Donnerstag, 14.Januar

Unermüdlich schiebt unser Postle seinen schwer beladenen Wagen durch die schneebedecken Straßen und Gassen in unserem Quartier. Und immer ist der guter Dinge.

Heute haben
John Dos Passos * 1896
Anatoli Rybakow * 1911
Rudolf Hagelstange * 1912
Yukio Mishima * 1925
Marek Hlasko * 1934
Andreas Steinhöfel * 1962
„Mann Mann Mann“, würde Rico sagen.
Geburtstag
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Das Gedicht hatte ich letztes Jahr auf dem Blog.
Ich musste schmunzeln, wie sich das jetzt in unserer Lockdown-Digitalunterrichtszeit anfühlt.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Der Weg zur Schule

Im Winter, wenn es frieret,
Im Winter, wenn es schneit,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so weit.

Und wenn der Kuckuck rufet,
Dann ist der Frühling da,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so nah.

Wer aber gerne lernet,
dem ist kein Weg zu fern,
Im Frühling wie im Winter
Geh´ ich zur Schule gern.
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Es schneit und schneit. Das Blinklicht der Schneeschieber erleuchtet mein Zimmer.
Als Ausgleich passt die Musik von Till Brönner.
Allein schon das Cover der CD lässt an Sommer denken.

Till Brönner & Bob James: „On Vacation
Masterworks € 21,90


Der deutsche Trompeter und der US-amerikanischer Pianist träumen von Urlaub.
Letzten Oktober kam die Scheibe heraus und die beiden wollen uns gezielt aus der Tristesse
des sehr speziellen Alltags entführen. Brönners Musik tut gut, fließt; ein bißchen Latin, etwas Fusion, leichte Beats und Brönners Gesang wie von Chat Baker. Im Hintergrund eine tolle Band, u.a. mit Wolfgang Haffner.
Aufgenommen in Südfrankreich und ich kann mir gut vorstellen, wie der schicke Brönner locker am Pool sitzt und durch die Blätter der Platanen in die Sonne blinzelt.

Donnerstag, 31.August

Heute haben
Fabrizia Ramondino * 1936
Knut Faldbakken * 1941
Wolfgang Hilbig * 1941
Geburtstag
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Im Gedichtekalender gefunden:

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Im Walde möcht ich leben

Im Walde möcht´ ich leben
zur heißen Sommerzeit,
der Wald, der kann uns geben
viel Lust und Fröhlichkeit.

In seine künlen Schatten
winkt jeder Zweig und Ast
das Blümchen auf den Matten
nickt mir: “Komm, lieber Gast!”

Wie sich die Vögel schwingen
im hellen Morgenglanz!
Und Hirsch´ und Rehe springen
so lustig wie zum Tanz

Von jedem Zweig und Reise
hört nur, wie´s lieblich schallt!
Sie singen laut und leise:
“Kommt, kommt zum grünen Wald!”
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Beste Unterhaltung

46785

Simone Buchholz: „Beton Rouge
Suhrkamp Verlag € 14,95

Ein neuer Verlag, ein neuer Fall und eine alte Chastity Riley.
Simone Buchholz hat fünf Bände bei Droemer Knaur, bis sie mit ihrem sechsten Roman zu Suhrkamp gegangen ist. Mit „Blaue Nacht“ hat sie jede Menge Preise abgeräumt, war auf den Krimi-Bestenlisten und hat jetzt nachgezogen. Die Staatsanwältin für besondere Fälle, Chastity Riley, ist immer noch eine einsame Wölfin, die gerne trinkt, sich viele Gedanken macht und merkt, wie ihr Freundeskreis sich verändert. Vielleicht liegt es auch an ihr, dass sie plötzlich überall den Halt verliert.
Und dann passiert es:
Ein scheinbar Irrer sperrt mitten in Hamburg Manager nackt in Käfige, und Riley, die von ihren Chefs hin und wieder von der Leine gelassen wird, muss ran. Ihre Ermittlungen führen sie in die Welt der Verlagshäuser und Kaderschmieden.

„Bei Mohn & Wolff liegt ein Mann in einem Käfig, direkt vor dem Haupteingang. Die Kollegen von der zuständigen Wache versuchen, ihn da rauszukriegen.“

Es ist ein warmer Septembermorgen auf St.Pauli, als sie und der neue und undurchsichtige Kollege Stepanovic vor dem Verlagsgebäude auftauchen. Zuerst denken sie an einen Racheakt der Mitarbeiter. Als dann ein zweiter Manager des Hauses auch so aufgefunden wird, bekommt die Geschichte eine andere Wendung.
Riley ermittelt auf ihre Art, aber viel mehr ermittelt sie in ihrem eigenen Leben. Sie hat eine große Klappe, zu jedem ihre schnoddrige Meinung, die wir oft als Leser nur mitbekommen. Sie ist zwar die Hauptperson, doch mehr noch ist es ein Hamburg-Roman, ein St.Pauli-Krimi. Es ist die Stadt, die Typen, die Menschen, das Lebensgefühl, das Simone Buchholz extrem gut wiedergibt.

„Dunst liegt über der Stadt, der Regen von letzter Nacht hat ihn dagelassen. (…) Ich stehe auf meinem Balkon und trinke Kaffee, um mich herum diese Waschküche. Die Kräne am Horizont sind verschwunden, die dicke Luft hat sie aufgegessen, nur das Kreischen der Hafenmöwen hört sich ungewöhnlich klar an und fast zu nah, so als könnten sie gleich ihre Freundlichkeit ablegen und jemandem in die Stirn hacken, vielleicht mir.“

„Ich wollte mal sehen, was passiert, wenn dieser Freundeskreis unzuverlässig wird. Wenn die nicht mehr dastehen wie eine Revolverheldentruppe und sie bedingungslos beschützen. Ich glaube, man vermisst die ein bisschen. Ich glaube, das tut schon weh, aber das tat mir auch weh beim Schreiben. Das kann ich versichern. Doch das musste mal sein.“, sagt die Autorin und nimmt uns mit auf eine Reise durch die Gefühlswelt der Staatsanwältin. Wobei ich jetzt aber wirklich betonen muss, dass der Krimi unglaublich frech, witzig, bissig böse ist und ich dauernd ein Schmunzeln auf den Lippen hatte.
Simone Buchholz arbeitet auch journalistisch und hat sich öffentlich gegen den G20-Gipfel ausgesprochen. Vielleicht fließt dieses Thema in ihr nächstes Buch ein. Ich bin gespannt.

Leseprobe
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Bitte vormerken:
Nächsten Dienstag, den 5.September
liest Clemens Grote wieder aus vier Neuheiten.
Diesmal findet die „1.Seite“ im Rahmen der Ulmer Friedenswochen statt.

Mit dabei sind
Arundhati Roy: Das Ministerium des äußersten Glücks
Mohsin Hamid: Exit West
Colson Whitehead: Underground Railroad
Angeli/Piciocchi: Kiribat

Beginn, wie immer pünktlich um 19 Uhr.
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