Freitag, 15.Juli


Heute haben
Walter Benjamin * 1892
Iris Murdoch * 1930
Jacques Derrida * 1930
Doris Runge * 1943
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Wohin wir gehen

Aufbrechen
Immer wieder
Blassgrün
Orientierung suchen
Ausgreifen
Kraft schöpfen
Baumstark eingreifen
Hinübergreifen
Im Wechselspiel
Gen Himmel
Sternenwärts
Stürzen
Innehalten
Begegnen
Begreifen vielleicht
Mit allen Wunden
Mit allen Widrigkeiten
Werdendes Grün
Beschützen
Vor dem Loslassen
Vor dem Fallen
In die Hände der Mutter
In Vaters Geist
Nach Hause
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Unser Taschenbuchtipp:


Ling Ma: „New York Ghost
Das amerikanische Original: Severance € 18,90
Aus dem Amerikanischen von Zoë Beck
Unionsverlag € 15,00

Siegerbuch beim Hotlist-Wettbewerb 2021.
Somit das Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen.

Ausgezeichnet mit dem Whiting Award * Young Lions Fiction Award * Kirkus Prize * Cabell First Novelist Award * Friends of American Writers Prize * Auf der Shortlist des PEN Award for Debut Novel.

Candace Chen lebt und arbeitet in New York City. Ihre Eltern sind dortin ausgewandert und haben sie später nachgeholt. Ihren Unterhalt verdient sie mit der Organisation von speziellen Bibelausgaben, die wiederum in China hergestellt werden. Durch die Globalisierung (u.a. auch der Vertrieb dieser Bibeln) bricht ein tödlicher Pilzsporenvirus aus und infiziert Menschen rund um den Erdball. New York wird immer leerer. Candance zieht los und fotografiert für ihren anonymen Blog „NY Ghost“ die menschenleere Stadt und flieht letztendlich mit einer Gruppe Überlebender an einen „sicheren“ Ort.
Das, in Kürze die Handlung des 2018 erschienen Romans, bei der sich die Zeitebenen abwechseln.
Ling Ma ist ein kleines, großes Kunstwerk gelungen. Sie hat einen Migrationsroman, einen über junge Menschen in New York, eine Kritik an unserem perversen Konsumverhalten, ein Roadmovie mit Zombieeinlagen, einen über eine Pandemie geschrieben und dies noch zusätzlich verknüpft mit einer Hommage an das Zwischenmenschliche, ohne das ein Überleben nicht möglich ist. Und dies alles ist so schnell, frech, bitter, böse und liebenswert erzählt.
Kein Wunder also, dass der Roman so viele Ehrungen erhalten hat und jetzt auch in Deutschland ausgezeichnet worden ist.

Ling Ma wurde in China geboren, wuchs in den USA auf und lebt in Chicago. Ihr Debütroman »New York Ghost« (Severance, 2018) gewann zahlreiche Preise (u. a. den mit 50.000 Dollar dotierten Whiting Award, den Young Lions Fiction Award und den Kirkus Prize), stand auf der Shortlist des PEN/Hemingway Award for Debut Novel und auf diversen Bestenlisten.
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Hardy on Tour
Tag 49

78 km von Faversham über Canterbury nach Kingsdown

Der Abstecher nach Canterbury hat sich, was die Felge anbelangt, nicht gelohnt. Weiterhelfen konnte mir da niemand. Ausgebucht, kein Monteur, Corona Aber da das Hinterrad trotz fehlender Speiche recht rund lief, hat mich das nicht allzusehr bekümmert und ich hab mir ein bisschen die Stadt angeschaut und gemütlich Kaffeepause dort gemacht.
Bei bestem Radelwetter strampelte ich dann weiter zur Küste. Ich wollte ja einfach an meinem letzten Tag auf der Insel nochmal ausgiebig das Meer erleben und das hab ich dann auch einfach gemacht. War schwimmen in Sandwich Bay und am Strand von Kingsdown.
Das Wasser hat mittlerweile eine fast angenehme Temperatur und man kann es eine gute Weile drin richtig genießen und in den sanften Wellen sich treiben lassen. Nur immer auf die Unterströmung achten, man wird doch gleich ein gutes Stück abgetrieben. Alles also perfekt. Nun ja, die Speichen sorgen nach wie vor dafür, daß ich nicht ganz so unbekümmert durch den Tag komme. Kurz vorm Campingplatz ist die nächste (Nr.10 inzwischen) krachend gebrochen und seither hat das Hinterrad einen mächtigen Schlag. Ich selber kann nix mehr reparieren, da mir das passende Werkzeug fehlt, um den Zahnkranz abzuziehen. So hoffe ich nun einfach die 15 km morgen früh bis zur Fähre vollends zu schaffen, um dann in Dünkirchen, wo es einige Radläden gibt, mein Glück zu versuchen. Bleibe einfach mal optimistisch, auch die letzten bleibenden gut 1000 km radelnd zurücklegen zu dürfen.

