Samstag / Ferragosto / Maria Himmelfahrt

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Heute haben
Matthias Claudius * 1740
Walter Scott * 1771
Stieg Larsson * 1954
Geburtstag
und morgen Charles Bukowski * 1920

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Matthias Claudius
Der Esel

Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn‘ Mut und ohn‘ Gewalt;
Mein spotten, und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muß Stroh und Disteln käuen;
Werd‘ unter Säcken alt –
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts, als eine schöne Stimme.
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„Das Festmahl im August / Pranzo di ferragosto“
Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller: Gianni di Gregori
Italien 2008
DVD € 9,95

Ferragosto ist einer wichtigsten Feiertage in Italien. In Rom verschwinden um diesen Termin herum alle ans Meer. Viele Restaurants sind geschlossen, Läden haben zu. Rom ist wie leergefegt und auf den Straßen ist nichts mehr vom täglichen Stau zu spüren. Die Hitze steht zwischen den Häusern und es ist der beste Zeitpunkt die Stadt mit dem Rad zu erkunden.
Gianni Di Gregori (Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller) hat sich diesen Tag für seinen Film herausgesucht. Er lebt mit seiner dominaten alten Mutter in einer Wohnung, kann keiner Arbeit nachgehen, da die alte Dame ihn komplett fordert. Dies führt zu finanziellen Engpässen. Er ist mit der Miete in Verzug und auch sonst sehr klamm. Just an diesem Tag kommt der Hausverwalter und bietet ihm einen Mietnachlass an, wenn er dessen Mamá und Tante für eine Nacht aufnehmen kann. Desgleichen passiert ihm auch mit dem Arzt, der auf Hausbesuch ist. Nach kurzem Zögern, siegt die Aussicht auf etwas Geld und Gianni hat plötzlich statt einer alten Dame, vier am Hals, die sich alle nicht grün sind. Nun heisst es einkaufen für das Festmahl. Dabei ist ihm sein Kumpel mit der Roller behilflich. Eine Kiste Weisswein (sehr wichtig für den Film) und Fische frisch aus dem Tiber geangelt, bilden den Grundstock. Mit viel Überredungskünsten schafft es der genervte Gianni, die alten Damen unter seinem Dach zu behalten, eine davon wieder zurückzuholen. Als alle versorgt sind und in ihren Betten schlafen, liegt er in der heissen Nacht auf dem Balkon.
Ausser Gianni sind alle anderen Mitspielenden LaiendarstellerInnen, die mit großer Lust und Laune mitgemacht haben und dem Film das gewisse Etwas geben. Ein charmanter Sommerfilm, mit viel Witz, über das Leben, Überleben und Altewerden. Und natürlich eine große Homage an die Ewige Stadt. Ein Film voller Hitze, Weisswein und einem Festmahl, an das wir schon nicht mehr glauben wollten.
Ein Muß für diesen Tag.
Achtung: Halten Sie einen schönen Vorrat an Weisswein im Kühlschrank bereit. Durch den dauertrinkenden Gianni bekommen Sie sicherlich enorme Lust auf ein gut gekühltes Glas (oder auch zwei, …)
Buon divertimento!

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Via Condotti, die normalerweise mit Handtaschen, Einkaufstaschen und schicken Damen daran voll ist. Im Hintergrund die leere Spanische Treppe.

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Auf meiner Rundfahrt auf den leeren Straßen Roms am 15.8.2014

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Der Herr mit den kurzen Hosen und den grauen Haaren ist Giannis Freund mit dem Moped. Sein Lieblingsort ist die Bar Calisto im Stadtteil Trastevere.

Ausgezeichnet mit dem Preis für den besten Debütfilm in Venedig 2008.
Website des Filmes mit Bildern und einem Zander-Rezept.
Trailer deutsch
Trailer italienisch

Samstag

Heute haben Andrej Belyi * 1880
und Ulrich Plenzdorf * 1934 Geburtstag
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Die Sommerzeit geht zu Ende: In der Nacht zum Sonntag (27.10.) werden die Uhren in Deutschland und weiten Teilen Europas wieder um eine Stunde zurückgestellt. Langschläfer können dann eine Stunde länger im Bett bleiben.
Um genau 3.00 Uhr müssen die Uhren wieder auf 2.00 Uhr zurückgedreht werden. Damit zeigen die Uhren für die nächsten fünf Monate wieder die normale Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) an, bevor am 30. März nächsten Jahres wieder die Sommerzeit beginnt. Über die Wintermonate ist es dadurch morgens früher hell und nachmittags eher dunkel.
Eher dunkel ist gut. Dann ist es um 18 Uhr kuhnacht und die morgendliche Helle verliert sich doch auch im Dunkel. Das kann ja was werden.
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Esel
Ein Portrait von Jutta Person
Mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Kleinoktav-Format
144 Seiten, flexibler Einband, fadengeheftet und mit Kopfschnitt
40 Abbildungen.
In der Reihe Naturkunden, die von Judith Schalansky herausgegeben wird.
Matthes und Seitz Verlag € 18,00

