Dienstag, 4.September

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Heute haben
Francois Chateaubriand * 1768
Leonard Frank * 1882
Antonin Artaud * 1896
Richard Wright * 1908
Per Olof Sundman * 1922
Joan Aiken * 1924
Thorsten Becker * 1958
Geburtstag
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Conrad Ferdinand Meyer
Die Veltlinertraube

Brütend liegt ein heißes Schweigen
Über Tal und Bergesjoch,
Evoë und Winzerreigen
Schlummern in der Traube noch.

Purpurne Veltlinertraube,
Kochend in der Sonne Schein,
Heute möcht‘ ich unterm Laube
Deine vollste Beere sein!

Mein unbändiges Geblüte,
Strotzend von der Scholle Kraft,
Trunken von des Himmels Güte,
Sprengte schier der Hülse Haft!

Aus der Laube niederhangend,
Glutdurchwogt und üppig rund,
Schwebt‘ ich dunkelpurpurprangend
Über einem roten Mund!
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

9783423762342

Axel Rühle:Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst
Illustriert von Axel Scheffler
dtv junior € 12,95
Kinderbuch ab 7 Jahren

Zippel, ist ein kleines Schlossgespenst, aber wohnt nicht, wie wir wohl meinen, in einem grossen alten Schloss, sondern sein Zuhause ist ein Türschloss. Es lebt bei Paul und seinen Eltern in einer Altbauwohnung ganz zufrieden und unentdeckt. Eines Tages hört Paul merkwürdige Geräusche in der Tür und nach großem beiderseitigem
Misstrauen beginnt die Freundschaft von Paul und Zippel. Zippel hat ständig Quatsch im Kopf und Paul hat jede Menge zu tun, um ihn davon abzuhalten. Das Unglück naht, nachdem der Hausmeister es endlich an der Zeit findet, das alte Türschloss gegen ein neues auszutauschen. Zippels Zuhause ist plötzlich in Gefahr….
Für Zippel gerät die Welt aus den Fugen, zumal er ja solche Angst vor den Erwachsenen hat.

„Oh,oh, oh“, sagte Zippel. „Das ist sicher ein Awachsana.“
„Ein was ?“
„Ein Awachsana.“
“ Meinst Du ein Erwachsener?“, fragte Paul
„Oh ja, oh ja, oh ja. Awachsana sind böse. Alle sehr böse. Also verrat mich nicht. Ja?“

Ein liebevoll, witziges Vorlese und Selbstlesebuch , am Besten vorgetragen von einem Awachsanan, der Spaß dabei ist garantiert.
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Heute abend, Dienstag, 4.September um 19 Uhr
„Die erste Seite“
Wir stellen vier neue Bücher vor.

Clemens Grote liest aus:

Hugo Boris: Polizisten
Claire Messud: Das brennende Mädchen
Lisa Halliday: Asymetrie
Michael Kumpfmüller: Tage mit Ora

Eintritt frei
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Freitag, 7.September um 20 Uhr
Mariana Leky: „
Was man von hier aus sehen kann“

Lesung im Roxy Ulm
Eintritt € 12,00
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Vielen Dank noch einmal an Siyou und Hellmut Hattler für das tolle spontane Konzert.

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Freitag, 29.Juni

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Heute haben
Johann Heinrich Campe * 1746
Giacomo Leopardi * 1798
Antoine de Saint-Exupery * 1900
Oriana Fallaci * 1930
Ror Wolf * 1932
Geburtstag.
Und auch Anne-Sophie Mutter.
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Ada Christen (1839-1901)
Nach dem Regen

Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.

Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niedern Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.
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Vita Sackville-West:Eine Frau von Geist
Der geheimnisvolle Zauber des Puppenhauses von Königin Mary
Illustriert von Kate Baylay
Aus dem Englischen von Isabelle Fuchs
Gerstenberg Verlag € 26,00