Donnerstag, 7.Juli

Heute haben
Ludwig Ganghofer * 1855
Lion Feuchtwanger * 1893
Reinhard Baumgart * 1929
Jan Assmann * 1938
Zoe Heller * 1965
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Anne Maag
Tagesanfang

Ich will die Welt versäumen,
will in den Himmel träumen . . .
Vergessen, was es Schweres gab.
In Morgenlichteswonne,
erweckt vom Glanz der Sonne
beginnt ein neuer Tag.
Allüberall ein Klingen
von lichten Wunderdingen
in Zeit und Ewigkeit.
Mein Herz singt leise, leise
die alte liebe Weise
von Glück und Seligkeit.
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Ein aktuelles Buch zur Klimakatastrophe:


3 Grad mehr
Ein Blick in die drohende Heißzeit und wie uns die Natur helfen kann, sie zu verhindern
Hrsg. Klaus Wiegandt
Mit Illustrationen von Ester Gonstalla
oekom Verlag € 25,00

Auf dem Klimagipfel in Paris wurde 2015 eine Erderwärmung von höchstens 1,5 Grad Erderwärmung als Ziel formuliert. Viel passiert ist bisher nicht. Vor kurzem habe ich gelesen, dass es sehr einfach ist, Ziele zu formulieren. denn bei Nichterreichen eines Zieles, kann ich ja ein neues festsetzen. Prima.
So auch hier. Der Ausstoß von CO2 ist weiter gewachsen. Die Forschung geht längst davon aus, dass wir auf eine 3 Grad wärmere Welt zusteuern. 
In diesem Buch versammeln sich Größen der Wissenschaft von Hans J. Schellnhuber über Stephan Rahmstorf bis Jutta Allmendinger, die aus den verschiedenen Bereichen darstellen, was Natur und Gesellschaft droht, wenn es so weit kommt. So erhält auch die Tierwelt ein eigenes Kapitel, in dem u.a. steht, dass die Population von Staren massiv zurückgeht und auch Spatzen (wer hätte das gedacht) werden immer weniger.
Das Buch ist jedoch nicht nur ein Fingerzeig auf alamierende Zukunftsvisionen, sondern zeigt auch, was wir machen können, um das Schlimmste zu verhindern.
So zum Beispiel, indem wir die Abholzung der Regenwälder stoppen, die Aufforstung massiv vorantreiben, die trockengelegten Moore wiedervernässen und die Humuspools der Böden wieder auffüllen. 
Wieviel solcher hochinformativer Bücher braucht es denn noch, bis wir endlich umdenken?

Leseprobe
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tagesschau.de meldete in den letzten Tagen:

Überschwemmungen in Australien
Wasser, Schlamm und neue Flutwarnungen

Heftige Regenfälle sorgen in New South Wales seit Tagen für heftige Überschwemmungen. Tausende weitere Menschen sind auf der Flucht: Für 85.000 Menschen gab es bislang Evakuierungsanordnungen und -warnungen.
Überschwemmungen an der Ostküste Australiens haben Tausende weitere Menschen in die Flucht getrieben. Die Behörden des Bundesstaates New South Wales gaben neue Flutwarnungen heraus, die Gebiete nördlich von Sydney betrafen. Auch in der Millionenmetropole selbst stellten Hochwasser führende Flüsse weiterhin eine Gefahr dar. „Dieses Ereignis ist noch lange nicht vorbei“, hob der Premierminister von New South Wales, Dominic Perrottet, hervor. …

