Samstag, 12.Februar

Heute haben
Frierich de la Motte Fouché * 1777
George Meredith * 1848
Lou Andreas-Salomé * 1861
Gerhard Rühm * 1930
Janwillem van de Wetering * 1931
Geburtstag
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„Glaubt mir, die Welt wird euch nichts schenken. Wenn ihr ein Leben wollt, so stehlt es.“
Lou Andreas-Salomé
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Claudia Wiltschek empfiehlt:


Claire Thomas: „Die Feuer
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Hanser Verlag € 23,00

Wir sind im Theater, auf der Bühne wird Becketts „Glückliche Tage“ gespielt und in den Bergen vor Melbourne wüten die Buschfeuer. Margot, Ivy und Summer, drei Frauen, die sich nicht kennen, besuchen diese Aufführung und jede von Ihnen wird durch das Stück mehr oder weniger in das eigene Leben hineinversetzt.
Margot, ist Literaturprofessorin und hadert mit dem Ende ihrer Karriere. Zudem ringt sie mit den Anfängen einer Demenz ihres Mannes, die sich auch in Gewalt ihr gegenüber auswirkt. Ivy wird von ihrer Vergangenheit eingeholt und Summer ist eine junge Schauspielschülerin, die sich ihr Geld als Platzanweiserin in diesem Theater verdient. Ihre momentane Sorge gilt ihrer Geliebten April, die in Berge gefahren ist, um ihren Eltern bei den Bränden zu helfen. Auf der Bühne sind Winnie und Willie, die entweder im Sand stecken oder vergeblich versuchen den Sandhügel zu erklimmen, ein tragisch komisch aussichtsloses Verfangen.
Immer wieder versuchen Margot, Ivy und Summer, gedanklich beim Stück zu bleiben, doch ihr Innerstes drängt sich mehr und mehr vor und vermischt sich mit dem Geschehen auf der Bühne.
Ein bewegender, toller Roman, in dem wir entweder mit im Theater sitzen oder uns in den Köpfen und Seelen dieser drei Frauen befinden.

Leseprobe

Auf der Hanser-Seite gefunden:

5 Fragen an Claire Thomas

Wie würden Sie Ihr Buch in wenigen Sätzen beschreiben?
Die Feuer ist ein Roman, der während einer Aufführung von Samuel Becketts Stück Glückliche Tage spielt. Er beginnt, wenn das Publikum die Plätze einnimmt, und endet, wenn der Vorhang fällt. Er besteht fast ausschließlich aus den Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen dreier Frauen, die sich das Stück ansehen. Es geht um Intimität und Wahrheit, um Kunst und die Erde und um die Rollen, die wir alle spielen, um durch jeden Tag unseres Lebens zu kommen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihren Roman um ein Theaterstück herum zu konzipieren? Und warum ist Ihre Wahl auf Becketts Glückliche Tage gefallen?
Vor vielen Jahren war ich bei einer Theateraufführung und bemerkte, dass eine Zuschauerin weinte. Das Stück war nicht traurig und ich war neugierig, was in dieser Person vorging, um eine solche Reaktion hervorzurufen. Dieser Moment brachte mich auf die Idee, einen Roman aus der Perspektive einer Theaterzuschauerin zu schreiben. Ich bin fasziniert von der vermeintlichen Nähe und Gemeinschaftserfahrung eines Theaterbesuchs, denn die kollektive Erfahrung von Kunst ist in Wahrheit immer und zwangsläufig eine individuelle.
Glückliche Tage war das einzige Stück, das ich in Betracht gezogen habe für meinen Roman. Die einfache, verblüffende Inszenierung – eine Frau, die bis zur Hüfte in der Erde steckt – bietet viel Interpretationsspielraum. Der minimalistische Charakter des Bühnengeschehens war auch für das Schreiben meines Romans wichtig. Ich wusste, dass ich das, was meine Figuren sehen, auf eine Weise vermitteln konnte, die bei einer szenisch komplexeren Theaterproduktion nicht möglich gewesen wäre.

