Freitag, 10.Mai

Heute haben
Johann Peter Hebel * 1760
Friedrich Gerstäcker * 1816
Fritz von Unruh * 1885
Petra Hammesfahr * 19561
Ralf Rothmann * 1953
Geburtstag
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„Der Weg zu den Quellen geht gegen den Strom.“
Fritz von Unruh
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Das neue Heft ist da.


„Sinn und Form“
Drittes Heft 2024
Akademie der Künste € 11,00

Unglaublich, was sich wieder hinter diesem unscheinbaren Äußeren versteckt.
Es beginnt mit Elisabeth Plessens Bericht über die literarischen Zirkel im eingemauerten Berlin und den Memoiren von Erika Mann.
Günter de Bruyns „Bericht für die Polizei“, Stephan Wackwitz: „Heiner Müller in Tokio“, Kurt Dasow: „Berliner Landleben“ folgen. Dazu Gedichte von Eugenio Montale, Ulrike Draesner und Raoul Schrott. Texte zu Katja Petrowskaja, Lutz Seiler, Joseph Roths: „Hiob“ und und und.
Ein Heft zum Versinken. Überall gibt es Entdeckungen und Texte, die ich sonst nie finden würde.
Wieder einmal ein großes Lob an die Redaktion des Heftes.
Als Leseprobe gibt es auf der Seite von „Sinn und Form“ einen Ausschnitt aus Elisabeth Plessens Text.

„Der Mauerbau im August 1961 veränderte das Leben in der Viersektorenstadt Berlin radikal. Sie war nun in zwei Hälften zerschnitten. Westberlin war nicht Westdeutschland, war etwas Drittes, der Status blieb in der Schwebe – und die Stadt hing am Bonner Tropf.

Ab 1964 studierte ich an der Freien Universität Berlin Philosophie und Literaturwissenschaft, wechselte aber bald zu Walter Höllerer, der an der Technischen Universität den Lehrstuhl für Neuere Germanistik innehatte und ein renommiertes Doktorandenseminar leitete – ein quirliger, innovativer Geist, der unendlich viel für die Belebung und Erhaltung des literarischen Lebens tat. Er erfand das Literarische Colloquium, schuf wichtige Zeitschriften wie »Akzente« und »Sprache im technischen Zeitalter«, mit seinen vielfältigen Initiativen lockte er internationale Autoren in die eingemauerte Stadt und publizierte ihre Texte.

Ernst Schnabel, von 1951 bis 1955 Intendant des Nordwestdeutschen Rundfunks, danach freier Autor, anschließend mit Rolf Liebermann, den wiederum Hans Werner Henze ablöste, Leiter des Dritten NDR-Hörfunkprogramms, zog 1965 nach Berlin. Wie viele andere Autoren und Publizisten tat er das auch aus Solidarität mit der Inselstadt. Schnabel leitete im Dritten Fernsehprogramm des im Aufbau befindlichen Senders Freies Berlin die »Literarische Illustrierte«. Der Intendant Walter Steigner und Schnabel hatten dasselbe im Sinn: ein offenes, liberal-kritisches, überparteiliches Programm gemäß dem Bildungsauftrag einer öffentlich-rechtlichen Anstalt. Der Vierte im Bunde der damaligen »Macher« war Hans Werner Richter. Halbjährlich residierte er im Grunewald in der ehemaligen S.-Fischer-Villa in der Erdener Straße 8 und moderierte für Schnabels Redaktion den politisch-literarischen »Salon« – direkt nach der Tagesschau, Gespräche open end, buchstäblich bis in die Puppen.