Extremwetter in China
Rekordhitze und Überschwemmungen

Einerseits über 40 Grad Celsius, andererseits heftige Regenfälle und Überschwemmungen: China hatte im Juni mit extremem Wetter zu kämpfen. Entspannung ist nicht in Sicht.
China erlebt derzeit extremes Wetter. Von den schneebeckten Gipfeln in Tibet bis zur tropischen Insel Hainan erreichten die Temperaturen Rekordwerte – zugleich fiel im Juni in einigen Regionen so viel Regen wie noch nie.
Laut Wetterbehörde betrug die landesweite Durchschnittstemperatur im Juni 21,3 Grad. Damit war sie 0,9 Grad höher als im Vorjahreszeitraum. Der Juni war damit der wärmste seit 1961. Eine Veränderung der Wetterlage ist nach Angaben der Experten nicht in Sicht. In weiten Teilen des Landes werden für den gesamten Juli höhere Temperaturen und mehr Niederschläge als üblich vorhergesagt. …

Messner im tagesthemen-Interview
„Haben den Kontakt zur Natur verloren“

Der Gletscherbruch war laut Bergsteiger Messner schwer vorauszusehen. Im tagesthemen-Interview sagte er aber auch, die Klimakrise mache sich vor allem in den Bergen bemerkbar – dort sei es gefährlicher als früher.
Nach der tödlichen Gletscherlawine in den Dolomiten hat Bergsteiger Reinhold Messner die Menschheit für den Umgang mit der Natur kritisiert. „Wir alle haben weniger Bezug zur Natur als Generationen vor uns“, sagte Messner im Interview mit den tagesthemen. „Das ist das große Problem.“ Der Mensch habe die Welt aufgeheizt und müsse nun mit den Konsequenzen leben. „Wir haben keine Chance, das aufzuhalten.“ …

Wasserknappheit
Dürrenotstand in Norditalien ausgerufen

In Norditalien herrscht die schwerste Dürre seit 70 Jahren, in Rom brach ein Großbrand aus. Die Regierung hat für mehrere Gebiete den Notstand ausgerufen. Auch Spanien und Portugal leiden unter extremer Trockenheit.
Die italienische Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi hat angesichts der Dürre im Norden des Landes den Notstand in fünf Regionen ausgerufen. Damit können die Behörden unter Umgehung der üblichen Vorschriften Sofortmaßnahmen anordnen wie eine Rationierung von Wasser.
Wie die Regierung nach einer Kabinettssitzung mitteilte, gilt der Ausnahmezustand in den Regionen Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien, Lombardei, Piemont und Venetien bis zum Ende des Jahres. Betroffen sind Gebiete um den Fluss Po, eine Region, in der etwa ein Drittel der Agrarproduktion in Italien ihren Ursprung hat. Dort herrscht die schwerste Dürre seit 70 Jahren.
Die Wasserspiegel des Lago Maggiore und des Gardasees liegen deutlich tiefer als sonst für diese Jahreszeit üblich. Auch der Tiber, der durch Rom fließt, führt Niedrigwasser. …

Baumschule unter Wasser
„Die letzte Chance, um Korallen zu retten“

Der Klimawandel bedroht die Korallenriffe im Indischen Ozean. Vor den Seychellen züchten Forscher daher Korallengärten im Meer, um die Riffe widerstandsfähiger zu machen. Doch das ist ziemlich aufwändig.
Taucher lassen sich rückwärts von der Bordwand gleiten. Ihr Boot hat im Indischen Ozean vor den Seychellen festgemacht. Tief im Wasser wartet hier Arbeit auf die kleine Gruppe. Sie sind Riffretter und wollen Korallen wieder aufforsten. „Wir arbeiten mit sogenannten Superkorallen“, sagt Luca Saponari, einer der Taucher. „Diese Korallen haben in den vergangenen Jahren überlebt, auch wenn andere abgestorben sind. Sie sind stark und widerstandsfähig. So soll sich das Riff erholen.“
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Hardy on Tour

