Samstag, 17.Juni

Heute haben
Ferdinand Freilingrath * 1810
James Weldon Johnson * 1871
Felix Hartlaub * 1913
Hanna Johansen * 1939
Peter Rosei * 1946
Franz Böni * 1952
Geburtstag
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Franz Hessel (1880-1941)
Hermine

Hermine liebt Aprikosentörtchen,
Limonade findet sie süßer als Bier.
Hermine liebt die geflüsterten Wörtchen.
Anständige Menschen gefallen ihr.

Sie liebt es, auf dem Diwan zu liegen,
Ein Stückchen Schokolade im Mund.
Sie spricht nicht gerne vom Kinderkriegen.
Sie findet es eigentlich ungesund.

Aber deshalb ist man nicht prüde.
Es gibt nichts Schöneres als die Natur.
Nur macht die Liebe einen so müde
Und ruiniert die ganze Frisur.

Hermine ist für das Ideale,
Das Ideale findet sie fein.
Die Liebe – findet sie – ist das Brutale;
Besonders die Männer sind so gemein.
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Jetzt als Taschenbuch:


Rumaan Alam: „Inmitten der Nacht
Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné
btb € 12,00

Im Original heisst der Roman: „Leave the World Behind“, denn eine weiße New Yorker Familie will in aller Ruhe ausspannen. Über das Internet finden sie ein Haus, weit weg vom Trubel der Stadt, auf Long Island. Dort wollen sie eine Woche entspannen. Für die beiden Kinder sind die Tage schwierig, da das mit dem Handy-Empfang dort so eine Sache ist.
Als dann der Strom und das Internet zusammenbricht, nimmt der Roman seine erste Wendung. Und als inmitten der Nacht ein älteres schwarzes Ehepaar an die Tür klopft und um eine Herberge bittet, schrillen bei dem weißen Paar alle Alarmglocken.
Die Besucher behaupten, dass sie die Eigentümer des Hauses sind, dass in New York City ein kompletter Blackout ist und sie deshalb hier aufs Land in ihr Haus gefahren sind.
Wie gehen die vier Erwachsenen Menschen damit um?
Rumaan Alam hat einen modernen Gesellschaftsroman geschrieben, der sich mit den aktuellen Fragen unserer Zeit auseinandersetzt: Unser überdrehter Lebensstil, Rassismus, Angst und einer Welt, die aus den Fugen gerät.
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Mittwoch, 31.Mai


Heute haben
Ludwig Tieck * 1773
Georg Herwegh * 1817
Walt Whitman * 1819
Saint-John Perse * 1887 (Literaturnobelpreis 1960)
Konstantin Paustowksi * 1892
Leonid Leonow * 1899
Judith Wright * 1915
James Krüss * 1926
Rainer Werner Fassbinder * 1945
Swetlana Alexijewitsch * 1948 (Literaturnobelpreis 2015)
Frank Goosen * 1966
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„Jede Zeit hat nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch ihre eigene Ansicht von der früheren Geschichte. Die Vergangenheit hat in jedem Jahrhundert einen neuen Sinn.“
Georg Herwegh
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Jetzt als Taschenbuch


Lea Ypi: „Frei
Erwachsenwerden am Ende der Geschichte
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Suhrkamp Verlag € 14,00

Wie sich doch die Bücher und Thema zusammenfügen, ineinanderverschränken und ergänzen.
Gestern auf dem Blog Anne Rabes Buch über die DDR und ihre Familie vor und nach dem Mauerfall und jetzt Albanien zur gleichen Zeit.
Lea Ypi ist im freiesten Land der Welt aufgewachsen. So meint sie als Kind. Ihr Eltern schweigen dazu, denn sie wissen, was passiert wenn ein falsches Wort die eigenen vier Wände verlässt. Denn auch hier herrscht die Geheimpolizei und verteidigt den Kommunismus und ihren Albanischen Führer Enver Hodscha.
Alles ändert sich, als in Berlin die Mauer fällt. Jetzt können die Menschen wählen, wen sie wollen, sich kleiden, wie sie wollen, anbeten, was sie wollen. Aber die neue Zeit zeigt bald ihr unfreundliches Gesicht: Skrupellose Geschäftemacher ruinieren die Wirtschaft, die Aussicht auf eine bessere Zukunft löst sich auf in Arbeitslosigkeit und Massenflucht. Als das Land im Chaos zu versinken droht und in ihrer Familie Geheimnisse ans Licht kommen, beginnt Lea sich zu fragen, was das eigentlich ist: Freiheit.
Lea Ypi schreibt unglaublich packend über ihre Zeit als Kind, ihre Verzweiflung, als ihr geliebtes Land im Chaos versinkt. Sie schreibt aber auch scharf und genau als Erwachsene, die in London an der School of Economics lehrt, über diese Veränderungen, über die wirtschaftlichen Umwälzungen, die Flucht vieler MitbürgerInnen, die Ideale und die knallharte Wirklichkeit. Vorallem schreibt sie über Menschen.