Richter lud ein, wer sich aus Politik und Kultur für die diskutierlustige Runde eignete. Schnabel sendete auch Höllerers Veranstaltungen in der Akademie der Künste am Hanseatenweg – Mitschnitte aus der Reihe »Theater auf kleinen Bühnen« oder die Ost-West-Treffen deutscher Lyriker. Fritz J. Raddatz schreibt über die Zeit: »In diesen (…) Jahren waren die Schriftsteller Teil der Gesellschaft, und sei es qua Opposition; sie bildeten ein Netz (…) – bis Willy Brandt Bundeskanzler wurde.« (Tagebücher, 2010)

Vieles im damals noch jungen Dritten Fernsehprogramm war Pionierarbeit: die Themen flexibel, oft spontan, wie die ohne weiteres eingesetzte Kolumne von Sebastian Haffner. Es gab keine Zeitschriften, die das Programm abdruckten und auf Wochen hin festzurrten. Die Arbeit war vergleichsweise experimentell. Und alle machten gern mit. Gesendet wurde in Schwarzweiß. Schnabel sprach die Begrüßungsworte donnerstags um 20.15 Uhr meist selbst. Mit rauchig-warmer Stimme, freundlich zugewandter Miene und offenen Augen, ein sehr persönlicher Touch. Die Themen waren vielfältig. Höllerers und Richters Programme wurden live gesendet. Es gab viele Autorenlesungen, auch Wolfgang Neuss hatte seine letzte Plattform in Schnabels »Illustrierter«. Heute ist diese Freizügigkeit in der Programmgestaltung kaum mehr vorstellbar.

Ernst Schnabel experimentierte nicht nur in eigenen Hörfunktexten gern mit der Form, er erfand im Rahmen der »Literarischen Illustrierten« auch die »Literarische Lesebühne«. Da spielten und lasen die damals besten Schauspielerinnen und Schauspieler Texte der Weltliteratur. Nicht alle lebten in Berlin, ließen sich angesichts des Honorars für die Dauer der Aufzeichnung, nur drei Tage, aber gern einfliegen.

Schnabel suchte für das erste Stück der »Lesebühne«, Thomas Manns »Zauberberg«, jemanden, der oder die ihm den Roman als Serie von fünf oder sechs Sendungen einrichtete. Er erkundigte sich bei seinem Freund Höllerer, der die Doktoranden seines Colloquiums durchging und meinte: »Frag doch die Plessen. « Und Schnabel fragte die Plessen, aber nicht sofort. Er hatte sich nämlich auf Peter Wapnewskis house warming party in mein Gesicht verliebt. Mit zwei anderen Studentinnen hatte ich unserem sich in Berlin-Dahlem installierenden Professor aus Heidelberg geholfen, zuerst die Wohnung ein- und dann die Einweihungsparty auszurichten, zu der tout Berlin kam: Professorenkollegen wie Eberhard Lämmert oder Jacob Taubes, Hörfunkleute oder Kritiker wie Roland H. Wiegenstein, außerdem Alexandra Kluge, damals verliebt in Wapnewski, Hans Werner Richter und eben auch Ernst Schnabel. Er sprach mich an dem Abend nicht an – in einem meiner Romane habe ich die Szene später festgehalten. Ich kannte niemanden, stand nach getanem Dienst, zu scheu, jemanden anzusprechen, nur herum und war ständig auf dem Sprung zu gehen.

Erst einige Zeit später kam Schnabel auf mich zu, an einem Abend bei Richter in der Erdener Straße. Ich freute mich und sagte tollkühn ja, mache ich! Dabei hatte ich in meinem Leben noch niemals ferngesehen. Ich war aufgewachsen in einem Haus mit vielen Zimmern in Ostholstein, das in den Nachkriegsjahren voller Flüchtlinge war. Das Schloß gehörte meinem Vater. Im meinem ersten Roman »Mitteilung an den Adel« habe ich versucht, diese Zeit bis 1968 einzufangen. Die Kinderschwester, deren Familie aus Ostpreußen stammte – sie selber wuchs in einem Waisenhaus in Stettin auf –, war die einzige Erwachsene, die ich kannte, die Radio hörte. Hauptsächlich den Suchdienst vom Deutschen Roten Kreuz, übertragen Sonntagvormittag im NWDR. Und deutsche Schlager natürlich, sie dudelten unentwegt. Das war Unterhaltung. Doch Fernsehen!? Du lieber Gott. Zu Lebzeiten meines Vaters war das neue Medium im Elternhaus tabu, es galt als geistige Verflachung. Es unterbinde jede Diskussion, hieß es, obwohl es sowieso keine gab. Der einzige Apparat, auf dessen Schirm es meist auch nur schwarzweiß regnete, stand im Keller, dem ehemaligen Gutsgefängnis mit seinen zweieinhalb Meter tiefen Mauern auf einem großen Steinquader. Am Boden lagen noch die Fußketten mit den großen Eisenkugeln. Der Kasten war fürs Personal, die Köchin, die Haus- und Küchenmädchen, den Diener gedacht.