Tag 41
153 km von Market Rasen über Holbeach nach Huntington

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, daß ich gerne Fahrrad fahre ?
Und auch sehr gerne mit „Brombtrack“, mit dem ich jetzt auf Tour bin.
Ich fühl mich wohl auf dem Fahrrad und steige jeden Morgen gerne wieder au, auch wenn es mir ein paar Probleme und Sorgen gemacht hat. Das wollte ich einfach auch mal sagen.
Heut gibt es nicht viel zu berichten. Es war einfach ein normaler Tag auf dem Rad. Die Etappe war  komplett flach und führte eher langweilig durch ländliches Gebiet und durch kleinere, angenehme Städte. Also auch mit der Orientierung gab es da keinerlei Probleme. Mittlerweile sieht man kaum noch Schafe und Kühe. Hier im Südosten Englands steht eindeutig der Ackerbau (Getreide, Raps, Kartoffeln, Rüben) im Vordergrund und auch an Gemüsefeldern bin ich vorbeigekommen.
Ich kurbelte die Kilometer runter. Den Wind hatte ich aus allen Richtungen, da ich mittags einen Richtungswechsel machen musste und aus dem Seitrücken- mehr so ein Seitgegenwind wurde. Aber alles im Rahmen.
Heute hat die EM in Manchester mit dem Eröffnungsspiel der Engländerinnen gegen die Österreicherinnen begonnen. Am Freitag sind dann wir dran. Die Stadien sind ordentlich gefüllt mit Fans. Ich glaube, wir dürfen uns auf eine tolle Europameisterschaft freuen. Und ich habe noch eine Tagesetappe bis zum Stadion in Brentford.

Mittwoch, 6.Juli

Heute haben
Emil Barth * 1900
Unica Zürn * 1916
Bernhard Schlink * 1944
Bodo Kirchhoff * 1948
Hilary Mantel * 1952
Geburtstag
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Freiheit von der Hoffnung ist die vollkommene Freiheit
Unica Zürn
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Unser Kinderbuchtipp:


Monica Brown (Text) / John Parra (Illustrationen):
Frida Kahlo und ihre Tiere

NordSüd Verlag € 15,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Auf Frida Kahlos Selbstbildnissen sind oft Tiere zu sehen. Dass das alles ihre Haustiere waren, habe ich erst durch dieses Bilderbuch erfahren. Sie waren wie ihre Kinder. Sie waren ihre Freunde, ihre Inspiration und treuen Begleiter im, von Krankheiten geplagten, Leben der Künstlerin.
Monica Brown erzählt feinfühlig und spannend über dieses gemeinsame Leben, stellt auf jeder Doppelseite eines dieser Tiere vor, und zusammen mit den klaren, farbenfrohen und doch verspielten Illustrationen von John Parra, der mit dem SCBWI Golden Kite Award ausgezeichnet wurde, entstand so ein weiteres kleines Meisterwerk, nicht von, sondern über Frida Kahlo.
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Hardy on Tour
Tag 40

130 km von Cayton über Hornsea und Kingston Upon Hull nach Market Rasen

Einfach nur ein Tag auf der Straße mit ein paar kleinen Aufregungen.
Die Beine schwer und die Muskeln noch übersäuert von den unerhört steilen Rampen gestern und auch am Fahrrad hat die Wuchterei bergauf Spuren hinterlassen. Das Tretlager hat etwas Spiel und wackelt leicht und ich war froh daß in Hornsea beim Bikeshop mit dem richtigen Werkzeug das unproblematisch behoben werden konnte.
Einen weiterern Schreckmoment hab ich, mit einem zugleich abrupten wie eklatant falschen Schaltvorgang selbst verursacht, als ich vom großen auf den kleinen Zahnkranz schaltete und dabei die Kette verkeilte, weil zu schräg laufend und so der vordere Umwerfer verbogen wurde und er am Hinterreifen streifte. Ein echt dummer Fehler, den ich glücklicherweise selbst dann wieder ausbügeln, also reparieren konnte.
Die nächste Dusseligkeit war, daß ich die Route falsch abgespeichert hatte. Eigentlich hätte ich Hull auch größtenteils umfahren können und dann wäre mir meine Irrfahrt (und die 20 km Holperstrecke davor) durch die komplette Stadt erspart geblieben. So aber musste ich nun irgendwie selbst den Weg zur riesigen Brücke über den Fluß Amber finden und landete schlussendes da, wo Fahrräder eigentlich gar nix verloren haben und buhlte mit den verdadderten LKW’s um die linke Fahrbahn und bekam einen mächtigen Adrenalinschu, bis mich -GottseiDank- die nächste Ausfahrt und Mc Donalds gerettet haben, weil ich dort dann den fahrradgeeigneten Weg ins Navi eingeben konnte und schliesslich auch ganz easy fand und erstaunt feststellen durfte, daß es im Grunde doch ganz leicht war. Nun ja, das Thema mit meiner Orientierungsgabe hatten wir ja schon öfter. Zielführend mit allerlei Umwegen.
Die letzten knapp 40 km bis Market Rasen verliefen dann ohne große Vorkommnisse, worüber ich nicht böse war.
Jetzt noch 2 Tagesetappen und ein bisschen bis zum Stadion in Brentford. Ich hoffe mein Rad hält durch. Diese 20 unnötigen Kilometer auf dem sehr sehr holprigen Fahrradweg haben ihm jedenfalls sichtlich und spürbar nicht gut getan. Ist aber schon auch immens, was so ein Fahrrad an Stößen und Holperern und Schlaglöchern und Bordsteinen und Geschwindigkeitsbrechern und und und wegstecken muß. Das mach ihm erst mal jemand nach.

