Samstag, 30.März

Heute haben
Paul Verlaine * 1844
Sean O`Casey * 1880
Jean Giono * 1895
Heinz Risse * 1898
Tom Sharpe * 1928
Uwe Timm * 1940
Gert Heidenreich * 1944
Geburtstag
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„Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.“
Albert Einstein
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Unser Kinderbuchtipp:


Kerstin E. Finkelstein: „So geht Straße!“
Mit Sicherheit und Spaß unterwegs im Straßenverkehr
Mit Illustrationen von Claire Lenkova
Jacoby & Stuart Verlag € 14,00

Wie lange ist der Bremsweg eines ICEs, der mit 250 km/h unterwegs ist?
(Auflösung am Schluss)

Das Buch beginnt mit der Geschichte des Verkehrs in Deutschland. Ab wann gab es Fahrräder, Autos, Verkehrszeichen, Gehwege und dass in den 50er Jahren das Auto im Mittelpunkt stand und extra dafür Städte umgebaut und neugebaut wurden. Jetzt (wie damals) heisst es, wie komme ich sicher mit dem Rad durch den Verkehr. Und das will das Buch zeigen. Die Autorin hat schon diverse Sachbücher veröffentlich, so z.B. Fahr Rad!, Straßenkampf und war Chefredakteurin der Zeichschrift Radzeit.
Im zweiten Kapitel schreibt Kerstin Finkelstein, wie wichtig unsere Ohren im Straßenverkehr sind, danach kommen Verkehrsregeln und Verkehrsschilder dran. Handzeichen von Radelnden erklärt sie uns auf zwei Seiten (wieder was gelernt) und natürlich der Helm. Ohne geht gar nicht. Nach weiteren Kapiteln zeigt sie uns einen Blick in die Zukunft.

Und jetzt noch die Antwort auf die Frage von oben.
4,8 Kilometer.

Das steht im Kapitel über Anhaltewege und Reaktionszeiten auf dem Rad von Kindern und Erwachsenen, von Radelnden und Autofahrenden.
Das Buch wäre allerdings ohne die sehr realistischen und doch verspielt kindlichen Illustrationen von Claire Lenkova nur die halbe Miete. Allein schon ihre Wimmelbilder sind klasse.

Schauen Sie in die Leseprobe.
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Tempolimit in Lyon
Ein Drittel weniger Unfälle dank Tempo 30

Weniger Unfälle hatte sich das französische Lyon von einem neuen Tempolimit versprochen. Und tatsächlich: Seit der Einführung von Tempo 30 ist deren Zahl deutlich zurückgegangen. Ein Vorbild für deutsche Städte?
In Frankreichs drittgrößter Stadt Lyon hat die Einführung eines Tempolimits die Zahl der Unfälle deutlich reduziert. Zwei Jahre nach der Begrenzung der innerstädtischen Maximalgeschwindigkeit auf 30 Kilometer in der Stunde habe es 35 Prozent weniger Unfälle gegeben, sagte Bürgermeister Grégory Doucet dem Sender BFMTV. „Das ist enorm.“
Bei der Zahl der schweren Verkehrsunfälle sei sogar ein Rückgang um 39 Prozent zu verzeichnen, also bei Unfällen mit Schwerverletzten und Toten. „Das bedeutet, wir haben Leben gerettet“, sagte der grüne Rathauschef. …

Mehr dazu auf tagesschau.de
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/lyon-tempo-30-100.html

Dienstag

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Heute haben
Christine Nöstlinger * 1936
Jan Costin Wagner * 1972
Geburtstag

Der Deutsche Buchpreis ist vergeben und es hat das Buch gewonnen, das bei unserem Shortlistlesen mit den meisten Lachern bedacht worden ist. Ich wünsche dem dicken Buch viele LeserInnen.

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Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Gudrun Ensslin eine Indianersquaw aus braunem Plastik und Andreas Baader ein Ritter in schwarzglänzender Rüstung – die Welt des kindlichen Erzählers, der den Kosmos der alten BRD wiederauferstehen lässt, ist nicht minder real als die politischen Ereignisse, die jene Jahre in Atem halten und auf die sich der 13-Jährige seinen ganz eigenen Reim macht. Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland, Ahnungen vom Deutschen Herbst und Betrachtungen der aktuellen Gegenwart entrücken ihn dabei immer weiter seiner Umwelt. Es entsteht ein Kaleidoskop aus Stimmungen einer Welt, die ebenso wie die DDR 1989 Geschichte wurde.

