Donnerstag

Heute haben
William Faulkner * 1897
Maj Sjöwall * 1935
Andrzej Stasiuk * 1960
Geburtstag.
Aber auch Dmitri Schostakowitsch, Glenn Gould und Barbara Dennerlein.
_________________________

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=qB76jxBq_gQ]

Sieht ein bisschen aus wie Buster Keaton.
_________________________

Atlantis Nova H14.indd

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer: „Da bist du ja!“
Die Liebe, der Anfang – allüberall
atlantis Verlag € 13,95
Kleinformatiges Bilder-Vorlesebuch ab 4 Jahren

„Manchmal liebe ich dich so sehr, dass ich dich doppelt haben möchte.“
„Warum?“
„Damit ich dir auf beiden Seiten die Hand geben kann.“
„Oh! Das geht auch, wenn es mich nur einmal gibt.“

Ohne den großen Meister der Illustration, Wolf Erlbruch, hätte dieses Buch sicherlich nicht in dieser Art erscheinen können. Collagieren, Kleben und das Benutzen von verschiedensten Materialien war vor dem Maulwurf-Bilderbuch nicht denkbar. Die Schweizer Illustratorin arbeit seit Jahren in dieser Weise. Und das sehr erfolgreich. Zusammen mit dem Textgestalter Loren Pauli haben sie in den letzten Jahren einige „Klassiker“ hervorgebracht, die sich in vielen Kindergärten und Kinderzimmern wiederfinden.
„mutig, mutig“, „Das Beste überhaupt“, „Pippilothek“ und „nur wir alle“ seien hier als Beispiele aufgeführt.

mutig_mutig-97837152051820666_Das Beste ueberhaupt_US-Meteor.pdf

PauliDasBesteCover_VS.inddnur_wir_alle-9783715206424

Hier schweben zwei Wesen durch das All. Ein „Größeres“ mit Fell und langer Ameisenbärennase und einer roten Hose und ein „Kleineres“ auch mit Fell, aber einer Schweinenase, langen Ohren und weissen Socken.
„Wie war das am Anfang?“, fragte das Kleinere.
steht auf der ersten Seite, während die beiden Purzelbäume im schwarzen All schlagen und im Hintergrund die Planeten zu sehen sind. Eine Art Schöpfungsgeschichte? Vielleicht. Aber auf jeden fall eine ganz andere. Eine Freundschaftsgeschichte? Jaaa und was für eine! Für Kinder? Ja, ich denke, die haben ihren Spaß dabei. Und für wen noch? Na, für alle, die sich gerne haben. Ganz einfach.
Das Sichmögen versetzt Berge. Die Liebe ist wie ein Universum und lässt neues entstehen. Das Kleinere und das Größere müssen nicht immer einer Meinung sein, sie dürfen ihre eigenen Ansichten haben, sie müssen auch nicht immer miteinander reden und sich aneinanderkuscheln. Schweigend sitzen die beiden nebeneinander und beschäftigen sich mit ihren Vorlieben: Im Sand spielen, im Wasser tollen. Aus Kirschkernen entsteht ein Kirschbaum und daraus wieder Kirschen und mit den Kernen kann man ausgezeichnete Weitspuckwettbewerbe veranstalten. Wie hier. Die spucken sich dem Mond entgegen, umarmen sich danach vorsichtig, damit dem Kleineren nix passiert und genießen die ewige Nacht auf ihrem Stern.

Pauli und Schärer haben hier ein verträumtes, philosophisches Bilderbuch entstehenlassen, das mit vielen bekannten Motiven arbeitet. Mit all diesen Zutaten haben sie jedoch etwas Eigenes geschaffen, das sich absetzt von anderen Büchern dieser Art und auch Stoff zum Weitererzählen beinhaltet.