Die drei Protagonistinnen Margot, Summer und Ivy eint das Interesse an Kunst, davon abgesehen sind sie sehr verschieden – sie gehören nicht derselben Generation an, ihre Lebensrealitäten sind unterschiedlich und damit auch die Themen, Sorgen und Ängste, die sie umtreiben. Wie sind diese drei Frauen entstanden? Fühlen Sie sich einer von ihnen besonders nahe?
Ich habe mit Margot als Spiegelbild von Winnie, der Hauptfigur aus Glückliche Tage, begonnen. Ich war interessiert daran, ihre Welt als Hochschulprofessorin zu erforschen – eine Welt, die ich vor allem vom anderen Ende des Spektrums kenne: Ich habe viele Jahre als ausgebeutete Lehrbeauftragte gearbeitet.
Summer ist die jüngste Protagonistin. Sie ist eine Platzanweiserin, die im Theater arbeitet – ein Job, den ich auch eine Zeitlang hatte. Nachdem ich eine ca. 70-jährige und eine ca. 20-jährige Protagonistin entworfen hatte, entschied ich, noch eine Figur um die 40 einzubauen, die zu Ivy wurde.
Ich fühle mich allen drei Frauen sehr verbunden und könnte mich nicht für eine entscheiden. Ich habe den Roman in der Reihenfolge geschrieben, in der man ihn jetzt auch liest – ein Kapitel nach dem anderen. Als ich das letzte Kapitel der jeweiligen Charaktere abgeschlossen hatte, habe ich um sie getrauert und wollte sie nicht loslassen. Ich habe das Gefühl, dass sie echte Menschen sind, und ich mache mir immer noch regelmäßig Sorgen um sie und frage mich, wie es ihnen geht.

In Ihrem Buch geht es um weibliches Bewusstsein, die Protagonistinnen setzen sich mit Themen wie Mutterschaft, Karrierewahl, Beziehungen und ihrem Platz in der Welt auseinander. Würden Sie Ihr Buch als ein feministisches bezeichnen?
Selbstverständlich. Mein ganzes Empfinden und meine Lebenseinstellung sind feministisch geprägt, und alles, was ich schaffe, ist von Feminismus durchdrungen. In Die Feuer gibt es drei differenzierte weibliche Charaktere; das allein ist schon ein feministischer Akt, noch bevor man die größeren Themen berücksichtigt.

Der Klimawandel ist ein weiteres wichtiges Thema in Die Feuer.
Die Klimakrise schwebt über allem in unserer heutigen Welt, und ich fand es unerlässlich, sie zum Thema zu machen. Es fasziniert mich, wie unterschiedlich Menschen mit der Bedrohung umgehen. Wie sehr schützt uns der Kokon aus Privilegien und Kunst (versinnbildlicht durch den Theatersaal)? Wie sehr nimmt jede einzelne Person die furchterregenden Auswirkungen des Klimawandels wahr (versinnbildlicht durch die Buschbrände)?
Ich habe mehrere Jahre lang ein Seminar zum Thema Eco-Fiction unterrichtet, in dem es um die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt ging und auch um Krisen und Katastrophen. Es war inspirierend, mit meinen Studierenden über diese Themen zu sprechen, da sie eine gewaltige Herausforderung darstellen und weit über unsere Zeit hinausweisen.