Begründung der Jury

„Frank Witzels Werk ist ein im besten Sinne maßloses Romankonstrukt. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen aus der hessischen Provinz, der sich im Alter von dreizehneinhalb auf der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet. In diese Geschichte eingewoben ist das politische Erwachen der alten Bundesrepublik, die beginnt, sich  vom Muff der unmittelbaren Nachkriegszeit zu befreien. Diese Ära des Umbruchs wird heraufbeschworen in disparaten Episoden, die unterschiedlichste literarische Formen durchspielen, vom inneren Monolog über die Action-Szene oder das Gesprächsprotokoll bis zum philosophischen Traktat. Der Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ ist in seiner Mischung aus Wahn und Witz, formalem Wagemut und  zeitgeschichtlicher Panoramatik einzigartig in der deutschsprachigen Literatur. Frank Witzel begibt sich auf das ungesicherte Terrain eines spekulativen Realismus. Mit dem Deutschen Buchpreis wird ein genialisches Sprachkunstwerk ausgezeichnet, das ein großer Steinbruch ist, ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia.“
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Unser heutiger Tipp gilt sowohl für den Film, als auch für das daraus entstandene Jugendbuch.

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„Das Mädchen Wadjda“
Regie: Haifaa Al-Masour, KSA/D 2012, FSK ab 0

Hayfa Al Mansour:Das Mädchen Wadjda
Aus dem Englischen von Catrin Frischer
cbj Verlag € 12,99
als E-Book € 9,99

Hayfa al-Mansur ist Filmregisseurin in Saudi-Arabien, einem Land, das keine Theater, keine Kinos, keine öffentlichen Konzerte kennt, ausser staatliche organisierte Festivals. Popmusik im Radio, Gesang von Frauen ist genauso verboten, wie das Treffen von Männern und Frauen im eigenen Haus, oder dass Frauen einfach mal so im öffentlichen Bus zur Arbeit fahren. Innerhalb der Wohnung sieht man keinen Unterschied bei den Frauen, was Kleidung, Schminke und Frisuren anbelangt. Bevor sie jedoch auf die Straße gehen, hüllen sie sich in schwarze Gewänder und legen die abaya über, das schwarze Tuch, das das komplette Gesicht verschleiert.
Hayfa al-Mansur hat Film in Australien und Kairo studiert und dreht in Saudi-Arabien. Dieser Film entstand wohl tatsächlich mit staatlicher Genehmigung und mit großer deutscher Hilfe mitten in Riad.
Erzählt wird die Geschichte der zehnjährigen Wadjda (sie sprechen das im Film wie Woschda, oder Woischda aus), die mit ihrer Mutter mehr oder weniger alleine lebt, da der Vater viel unterwegs ist. Sie scheinen gut situiert zu sein. Ihre Mutter geht zur Arbeit, streitet sich täglich mit dem Taxifahrer, der sie und andere Frauen abholt und wieder nach Hause bringt. Wadjda sieht, wie ihre Mutter, innerhalb der Wohnung sehr westlich aus. Jeans, schwarze Chucks und Rockmusik aus dem Radio, dessen Antenne mit diversen Drähten und Metallkleiderbügeln verlängert wurde. Sie hat ihren eigenen Kopf und fügt sich dem Druck, der auf den Mädchen und Frauen lastet nur mit Widerwillen. Dadurch bekommt sie immer wieder Ärger mit ihrer Schulleiterin. Diese läuft innerhalb der Schule, wie die schickste Dame herum. Von wegen Schleier.
Nach einem Streit mit dem Nachbarsjungen, der sie oft mit seinem Fahrrad begleitet, geht Wadjda alleine heim und hat plötzlich eine Vision. Hinter einer Mauer scheint ein Fahrrad vorbeizuschweben. Dem ist natürlich nicht so, sondern das Fahrrad ist auf einem Dachgepäckträger geschnallt. Wadjda verfolgt das Auto mit dem Rad und sieht es bei einem Fahrradhändler stehen. Radfahren ist für Frauen in Saudi-Arabien verboten. Zumindest für anständige Frauen. Wadjda wünscht sich allerdings nichts mehr als diese grüne Fahrrad. Mit allen Mitteln versucht sie, dass sich ihr Traum erfüllt.
Die Regisseurin erzählt diese Geschichte nicht als große Abrechnung mit Saudi-Arabien. Sie erzählt uns Alltägliches, lässt keine westliche Kritik zu und überlässt es uns, ein Bild von der Unterdrückung der Frauen zu machen. Und die ist mehr als deutlich.
Die Mutter leidet sehr unter ihrer Situation.Sie kann ihre Tochter sehr gut verstehen, sieht jedoch keine Möglichkeit, wie sie ihr den Wunsch erfüllen kann. Sie selbst hätte gerne einen besseren Beruf, aber als sie ihre Freundin, die in einem Krankenhaus arbeitet, dort besucht, ist sie erstaunt, wie offen sie sich dort zeigt. Sie hätte gerne, dass ihr Mann öfter daheim ist, doch seine Familie sucht eine Zweitfrau für ihn, da sie selbst, nach der schweren Geburt von Wadjda, keine Kinder, keinen Sohn mehr zur Welt bringen kann. Sie singt so gerne. Allerdings nur bei geschlossenen Fenstern beim Abspülen.
Als in der Schule ein Koranwettbewerb ausgerufen wird, bei dem die Mädchen Koranverse singend rezitieren und Fragen zu Koran beantworten müssen, sieht Wadjda ihre Chance, da es Geld für die Siegerin gibt. Sie meldet sich also für die Koranklasse an, kauft sich ein Computerspiel „Wer wird mit Millionär mit Koranfragen“ und siegt tatsächlich. Warum sie das Geld dann doch nicht bekommt, erfahren Sie im Buch, oder im Film. An diesem Tag feiert ihr Vater Hochzeit mit einer neuen Frau und Mutter und Tochter haben nur noch sich, aber gleichzeitig wartet eine große Überraschung auf Wadjda.
Der Film ist voller Optimismus, Witz und Freundlichkeit. Durch diese freche, aufmüpfige Wadjda können wir auf eine bessere Zukunft für die Frauen in Saudi-Arabien hoffen. Das Radfahren ist mittlerweile für Frauen erlaubt, allerdings nur in Begleitung von Männern.
Nach dem großen Erfolg des Filmes hat Hayfa Al Mansour selbst ein Jugendbuch daraus gemacht, das gerade jetzt erschienen ist. Ein kleiner Wermutstropfen: Der Film ist im Moment nicht lieferbar. Schade, wir haben ihn immer im Laden vorrätig gehabt.