Freitag

Heute haben
Alexander Kluge * 1932
und Robert Shea * 1933
Geburtstag
____________________

Gestern war ich Gast beim „Chaos Lesen“ im Theater Neu-Ulm. Dieses Programm veranstalten sie dort monatlich einmal und das nächste Mal wieder am 13.3. sein, das allerdings mitten während der Leipziger Buchmesse ist. Somit fehlt einer der Frontmänner und Heinz Koch, der Theatermacher, steht dann alleine auf der Bühne. Aber auch wieder mit einem „Lebendigen Gästebuch“. Es wird Hanna Münch sein. Ein Teil des Duos Münch und Sauer. Das wird sicherlich lustig und Hanna Münch ist mehr als bühnenerfahren. Ach ja, der andere Teil des Duos auf der Bühne ist der kulturelle Hansdampfinallengassen Florian L.Arnold. Die beiden spielen sich dort oben den Bälle zu und unterhalten bestens mit Literatur. Geht das? Klar, es funktioniert.
Auf der Bühne sind sieben Regale, Kisten, Schränkchen, … aufgebaut, in denen sich Bücher befinden. Die Sparten heissen dann „Heimspiel“, „Flohmarkt“, „Unterste Schublade“, oder auch „Schmuddelecke“. Auf einem der Regale sind sieben Drehorgeln aufgereiht. So, nun kann es los gehen. Florion Arnold geht mit einem Sektkübel und sieben Nummern durch das Publikum und lässt jemanden eine Nummer ziehen. Diese Nummer ist mit einer Drehorgel verknüpft, Heinz Koch dreht die passende Orgel und wer die Melodie errät, darf sich ein Literaturthema wünsche. Aber nicht nur das. Die Person darf sich aus dem gewünschten Bücherstapel ein Buch heraussuchen. Sprich: Das dritte von links und da bitte die Seite 67. Heinz Koch hat nun die Aufgabe, mit einem passenden Hut ausstaffiert, diese Seite vorzutragen. Ob das klappt? Na, wenn es ein guter Text ist, prima. Wenn nicht, verstehen es die Beiden auf der Bühne hervorragend so viel um den heissen Brei herumzureden, dass auch wieder gut wird. Gestern haben wir so unter anderem auch eine Seite aus der Verfassung der Sowjetischen Union vorgelesen bekommen. Aber auch aus Hitlers „Mein Kampf“ gab es eine Seite, die sich allerdings als unverständliches Geschwafel herausgestellt hat.
In der Mitte der Veranstaltung durfte ich, als „Lebendiges Gästebuch“, auf die Bühne, wurde ausgefragt, hatte meine große Tasche dabei und habe ausgepackt, wie ein Bananenverkäufer auf dem Ulmer Wochenmarkt. Einsteins Relativitätstheorie als Streifenplakat kam da genauso zum Vorschau, wie der Jastram Rotwein und unsere Jastram T-Shirts. Bücher, Kleber, Postkarten und viele Geschichten waren dabei. Als Lesetipps gab es Arno Schmidts: „Seelandschaft mit Pocahontas“, William Faulkners: „Während ich schlief“ und Joachim Meyerhoffs: „Alle Toten fliegen hoch. Amerika“.
Die kompletten „Jahrestage“ von Uwe Johnson hatte ich zu unterst in der Tasche und verkündet, dass wir eine Marathonlesung zum Beginn der Jahrestag am 20.8. planen und gleichzeitig um MitleserInnen geworben.
Insgesamt ein sehr lustiger, launischer Abend, den wir alle vergnügt genossen haben.