Gespräch: Emily Modick

Samstag, 5.März

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Heute haben
Pier Paolo Pasolini * 1922
Mo Yan * 1955 (Nobelpreis 2012)
Geburtstag.
Aber auch Rosa Luxemburg.
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Unser Tipp des Tages:

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Jenny Valentine:Durchs Feuer
Aus dem Englischen von Klaus Fritz
dtv € 14,95
E-Book € 12,99
Fire Colour One“ € 11,99

Lange musste ich auf den neuen Jugendroman von Jenny Valentine warten. Das hat wohl auch den Grund, dass sie und ihr Vater ein Jahr lang schwer krank waren. Er ist gestorben, sie hat überlebt. Am Grab bemerkte sie, wie gut sie ihren Vater kannte und wie fremd er ihr doch in vielen Dingen war. Sie wollte kein Buch über ihn schreiben, ein Junge sollte im Mittelpunkt stehen. Aber immer mehr drängelte sich Iris in den Mittelpunkt und dann taucht auch noch ein unbekannter, schwer kranker Vater auf, der im Sterben liegt.
Jenny Valentines Vater beschwerte sich, dass in ihren Romanen keine Väter vorkämen. „Womit haben ich das verdient.“, pflegte er zu sagen. „Für meinen Vater“, schreibt Jenny Valentine als Widmung ins neue Buch.

Jenny Valentine ist bekannt durch ihre frechen, witzigen Jugendbücher. Herzhaft lachen kann man auch über die Kiki-Reihe für Kleinere. Auch hier legt sie sofort los, bastelt ihre Personen zu einer gute Mischung zusammen. Im Mittelpunkt steht Iris, die mit sich und ihrer Umgebung nicht wirklich im Reinen ist. Ihre leibliche Mutter ist eine Barbiepuppe, äußerlich und auch im Kopf. Ihr Stiefvater ein verkrachter TV-Serien-Darsteller. Iris zündelt gerne und hat dadurch auch immer wieder Probleme mit der Feuerwehr, der Polizei und stellt sich damit selbst ins Abseits. Als sie von ihrem leiblichen Vater Ernest erfährt, nimmt die Geschichte so richtig Fahrt auf.
Den Eltern möchte man gerne eine scheuern, aber wir lachen beim Lesen lieber über sie. Iris‘ Vater dagegen ist aus ganz anderem Holz geschnitzt und steht als Gegenpol zu diesen hohlen Fassaden. Hier übertreibt Jenny ein wenig, zeichnet zu klischeehaft und ich dachte schon, …. jetzt aber. Doch genau in diesem Moment, wie wenn sie es gespürt hätte, dreht sie an der Einstellschraube und lässt diesen Roman in einem fulminanten Show Down enden. Selten so einen Schluss gelesen. Immer wenn wir meinen, ja, jetzt bekommt ihre geldgierige Mutter noch eins drauf, zieht Jenny Valentine eine weitere Schublade auf und zündet ein nächstes Feuerwerk. Aber damit nicht genug.
Lassen Sie sich überraschen.
Ein ideales Lesefutter, das Kinder wahrscheinlich in einem Rutsch durchlesen und, ich vermute schwer, gleich noch einmal durchblöättern, weil sie beim schnellen Reinfressen, das eine oder andere übersehen haben.

Der dtv Verlag veröffentlichte auf seiner Homepage ein Interview mit der Autorin, das ich hier wiedergebe.

Interview

Frau Valentine, wie sieht für Sie der perfekte Platz zum Schreiben aus?

Das Gute beim Schreiben ist, dass man es überall machen kann. Zu Hause habe ich ein wunderbares Arbeitszimmer mit Holzofen. Im Sommer arbeite ich oft in einem umfunktionierten Pferdeanhänger im Garten. Manchmal schreibe ich aber auch einfach im Bett. Wenn ich auf Reisen bin, kann ich auch gut im Zug arbeiten. Allerdings ist der Ort für mich gar nicht so wichtig. Vielmehr kommt es auf die richtige Stimmung an. Wenn ich mir über etwas sorgen machen oder wenn ich abgelenkt bin, ist es egal wo ich bin – ich bekomm einfach nichts auf Papier.