Dienstag, 5.Juli

Heute haben
Felix Timmermans * 1886
Jean Cocteau * 1889
Barbara Frischmuth * 1941
Josef Haslinger * 1955
Geburtstag
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Winfreid Hermann Bauer
Die Rose


Dornenbewehrt
Streckt sich der Spross
Der Welt entgegen
Er füllt die Knospe
Bis ihre Hülle im Morgentau
Reißt
Und sich die samtrote Blüte
Zitternd
Einem frisch geschlüpften Schmetterling gleich
Zur Sonne hin
entfaltet
Was für ein Duft…
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Unser Musiktipp:


Regener Pappick Busch: „Things To Come
Universal CD € 19,99

Mit ihrem Debüt „Ask Me Now“ und einem Trio namens Regener Pappik Busch ist den drei Musikern Sven Regener an der Trompete, Richard Pappik am Schlagzeug und Ekki Busch am Piano eine schöne Überraschung gelungen. Bekannt sind die Herren ja als Mitglieder von Element Of Crime. Jetzt haben sie nachgelegt. Und wie.
Mit „Things To Come“ sind sie an die Spitze der deutschen Jazz-Charts geklettert.
Wieder haben sie alte Jazz-Klassiker, Standars, Ohrwürmer aufgenommen und in ihrer eigenen Art interpretiert. In ihrer sehr persönlichen Art gelingen ihnen immer wieder Überraschungen mit Stücken von Thelonius Monk, John Coltrane, Charlie Parker, Miles Davis, Ornette Coleman und anderen.
Was das Schöne dabei ist: Die CD ist sowas von locker hörenswert, so dass sie auch zu einem lauen Sommerabend passt.

„Das gute an dem Konzept ist ja, dass wir Stücke spielen, die andere geschrieben haben, die vielleicht auch schon tausende Mal aufgenommen wurden… aber wir spielen sie mit unserem Sound, auf unsere Art, mit unseren Mitteln. Wir improvisieren dazu auf unsere Art, wir fügen unseren Weg hinzu. Das ist ein sehr interessanter Ansatz. Im Grunde genommen so was wie ›James Last‹, nur ganz anders. Wir sind ein sehr rustikales Trio. Trios haben die Eigenschaft, sehr direkt zu sein. Man hört alle drei Instrumente sehr laut. Niemand kann sich hinter etwas anderem verstecken. Das macht auch die Plattenaufnahmen so interessant, denn man kann nichts kaschieren, und wir stehen auch drauf, Ecken und Kanten in der Musik drin zu behalten. Uns geht es darum, eine sehr direkte, fast grobe Form von Jazz-Musik zu machen, die direkt aufs Herz und auf die Ohren zielt“, so Sven Regener. „Das ist unsere Art. Eigentlich ein sehr punkiger Ansatz“.

p.s. Element of Crime spielt demnächst im Ulmer Roxy.