Störrisch, dumm, eigensinnig und geil – die Eigenschaften, die dem Esel zugeschrieben werden, sind selten schmeichelhaft. Und doch spielt kaum ein Tier in der Kulturgeschichte eine so bedeutende Rolle wie der Esel.
Jutta Person erzählt die erstaunlich reiche Geschichte dieses faszinierenden Lastentiers und betreibt eine Charakterologie des Esels. Sie trifft prominente Eselzüchter und portraitiert domestizierte und wilde Eselarten. Nicht zuletzt zeigt sie, wie klug dieses vermeintlich dumme Tier mit den schönen Augen ist – und wie viel wir von ihm lernen können. Aber nicht nur das. Die Eselzüchter sind nämlich der Schwäbischen Alb und aus einer Herde von 70 Tieren i-aht es gehörig durch die Seiten. Und bitte nicht vergessen: Der Esel in der Weltliteratur. Auch das ist er störrisch und dumm, aber auch ein ausgezeichneter Liebhaber und Träger prominenter Menschen, wie z.B. Jesus.
Es beginnt mit den Ohren. Die Stellungen, ihre Drehungen sind eines der markanten Zeichen des Tieres. Nietzsche war stolz auf seine kleine Ohren und bezeichnete sich, als ausgewiesener Eselhasser, als Antiesel. Mit diesen großen Ohren könnte man ja fast wegfliegen, und im Italienischen ist ein asino volante, also ein fliegender Esel, einer, dem man alle erzählen kann.
Jutta Person stellt am Ende des Büchleins verschiedene Eselarten vor, dargestellt in schönen alten Stichen. Aber bis wir dort ankommen staunen wir wieder über das spezielle Vorsatzpapier. Diesmal in pink. Ein knallrot leuchtet uns von den Fäden entgegen, die die Seiten zusammenhalten. Warum nur diese Faben? Beim ersten Band über die „Krähen“ gab es die gelbe Farbe für die Schnäbel. Aber rot? Das könnte uns Frau Schalansky irgendwann erklären. Aber zurück zum Inhalt des Buches: Woher sie kommen, die Eseltiere erzählt uns Jutta Person, genauso wie die irren Vermischungen von Mensch und Esel in Darstellungen zur Phsiognomik.
Am Schönsten sind natürlich für uns Buchhändler  sind die Zitate aus der Literatur. Das mit Jesus haben ich schon erwähnt. „Der Esel Benjamin“ kennen wir seit unserer Kindergartenzeit, später kam noch Sancho Panzas Esel dazu. Die Eselmetamorphose in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ nicht zu vergessen. Und für uns Erwachsene gibt es einen der ältesten Romane überhaupt: „Der goldene Esel“, in dem sich ein Mann durch eine Salbe in einen Esel verwandelt, anstatt dass die Salbe ihm als eine Art Viagra dienen sollte. (Diese Römer!). Es gibt Buridans Esel, der sich zwischen zwei Futterhaufen nicht entscheiden kann und dadurch verhungert. Stevenson wanderte mit einem Esel durch die Cevennen, wir landen bei Giordano Bruno und es gibt natürlich noch „I-Ah“, den melancholische Esel aus Puh der Bär.
Sie merken schon, die paar wenigen Seiten haben es in sich. Dabei habe ich nur einen Bruchteil von dem erwähnt, was Sie alles noch darin finden werden.
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Um nochmals auf Christine Schäfer zurückzukommen, deren Bachkantaten-CD ich gestern erwähnt habe.
Hier die wunderbare Arie des Cherubinos: „Voi che sapete“ aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ mit Netrobko und Nikolaus Harnoncourt am Pult.

Die komplette Aufführung finden Sie in zwei Teilen auch auf youtube.

Hier die gleiche Arie, die gleiche Sängerin, aber in der Inszenierung von Christoph Marthaler.