Dienstag

Heute haben
Hilda Doolittle * 1886
Franz Werfel * 1890
Carl Jacob Burckhardt * 1891
Georges Bataille * 1897
Reinhard Lettau * 1929
Geburtstag
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Hier kommt das nächste Textschnipsel aus
Stefan Plögers Roman: „Der Klang der Hingabe“

VI
Sie hatten eine ganze Zeit musiziert, als es klingelte. Die Musik brach ab. Claus erwartete niemanden. Jan schaute ihn an, er zuckte mit den Achseln. Ari stand vor der Tür. Überraschung und Freude waren gleich groß. Das sah Ari ähnlich, unangemeldet vorbei zu kommen in der traumwandlerischen Sicherheit, dass er schon jemanden antreffen würde. Claus bat Ari herein und stellte ihn Jan vor. Ihm fiel sofort sein letzter Besuch bei Ari ein. Sie fanden schnell zusammen. Es gab viel zu erzählen. Von gemeinsamen Freunden. Von der langen Zeit, in der Ari nicht in Deutschland gewesen war. Von seiner Ausweisung, die er nicht verschwieg. Sie war präsent. Ari nahm kein Blatt vor den Mund. Es war spürbar, wie sehr er verletzt worden war. Aber es tat dem guten Einvernehmen der drei keinen Abbruch.
Ari erzählte von seiner Reise. Er verschwieg seine Begegnung im Zug, die ihm selbst noch zu frisch und unmittelbar war. Er konnte sich vorstellen, den beiden an anderer Stelle davon zu erzählen. Er merkte, dass es ihm schwer fiel, einfach sitzen zu bleiben. Er ging durch das Zimmer, strich über die Oberfläche einer alten Kanne. Er schaute auf eine Radierung, die einen alten Frauenkopf zeigte. Die verhärmten Züge standen in merkwürdigem Kontrast zu der Eindringlichkeit der Gestalt, zur Wachheit ihres Blicks. Ari schlenderte zum Flügel. Er deutete auf die aufgeschlagenen Noten.
„Habt ihr das gerade gespielt?“
Er blätterte darin.
„Lasst doch mal hören.“
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Mein Buchtipp des Tages hat enorme Aktualität und bleibt von den großen Feuilletons unbeachtet. Die vielen Onlineportale haben ihn noch nicht auf dem Schirm, obwohl er an vielen Ecken schon aktiv ist. Gut, das dicke, äh bunte Ende kommt erst noch, sein Wirken ist jedoch schon deutlich zu erkennen. Der Herbst kommt mit aller Macht und da passt das Gedicht von Peter Hacks ausgezeichnet.

Hacks1

Peter Hacks: „Der Herbst steht auf der Leiter
Illustrationen von Annika Huskamp
Eulenspiegel Verlag € 6,95

Das kleine Format, die dicke Pappe, die super Illustrationen passen sehr gut zusammen. Ein Buch für die Kleinen zum Vorlesen und die haben dann noch ein handliches Bilderbuch zum Anschauen. Und als besondere Dreingabe gibt es auf der letzten Seite noch Noten zum Mitsingen. Ideal für die ganze Familie.
Feiern wir also die heutigen Klassiker: Den Herbst und natürlich Peter Hacks, den großen Autoren, der 1928 geboren und 2003 in Berlin gestorben ist.

Peter Hacks

Der Herbst steht auf der Leiter
Und malt die Blätter an,
Ein lustiger Waldarbeiter,
Ein froher Malersmann.

Er kleckst und pinselt fleißig
Auf jedes Blattgewächs,
Und kommt ein frecher Zeisig,
Schwupp, kriegt er auch nen Klecks.

Die Tanne spricht zum Herbste:
Das ist ja fürchterlich,
Die andern Bäume färbste,
Was färbste nicht mal mich?

Die Blätter flattern munter
Und finden sich so schön:
Sie werden immer bunter.
Am Ende fall’n sie runter.

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