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Hardy on Tour
Tag 39


88 km von Kildale über Grosmont und Scarborough nach Cayton

Da sitz ich nun ziemlich müde mit einem Bierchen an der Steilküste in der herrlichen Abendsonne,  lausche den brechenden Wellen und bewundere einfach diesen grandiosen Ausblick über die Bucht.
Eigentlich wollte ich ja nochmal ins Wasser und baden,  deshalb der Entschluß nicht mehr weiter zu radeln und heute Rast beim Campingplatz zu machen, aber nach der heißen Dusche vorhin ist mir jetzt doch nicht mehr danach.
Das war heut nochmal ein ganz besonderer Radtag durch den North York Moors Nationalpark. Zum einen der besonderen Heidelandschaft wegen und zum anderen wegen diesen unfassbar steilen Anstiegen und Abfahrten. So spektakulär hatte ich das jetzt auch noch nie. Bergab schieben bei 33 % Gefälle weil die Bremsen am glühen waren und ich Muffensausen hatte. Wobei schieben da auch anstrengend und gar nicht so einfach ist, mit einem so vollgepackten Drahtesel.
Es ist ja alles bekanntlich relativ. Z.B. würde ich normalerweise schwer schlucken bei einem Anstieg von 17 %, wenn du aber die ganze Zeit welche zwischen 20 – 25 %  hast, dann denkst du, wenn auf dem Straßenschild 17 %  steht: „ah, das geht ja noch“. Verrückte Sache.
Aber es war okay so durch diese charaktervolle Landschaft zu radeln. In der Ferne leuchtete es bisweilen lila vom blühenden Heidekraut. Immer wieder kommt man durch nette kleine Orte wie Danby oder Grosmont (mit dem historischen Bahnhof); trifft auf gelangweilte Schafe am Wegesrand und freut sich, daß der Wind heut ein wenig schieben hilft. Nur vom Hafen von Scarborough war ich dann enttäuscht. Das ist ein richtiger Rummelplatz und hat wenig Charme, wie ich finde.
Es sind jetzt noch 3 Tagesetappen von hier bis Brentford. Es müsste also ne Punktlandung geben zum 1.Spiel gegen Dänemark am Freitag.

Sonntag, 3.Juli


Das wird heute ein gemütlicher Lesesonntag.
Im Gegensatz zu Hartmut, den wir durch England Richtung Süden radeln lassen.
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Hardy on Tour


Tag 37
126 km von Belford über Amble und Blyth nach South Shields

Heute habe ich mich mit dem englischen Nordseeküstenradweg versöhnt und wir vertragen uns wieder und ich werde nicht jammern und meckern über ihn.
Richtig klasse war das, was ich heut geboten bekam. Ein Tag am Meer sozusagen, weil die Route auf gut radelbaren Wegen, ganz nah an der Küste entlangführte. Dazu die Schloßruine in Warkworth und gleich am Morgen die riesige Burgfestung in Bamburgh.
Gebadet hab ich in der Druridge Bay an dem herrlich weiten Sandstrand und das war sehr erfrischend.
Am Abend wollte ich unbedingt noch die Fähre von Nord- rüber nach Southshields kriegen, weil am Sonntag die Erste erst gegen 11:00 Uhr fährt und ich nicht recht wusste, ob ich mit dem Fahrrad alternativ durch den Tunnel, der unter dem Fluß Tyne hindurchführt, fahren darf. Da musste ich dann noch bisschen stramm in die Pedale steigen und so hat es dann auch gereicht. Bezahlen musste ich die Überfahrt übrigens nicht;. Das haben zwei Brüder übernommen, die ich an der Fähre getroffen hab und mit denen ich etwas ins Plaudern kam. Danke !!!
Jetzt weiß ich auch, dass es extra einen Tunnel für Radfahrer und Fußgänger gibt. 12 m unterm Fluß und 270 m lang, eröffnet bereits 1951 und man kommt mit einem Aufzug dorthin. Sachen gibt’s.

Samstag, 2.Juli


Heute haben
Friedrich Gottlieb Klopstock * 1724
Hermann Hesse * 1877
H.G.Adler * 1910
Josef Guggenmoos * 1922
Wisława Szymborska * 1923
Jürg Amann * 1947
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Winfried Hermann Bauer
Blood, Sweat and Tears

Angeschlagen
Stehen Mannsbilder
Im Regen
Ihre Tränen
Mischen sich
Mit dem Schweiß
Aus versteckten Eiskellern
Mit dem Dreck aus Dachstuben
Und verlorenen Stellungen
Klar
Spiegelt sich nur der Mond in den
Schützengräben
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Die Stadtbibliothek besitzt zwei Originale des Buches aus dem 16.Jahrhundert.
Bei uns gibt es einen Reprint dieser Ausgabe.