Leseprobe
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Brände in Kanada
16.400 Menschen auf der Flucht vor den Flammen

Von Charlotte Voß, ARD-Studio New York, zzt. in Kanada

In Kanada breiten sich die Waldbrände immer weiter aus, inzwischen betreffen sie auch den Osten des Landes. In der Provinz Nova Scotia flohen Tausende Menschen – manche mussten alles zurücklassen.
Feuerwalzen bedrohen Natur und Ortschaften – nordwestlich der Provinzhauptstadt Halifax steht eine Fläche von rund 790 Hektar in Flammen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa 1.100 Fußballfeldern.
Die lokalen Verantwortlichen sprechen von etwa 16.400 Menschen, die ihre Häuser verlassen hätten. 200 Gebäude seien beschädigt worden. Es gibt Notunterkünfte. Wer alles zurückgelassen hat, bekommt 500 kanadische Dollar, um sich das Nötigste zu kaufen. In den betroffenen Regionen ist offenes Feuer vorerst verboten. …

Den kompletten Tagesschauartikel finden Sie hier.

Samstag, 12.Februar

Heute haben
Frierich de la Motte Fouché * 1777
George Meredith * 1848
Lou Andreas-Salomé * 1861
Gerhard Rühm * 1930
Janwillem van de Wetering * 1931
Geburtstag
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„Glaubt mir, die Welt wird euch nichts schenken. Wenn ihr ein Leben wollt, so stehlt es.“
Lou Andreas-Salomé
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Claudia Wiltschek empfiehlt:


Claire Thomas: „Die Feuer
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Hanser Verlag € 23,00

Wir sind im Theater, auf der Bühne wird Becketts „Glückliche Tage“ gespielt und in den Bergen vor Melbourne wüten die Buschfeuer. Margot, Ivy und Summer, drei Frauen, die sich nicht kennen, besuchen diese Aufführung und jede von Ihnen wird durch das Stück mehr oder weniger in das eigene Leben hineinversetzt.
Margot, ist Literaturprofessorin und hadert mit dem Ende ihrer Karriere. Zudem ringt sie mit den Anfängen einer Demenz ihres Mannes, die sich auch in Gewalt ihr gegenüber auswirkt. Ivy wird von ihrer Vergangenheit eingeholt und Summer ist eine junge Schauspielschülerin, die sich ihr Geld als Platzanweiserin in diesem Theater verdient. Ihre momentane Sorge gilt ihrer Geliebten April, die in Berge gefahren ist, um ihren Eltern bei den Bränden zu helfen. Auf der Bühne sind Winnie und Willie, die entweder im Sand stecken oder vergeblich versuchen den Sandhügel zu erklimmen, ein tragisch komisch aussichtsloses Verfangen.
Immer wieder versuchen Margot, Ivy und Summer, gedanklich beim Stück zu bleiben, doch ihr Innerstes drängt sich mehr und mehr vor und vermischt sich mit dem Geschehen auf der Bühne.
Ein bewegender, toller Roman, in dem wir entweder mit im Theater sitzen oder uns in den Köpfen und Seelen dieser drei Frauen befinden.

Leseprobe

Auf der Hanser-Seite gefunden:

5 Fragen an Claire Thomas

Wie würden Sie Ihr Buch in wenigen Sätzen beschreiben?
Die Feuer ist ein Roman, der während einer Aufführung von Samuel Becketts Stück Glückliche Tage spielt. Er beginnt, wenn das Publikum die Plätze einnimmt, und endet, wenn der Vorhang fällt. Er besteht fast ausschließlich aus den Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen dreier Frauen, die sich das Stück ansehen. Es geht um Intimität und Wahrheit, um Kunst und die Erde und um die Rollen, die wir alle spielen, um durch jeden Tag unseres Lebens zu kommen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihren Roman um ein Theaterstück herum zu konzipieren? Und warum ist Ihre Wahl auf Becketts Glückliche Tage gefallen?
Vor vielen Jahren war ich bei einer Theateraufführung und bemerkte, dass eine Zuschauerin weinte. Das Stück war nicht traurig und ich war neugierig, was in dieser Person vorging, um eine solche Reaktion hervorzurufen. Dieser Moment brachte mich auf die Idee, einen Roman aus der Perspektive einer Theaterzuschauerin zu schreiben. Ich bin fasziniert von der vermeintlichen Nähe und Gemeinschaftserfahrung eines Theaterbesuchs, denn die kollektive Erfahrung von Kunst ist in Wahrheit immer und zwangsläufig eine individuelle.
Glückliche Tage war das einzige Stück, das ich in Betracht gezogen habe für meinen Roman. Die einfache, verblüffende Inszenierung – eine Frau, die bis zur Hüfte in der Erde steckt – bietet viel Interpretationsspielraum. Der minimalistische Charakter des Bühnengeschehens war auch für das Schreiben meines Romans wichtig. Ich wusste, dass ich das, was meine Figuren sehen, auf eine Weise vermitteln konnte, die bei einer szenisch komplexeren Theaterproduktion nicht möglich gewesen wäre.

Die drei Protagonistinnen Margot, Summer und Ivy eint das Interesse an Kunst, davon abgesehen sind sie sehr verschieden – sie gehören nicht derselben Generation an, ihre Lebensrealitäten sind unterschiedlich und damit auch die Themen, Sorgen und Ängste, die sie umtreiben. Wie sind diese drei Frauen entstanden? Fühlen Sie sich einer von ihnen besonders nahe?
Ich habe mit Margot als Spiegelbild von Winnie, der Hauptfigur aus Glückliche Tage, begonnen. Ich war interessiert daran, ihre Welt als Hochschulprofessorin zu erforschen – eine Welt, die ich vor allem vom anderen Ende des Spektrums kenne: Ich habe viele Jahre als ausgebeutete Lehrbeauftragte gearbeitet.
Summer ist die jüngste Protagonistin. Sie ist eine Platzanweiserin, die im Theater arbeitet – ein Job, den ich auch eine Zeitlang hatte. Nachdem ich eine ca. 70-jährige und eine ca. 20-jährige Protagonistin entworfen hatte, entschied ich, noch eine Figur um die 40 einzubauen, die zu Ivy wurde.
Ich fühle mich allen drei Frauen sehr verbunden und könnte mich nicht für eine entscheiden. Ich habe den Roman in der Reihenfolge geschrieben, in der man ihn jetzt auch liest – ein Kapitel nach dem anderen. Als ich das letzte Kapitel der jeweiligen Charaktere abgeschlossen hatte, habe ich um sie getrauert und wollte sie nicht loslassen. Ich habe das Gefühl, dass sie echte Menschen sind, und ich mache mir immer noch regelmäßig Sorgen um sie und frage mich, wie es ihnen geht.

In Ihrem Buch geht es um weibliches Bewusstsein, die Protagonistinnen setzen sich mit Themen wie Mutterschaft, Karrierewahl, Beziehungen und ihrem Platz in der Welt auseinander. Würden Sie Ihr Buch als ein feministisches bezeichnen?
Selbstverständlich. Mein ganzes Empfinden und meine Lebenseinstellung sind feministisch geprägt, und alles, was ich schaffe, ist von Feminismus durchdrungen. In Die Feuer gibt es drei differenzierte weibliche Charaktere; das allein ist schon ein feministischer Akt, noch bevor man die größeren Themen berücksichtigt.

Der Klimawandel ist ein weiteres wichtiges Thema in Die Feuer.
Die Klimakrise schwebt über allem in unserer heutigen Welt, und ich fand es unerlässlich, sie zum Thema zu machen. Es fasziniert mich, wie unterschiedlich Menschen mit der Bedrohung umgehen. Wie sehr schützt uns der Kokon aus Privilegien und Kunst (versinnbildlicht durch den Theatersaal)? Wie sehr nimmt jede einzelne Person die furchterregenden Auswirkungen des Klimawandels wahr (versinnbildlicht durch die Buschbrände)?
Ich habe mehrere Jahre lang ein Seminar zum Thema Eco-Fiction unterrichtet, in dem es um die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt ging und auch um Krisen und Katastrophen. Es war inspirierend, mit meinen Studierenden über diese Themen zu sprechen, da sie eine gewaltige Herausforderung darstellen und weit über unsere Zeit hinausweisen.