Zur Webiste des Filmes
Leseprobe

Interview mit Hayfa Al Mansour

Kurzbiografie auf der Verlagsseite:

Hayfa Al Mansour ist die erste Frau in Saudi-Arabien, die Filme macht, sie gilt als eine der wichtigsten Filmschaffenden des Königreichs. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Literatur von der American University in Kairo und einen Master in Regie- und Filmstudien der University of Sydney.
Der Erfolg ihrer drei Kurzfilme, sowie die internationale Anerkennung für ihren preisgekrönten Dokumentarfilm Women Without Shadows, hat eine ganze neue Welle von saudi-arabischen Filmemachern beeinflusst und führte dazu, dass auf den Titelseiten der Zeitungen über die Eröffnung von Kinos diskutiert wurde. Im Königreich wird ihre Arbeit sowohl gelobt als auch verteufelt, weil sie Diskussionen über Themen anregt, die allgemein als Tabu angesehen werden, wie Toleranz, die Gefahr des Orthodoxen und die Notwendigkeit, die traditionelle und restriktive Kultur mit kritischem Blick zu betrachten.
Durch ihre Filme und ihre Arbeit für Fernsehen und Printmedien hat Al Mansour sich den Ruf erworben, die Mauer des Schweigens zu durchdringen, die das Leben der saudi-arabischen Frauen begrenzt, und ihnen ein Forum für ihre ungehörten Stimmen zu schaffen.
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Das Zebra (2) CIC

Als es vor dem Spiegel stand
und es das Fell, das schwarz und weiße
ganz plötzlich aus der Mode fand,
nahm’s eine Dusche, eine heiße.

Überdrüssig seiner Streifen,
die es lang getragen hatte,
fing es an, gut einzuseifen
die borsthaarige Zebramatte.

Am End‘ blieb zweifarbig das Fell,
doch war’s vor Hitze eingelaufen.
Geläutert ging das Zebra schnell
sich wieder was Gestreiftes kaufen.
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Heute abend um 20 Uhr.
Kathrin Hartmann in der vh Ulm.
„Aus kontrolliertem Raubbau“

Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren. Eine schonungslose Abrechnung mit der Illusion des grünen Wachstums, dem Zynismus von Wirtschaft , Politik und NGO und unserem verschwenderischen Lebensstil.