Ernst Schnabel zeigte mir, wie ich die Sache angehen könnte. Also kaufte ich mir eine große Rolle Papier, mehrere Tuben Uhu und zwei Taschenbücher des »Zauberbergs«, schnitt diese auseinander und klebte sie als Leporello auf die Rolle. Mit dem Filzstift strich ich den Roman auf Dialogszenen ein. Einen Sprecher des Erzählers ließ ich stehen und führte einen zweiten für meine szenischen Überleitungen ein. Stundenlang lag ich so auf dem Bauch, ein Kissen unter mir, und murmelte Thomas-Mann-Sätze, bis ich sie in langen Passagen auswendig konnte. Ein großes Vergnügen. Größte Erheiterung auch für andere. Die nächste Frage galt der Besetzung. Bald stand sie fest. Joana Maria Gorvin spielte die kirgisenäugige Madame Chauchat, Kurt Bois den asketischen Jesuitenschüler Naphta, Charles Regnier seinen Widerpart, den Humanisten und Mentor Settembrini; Folker Bohnet war Leutnant Ziemßen, der kranke Cousin, und Hans Castorp – am schwierigsten zu besetzen – der junge Michael Degen. Die Regie übernahm Ludwig Kremer.

Dieser »Zauberberg« brauchte einen Vorspann, der das Publikum neugierig machte. Das gelang mit Hilfe von Erika Mann. Ich interviewte sie am berühmten Schreibtisch ihres Vaters im Thomas-Mann-Archiv der ETH Zürich. Sie erzählte vom Zustandekommen des Romans und Katia Manns großem Anteil daran, denn die so lebendigen, kauzig-vertrackten Schilderungen ihres eignen Kuraufenthalts in Davos arbeitete der Autor weitgehend in den »Zauberberg« ein. Katia Manns Briefe gibt es leider nicht mehr. Das ist schade, sie hatte unermüdlich nach München geschrieben.

Bei meinem Zürcher Aufenthalt lernte ich sie in Kilchberg kennen. Seit Ernst Schnabel die inzwischen Betagte Anfang der fünfziger Jahre bei einem Empfang im Hamburger Rathaus getroffen hatte, war es sein Plan, mehr noch, sein großer Wunsch, daß sie ihr Leben aufzeichnen, wenigstens erzählen möge. Immer hatte sie sich geweigert, mit Inge Jens, der Herausgeberin der Briefe Thomas Manns an Ernst Bertram und später der Tagebücher, die es gern gemacht hätte, stimmte die Chemie nicht, und der Versuch mit einem Studenten der ETH ging nach kurzer Zeit schief.

Als wir uns gegenübersaßen und die Frage wieder aufkam, sagte sie mit ihrer leicht münchnerisch gefärbten Stimme: »Ja, mit der mach ich’s!« Also machten wir’s. Sie bat im voraus um die Fragen, und so schickte ich ihr eine lange Liste mit Dingen, über die ich von ihr etwas wissen wollte. Vieles davon strich sie gleich aus, alles etwa, das in Richtung Feminismus ging – dabei war ihre Großmutter Hedwig Dohm eine engagierte Frauenrechtlerin gewesen, die für das Frauenstimmrecht gekämpft hatte. Auch von Fragen zu ihrer Selbstbestimmtheit wollte sie nichts wissen. Katia Mann hatte als erste Frau in München das Abitur gemacht und studierte Physik und Mathematik, als Thomas Mann sich in ihren Lebensweg stellte. Und so trat sie mit 88 Jahren zum ersten Mal aus der vollkommenen Zurückhaltung der Öffentlichkeit gegenüber heraus. Aus Gründen der »Ziemlichkeit«, wie sie gleich eingangs betonte, habe sie sich diese Zurückhaltung zu Lebzeiten ihres Mannes und danach auferlegt. Außerdem müsse es in der Familie eine Person geben, die nicht schreibe. …“
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https://www.tagesschau.de/ausland/asien/hitzewelle-suedostasien-klima-100.html
Von Jennifer Johnston, ARD Singapur

