Dienstag, 2.Januar


Heute haben
Ernst Barlach * 1870
Isaac Asimov * 1920
Ilma Rakusa * 1946
Geburtstag
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Ilma Rakusa

Das Brot ist angebrannt
der Bleistift zittert in der Hand
die Zunge hat den Krampf
die Augen weinen tränenlos
das Herz ist wie ein Kloß
der Kopfschmerz tost
die Schränke stehen leer
das Haus ist still er
kommt nicht mehr
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Unser Tipp für Zwischendurch und lange Abende:


Jacques Zeimet: „Dodelido
ab 8 Jahre, 2 bis 6 Spieler, Dauer ca. 20 Min.
Drei Magier € 13,49

Bei diesem rasanten Kartenspiel muss schnell geschaltet werden! Wer an der Reihe ist, legt seine oberste Handkarte offen auf einen der drei Ablagestapel. Nun ruft er blitzschnell, was in der Mitte zu sehen ist: Tier, Farbe oder Dodelido! Klingt einfacher, als es ist, zumal die langsame Schildkröte und das bissige Krokodil gerne für Abwechslung sorgen!
Dieses Kartenspiel braucht nicht viel Platz und kann locker auch an einem Vierertisch im Zug gespielt werden. Umso schneller die Karten auf den Tisch gelegt werden, umso mehr Fehler passieren und man bekommt alle Karten, die ausgelegt sind. Wer als erstes nichts mehr auf der Hand hat, ist Sieger:in.
Mit Kindern können natürlich auch Hilfevarianten eingebaut werden. Doch Achtung: Unsere alten Gehirne funktionieren oft nicht so schnell und ZACK hat man den Kartenstapel.

Freitag

Heute haben
Ernst Barlach * 1870
und Ulrich Becher * 1910 (auf dessen Buch „Murmeljagd“ wir im Weihnachtsgeschäft so lange warten mussten, da es eine hymnische kleine Notiz in der ZEIT gegeben hat)
Geburtstag.
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Januar
Gedichte
Hrsg.von  Christine Schmidjell und Evelyne Polt-Heinzl
Reclam Verlag € 5,00

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Der Winter hat uns (hier auf der Alb) fest im Griff und an einem freien Tag wie gestern, ist natürlich Schlittenfahren angesagt. Und wenn gegen späten Nachmittag bei der Abfahrt noch der Mond hinter den Bäumen auftaucht, dann kann ich sogar dem kalten Weiss etwas Schönes abgewinnen.
Bei den Reclam-Gedichtbändchen ist es dagegen etwas anderes. Hier kann ich jeden Monat aufs Neue versinken und eintauchen in die interessante Auswahl, die uns die beiden Damen für jeden Monat zusammengestellt haben.
Auch diesmal ist es wieder eine illustre Mischung und wieder ohne Goethe.
Ausländer, Borchers, Brinkmann,Claudius, Domin, Fried, Fuchs, George, bis hin zu Trakl, Tucholsky und Werfel.
Also los gehts. „Bahn frei Kartoffelbrei“, heisst es auf der Piste und hier machen wir das in aller Ruhe und genießen die Texte.

Die Damen beginnen mit der Rubrik „Ins neue Jahr“, lassen dann „Glück und Segen“ folgen, bis es zum „Schneegestöber“ kommt und wir dann wieder „Geborgen daheim“ sind. „Frost“ und „Winter im Land“ lassen diese Anthologie ausklingen.

Eduard Möricke
Zum Neujahr

Mit einem Taschenkalender

An tausend Wünsche, federleicht,
Wird sich kein Gott noch Engel kehren,
Ja, wenn es so viel Flüche wären,
Dem Teufel wären sie zu seicht.
Doch wenn ein Freund in Lieb und Treu
Dem andern den Kalender segnet,
So steht ein guter Geist dabei.
Du denkst an mich, was Liebes dir begegnet,
Ob dir’s auch ohne das beschieden sei.

