Montag

Es schneit, es schneit! Allerdings nur auf dem Blog.

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Jastram bei Nacht. Heimlich fotografiert und zugeschickt von Bernhard. Danke!

Heute haben:
Abraham a Santa Clara * 1709
Rex Stout * 1886
Ernst Toller * 1893
Tahar Ben Jelloun * 1944
Geburtstag.
Und Woody Allen * 1935.
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Und hier kommt Woody Allen als Buchhändler in New York.
Hallelujah, das ehrt unseren Berufsstand.

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Im Dezember stellen wir das das Beste vom Besten aus dem Jahre 2014 vor.
Ein Rückblick durch den Jastramblog, auf Bücher, die nicht vergessen werden sollen.

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Im Januar konnten Sie u.a. über dieses Buch lesen, das einen einzigartigen Einblick in das künstlerische Rom der 50er und 60er Jahre gewährt.

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Maike Albath: „Rom, Träume“
Berenberg Verlag € 25,00

„Moravia, Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita“ heisst der Untertitel und schildert die kulturelle Nachkriegszeit in Rom. Es sind die 50er und 60er Jahre, die nachträglich geprägt sind durch Fellini und seiner römischen Filmwelt Cinecittà, die Via Veneto, die Stars und ihre Cafés. Im Vorfeld jedoch waren es die Freunde Moravia, Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita, die den Weg dorthin ebneten. Sie waren es, die durch ihre umstrittenen Bücher und Filme, die zum Teil hohe Auflagen erreichten, mit dem Faschismus abrechneten und polarisierten durch ihre Arbeiten immer wieder das politische und kulturelle Geschehen.
Maike Albath hat in ihrem ersten Buch “Der Geist von Turin“, das ebenfalls im Berenberg Verlag erschienen ist und sich um den Verlag Einaudi dreht, gezeigt, dass sie eine flotte, gute Schreibe hat und dass ihre Thesen genau recherchiert sind.
In diesem Buch beginnt sind mit Moravia, dem Übervater dieser Zeit, der mit seinen Bücher großen Erfolg erzielte. Im Deutschen sind immer noch Romane wie “Die Römerin” lieferbar (und lohnenswert). Sie schreibt über Dacia Mariani und Elsa Morante, die auf einem steinigen Weg den Erfolg erlangten und über Carlo Gadda, der auf verschlungen Pfaden durch sein literarisch, politisches Leben ging. Die Kapitel des Buches lauten dann: „TESTACCIO. Im Bauch von Rom“, „ABENDS IM CAFÉ. Piazza del Popolo“, „CAMPO DE’ FIORI. Die bittere Stadt“, die uns so langsam zu Pasolini führen. Zu seiner Jugend und Kindheit im Friaul. Seine Prägungen durch Menschen Sprache und Familie. Seine Zeit als Junglehrer dort in einer Schule und seine „Flucht“ nach Rom, die dann in seiner Ermordung endet. „AM WASSERFLUGHAFEN VON OSTIA. Tod eines Freibeuters“. Sie schreibt über seine Zerissenheit, über seine Arbeiten, politischen Ansichten und persönlichen Neigungen. Sie machte mich so neugierig, dass ich die von ihr erwähnte Diskussionsszene in Berlin auf youtube suchte. Dort fand ich auch Pasolinis komplette Filme zum Anschauen. Maike Albath stellt u.a. noch Ennio Flaiano vor, von dem ich bis jetzt noch nichts gehört und gelesen habe, der (im Hintergrund) einer der ganz wichtigen Personen war und mit seinen Drehbücher (u.a. zu „La Dolce Vita“) Fellini zu Weltruhm verhalf.
„FINALE. Frauen in Rom“ heisst passenderweise das letzte Kapitel und beschließt ein sehr informatives, gut lesbares Buch, in das man immer wieder reinlesen mag.

Leseprobe

Montag

Heute haben
Elsa Morante * 1912
Alain Robbe-Grillet * 1922
Claudia Keller * 1944
Ulrich Woelk * 1960
Geburtstag.
Aber auch Roman Polanski, Robert Redford und Harald Schmidt.
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Es ist geschafft! Mein tägliches 10-Seiten-Buch habe gestern abend zuende gelesen und kann es nur wärmstens weiterempfhelen, wie ich das auch schon seit Wochen im Laden mache.