Thailand, Kambodscha und Vietnam
Südostasien ächzt unter Hitzewelle

Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius mit verheerenden Auswirkungen auf Mensch und Natur: Südostasien leidet unter der längsten Hitzewelle seit Jahrzehnten – verursacht durch eine Mischung aus Klimawandel und El Niño.
In Vietnam treiben Hunderttausende tote Fische an der Wasseroberfläche eines Sees. In Kambodscha verkürzt die Regierung die Unterrichtszeiten in der Schule. In Thailand sind bereits mehr als 30 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Mehr als 40 Grad Celsius zeigt das Thermometer in Südostasien teilweise an. Die gefühlte Temperatur liegt weit höher – bei mehr als 50 Grad Celsius. Das ist lebensgefährlich für Tiere und Menschen. …
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Mittwoch, 24.April

Heute haben
Karl Leberecht Immermann * 1796
Anthony Trollope * 1815
Klaus Groth * 1819
Karl Spitteler / Carl Felix Tandem * 1845, Nobelpreis 1919
Sue Grafton * 1940
Geburtstag
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Karl Spitteler / Carl Felix Tandem

In dieser Welt, von Übeln
krank, vom Blute rot,
tut Geist und Schönheit,
tut ein Flecklein Himmel not,
ein Glücklicher, der nichts
vom Pfuhl des Jammers weiß,
ein Edler, rein von Schuld,
ein Held, deß Helmbusch weiß.
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Unser Bilderbuchtipp:


Henrike Wilson: „Weitsprung mit Schwein

dtv € 15,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Heute ist großer Wettkampf bei den Tieren.
Frosch, Eichhörnchen, Hase, Ente, Schwein und Bär stehen am Start. Aber ganz schön gemein, wenn Ente als Letzte ins Ziel kommt und alle lachen sie aus. Schweinchen ist beim Weitsprung letzte und alle lachen, ausser Ente. Beim Medizinball werfen ist natürlich Eichhörnchen überhaupt nicht gut und wieder machen sich die Tiere lustig. „Seid mal nicht so schadenfreudig“ sagt das Huhn, die Schiedsrichterin. Mittlerweile wird auch nicht mehr getuschelt und gelacht, sondern jetzt trösten sie sich gegenseitig. Denn jeder hat seine Stärken und ihre Schwächen. Und wenn dann trotzdem alle zusammen lachen, dann macht sogar Verlieren Spaß.

Leseprobe
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Wolfgang Schukraft schreibt:

Liebe Freundinnen, liebe Freunde von Schukrafts Wundertüte!
Am Freitag, 26.04., stehe ich zum letzten Mal im Kabarettabend „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“ als Hermann Leopoldi auf der Bühne. Leopoldi war ein unvergleichlicher Humorist und Komponist, der nicht nur in Wien, sondern auch in New York (und jetzt in Ulm!) sein Publikum zum Lachen brachte.
Letzte Aufführungen am Samstag 27.04., und Sonntag, 28.4., auch von „Frau Einsteins Nobelpreis“, der Uraufführung, die der ersten Ehefrau von Albert Einstein ein literarisches Denkmal setzt und dabei den Blick auf das Genie Einstein erweitert und heitere, aber auch erschreckende Facetten seines Charakters aufscheinen lässt.

Beginn der Aufführungen jeweils 19 Uhr. Aufführungsdauer ca. 1 Std. 45 Min.