Samstag

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Heute haben
Max Jacob * 1876
Claus Bremer * 1924
Klaus Wagenbach * 1930
Helmut Krausser * 1964
Geburtstag
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Wir gratulieren Klaus Wagenbach zum 85.Geburtstag.
Was wäre die deutsche Verlags- und Buchlandschaft ohne ihn und seine Arbeit.
Ein dreichfach Hoch! Hoch! Hoch!

50Jahre-Wagenbach

Der Verlag
„Man verlegt entweder Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, oder Bücher, von denen man meint, die Leute wollen sie lesen. Verleger der zweiten Kategorie, das heißt Verleger, die dem Publikums-geschmack dienerisch nachlaufen, zählen für uns nicht – nicht wahr?“
Kurt Wolff

Warum so verlegen?
Der Verlag ist unabhängig und macht davon Gebrauch, seine Meinungen vertritt er auf eigene Kosten. Er ist nicht groß, aber erkennbar.
Wir veröffentlichen Bücher aus Überzeugung und Vergnügen, mit Sorgfalt und Ernsthaftigkeit. Wir wollen unbekannte Autoren entdecken, an Klassiker der Moderne erinnern und unabhängigen Köpfen Raum für neue Gedanken geben. Es erscheinen Literatur, Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte, Politik aus den uns geläufigen Sprachen: Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch und natürlich Deutsch. Und unsere Bücher sollen schön sein, aus Zuneigung zum Leser und zum Autor und als Zeichen gegen die Wegwerfmentalität.
Der Verlag wurde 1964 von Klaus Wagenbach gegründet und wird seit 2002 von Susanne Schüssler geleitet.

2014
Der Verlag wird 50 Jahre alt. Hoch lebe das gedruckte Wort, lang lebe das Urheberrecht und der wohlsortierte Buchhandel und vor allem: der neugierige Leser.
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9783440147931

Klaus M. Schittenhelm: „Sterne finden ganz einfach“
Die 25 schönsten Sternbilder sicher erkennen
Kosmos Verlag für nur € 9,99

Gestern Nacht haben die Sterne wieder gestrahlt und geleuchtet, dass es mir ganz mulmig wurde, wieviele es davon gibt. Und wir wissen ja, dass dies alles nur ein Bruchteil … Aber lassen wir das, sonst kommenwir  noch ins Philosophieren. Es gibt viele Bücher zur Sternenbeobachtung, drehbahre Himmelsscheiben und natürlich jede Menge Apps für Smartphones und Tablets. Und so freue ich mich umso mehr, dass wir dieses Buch im Laden haben. Klaus Schittenhelm, der durch seine jahrelangen Führungen an der Sternwarte Stuttgart weiß, wie man auch den Letzten dazu bringt, dass er das jeweilige Sternbild findet, hat hier ein Buch entwickelt, das uns mit einfachen Tricks hilft, die wichtigsten 25 Sternbildern zu finden.
Er beginnt im Frühjahr mit dem Löwen und wir sehen auf der gegenüberliegenden Seite eine große Anzahl von Sternen, die nachts leuchten, wenn Sie sie mit der Taschenlampe angestrahlt haben. (Wichtig also: Taschenlampe, Kekse und warmer Tee. So sagt es der Autor). Damit wir uns besser orientieren können, gibt es eine abgebildete Hand mit ihren fünf Fingern als Maßeinheit. Schittenhelm führt uns Schritt für Schritt zum Stern Regulus, erzählt über seine Besonderheiten, erläutert mit zwei Pfeilen die Entfernung vom Horizont zu ihm und dann weiter zum Großen Wagen und fügt gemeinsam mit uns Stern um Stern dazu, bis wir den Löwen erkennen.
In einem kleinen Kästchen gibt es noch einen kurzen Text aus der Mythologie.
Bevor wir jedoch auf Sternbilderjagd gehen, notiert der Autor, wie er das Buch konzipiert hat, was wirklich grundlegend wichtig ist, was wir nicht vergessen dürfen, bevor wir auf unserer Safari und wann es es am Besten ist, Sterne zu beobachten. Dann kommt der große Teil mit den Sternbildern, der farblich nach den Jahreszeiten abgesetzt ist. Im Anhnag gibt es viele Informationen zu Mond, Planeten und Satelliten.
Was wir in den letzten Tagen beobachten konnten, war der Skorpion und jetzt im Juli führt er uns zur Leier und zum Schützen. Sie wissen also, wo Sie mich heute Nacht finden werden. Zusammen mit Schlangenträger, Herkules, Adler, Pfeil, Schwan, Delfin, Schütze und vielleicht dem Lagunennebel (das hört sich am Schönsten an).