Gespräch: Emily Modick

Mittwoch, 24.November


In Ulm ist Alarmstufe II.
Das heisst, dass im Buchhandel ab sofort die 2G-Regel (geimpft, genesen) gilt.

Bitte zeigen Sie uns unaufgefordert Ihre Nachweise.

Danke!!!
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Heute haben
Lawrence Sterne * 1713
Ludwig Bechstein * 1801
Geburtstag
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Cäsar Flaischlen
Graue Tage

Es ist mitunter,
als wären alle Fäden abgeschnitten…
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum,

und du dir selbst ein fremder Traum…

…als käme nie die Sonne wieder,
als klänge nie ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf…

und plötzlich flimmert’s durch die Wolken
und plötzlich trifft ein Klang ans Ohr
und leise fliegt auf goldenem Flügel
ein Schmetterling am Weg empor!
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Der Roman stand auf der Shortlist des National Book Award 2020


Rumaan Alam: „Inmitten der Nacht
Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné
btb € 22,00

Im Original heisst der Roman: „Leave the World Behind“, denn eine weiße New Yorker Familie will in aller Ruhe ausspannen. Über das Internet finden sie ein Haus, weit weg vom Trubel der Stadt, auf Long Island. Dort wollen sie eine Woche entspannen. Für die beiden Kinder sind die Tage schwierig, da das mit dem Handy-Empfang dort so eine Sache ist.
Als dann der Strom und das Internet zusammenbricht, nimmt der Roman seine erste Wendung. Und als inmitten der Nacht ein älteres schwarzes Ehepaar an die Tür klopft und um eine Herberge bittet, schrillen bei dem weißen Paar alle Alarmglocken.
Die Besucher behaupten, dass in New York City ein kompletter Blackout ist und sie deshalb hier aufs Land in ihr Haus gefahren sind, das sie immer wieder vermieten.
Wie gehen die vier Erwachsenen Menschen damit um?
Rumaan Alam hat modernen Gesellschaftsroman geschrieben, der sich mit den aktuellen Fragen unserer Zeit auseinandersetzt: Unser überdrehter Lebensstil, Rassismus, Angst und einer Welt, die aus den Fugen gerät.

Samstag

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Heute haben
Chuck Palahniuk * 1962
David Foster Wallace * 1962
Ljudmila Ulitzkaja * 1943
W.H.Auden * 1907
Anais Nin * 1903
Raymond Queneau * 1903
Geburtstag
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W. H. Auden
Lullaby

Lay your sleeping head, my love,
Human on my faithless arm;
Time and fevers burn away
Individual beauty from
Thoughtful children, and the grave
Proves the child ephemeral:
But in my arms till break of day
Let the living creature lie,
Mortal, guilty, but to me
The entirely beautiful.

Soul and body have no bounds:
To lovers as they lie upon
Her tolerant enchanted slope
In their ordinary swoon,
Grave the vision Venus sends
Of supernatural sympathy,
Universal love and hope;
While an abstract insight wakes
Among the glaciers and the rocks
The hermit’s carnal ecstasy.

Certainty, fidelity
On the stroke of midnight pass
Like vibrations of a bell,
And fashionable madmen raise
Their pedantic boring cry:
Every farthing of the cost,
All the dreaded cards foretell,
Shall be paid, but from this night
Not a whisper, not a thought,
Not a kiss nor look be lost.

Beauty, midnight, vision dies:
Let the winds of dawn that blow
Softly round your dreaming head
Such a day of welcome show
Eye and knocking heart may bless,
Find the mortal world enough;
Noons of dryness find you fed
By the involuntary powers,
Nights of insult let you pass
Watched by every human love.
_________________________

Cunn

Michael Cunningham: „Die Schneekönigin“
Originaltitel: The Snow Queen
Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné
Luchterhand Verlag € 21,99
Auch in der Originalausgabe und als eBook erhältlich