Wir sehen uns dann Mitte Oktober wieder: Marion Weidenfeld spielt Lot Vekemans „Niemand wartet auf Dich“. Ein Abend, auf den wir uns schon sehr freuen.
Bis dahin: Bleiben Sie gesund, und vielleicht sehen wir uns ja noch an diesem Wochenende!

Ihr Wolfgang Schukraft

April
Frei. 26.04._19 Uhr, zum letzten Mal: Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
Sa, 27.04. _19 Uhr Frau Einsteins Nobelpreis
So., 28.04._19 Uhr zum letzten Mal: Frau Einsteins Nobelpreis (statt „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“)
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https://www.tagesschau.de/wissen/asien-extremwetter-2023-100.html
Von Sebastian Vesper

UN-Bericht
Asien am stärksten von Klimakatastrophen betroffen

In Asien gab es 2023 die meisten Wetter- und Klima-Katastrophen. Dürren nahmen zu, gleichzeitig ertranken Menschen in Sturzfluten.
Im Juni 2023 steigen die Temperaturen im Norden Indiens auf fast 45 Grad Celsius. Die Menschen dort leiden darunter. In Bihar sterben in zwei Tagen 42 Menschen an der Hitze. Im Bezirk Bezirk Ballia in Uttar Pradesh gibt es 54 Todesfälle. Ein Wissenschaftler des Indischen Meteorologischen Dienstes bezeichnet die Temperaturen als höher als gewöhnlich.
Einen Monat später, auch im Norden Indiens, sterben mehr als 20 Menschen nach Monsunregen. Straßen stehen unter Wasser, und es kommt zu Erdrutschen. Nicht nur Indien ist von Extremwetter betroffen, sondern ganz Asien. Erhebungen der Internationalen Datenbank für Katastrophen zeigen: Auf dem Kontinent kamen 2023 mehr als 2.000 Menschen bei Stürmen und Überschwemmungen ums Leben.

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https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/un-afrika-bedrohung-duerre-100.html

Wetterphänomen El Niño
Dürre bedroht 24 Millionen Menschen im Süden Afrikas

Es ist die schlimmste Trockenperiode seit 100 Jahren: Im Süden Afrikas sind mehr als 24 Millionen Menschen von Hunger und Wasserknappheit betroffen. Hilfsorganisationen sprechen von einer humanitären Krise, die sofortiges Handeln erfordert.
Die Dürre im Süden Afrikas bricht offenbar Rekorde: So wenig Niederschlag gab es laut dem UN-Nothilfebüro OCHA seit 40 Jahren nicht mehr und die Vereinten Nationen sprechen von der schlimmsten Trockenperiode seit über 100 Jahren im südlichen Afrika. Die Temperaturen zwischen Ende Januar und Anfang März lagen demnach durchschnittlich fünf Grad höher als in Vorjahren.
Mehr als 24 Millionen Menschen im südlichen Afrika sind laut der UN aufgrund der extremen Wetterbedingungen von Hunger, Unterernährung und Wasserknappheit betroffen. Grund dafür ist unter anderem das Klimaphänomen El Niño. Das unregelmäßig auftretende Wetterphänomen hat große Auswirkungen auf das klimatische Gleichgewicht und sorgt für Dürreperioden und Hitzewellen.

Dienstag, 16.April

Heute haben
Anatole France * 1844
Peter Ustinov * 1921
Sarah Kirsch * 1935
Rolf Dieter Brinkmann * 1940
Geburtstag
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Sarah Kirsch
Bei den Stiefmütterchen

Bei den weißen Stiefmütterchen
im Park wie ers mir auftrug
stehe ich unter der Weide
ungekämmte Alte blattlos
siehst du sagt sie er kommt nicht

Ach sage ich er hat sich den Fuß gebrochen
eine Gräte verschluckt, eine Straße
wurde plötzlich verlegt oder
er kann seiner Frau nicht entkommen
viele Dinge hindern uns Menschen

Die Weide wiegt sich und knarrt
kann auch sein er ist schon tot
sah blaß aus als er dich untern Mantel küßte
kann sein Weide kann sein
so wollen wir hoffen er liebt mich nicht mehr
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Jetzt als Taschenbuch und aktueller denn je:


Franziska Gänsler: „Ewig Sommer
Kein und Aber Verlag € 13,00

Der Klimawandel ist in der Literatur angekommen.
Es brennt. Es brennt in den Wälder in Bad Heim und rund um das Hotel von Iris.
Es brennt auch in der Beziehung von Dori, die mit ihrer kleinen Tochter plötzlich vor dem Hotel steht und um ein Zimmer bittet.
Ein Draußen ist nicht mehr möglich, weil die Luft voller Asche, die Hitze unerträglich und ein Leben im Freien nur mit Masken erlaubt ist. Bei Dori ist es vielleicht andersum. Bei ihr ist ein Leben drinnen, mit ihrem dominanten Ehemann, nicht mehr möglich.
Die Schicksalsgemeinschaft der beiden Frauen beschreibt Franziska Gänsler mit besonderen Sprachbildern, in dem es ums Kümmern, ums Überleben, ums Gemeinsamleben geht, in einer Zeit, in der sich so vieles geändert hat. Ihr gelingt ein doppelter Spannungsbogen, der einen nicht mehr loslässt, bis sie mit zwei unterschiedlichen Lösungen aufwartet.

Franziska Gänsler im Gespräch mit Sieglinde Geisel im Literaturhaus Berlin

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Von Tessa Gluschke, SWR
Wetterforschung
El Niños Macht

2023 war das heißeste Jahr in der Geschichte der Menschheit. El Niño bringt das Wetter in großen Teilen der Welt aus dem Takt – mit Folgen auch für Deutschland.
Seit Juni 2023 sorgt das Wetterphänomen El Niño auf der ganzen Welt für Temperaturrekorde und immer neue Katastrophen: Überschwemmungen in Kalifornien, eine Jahrhundertdürre am Amazonas, Waldbrände und Korallenbleiche in Australien. In Deutschland erreichen uns vor allem die wirtschaftlichen Folgen: höhere Preise und Lieferkettenprobleme.
Dem Panama-Kanal, einem essenziellen Knotenpunkt der Schifffahrt, geht wegen der anhaltenden Dürre das Wasser aus. Bis zu 200 Schiffe stauten sich im vergangenen halben Jahr zeitweise vor den Schleusentoren, Reedereien mussten ihre Frachter umleiten.
El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle paar Jahre auftritt und extreme Wetterlagen begünstigt. Aber durch den Klimawandel hat sich die Ausgangssituation verändert: Die Naturgewalt trifft auf ein bisher nie dagewesenes Temperaturniveau und die aufgeheizten Ozeane wirken wie ein Turbo für das Wettergeschehen. Was bedeutet das für die Zukunft?
https://www.tagesschau.de/wissen/klima/el-nino-klimafolgen-100.html

Expertenrat für Klimafragen
Verkehr hat Klimaziel auch 2023 deutlich gerissen

Der Verkehrsbereich hat sein Klimaziel das dritte Jahr in Folge verfehlt. Verkehrsminister Wissing muss nun handeln. Das bietet neuen Zündstoff im Streit über das Klimaschutzgesetz.
Der Verkehrsbereich hat auch 2023 deutlich mehr Abgase verursacht als gesetzlich erlaubt. Das hat der unabhängige Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung festgestellt. Statt den erlaubten 133 Millionen Tonnen Treibhausgase stieß der Sektor im vergangenen Jahr 146 Millionen Tonnen aus. Das schreiben die Fachleute in ihrem Prüfbericht zu Daten des Umweltbundesamts. Damit verfehlt der Verkehrssektor sein Klimaziel das dritte Jahr in Folge.
Insgesamt habe es in Deutschland einen starken Rückgang der Emissionen um rund zehn Prozent im vergangenen Jahr gegeben, bestätigte das unabhängige Expertengremium. Der Ausstoß ist von 750 auf 674 Millionen Tonnen Treibhausgase gesunken. Dies sei der höchste prozentuale Rückgang binnen eines Jahres seit 1990.
https://www.tagesschau.de/inland/expertenrat-klimaziel-verkehrssektor-100.html

Samstag, 9.März

Heute haben
Peter Altenberg * 1859
Agnes Miegel * 1879
Umberto Saba * 1883
Vita Sackville-West * 1892
Marie Cardinal * 1929
Ota Filip * 1930
Keri Hulme * 1947
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Charles Bukowski.
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“Sometimes you climb out of bed in the morning and you think, I’m not going to make it, but you laugh inside — remembering all the times you’ve felt that way.”
Charles Bukowski
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Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse / Sachbuch.