Leonhart Fuchs. Das New Kreüterbuch
Hrsg. Werner Dressendörfer, Klaus Dobat
Taschen Verlag € 125,00

Leonhart Fuchs (1501-1566) übernahm, nach Studium in Erfurt und Ingolstadt sowie Tätigkeiten in München, Ansbach und Ingolstadt, am 14. August 1535 den Lehrstuhl für Medizin an der Universität Tübingen. 1542 brachte er ein Kräuterbuch in lateinischer Sprache unter dem Titel: De Historia stirpium commentarii insignes … heraus.

Eines der Exemplare stammt aus der Privatbibliothek von Leonhart Fuchs, worauf der handschriftliche Eintrag „Ex Bibliotheca Leonharti Fuchsij“ hinweist. Der Band enthält über 500 handkolorierte Holzschnitte. Vermutlich kam das Buch durch seinen Sohn Friedrich Fuchs (1532-1604), der in Ulm als Stadtarzt beschäftigt war, in die Ulmer Stadtbibliothek.

Die Stadtbibliothek Ulm bewahrt zwei Exemplare dieses Druckes auf. Das unter der Signatur 19 257 4° aufbewahrte Exemplar der Stadtbibliothek Ulm stellt unter allen übrigen Exemplaren desselben Drucks eine einzigartige Besonderheit dar: Es stammt aus der Privatbibliothek von Leonhart Fuchs. Ein handschriftlicher Eintrag weist darauf hin: „Ex Bibliotheca Leonharti Fuchsij“. Der Band enthält über 500 handkolorierte Holzschnitte, die noch in unserer Gegenwart regelmäßig publizistisch, sowohl für wissenschaftliche wie für populäre Zwecke gefragt werden. Dass Fuchs selbst diese Kolorierung beauftragt und wohl auch ihre Durchführung beaufsichtigt hat, zeichnet die Qualität dieses Ulmer Exemplars aus. Vermutlich kam es durch seinen Sohn Friedrich Fuchs (1532-1604), der in Ulm als Stadtarzt beschäftigt war, in die Ulmer Stadtbibliothek.

Der Band wurde im Juli 1995 im Rahmen der von der Bibliotheksgesellschaft Ulm ins Leben gerufenen Aktion „Adopt a book“ restauriert. Patin dieser Maßnahme war Frau Dr. Rosemarie Wildermuth.

2001 brachte der Taschen-Verlag in Köln einen Nachdruck dieses Exemplars heraus, der inzwischen vergriffen ist. Im selben Jahr brachte das Bundespostministerium anlässlich des 500. Geburtstages Leonhard Fuchs‘ eine Sondermarke „Von Indianischem Pfeffer“ heraus, die die Abbildung Nr. CCCCXVIII auf Seite 727 zeigt.
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Hardy on Tour


Tag 36
96 km von Newton St. Boswells über Kelso und Berwick upon Tweed nach Belford

