Mittwoch, 5.Juli

 

Heute haben
Jean Cocteau * 1889
Barbara Frischmuth * 1941
Josef Haslinger * 1955
Geburtstag
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Lea Kutz:Eselsohren
DuMont Verlag € 3,99

Das können Sie knicken!
Stellen Sie sich ein Büchlein vor, das erst durch gezielten Vandalismus zu seiner eigentlichen Form findet. Das jeden Ihrer Angriffe mit einer Eselsgeduld erträgt. Das Sie geradezu ermutigt, ihm auf den Pelz zu rücken. Das Schritt für Schritt, Seite für Seite, Knick für Knick, sein Innerstes nach außen kehrt. Ein Büchlein, das Sie zu einer echten Eselei anstiftet …
Stellen Sie sich vor, wie Sie erst ganz zaghaft, beinahe schüchtern, eine Ecke umklappen, mit dem süßen Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Hmmm, das tut gut. Schnell noch eine. Und noch eine … Ein komisches Gefühl ist es, ein neues Buch, ein unberührtes Heft zu knicken. Immer exakt nach den vorgegebenen Trennlinien, damit es nacher ein schönes Eselbild gibt.
Gestern um die Mittagszeit war es soweit. Eine Kundin kannte das Büchle schon und ich sagte zu ihr, sie solle doch einfach mal anfangen. Gesagt getan!

Donnerstag

Heute haben
Pierre Corneille * 1606
Alexander Puschkin * 1799
Thomas Mann * 1875
Joyce Carol Oates * 1938
Geburtstag.
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Thomas Mann:
„Wir finden in den Büchern immer nur uns selbst. Komisch, daß dann allemal die Freude groß ist und wir den Autor zum Genie erklären.“
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Eselsohren!

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Bei uns im Schaufenster zu sehen:

Hommage an Juli Zeh
von Anja Ruschival

Eine Plastik, die daraus entstand, welche magischen Gefühle man beim Lesen haben kann.
Manche Worte und Bilder sind so stark, dass sie förmlich eine Metamorphose im Rezipienten auslösen.
Anja Ruschival ist 24 und lebt in Ulm. Zeit ihres Lebens ist sie fasziniert von Literatur und szenischen Räumen. In ihrer Jugend begann sie, ihre Eindrücke in Bildern und Objekten auszudrücken und darzustellen. Nicht zuletzt um vielen Menschen in die schöne Welt der Worte und Bilder zu entführen.
Heute arbeitet sie mit Kindern und reichte kürzlich eine Bewerbungsmappe für den Studiengang Szenografie und Ausstellungsgestaltung an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe ein, welche unter anderem auch die Arbeit Hommage an Juli Zeh enthält.

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Gestern ist das neue Buch von
Eugen Ruge: „Cabo de Gata“
Rowohlt Verlag € 19,95
bei uns im Buchladen angekommen.

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Schön, dass es ein deutlich kürzerer Text, als sein „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, für den er 2011 den deutschen Buchpreis erhalten hat. So nahm ich ihn nach einem langen Tag und einem ausgefüllten Abend mit nach Hause und habe ihn nicht mehr aus der Hand gelegt, bis er mir mehrfach ins Gesicht geflogen ist. Mir fehlen noch ein paar Seiten, die ich heute irgendwie schaffen werde. Vielleicht irgendwo in der Sonne.
Ruge hat ein Erinnerungsbuch geschrieben, wie ein Mittvierziger sich aus dem Arbeitsleben verabschiedet, alle Zelte, wirklich alle, abbricht, Richtung Barcelona fährt und in einem Fischerdorf in Andalusien, Cabo de Gata, eintrifft. Was sich als Paradies vorgestellt hat, entpuppt sich als ein Niemandsland, eine Einöde.
Das Erinnern überträgt sich auf den Text, in dem Ruge immer wieder und wirklich sehr oft: „Ich erinnere mich“ schreibt. Ganz ähnlich wie in Joe Brainards: „I remember“, dessen Buch allerdings dann nur noch aus „I remember“-Zitaten besteht.
Ruge zitiert Marcel Proust, in dem er seinen Roman mit der Beschreibung von Kaffeeduft, vielmehr dem Geruch seiner Kaffemaschine beginnt. Proust begann mit Tee und Gebäck.

„Ich erinnere mich, wie ich innehielt, mitten in derBewegung. Ich erinnere mich an den Geruch vonKaffee, genauer gesagt, an den Geruch des kleinen, arabischen Kaffeekochtopfs, den ich von meiner Mutter geerbt habe, und zwar daran, wie er von innen
riecht, wenn er leer ist, an seinen Eigengeruch also,den er nach hundert- und tausendfachem Aufbrühenangenommen hat (und den ich nur notdürftig mit
den Worten Metall und Kaffeesatz beschreiben kann, weil ich mich an Gerüche meist nur dann erinnere,wenn ich sie tatsächlich rieche).“

Er verabschiedet sich von seinem Vater, zu dem er eine Hassliebe hat und der in einem letzten Satz als erfolgreicher Buchautor beschrieben wird, der ihn allerdings nicht zum Abendessen einladen kann, da er am nächsten Tag (Frauen)besuch bekommt und seine Brotscheiben abgezählt sind.
Die Reise Richtung Spanien verläuft unspektakulär, Barcelona kann ihn nicht locken und auch in dem Fischerdorf passiert nicht viel. Eintönigkeit bestimmt den Tag, bis eine Katze auftaucht. Sie ist eigenwillig, wie Katzen so sind und lässt sich nicht fremdbestimmen. Lässt sich also nur streicheln, anlocken, füttern, wann sie will.
„Schon tagsüber, nach meinem Strandspaziergang, hielt ich beiläufig Ausschau nach der Katze, sah sie aber nicht. Als der Abend heranrückte, musste ich mich zwingen, nicht viel zu früh loszugehen – wegen einer Katze! War dann aber doch ein paar Minuten zu früh.“
Sie hat ihr Leben gefunden, nach dem der Möchtegernautor noch sucht.
Durch das Aufeindertreffen der beiden, löst sich viel im Kopf des Mannes, der bis dahin tagelang versucht hat, einen Roman zu schreiben.
Ruge schreibt dies alles in kurzen, sich oft wiederholenden Sätzen und Satzteilen und gibt dieser Novelle einen sehr eigenen Ton, der stimmig zur Geschichte und Situation daherkommt und vielleicht wirklich als Vorgänger zu seiner großen Familiengeschichte zu lesen ist.
Was hier biografisch und was Fiktion, kann sich jeder selber zusammenreimen.

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