Jens Beckert: „Verkaufte Zukunft“
Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht
Suhrkamp Verlag € 28,00

Seit Jahrzehnten wissen wir um die Erderwärmung und ihre Gefährlichkeit. Dennoch nehmen die globalen Treibhausgasemissionen weiter zu. Offenbar gelingt es uns nicht, den Klimawandel zu stoppen. Wie lässt sich dieses Versagen erklären? Warum reagieren Gesellschaften so zögerlich auf diese Bedrohung? In seinem neuen Buch gibt Jens Beckert eine Antwort. Dass die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen werden, liegt an der Beschaffenheit der Macht- und Anreizstrukturen für Unternehmen, Politiker, Wähler und Konsumenten. Die bittere Wahrheit ist: Wir verkaufen unsere Zukunft für die nächsten Quartalszahlen, das kommende Wahlergebnis und das heutige Vergnügen.
Anhand von zahlreichen Beispielen und mit sozialwissenschaftlichem Besteck zeigt Beckert, warum es sich beim Klimawandel um ein »tückisches« Problem handelt, an dem die sich seit 500 Jahren entwickelnde kapitalistische Moderne aufgrund ihrer institutionellen und kulturellen Strukturen fast zwangsläufig scheitern muss. Die Temperaturen werden also weiter steigen, die sozialen und politischen Auseinandersetzungen werden sich verschärfen. Anpassungsfähigkeit, Resilienz und vor allem solidarisches Handeln sind gefragt. Daraus ergeben sich Aufgaben für eine realistische Klimapolitik.
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EU-Klimawandeldienst
Auch der Februar war warm wie nie

Zum neunten Mal in Folge hat der EU-Klimawandeldienst Copernicus einen globalen Temperaturrekord für einen Monat gemessen. Besonders die erste Februarhälfte sei „außergewöhnlich“ warm gewesen. Grund sei der Klimawandel – und El Niño.
Der vergangene Februar war weltweit der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und damit der neunte Monat in Folge mit einem globalen Temperaturrekord, wie das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus mitteilte.
Die Lufttemperatur an der Erdoberfläche habe durchschnittlich 13,54 Grad Celsius betragen – 0,81 Grad mehr als im Schnitt des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020 und 0,12 Grad mehr als im bisher wärmsten gemessenen Februar 2016.
Besonders in der ersten Monatshälfte seien die Temperaturen „außergewöhnlich hoch“ gewesen: Vier Tage in Folge lag die weltweite Durchschnittstemperatur sogar zwei Grad über dem vorindustriellen Durchschnitt. Das sei der längste jemals registrierte Zeitraum mit globalen Durchschnittstemperaturen von zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau gewesen, teilte Copernicus mit. …

https://www.tagesschau.de/ausland/waermster-februar-copernicus-100.html

Dienstag, 20.Juni


Salman Rushdie bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2023

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Heute haben
Kurt Schwitters * 1887
Lillian Hellman * 1905
Gerhard Meier * 1917
Vikram Seth * 1952
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Sommer

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.
Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
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Grünkohl statt Braunkohle


Der neue Kalender ist da.