Immer gefährlich, wenn Autoren Bücher nach Märchen schreiben, oder wenn sie Motive daraus entnehmen und weiterentwickeln. Trotzdem habe ich in den neuen Roman von Michael Cunningham reingeschaut, da mir seine anderen Romane sehr gut gefallen haben. Wir kennen noch alle seienn Roman „Stunden“ über Virginia Woolf, der auch ins große Kino gekommen ist.
Hier also die Schneekönigin von Andersen, die als Motto vorangestellt wird. Dort zerbricht ein Zauberspiegel und wenn jemand einen Spliter davon ins Auge bekommt, sieht er weiterhin alles in einem negativen Licht. Ttrifft ein Splitter das Herz, wird dies kalt wie Eis. Soweit das Märchen. Cunningham beginnt mitten im tiefsten Winter in Bushwick/Brooklyn und als Tyler nachts aufsteht um das Fenster zu schließen, da der Wind Schnee ins Schlafzimmer geweht hat, spürt er einen Splitter im Auge.
Seine Frau Beth liegt mit Krebs im Bett neben ihm und im Zimmer nebenan wohnt sein schwuler Bruder Barrett, der gerade mal wieder eine Abfuhr von einem Freund bekommen hat. Alle drei sind im besten Alter und haben die Stufen der großen Karriereleiter noch nicht erklommen. Tyler, ein begnadeter Musiker, möchte gerne das ultmatives Liebeslied auf seine Frau komponieren und wartet inständig auf einen Plattenvertrag. Barrett hat Literaturwissenchaft studiert, ein Unternehmen gegründet, arbeitet jedoch im Secondhand-Laden von Beth, in dem Designer-Klamotten verkauft werden. Beth selbst liegt im Sterben, rappelt sich wieder auf und ihre Krebszellen verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.
Mit im Boot sind noch ein befreundetes Paar, die alle dort wohnen, wo die Mieten noch erschwinglich sind, die alle vom großen Glück träumen, die eng aufeinander sitzen, vieles von den anderen wissen und doch bewahrt jeder ein Geheimnis für sich.
In der Nacht, als Tyler im verschneiten Schlafzimmer aufwacht, sieht Barrett im Central Park eine ungewöhnliuche Lichterscheinung am Himmel. Er traut sich nicht Tyler dies zu erzählen, da er ihn nur lächerlich machen würde, aber er vergisst dieses Phänomen nicht, trägt es jahrelang mit sich herum.
Die großen Hoffnungen und die dagegenstehende Realität zeigen sich in den einzelnen Kapiteln, die meist vor einer großen Präsidentenwahl in den USA beginnen. Zu Beginn des Romanes steht die zweite Amtszeit von George W.Bush an. Alle hoffen schwer, dass dieser Kerl nicht noch einmal Präsident wird und  dass die Wähler diesem Verbrecher nicht glauben. In einem späteren Kapitel stehen wir vor dem Konkurrenzkampf McCain – Obama und sehen sich schon unter einer Aussenministerin, die Afrika für einen Staat hält und Wölfe vom Helikopter aus schiesst. Wie das jeweils ausging, bschreibt Cunningham in keiner Zeile.
Wie leben mit diesen Personen eng zusammen. Belauschen sie bei ihren intimen Beredungen, oder im Miteinander auf einer Silvesterparty. Dort, wo Wünsche für das neue Jahr ausgesprochen werden. Wir hoffen mit ihnen und wünschen ihnen nur das Beste. In den weiteren Kapiteln, die einige Monate, oder Jahre später spielen, sieht die Welt um die beiden Brüder ganz anderes aus. Die Karten wurden neu gemischt. Cunningham hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern wirft uns ohne Vorbereitung in die jeweilige neue Situation, belohnt uns aber mit einem Ende, das gut aussieht, jedoch sich alle Optionen offenhält.
Der Ton des Romanes ist so wohlwollend warm und einfühlsam, dass es mir beim Lesen richtig gut getan hat, ohne einen Moment kitschig zu sein. Er beschreibt zwar die einzelnen Stadtteile Brooklyns und die Straßenkreuzungen sehr genau, das Buch könnte jedoch in vielen anderen Grossstädten der Welt spielen. Die Hoffnungen sind überall die selben.
Michael Cunningham hat eine Hymne auf den Glauben an die Liebe und das Leben geschrieben, der nicht in den Kanon der Weltliteratur aufgenommen werden wird, aber mir ein paar sehr angenehme Lesestunden beschert hat.

Leseprobe

Michael Cunningham redet über seinen Roman und liest daraus vor.
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Nächsten Mittwoch stellt Herr Lauinger seinen Manesse Verlag vor.
Nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit.
Beginn ist 19 Uhr, de Eintritt kostenlos.
Ich freue mich sehr auf Ihr Kommen.
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