Sie sind nicht bekannt für typische Teenager-Lovestorys. Auch Ihr neuer Roman ›Durchs Feuer‹ ist tiefgründig und entwickelt gleichzeitig einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Wie schaffen Sie es Themen wie Tod, Verlust, aber auch Lebenslust und Komik in einem Buch unterzubringen?

Stimmt, ich bin Liebesgeschichten bislang aus dem Weg gegangen. Jetzt reizt es mich aber doch, eine zu schreiben. Es ist ziemlich schwierig, dabei nicht zu kitschig zu klingen und nicht ins Klischee von der ewigen Liebe und dem Happy End abzudriften, zumal ich selber gar nicht daran glaube. Davor habe ich wirklich Angst. Ehrlich? Tod, Verlust, Lebensfreude und Humor sind im wahren Leben eng miteinander vereint. Daher ist es eigentlich kein so großer Kunstgriff, sie alle zusammen in einem Buch unterzubringen.

Die Tiefe Ihres Romans entsteht besonders durch die Dialoge zwischen der Hauptprotagonistin Iris und ihrem Vater Ernest. Sie sind oft tieftraurig und komisch zugleich. Ist Trauer und Glück für Sie kein Gegenteil?

Es ist nicht so, dass ich glaube, dass Glück und Trauer keine Unterschiede sind – allein weil sie sich so unterschiedlich anfühlen. Aber ich denke, dass Glück und Trauer für jeden sehr nah beieinander liegen.

Das Element Feuer ist ein wichtiger Eckpfeiler Ihres neuen Romans. Welche Symbolkraft steckt hinter der zündelnden Iris?

Ich denke, Iris ist besessen von Feuer, da sie so viel Wut in sich trägt und gleichzeitig so wenig Kontrolle über die Ereignisse in ihrem Leben hat. Das Zündeln fühlt sich für sie an wie ein inneres Aufräumen und wie ein Neubeginn – ein Ausdruck von Zorn und Neustart zugleich. Ich habe gar nicht so viel darüber nachgedacht, als ich das Buch geschrieben habe. Wir leben in einem relativ kalten Haus und verbringen viel Zeit damit, das Kaminfeuer zu schüren und in die Flammen zuschauen. Daher kam wohl die Idee mit dem Feuer.

Ein anderes wichtiges Thema in Ihrem neuen Buch ist die Kunst. Welche Rolle spielt die Kunst in Ihrem Leben?

Für mich handelt die Geschichte von der Macht der Kunst. Kunst kann uns verändern – manchmal für immer, manchmal für ein paar Sekunden. Es geht um die magische Energie, die die Kunst beim Schaffen und auch beim Betrachten besitzt. Iris Freund Thurston etwa ist Künstler, der genau für diese magische Energie lebt. Er leistet Unmögliches, um Augenblicke wieder greifbar zu machen, er kreiert Szenen und sprayt auf Wände und leerstehende Schwimmbecken.
Kunst bedeutet für mich, im Hier und Jetzt zu leben. Wenn ich schreibe, lese, Filme schaue, Musik höre oder eben vor einem Kunstwerk stehe, versuche ich bewusst nicht zu denken, um einfach in diese Magie einzutauchen. Alles ist fließend und gleichzeitig immer verfügbar – eigentlich genau wie das Leben selbst.

Haben Sie beim Schreiben einen bestimmten Leser im Hinterkopf oder konzentrieren Sie sich ganz auf die Story?

NIE! Ich denke nicht an den Leser oder das ich die Schriftstellerin bin. Ich versuche einfach in der Geschichte zu verschwinden.

Was wollen Sie mit dem Buch Ihren Leserinnen und Leser mit auf den Weg geben?

Keine Message. Einfach eine gute Geschichte.

Leseprobe
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Ein halbes Jahr Sonntagsskizzen von Detlef Surrey.
Tätäääää!

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Die 26sten Sonntagsskizzen führen nach Bremen.
Die Stadt mag ich sehr gerne.
Am Wochenende werde ich auch dort sein.

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