Achim von Arnim
Neujahr

Altes Jahr, du ruhst in Frieden,
Deine Augen sind geschlossen;
Bist von uns so still geschieden
Hin zu himmlischen Genossen,
Und die neuen Jahre kommen,
Werden auch wie du vergehen,
Bis wir alle aufgenommen
Uns im letzten wiedersehen.
Wenn dies letzte angefangen,
Deutet sich dies Neujahrgrüßen,
Denn erkannt ist dies Verlangen,
Nach dem Wiedersehn und Küssen.

Christian Morgenstern
Winternacht

Flockendichte Winternacht …
Heimkehr von der Schenke …
Stlles Einsamwandern macht,
dass ich deiner denke.

Schau dich fern im dunklen Raum
ruhn in bleichen Linnen …
Leb ich wohl in deinem Traum
ganz geheim tiefinnen? …

Stilles Einsamwandern macht,
dass ich nach dir leide …
Eine weiße Flockennacht
flüstert um uns beide…

Rainer Maria Rilke
Wintermorgen

Der Wasserfall ist eingefroren,
die Dohlen hocken hart am Teich.
Mein schönes Lieb hat rote Ohren
und sinnt auf einen Schelmenstreich.

Die Sonne küßt uns. Traumverloren
schwimmt im Geäst ein Klang in Moll;
und wir gehn fürder, alle Poren
vom Kraftarom des Morgens voll.
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Wie angekündigt, kommt Verena Güntner am Freitag, den 16.1. um 19 Uhr zu uns in die Buchhandlung, um ihr Erstlingswerk „Es bringen“ vorzustellen.

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(Foto: Stefan Klüter)

Verena Güntner, 1978 in Ulm geboren, studierte Schauspiel an der Universität Mozarteum in Salzburg. Vier Jahre lang war sie festes Ensemblemitglied am Bremer Theater, seit 2007 ist sie als freischaffende Schauspielerin regelmäßig auf den Bühnen des Staatstheaters Wiesbaden und des Theaters Bonn zu sehen.
2012 erreichte sei mit einem Auszug aus dem Roman Es bringen die Finalrunde beim OpenMike in Berlin, 2013 machte sie den dritten Platz beim MDR-Literaturpreis und im selben Jahr gewann sie im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs den renommierten Kelag-Preis. Verena Güntner lebt in Berlin, „Es bringen“ ist ihr erster Roman.

Es bringen

„Es bringen“
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 18,99
als eBook € 16,99

Luis ist sechzehn und kein schmächtiger Zauderer, kein pickliger Pubertierender: Er ist ein Bringer. Er ist der Trainer und er ist die Mannschaft, das ist sein Motto, und er trainiert jeden Tag. Gerade erst hat er die Höhenangst besiegt, nach jahrelangem Üben auf dem Balkon der Siedlungswohnung, in der er mit seiner Mutter wohnt – 15. Stock, nichts für Anfänger.
Trainer und Mannschaft sein, zieht sich durch das Buch. Es ist der Gruppenzwang, die große Klappe und die Angst, durchzufallen. Es sind die Riten, nach denen bestimmte Dinge durchgezogen werden müssen, da sie sonst nicht(s) gelten. Und das gilt nicht nur beim Trinken, oder eher Saufen.
Bei den Girls gibt’s nichts mehr zu trainieren, bei den Fickwetten, die er mit den Jungs seiner Gang abschließt, gewinnt er fast immer. Nur mit Jenny vögelt er am liebsten privat, sie ist eine von den Guten. Manchmal besucht er Nutella, das Pony vom alten Autoschrauber Jablonski, aber heimlich. Das beste Mädchen allerdings ist Luis‘ Mutter, Ma, sie ist die Frau aller Frauen und hat die gleiche Zahnlücke wie er. Und dann ist da noch Milan, Luis‘ bester Freund, der ist der Chef der Gang und hat immer das letzte Wort, wenn’s um Aktionen geht. Für Milan würde Luis fast alles machen.
Verena Güntner erzählt diese Geschichtesehr direkt, offen, schonungslos, jedoch immer in einem leichten, heiteren Ton. Sie zeigt uns den Weg ins Erwachsenwerden und vielleicht noch viel wichtiger: Das Überwinden von Ängsten.