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Ivo Andric: „Die Brücke über die Drina“
Mit einem Nachwort von Karl-Markus Gauß
Aus dem Serbischen von Ernst E. Jonas, bearbeitet von Katharina Wolf-Grießhaber

In elf weit gespannten Bögen – 250 Schritte lang, 10 Schritte breit – schwingt sich die Brücke über die Drina. Bei Višegrad, einer bosnischen Stadt nahe der serbischen Grenze, führt sie über den Fluss. Seit Jahrhunderten ist sie ein Treffpunkt für Menschen von beiden Ufern, ist Trennlinie und Bindeglied zwischen Orient und Okzident. In seinem Meisterwerk entrollt Ivo Andrić, der 1961 den Literatur Nobelpreis bekam, ein gewaltiges Zeitpanorama vom 17. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg und erzählt von den vielfältigen Schicksalen der Menschen, die dort aufeinandertrafen.
Es ist einer dieser Romane, in dem nicht eine Familie über drei Generationen im Mittelpunkt steht, sondern es ist diese Brücke. Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke heisst sie im Original und taucht auch im Roman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ von Saša Stanišić auf. Diese Brücke die von 1571 bis 1578 erbaut worden ist, stellt die Verbindung zwischen den verschiedenen Völkern dar. Der Fluss war schon immer die Grenze und es nicht so einfach auf die andere Seite zu kommen. Als die Brücke nun stand, veränderte sich das Leben in Višegrad schlagartig. Andric erzählt uns auf ca. 480 Seiten das Leben in dieser Region, wobei ein Schwerpunkt auf der Zeit des 19.Jahrhunderts bis zum 1.Weltkrieg liegt. Wie an einer Perlenschnur lässt Andric Personen auftauchen, beschreibt auf einigen Seiten ihr ganzes Leben und lässt sie wieder verschwinden. Es sind oft lustige, liebenswerte Geschichten, meist jedoch tragisch endende, die das karge, in Traditionen verhaftete Leben der einfachen Menschen erzählen. Andric schafft es aber auch nach einer heiteren Episode harte Schicksale zu erzählen, wie etwa ein Pfählung auf fast zehn Seiten. Diese Passage bleibt aber auch einzigartig brutal und wiederholt sich nicht mehr. So rate ich auch meinen Kunden, ab Seite 63 grosszüg weiterzublättern. Wir lesen von Kneipen und deren Besitzern, von der schönsten Frau der Region, die zwangsverheiratet wird und dies nicht ertragen kann. Religiöse Führer und kleine Händler stehen im Mittelpunkt einzelner Passagen, aber auch ein Jahrhunderthochwasser, das kurzfristig die Menschen friedlich zusammenführt. Es geht um steile Karrieren und schnelle Abstürze. Es geht um Liebe, Freundschaften und umwälzende Veränderungen entlang des Flusses. Es sind nicht 1001 Nächte, die wir hier bekommen, sondern 350 Jahre Geschichte der Brücke. Sie wurde übrigens beim Abzug der Österreicher an drei Bögen zerstört und wieder restauriert. Nun droht ihr ein ganz anderes Schicksal. Die Aufstauung des Flusses macht ihr nämlich enorm zu schaffen.
Für mich war dieses Buch, das schon lange auf meiner Warteliste stand, ein sehr großer Lesegenuss. Ich konnte mir nie etwas darunter vorstellen, habe aber seit Jahren das Lob meiner Kunden gehört, das ich hier gerne weitergebe.
Einzelne Figuren haben sich in meinem Gedächtnis jetzt schon festgesetzt und sie werden wohl immer wieder einmal auftauchen, ohne dass ich weiss, woher ich sie kenne. Ganz im Gegensatz zu Uwe Johnsons „Jahrestage“, in dem wir Gesine und Marie ein ganzes Jahr auf 1.700 Seiten verfolgen dürfen, sind es hier nur Schlaglichter, die jedoch so prägnant und genau geschildert.
Der WDR besprach dieses große Werk aktuell am 18.Juli 2014.
Hier das Tondokument

Ivo Andrić, 1892 in Travnik/Bosnien geboren und 1975 in Belgrad gestorben, studierte Slawistik und Geschichte in Zagreb, Wien, Krakau und Graz. Von 1920 an war er als Diplomat in verschiedenen europäischen Ländern tätig, zuletzt als Gesandter in Berlin. 1941 schied er aus dem diplomatischen Dienst aus.
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Heute in den „Jahrestagen“ von Uwe Johnson:

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Stein aus der Installation von Thomas Witzke:

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Marathonlesung aus den „Jahrestagen“ am Donnerstag, den 21.8. ab 19 Uhr.