Nächster Termin der Reihe ist Donnerstag, der 13.03.2014 um 20 Uhr
Hier die website des Theaters Neu-Ulm.
________________________

Jetzt, wo ich den Roman „Als ich Sterben lag“, der im Original „As I Lay Dying“ heisst, erwähnt habe, möchte ich Ihnen auch gleich den Trailer zu einem neuen Kinofilm vorstellen, den es (so viel ich weiss) noch nicht in den deutschen Kinos gibt.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=VO68Kd2yQsE]

Und vor ein paar Tagen bin ich über den Trailer zur Verfilmung des John Green Romans: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (im Original „The Fault In Our Stars“) gestolpert, der im Frühsommer in die Kinos kommen soll.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=9ItBvH5J6ss]

John Green liest das erste Kapitel aus de Roman, im Rahmen seiner täglichen vierminütlichen Internet Lifeshow.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=F_vFvbfn9Fs]

Mittwoch

Heute haben
William Faulkner * 1897
Andrzej Stasiuk * 1960
Carlos Ruiz Zafón * 1964
Geburtstag
______________________

Frage an Jagoda Marinic:
„Was ist denn, Deiner Meinung nach, der grundlegende Unterschied zwischen den Menschen in verschiedenen Ländern und Städten, wenn Du an Deine Auslandsaufenthalte denkst? Woran hapert es mit der deutschen Mentalität? Oder ist das Miteinander in New York nur ein notwendiges Muss, um zu überleben?“

JM:
„Die grundlegende Einteilung ist für mich eher die nach Stadt und Land als nach Nationen. Das Urbane ist komischerweise überall auf der Welt ähnlich. Städte wollen zwar individuell sein, gleichen sich jedoch bis zur Austauschbarkeit… Das Eigene eines Landes offenbart sich erst in ländlichen Gegenden. Dort entdeckt man man die Keimzellen der Kulturen, nur aus ihnen heraus wird eine Stadt dann individuell verstehbar…
Die Mentalität hierzulande hapert nicht an sich! Ich bin manchmal hin und weg, wie die Menschen hier sind. Manchmal aber auch nicht, logisch. Ich habe jedoch das Glück, hier das tun zu können, was ich tue und wie ich es tue. Die Arbeit, die ich mache, die Reden, die ich halte und gehört werde, zeigen mir auch: Dieses Land ist gestaltbar! Die Menschen lassen sich ein. Ein unbezahlbares Gut. Nur einige hier leben zu abgeschottet in sich und wie alle solche Kreise, ahnen sie nicht, was ihnen entgeht. Mehr Offenheit. Mehr Glaube ans Glück, ans Gute, ans Gelingen, auch im Chaos, das würde den Alltag hier um einiges leichter machen… Überlebenmüssen miteinander ist immer und überall ein guter Leim für eine Gesellschaft, nicht nur in New York. Ich finde das nicht verwerflich, wenn mir jemand die Hand reicht, weil er weiß, dass er eines Tages meine brauchen könnte… manchmal denk ich, uns hier geht es zu gut, als dass wir nett sein müssten, denn wer angewiesen ist auf den anderen, der ist auch freundlich zu ihm… Und das Erzählen! Ich wünschte, wir würden uns hier mehr Geschichten erzählen, auch im Alltag, mündlich… „Hör mal, ich war grad beim Bäcker und dort… „Diese Mentalität, noch aus dem kleinsten Ding eine Geschichte zu drehen, die fehlt mir manchmal….“
_______________________

Das Bayerische Fernsehen berichtet über „Restaurant Dalmatia

Morgen um 19 Uhr liest Jagoda Marinic bei uns in der Buchhandlung.
_______________________