Dieser charmante Text wurde 1924 für Königin Mary verfasst, die 170 Schriftsteller-Innen fragte, ob sie nicht etwas für das königliche Puppenhaus schreiben könnten. Vita Sackville-Wests kleiner Text wurde in Leder gebunden in die Puppenstuben-Bibliothek gestellt, jetzt erst (wieder)entdeckt und zum ersten Mal veröffentlicht. Die jugendstilartigen Illustrationen passen sehr gut zu dieser kleinen Geschichte, die der Gerstenberg Verlag im Großformat herausgebracht. Im Original war es in Leder gebunden und wahrscheinlich deutlich kleiner.
Und der Text? Eine kleine Geschichte um ein Gespenst, eine junge Frau, die sich im Puppenhaus eingerichtet hat, aber von niemanden entdeckt wird. Immer wieder sehen wir in den Illustrationen große Augen mit Lupen, die nach dem Wesen suchen, sie aber nicht finden, obwohl doch im Weinkeller, eine Flasche aus dem Regal gefallen ist und die Badewanne benutzt wurde.
Vita Sackville-West, die hier bekannter durch ihre Gartenanlage in Sissinghurst ist, versteckt in ihrem Märchen viele Andeutungen auf ihr Privatleben, ihre Liebe zu Virginia Woolf und ihre große Liebe zur Weltliteratur. Auch das Gespenst hat die Bibliothek durchgeforstet und erzählt, dass sie sich mit den bekanntesten Literaturmenschen getroffen hat. Sie lauschte Boccaccio, traf sich mit dem chinesischen Kaiser, Dornröschen, Blaubart und der Prinzessin auf der Erbse.
Lassen Sie sich überraschen und lesen Sie unbedingt das sehr informative Nachwort von Matthew Dennison zur Entstehungsgeschichte und zu den Hintergründen von „Eine Frau von Geist“.
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Heute abend bei uns in der Buchhandlung:

Freitag, 29.Juni um 19 Uhr
Wei Zhang: Eine Mango für Mao

Eine Veranstaltung der Universität Ulm, Zentrum für Sprache und Philologie

China 1968. Kulturrevolution. Das Leben ist geprägt von materiellem Mangel und extremer Politisierung. Durch den zunächst naiv wirkenden Blick der fünfjährigen Yingying demaskiert die Autorin die Absurdität des Alltagsgeschehens. Wei Zhang gelingt mit »Eine Mango für Mao« eine zeitlose, kritische und persönliche Betrachtung von Zwischenmenschlichem in Diktaturen.

Yingying ist fünf, als sie verstehen muss, dass selbst ein Konto mit einem verschwindend geringen Kindersparbetrag als Hochverrat gelten kann: Als das Pfahlhaus ihrer Großmutter Nainai enteignet wird, versucht sie, ihr Geld abzuheben – aber setzt sie damit nicht ein Signal, das ihrer Familie schadet? Privateigentum ist schließlich verboten!

Das Mädchen lebt mit ihren Eltern in einer kleinen Wohnung auf dem Areal ihrer Schule. Hier spielt sich ihr ganzes Leben ab: rivalisierende Cliquen in der Nachbarschaft, regimekritische Lehrer, der Tod des Onkels, die Mango als Kultobjekt und eine erste Liebe. Yingyings unbefangener Blick auf den Alltag in einer Diktatur entlarvt deren Absurdität. Ein großer Roman über die Menschlichkeit in totalitären Systemen.
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Dienstag, 3.Juli um 19 Uhr
„Die erste Seite“

Wir stellen vier neue Bücher vor.

Mareike Krügel: Die Tochter meines Vaters
Jacqueline Woodson: Ein anderes Brooklyn
Marco d’Eramo: Die Welt im Selfie
Francesca Melandri: Alle, außer mir

Es liest Clemens Grote.
Eintritt frei

Dienstag, 3.April

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Heute haben
George Herbert * 1593
Washington Irving * 1783
Peter Huchel * 1903
Märta Tikkanen + 1935
Johanna Walser * 1957
Geburtstag
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Heute auf dem Lyrik-Kalender .
Hier in vollständiger Länge.

Gerhart Hauptmann
Der alte Birnbaum

Einen tiefen Trunk aus voller Schale
Vom Smaragd des Frühlings will ich trinken:
Aus der blauen sonnenseligen Höhlung
Morgendlichen Feuers mich berauschen.
O wie tirilierst du tausendstimmig
Im Gemäße, du betörte Woge!
Schweige nicht, als Wein in mich gedrungen,
Schwimmen laß in solcher Flut mein Herze!

Bist du da, mein tausenjähriger Birnbaum,
Weiß und schwer, beglückt von Blütenlasten?
Wieviel Winter hast du überdauert,
Kahl und hart! Nun quillst du süßen Frühling.
Und von einem kaum gebornen Bäumchen,
Das du sätest, pflück ich eine Blüte,
Deren übermaß dein Haupt hervordrängt:
Und sie ist nicht jünger, süßer, holder,
Als von deinem greisen Haupt gebrochen.