In den nächsten Tagen werde ich hier kleine Textausschnitte veröffentlichen, damit Sie sich einen kleinen Eindruck von diesem Text machen können.

„Es ist ganz einfach. Du brauchst einen Plan. Wenn du keinen Plan hast, geht alles den Bach runter. Das habe ich gerlent. Und wenn ich mal was gelernt habe, verlern ich es auch nicht wieder, ich bin ja nicht blöd. Wenn du nicht dumm sterben willst, musst du dir Sachen genau anschauen, sie üben, und zwar: bist du sie kannst.“

Donnerstag

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„Its a new dawn, its a new day, its a new life for me
And I’m feelin good“, singt Nina Simone und ich wünsche Ihnen mit diesen Zeilen einen guten Start ins neue Jahr.
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Heute haben
Ernst Barlach * 1870
und Ulrich Becher * 1910
Geburtstag
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Take This Waltz
Regie: Sarah Polley
DVD € 15,99

O Mann, was für ein starker Film, obwohl er mit vielen Brüchen arbeitet und die verschiedensten Bildmittel benutzt und zwischen den Zeiten hüpft und mich immer wieder stolpern lässt, war es ein wirklicher Filmgenuss.
Margo und Lou sind seit fünf Jahren verheiratet leben in Toronto in einem schnuckeligen Viertel in kleinen bunten Holzhäuschen mit einer Veranda vorne dran. Es ist Hochsommer. Immer. Den ganzen Film durch, obwohl er sich über einige Monate hinzieht. Die Ventilatoren schnurren und Margo hat immer eine Schweissschicht auf dem Gesicht.
Die beiden liegen im Bett und sagen sich auf die verschiedensten Arten (sehr skurill), dass sie sich lieben, aber irgendwie hat man da schon das Gefühl, dass es sich vielleicht nur um Worthülsen handeln könnte, obwohl zwischen ihnen ein sehr große Nähe besteht. Sie schreibt für Zeitungen, er will sein erstes Kochbuch veröffentlichen (nur Hühnerrezepte). Er ist typisch Mann, will nicht viel reden und hält alles für in Ordnung, so wie es ist. Margo jedoch hat einen melancholischen Einschlag und hinterfragt sehr viel, hauptsächlich, ob das alles ist. Hat Lou festen Boden unter den Füßen, so springt Margo von hier nach dort, also ob sie über Löcher hüpfen möchte. Lou hat eine Schwester mit Mann und Kind, die seit einem Jahr trocken ist und deshalb eine große Fete feiert. Sie ist Margos beste Freundin und sie tauschen sich oft aus. Aber sie steht ja auch nicht ganz sicher mit beiden Beinen im Alltag. In diese Situation trifft Margo einen jungen Mann im Flugzeug. Ein Gegenbeispeiel zu Lou. Daniel ist smart, schlank, wortgewandt und in der Flugzeugszene auch das Gegenteil zu Margo, die mehr als verunsichert ist, so dass wir Zuschauer, wirklich nicht wissen, woran wir mit ihr sind. Als sich herausstellt, das sie auch noch direkte Nachbarn sind, ahnt man schon, wo das passieren könnte. Zuerst ist Funkstille, aber der Hochsommer spiegelt halt auch die Gefühlswelt wieder und so kommen sie sich näher, treffen sich am Strand, in einer Bar (herrliche Szene mit einem verbalen Geschlechtsakt) und Margo, die schon lange in Daniel verknallt ist und immer wieder die Notbremse gezogen hat, kann nicht mehr anders. Als sie Lou dies mitteilt, bricht für beide eine Welt zusammen, wobei es für Margo schnell bergauf geht, da sie mit Daniel zusammenzieht und das Leben in den schillerndsten Farben neu zu ihr kommt.“Take This Waltz“ singt hier Leonard Cohen, während sie ihn auch geimensam tanzen. Aber auch das schönste Paradies nützt sich ab.
Eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau und zwei Männern, wie ich sie noch nie gesehen haben. Eigentlich haben sie alles, was sie brauchen und es passiert etwas, das nicht berechenbar ist.
Dank der Finanzkrise in den USA wurde diese Schauspieler frei und Sarah Polley konnte sie für ihren kanadischen Indepentfilm gewinnen. Sehr gut. Ein Glück für uns Zuschauer. Und: ich habe mich auch verliebt … in diesen Film.

