihr zuviel wird, dann bekommt sie Migräne und Migräne ist wie Kopfweh, nur viel schlimmer und das kann sich niemand vorstellen, der sie nicht selbst hat. Sprich: Keine Chance für Frerk einen Hund zu bekommen. Zusätzlich wird Frerk auch noch sehr gesund ernährt und fragt sich jeden Morgen beim Müsliessen, warum seine Mutter das Obst so klein schnippelt, wo er doch eh alles in der Milch schwimmend bekommt und auch locker größere Brocken wegessen könnte. Sie merken schon, Frerk hat es nicht leicht. Dazu noch der große Junge, der ein paar Klassen über ihm ist und ihn ordentlich trietzt. So auch an diesem Tag. Er steckt Frerks Nase mit dem Spruch: „Friss Mist, du Wurst!“ ganz tief in den Sand. Frerk denkt, warum Mist und warum Wurst und merkt, dass der große Junge nicht alle Tassen im Schrank hat. Doch diesmal entdeckt Frerk ein kleines Ei im Sand. Größer als ein Hühnerei, aber deutlich kleiner als ein Straußenei. Irgendetwas scheint sich darin zu bewegen. Er nimmt es mit nach Hause, legt es in die Schublade seines Tisches. Aus dem Ei schlüpfen 5 Zwerge, die schnell wachsen und nur Blödsinn im Sinn haben. Sie werfen mit Spielzeug, sie schneiden Frerk die Haare ab und bringen ihm viele Wörter bei, die er daheim nicht sagen soll. Aber wie soll er seinen Eltern das mit den Zwergen erklären? Wer wird ihm glauben? Also: Er sagt gar nix, lässt die Zwerge toben und lernt nebenbei, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss. Nach ein paar Tagen sind die Zwerge plötzlich verschwunden. Sie haben ihm einen Brief hinterlassen. Zwergenklein, in Zwergenschrift.
Was darauf steht, sei nicht verraten.
Jedoch: Dieses Buch ist so frech, so witzig, so politisch unkorrekt, voller Wortwitz und Worterfindungen, dass es kaum zu glauben ist. Diesen wilden Text hat die Isländische Malerin Rán Flygenring genial umgesetzt und weiter entwickelt.
Ein klasse Vorlesebuch, ein tolles Buch zum Selberlesen ab acht Jahren.
Und wenn die Hör-CD wirklich so toll gelesen ist, wie Jarg schreibt, dann kann ich die ungehört empfehlen.
Erschienen bei der Hörcompanie für € 12,95

p.s. und aufgepasst. Die kleinen Körner im Müsli sehen zwar aus wie Körner, sind in echt aber Zwergenka… .

p.p.s Vielen Dank nochmals an Jarg.
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