Laß mich trinkend in den Becher sinken,
Untertauchen tief und immer tiefer
Wie der Täufling in geweihter Kufe!
Himmel, schlaget über mir zusammen,
Der ich blühe wie der alte Birnbaum.
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978-3-15-019114-9

April
Gedichte
Herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag  € 5,00
Der April spiegelt alle Höhen und Tiefen der menschlichen Seele wieder und erst im Mai, wenn die Tage endlich beständig wärmer werden, gönnen wir uns etwas Ruhe und genießen die sonnigen Stunden im Freien als etwas Selbstverständliches.
Im Wort April steckt das lateinische aprire = öffnen, so die Herausgeberinnen. Also öffnen, hinausgehen, raus aus der winterlichen Stube. Manche meinen auch, daß apricus = sonnig darinstecken könnte.

Zartes Grün und erstes Zwitschern
Launischer April
Launische Menschen
Karwoche
Ostern
Jetzt wird’s warm

So sind die einzelnen Kapitel überschriebenund zeigen an, dass wir uns im Moment in der launigen Phase des Monats befinden. Warten wir also auf das Kapitel „Jetzt wird’s warm“.
Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Nikolaus Lenau
Frühlingsgedränge

Frühlingskinder im bunten Gedränge,
Flatternde Blüten, duftende Hauche,
Schmachtende, jubelnde Liebesgesänge
Stürzen ans Herz mir aus jedem Strauche.
Frühlingskinder mein Herz umschwärmen,
Flüstern hinein mit schmeichelnden Worten,
Rufen hinein mit trunkenem Lärmen,
Rütteln an längst verschlossenen Pforten.
Frühlingskinder, mein Herz umringend,

Was doch sucht ihr darin so dringend?
Hab ichs verraten euch jüngst im Traume,
Schlummernd unter dem Blütenbaume?
Brachten euch Morgenwinde die Sage,
Daß ich im Herzen eingeschlossen
Euren lieblichen Spielgenossen,
Heimlich und selig – ihr Bildnis trage?

Eduard Mörike
Zitronenfalter im April

Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!

Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.

Friedrich Hölderlin
Der Gang aufs Land

An Landauer

Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute
Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.
Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes
Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.
Trüb ists heut, es schlummern die Gäng‘ und die Gassen und fast will
Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.
Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer
Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.
Denn nicht wenig erfreut, was wir vom Himmel gewonnen,
Wenn ers weigert und doch gönnet den Kindern zuletzt.
Nur daß solcher Reden und auch der Schritt’ und der Mühe
Wert der Gewinn und ganz wahr das Ergötzliche sei.
Darum hoff ich sogar, es werde, wenn das Gewünschte
Wir beginnen und erst unsere Zunge gelöst,
Und gefunden das Wort, und aufgegangen das Herz ist,
Und von trunkener Stirn‘ höher Besinnen entspringt,
Mit der unsern zugleich des Himmels Blüte beginnen,
Und dem offenen Blick offen der Leuchtende sein.

Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es,
Was wir wollen, und scheint schicklich und freudig zugleich.
Aber kommen doch auch der segenbringenden Schwalben
Immer einige noch, ehe der Sommer, ins Land.
Nämlich droben zu weihn bei guter Rede den Boden,
Wo den Gästen das Haus baut der verständige Wirt;
Daß sie kosten und schaun das Schönste, die Fülle des Landes
Daß, wie das Herz es wünscht, offen, dem Geiste gemäß
Mahl und Tanz und Gesang und Stutgards Freude gekrönt sei,
Deshalb wollen wir heut wünschend den Hügel hinauf.
Mög‘ ein Besseres noch das menschenfreundliche Mailicht
Drüber sprechen, von selbst bildsamen Gästen erklärt,
Oder, wie sonst, wenns andern gefällt, denn alt ist die Sitte,
Und es schauen so oft lächelnd die Götter auf uns,
Möge der Zimmermann vom Gipfel des Daches den Spruch tun,
Wir, so gut es gelang, haben das Unsre getan.

Aber schön ist der Ort, wenn in Feiertagen des Frühlings
Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab
Weiden grünend und Wald und all die grünenden Bäume
Zahllos, blühend weiß, wallen in wiegender Luft,
Aber mit Wölkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock
Dämmert und wächst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.
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Heute abend ab 19 Uhr: „Die erste Seite“.
Wir stellen vier neue Bücher vor.
Laetitia Colombani: Der Zopf (Frankreich)
James Baldwin: Von dieser Welt (USA)
Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende (Deutschland)
Suyaka Murata: Die Ladenhüterin (Japan)

Es liest Ralf Milde.