Trailer deutsch

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=AZv5ikGqSnw]

Trailer englisch

http://www.youtube.com/watch?v=xUQTNY5yaVk

Donnerstag

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Heute haben
Dorothea Schlegel * 1764
August von Platen * 1796
Geburtstag
Ernst Barlach ist heute im Jahre 1938 gestorben und würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was sein Enkel so treibt.
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Ein etwas andere Meldung, die mich an den Kopf fassen lässt:
Monsanto erhält den Welternährungspreis, der mit 250.000 Dollar dotiert ist.
Da sorgt eine Genfirma für noch mehr Hunger auf der Welt und da so etwas.
Unvorstellbar.
Mehr dazu auf Hintergrund.de.
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Wussten Sie, dass es eine Stadt namens Hotzenplotz gibt?
Dass daher wohl auch der Räuber Hotzenplotz stammt?
Das heutige Osoblaha liegt in Tschechien im äußersten nordöstlichen Zipfel und ist natürlich genau die Ecke, in der sich Otfried Preußler sehr gut auskannte. In der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Dienstag gab es einen langen Bericht über Preußler, seine Vergangenheit, seine Wurzeln, und dass nach seinem Tod ein Bericht über seine russische Gefangenschaft erscheinen soll. So hat er es zumindest verfügt.
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Erri De Luca:Fische schließen nie die Augen
Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki
Graf Verlag € 16,99

Erri De Luca wurde 1950 in Neapel geboren, arbeitete lange in Rom, wo er sich im Selbststudium mehrere Sprache beibrachte. In Italien ist er, mit seinen über 30 Romanen, Essays und Übersetzungen, der meistgelesenste Autor. Hier sind im kleinen, aber feinen Graf Verlag schon drei schmale Romane erschienen. Dies ist also sein viertes Buch. Wieder ist es nicht sehr umfangreich. Seine 160 Seiten sind großzügig gedruckt und schnell weggefressen.
Es ist ein Sommer vor fünfzig Jahren, auf einer Insel im Golf von Neapel. Der zehnjährige Erri verbringt mit seiner Mutter die Sommerferien am Strand. Sein Vater versucht sein Glück in den USA, das er dort auch findet. Aber als seine Mutter nicht mit will, kehrt er  zurück nach Italien. Diese Wochen ohne ihn am Meer beinhalten große Veränderungen für den ruhigen, schüchternen Jungen, der nicht mehr in den Kinderkörper passt und dessen Gedanken und Gefühle schon viel weiter ausholen. Er trifft ein Mädchen aus dem Norden, das auch unter dem Sonnenschirm liegt und liest. Mit dieser Freundschaft ist auch der erste Kuss verbunden und ein eskalierender Streit mit drei älteren Jungs, die ihn drangsalieren, ihm nachstellen und von denen er sich krankenhausreif prügeln lässt.
Erri De Luca schafft es hier sehr Persönliches zu veröffentlichen – in einem Mix von neugierigem Jungen und zurückblickendem Alten. Alles ist sehr fein und liebenswert erzählt. Es kommt einem fast wie im Traum vor, wenn wir uns mit dem Jungen aufs Meer hinausschwimmen.
Ein ruhiges Erinnerungsbuch an einen heissen Sommer, an die erste Liebe, an das Italien der 50er Jahre.

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