Entenhausen

PaTrick Bahners: „Entenhausen
Die ganze Wahrheit
C.H.Beck Verlag 19,95

Na, wenn der C.H.Beck Verlag etwas veröffentlicht, hat das Hand und Fuß. Und wenn, dann gleich prima gebunden, mit Leinenrücken und Lesebändchen. Beides schön in knallgelb gehalten. So muss das sein.
PaTrick Bahners ist Kulturkorrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Entenhausen, mit Nebensitz in New York. Bis 2012 leitete er das Feuilleton der Zeitung. Er gehört zur deutschen Fraktion der Donaldisten und gründete die Direpol (=Donaldistisches Institut für Rechtskunde und Politik). Aha! Deshalb auch der C.H.Beck Verlag, wo sonst hätte dieses aufklärerische Werk erscheinen können. Er forschte, neben seinem Studium der Geschichte und Politik, über den Entenhausener Bürgemeister und die Rolle des Adels in der Stadtrepublik. Und: Er tauscht sogar in der deutschen Version eines Donald Duck Heftes als An- und Verkäufer von „Kunst und Krempel“ auf. Mehr Lob geht nicht. Als nächstes könnte nur noch die Adoption in die Ducksche Familie kommen und PaTrick wäre dann der kleine Bruder von Tick, Trick und Track.
Die Ducks, die Entenhausener (es gibt übrigens kaum Enten in Entenhausen!), erklären uns die ganze Welt. Dagobert ist natürlich für die Finanzwelt zuständig und bringt die Finanzmisere auf den Punkt: „Wer zuviel ausgibt, ist eines Tages Pleite.“ Mit dem Zusatz „Das weiss jedes Kind.“ So, nun wissen wir das auch. Würden nur die Ackermänner aller Länder mehr Comics lesen, die Welt sähe besser aus.
Fast hätte es das Ulmer Münster noch in die Welt von Entenhausen geschafft. Dort steht nämlich eine Kathedrale, oder auch Münster genannt, das allerdings nicht mehr liturgischen Zwecken dient, sondern sich als eine Art Museum präsentiert. Donaldistenforscher vermuten eine architektonische Nähe zu Reims. Tick, Trick und Track erwähnen den Stephansdom zu Wien. Dass nun PaTrick Bahners die Höhe des Turmes mit 144 Metern mit dem Kölner Dom vergleicht, möchte ich stark kritisieren. Wenn schon, dann mit dem höchsten Kirchturm, dem des Ulmer Münsters, der noch ein paar Meterchen höher ist.
Im Kapitel: „Enten in Entenhausen“ kommt es zur Erwähnung, dass die Enten dort zur Oberschicht gehören und dass es viele andere, sehr unterschiedliche Wesen dort gibt. Wussten Sie, das es Panzerknacker mit Hundeohren und welche mit Menschenohren gibt? Dies ist aber nur eines der vielen Beispielen, die PaTrick Bahners auflistet.
Große Philosophen kommen genauso zu Wort, wie wichtige Wirtschaftsforscher. Alexander von Humboldt wird zitiert und Jakob Burckhardt. Wagner spielt eine wichtige Rolle (Wussten Sie, dass Donald Wagnerianer ist) und Hans Blumenberg darf nicht fehlen. Das könnten wir der diesjährigen Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff stecken.
Sie merken schon, auf den über 200 Seiten bleiben keine Fragen offen und kein Auge trocken. Ein Muss für alle Donald-Leserinnen und solche, die vor Jahrzehnten welche waren.

Die Inhaltsangabe des Buches:

Einladung zu einer Forschungsreise

KAPITEL 1 Hineinspaziert in die Stadtgeschichte:
Das Rätsel der zwei Gründerväter

KAPITEL 2 Eine Sternstunde der Wissenschaft:
Die Zwei-Welten-Lehre des Hans von Storch

KAPITEL 3 Enten in Entenhausen: Minderheit und Oberschicht

KAPITEL 4 Olaf und die starken Männer:
Die Verfassungskrise des Vierkaiserjahrs

KAPITEL 5 Fluchtpunkt Timbuktu:
Wo die Gumpe ins Meer fließt

KAPITEL6 Was heißt Globalisierung?
Selbst Dagobert Duck kauft jedes Jahr einen neuen Globus

KAPITEL 7 Nach dem großen Knall:
Die Heimkehr des verlorenen Bruders

Leseprobe_Entenhausen-2_copy
_____________________

Diesen selbstgebastelten Geldbeutel brachte heute ein Kunde mit:

CIMG0097

Mehr Bilder auf dem Jastram Fotoblog.
Alle Pixi-Einsendungen finden Sie hier.