Nehmen Sie sich Zeit für einen Blick ins Buch. Es lohnt sich.
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Pedaleur-Header-Grunge

Bei uns im Schaufenster finden Sie ganz leicht ein schickes finnisches Fahrrad, das uns das Radgeschaft Pedaleur ausgeliehen hat.

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Dienstag

IMG_4964Heute haben
Friedrich Theodor Fischer * 1807
Georges Duhamel * 1884
Czeslaw Milosz * 1911
Philippe Jacottet * 1925
Assia Djebar * 1936
José Emilio Pacheco * 1939
Juli Zeh * 1974
Geburtstag

 

 

 

Friedrich Theodor Vischer
Lyrische Gänge

»Lyrische Gänge?
Willst du dir schaden?
Kritischer Gänge
Reiskameraden?«

»Machst uns Gedanken!
Neben dem Richten
Muß wohl erkranken
Fröhliches Dichten.«

»Rauh sind die Gänge:
Steinige Wege,
Stoß im Gedränge,
Schwindliche Stege!«

»Hast du nicht Schwingen?
Kannst du nicht schweben,
Wolken durchdringen,
Himmelan streben?«

– Trunkenes Wiegen
Bleibe mir ferne!
Ohne zu fliegen
Find‘ ich die Sterne.

Laß mich vertrauen,
Daß mir das Auge,
Träumend zu schauen,
Immer noch tauge.

Magst du mich sehen
Leiden und streiten,
Lasse mich gehen,
Lasse mich schreiten.

Fuß über Grüften
Fest auf dem Festen,
Haupt in den Lüften,
So ist’s am besten.

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CD-Cover: Charlie Haden/Gonzalo Rubalcaba - "Tokyo Adagio" | Bild: impulse

Charlie Haden/Gonzalo Rubalcaba: „Tokyo Adagio“

Charlie Haden (Bass)
Gonzalo Rubalcaba (Klavier)
Impulse  CD  € 19,99

Nicht nur in der Literatur gibt es Entdeckungen und Neuübersetzungen. Auch dieses Beispiel zeigt, dass ein Blick in die Schublade wahre Perlen hervorzaubern kann. 1986 trafen sich der Bassist Charlie Haden und der deutlich jüngere Pianist Gonzalo Rubalcaba auf Kuba und spielten miteinander. Weitere gemeinsame Auftritte waren danach schwierig, bis Rubalcaba in die USA auswanderte. Sieben CDs haben sie gemeinsam aufgenommen und so manchen Klassiker auf den Weg gebracht. Mitte März 2005 traten sie an drei Abenden im Blue Note Club in Tokyo auf. Veröffentlicht wurden die Aufnahme nie, obwohl Haden wohl daran dachte, sie noch zu Lebzeiten herausbringen zu wollen. Es hat nicht geklappt und so können wir, ein Jahr nach dem Tod von Haden, diese CD in den Spieler stecken. Und was dabei herauskommt ist schon ne Wucht. Also eher das Gegenteil von Wucht. Eine neuerliche Entdeckung der Langsamkeit. Dies heisst aber nicht, dass es hier an Intensität fehlt. Die beiden harmonieren perfekt, spielen einfache und hochkomplexe Passagen, dass, meiner Meinung nach, sowohl Profi-Hörer, als auch Anfänger, dieser Musik mit Genuss lauschen können. Den Zuhörern im Club muss es ähnlich gegangen sein. Mucksmäuschenstill muss es gewesen sein. Nur ein leises Gläserklirren und Besteckklappern ist hin und wieder zu hören. Genießen Sie die beiden Hörbeispiele, auf denen jeweils ein komplettes Stück aus der CD zu finden ist.

https://www.youtube.com/watch?v=NnxcvNThpPI

Das „Tokyo Adagio“ ist eine großartige Konzert-Wiederentdeckung in Albumform.

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Die Ulmer Radspezialisten Pedaleur haben uns wieder etwas ganz Besonderes aus Finnland ins Schaufenster gestellt.
www.Pelagobicycles

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Freitag

Heute haben
Alessandro Manzoni * 1785
Matilde Serao * 1856
Paul Ernst * 1866
Léo Malet * 1909
Milo Dor * 1923
Kobo Abe * 1924
Georges Perec * 1936
Jürgen Theobaldy * 1944
Robert Harris * 1957
Joanne Harris * 1964
Geburtstag

O Mann, was für eine lange Liste mit Namen und tollen Büchern, die sich dahinter verstecken.
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Ferdinand Ernst Albert Avenarius
Im März

Graublaue Nebel schleichen
Durch winterlich Gefild,
Graublaue Berge dämmern
Gleich blassem Traumgebild.