Der erste Regentag. Den ganzen Tag über war es heut mal mehr mal weniger naß und dementsprechend war auch die Radlerei nicht so erquickend.
Ich machte laaaange Pause in Berwick und versuchte eine passende Unterkunft für Brentford über’s Handy zu finden. Noch nicht erfolgreich, aber zumindest denke ich, daß es klappen wird, was bezahlbares zu finden.
Am Morgen in Keslo das ehemalige Kloster angeschaut. In der Umgebung gibt es drei weitere davon und sie waren wohl recht richtungsweisend, was die schottische Kirchengeschichte anbelangt. Heute führt ein Radrundweg zu allen Klosteranlagen und die werden sehr gepflegt. Dasselbe gilt natürlich auch für die unzähligen Schlösser. Unglaublich wieviel historische Gemäuer es hier zu begutachten gäbe.
Doch den Radler zieht es ja weiter. Mittlerweile bin ich wieder in England gelandet und dies, ohne es zu bemerken. Schottland wird mir in sehr sehr guter Erinnerung bleiben und ich kann den schottischen Teil vom Nordseeküstenradweg definitiv empfehlen.
Der englische Abschnitt empfing mich erstmal mit Frusterlebnissen. Die ersten Kilometer von Berwick aus waren eine mittlere  Katastrophe. Erst ein holpriger grober Schotterweg, dann ein matschiger Weg durch die Kuhweide voller Kuhfladen und schließlich ein schlechterer Wanderpfad voller Rillen und Pfützen. Wer um aller Welt deklariert sowas als Fernradweg ??? Unbegreiflich, so schön so ein Küstenpfad auch noch so sein mag. Mein Rad jedenfalls kam gleich mal an der nächsten Tanke in die Selbst-Waschanlage und ich war ziemlich verunsichert, ob es denn eine gute Idee war dem Küstenweg weiter zu folgen, wobei es auch keine großen Alternativen jetzt mehr gibt. Nunja;, vielleicht bleiben das jetzt auch die einzigsten Matschpfade, wo das Fahrrad doch grade so sauber ist.
Es gab natürlich auch heute nette Erlebnisse und Begegnungen. Etwa ein längeres Gespräch mit David, dem Gärtner aus Keslo, der sich auf das Brian Adams Konzert im dortigen Schlossgarten freut, oder mit dem jungen Mann, der beharrlich am völlig einsamen Strand in seinem Eiswagen ausharrte, um bereit zu sein, falls doch noch irgendwer vorbeikommen sollte. Mir war heut leider so gar nicht nach Eis an diesem Regentag.

Donnerstag, 16.Juni


Heute haben
Anna Wimschneider * 1919
Erich Segal * 1937
Joyce Carol Oates * 1938
Alexandra Marinina * 1957
Robert Schneider * 1961
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Theodor Storm
Noch einmal!

Noch einmal fällt in meinen Schoß
Die rote Rose Leidenschaft;
Noch einmal hab ich schwärmerisch
In Mädchenaugen mich vergafft;
Noch einmal legt ein junges Herz
An meines seinen starken Schlag;
Noch einmal weht an meine Stirn
Ein juniheißer Sommertag.
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Ich genieße hier den freien Feiertag und lasse Hartmut radeln.

Tag 20
142 km von Autlem über Northwich und Warrington bis hinter Preston

Mein Vormittag war geprägt durch gemütlich schönes Radeln durch kleine ländliche Dörfer und Städtchen. Mit viel Weiden voller Kühe und Pferden, aber auch mit einigen Begegnungen mit Fasanen und Kaninchen und den quirligen Grauhörnchen, bei denen ich mir immer sorge, daß mir mal eines ins Rad springt vor lauter Übermut. (die Grauhörnchen sind eigentlich nicht heimisch in England, verdrängen aber mittlerweile wohl die roten Eichhörnchen).


Mein Nachmittag war dann gekennzeichnet durch lange Strecken entlang am Kanal, aber das war heut leider ziemlich nervig. Die Wege waren oft recht holprig und ständig galt es Hindernisse wie Brücken mit Treppen und vor allem Absperrbarrieren zu überwinden. Durch diese Barrieren kommt man mit einem normalen Fahrrad gut durch, aber nicht mit einem Packesel wie meinem. Dauernd musste ich die Taschen vom Rad nehmen um durchzukommen und das konnte sich alle 500 m wiederholen. Das hat mich vielleicht genervt und als mein Navi mich dann auch noch auf einen matschigen Wanderpfad führte und ich im englischen Nirwana landete, beschloß ich auf eigene Faust zu navigieren und wich auf die großen Straßen aus, um Strecke zu machen und einfach mal ohne Hindernisse radeln zu können.

Mittlerweile war ich ja auch in einem ziemlichen Ballungsraum angekommen. Links Liverpool und rechts Manchester und mein Weg mittendurch. Eigentlich könnte und sollte man hier ein paar Tage verweilen, um sich diesen Städten zu widmen, aber ich bin ja zum Radfahren hier. Also weiter geht’s.
So wurde es also wieder ein langer Radtag, zumal ich dann auch in Preston noch von einer Laufveranstaltung ausgebremst wurde und eine halbe Stunde lang die Läufer einer Benefizveranstaltung mit anfeuern half.
Jetzt warte ich hier im Park, bis die Kids mal nach Hause müssen und werd dann mein Zelt im Jubilee Park in Lea aufschlagen.


Alle Fotos und den kompletten Bericht gibt es hier: https://hardyontour.wordpress.com