Der Regen rieselt leise
Im blätterlosen Wald,
Vom kühlen Wind das Flüstern
Aus dürren Zweigen hallt.

Dort droben zwitschert ein Vogel
Schüchtern sein kleines Lied –
Weiß nicht, ob Herbst, ob Frühling
Die stille Welt durchzieht.
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Der heutige Buchtipp passt zum kommenden Wochenende, an dem Sonne und gute Temperaturen angekündet sind.

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Chris Haddon: „Mein famoses Fahrrad
Fotografiert von Lyndon McNeil
Knesebeck Verlag € 16,95

Leseprobe

Ich habe die Leseprobe gleich mal nach oben gesetzt. Und eigentlich bräuchte ich dann gar nix mehr schreiben, weil diese Bilder einfach für sich sprechen.
Ein paar Sätze seien doch erlaubt, weil es ein doch gar so schönes Büchlein geworden ist. Ich schreibe Büchlein, weil es zwar ein Bildband ist, aber im mittelgroßen Format und es passt somit auch in jede Satteltasche, oder Radrucksack. Der nichtgekommene Winter hat nun ganz verspielt und die Sonne kämpft sich immer mehr in der Vordergrund. Und obwohl es im Schatten noch empfindlich kühl ist, sehe ich mehr Radler auf den Straßen. Also nicht nur diejenigen, die immer auf zwei Rädern unterwegs sind. Nein, jetzt kommen auch die bunten, gestylten, die mit der schwarzen Hose und dem Trikot darüber und den farbigen Rennern. Radeln ist eh stark im Kommen. E-Bikes sehen wir überall und gleichzeitig gibt es eine Gegenbewegung hin zum alten Fahrrad, zum tradionellen Radl, dem Vintage-Style. Schön. So ähnlich wie wenn die Krokusse aus dem Boden drücken.
Der Buchautor Chris Haddon war um die ganze Welt unterwegs und hat in Europa, den USA, Afrika und Asien nach den wahren Radlenthusiasten gefahndet. Hat er sie gefunden, dann müssen sie über ihr Gefährt und den besonderen Ort dazu erzählen. Sammler, berühmte Designer oder Weltumradler werden ebenso vorgestellt wie exzentrische Fahrrad-Clubs, Fahrrad-Cafés oder Cycle-in-Kinos. Menschen, die ihr Leben dem Fahrrad verschrieben oder ganz eigene Verwendungsarten für ihr Fahrrad gefunden haben, erzählen von ihrer Begeisterung und Motivation. Auch die besonderen Räder all dieser Fahrradfans werden natürlich gewürdigt.
Da gibt es die Lastenfarräder von Peking, die Band, die auf dem Lastenrad spielt (Der Saxophonist muss treten), es gibt die Street Books in Portland (geile Idee) und den Postboten auf dem Hochrad. Es gibt den Radperfektionisten, der sein Radl ans Fenster seines Lofts stellt, damit wir im Hintergrund die Skyline von Manhattan sehen können. Es gibt die radelnden Damen in Amsterdam und den Typen, der mit dem Hochrad um die Welt geradelt ist. Sagt Ihnen das Burning Man-Festival etwas, Kwikfiets, oder das Star Bikes Café? Nein, Na dann schauen Sie ab Seite 48. Und so weiter und so weiter. Ich könnte Ihnen mein Radl noch zeigen, aber dieses olle rote Ding lohnt nicht. Was sich allerdings lohnt, ist die Internetseite von Hartmut Hardy Bögel, der mit dem Rad schon von Ulm nach Peking und zurück geradelt ist. Von Kairo ans Kap und demnächst zu einer Südamerika-Tour aufbricht.
http://hardy-radelt.tumblr.com
Er ist noch in der Vorbereitungsphase, aber auch das lohnt schon ein paar Klicks.
Das ideale Geschenk für die radelnden Freunde und natürlich für sich selbst.
Ich würde Ihnen gerne hier noch ein paar der tollen Fotos zeigen, weiss aber nicht, wie da die Rechtslage ist. Also bitte schauen Sie in die Leseprobe.

Das muss ich jetzt aber schon noch bringen. Obwohl ich es schon zum dritten Mal gepostet habe, passt es einfach zu gut und ist mein absolutes Machmichfit-Video.