Anja Banzhaf, Ann Kathrin Bohner, Gärtnerei Rübchen (Hrsg.):
taschenGARTEN 2024
Gärtnern im Klimawandel
oekom Verlag € 20,00

Der taschenGARTEN ist ein persönlicher Terminplaner und politischer Gartenkalender mit einer wöchentlichen Anbauplanung. 2024 beschäftigt er sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gärten und die Landwirtschaft. Gleichzeitig zeigt er, dass die Lebensmittelproduktion selbst von fossiler Energie abhängig ist. „Grünkohl statt Braunkohle!“ steht in diesem Sinne für den nötigen Wandel zu ökologischem Anbau.
Für eine üppige Ernte trotz Hitze, Trockenheit oder Starkregen bietet der Kalender viel Praxiswissen rund um den Gemüsegarten. Ein Schwerpunkt liegt dieses Mal auf Blattgemüse wie Federkohl oder Wintersalaten – tolle Entdeckungen für eine vielfältige regionale Ernährung im Klimawandel.

Leseprobe

Digitale Downloads:
Beetplan fürs Freiland 2023
Beetplan fürs Gewächshaus 2023
Beetplan fürs Freiland 2024
Beetplan fürs Gewächshaus 2024
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Auf tagesschau.de von Alexander Steininger

Temperaturrekord
Warum erwärmt sich der Atlantik so stark?

Seit etwa drei Monaten sind die Wassertemperaturen im Nordatlantik extrem hoch. Steckt El Niño dahinter? Oder fehlender Saharasand? Wissenschaftler rätseln über die Gründe – sind aber sehr besorgt.
Der nördliche Atlantik erwärmt sich jeden Sommer – das ist klar. Doch so stark wie derzeit war die Erwärmung des Ozeans noch nie seit Beginn der Satellitenmessungen: Am 11. Juni lag der Durchschnittswert bei 22,7 Grad und damit 1,1 Grad über dem langjährigen Mittelwert der Jahre 1982 bis 2011. Das geht aus Daten des Climate Reanalyzer der Universität Maine hervor, die seit 1981 erhoben werden.
Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) greift auf diese Daten zurück. Der derzeitige Rekord sei in zweifacher Hinsicht außergewöhnlich, heißt es dort: „Zum einen ist es der Abstand zu den vorherigen Rekordhaltern. Zum anderen ist es die ungewöhnlich lange Dauer von mittlerweile knapp drei Monaten, in der die Temperatur über allen bisherigen Jahren liegt.“
Das sieht auch der Physiker Anders Levermann, Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, so: „Das ist wirklich absolut außergewöhnlich. Auch wenn es sich leider in einen langjährigen globalen Trend der Erwärmung einbettet.“ Auch international ruft die Anomalie große Besorgnis hervor.


Den kompletten Artikel finden Sie hier auf tagesschau.de

Samstag, 20.Mai


Heute haben
Honoré de Balzac * 1799
Sigrid Undset * 1882
Hans Sahl * 1902
Wolfgang Borchert * 1921
Samuel Selvon 1923
Hanna Krall * 1937
Geburtstag
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„Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage Ja!“
Wolfgang Borchert
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Sven Plöger, Andreas Schlumberger: „Zieht euch warm an, es wird noch heißer!
Können wir den Klimawandel noch beherrschen?
Mit Extrakapiteln zu Wasserstoff und Kernfusion
Westend Verlag € 22,00

Zu dieser komplett überarbeitenden Neuauflage seines erfolgreichen Buches schreibt Sven Plöger selber:

Können wir den Klimawandel noch beherrschen?

Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, das Hitze und Dürrejahr 2022 mit Wasserknappheit, massiven Waldbränden und Hitzewellen – UN-Generalsekretär António Guterres sagt: „Wir sind auf dem Highway in die Klimahölle.“ Doch was tun die meisten Regierungen sowie viele von uns privat? Nichts. Abwarten. Statt Probleme anzupacken und die verbleibende Zeit zu nutzen, reden wir uns die Welt schön. Doch ganz gleich, ob wir Despoten für ungefährlich, Erdgas für nachhaltig oder Technologie für das Allheilmittel halten: So funktioniert die Realität nicht. Wir können nicht einfach fossile Energieträger durch Wasserstoff ersetzen, das Kohlendioxid wieder einfangen und danach – angetrieben durch Kernkraft – weiterleben wie zuvor. Es bleibt dabei: Der Klimawandel ist unsere Jahrhundertaufgabe. In ihrem Buch zeigen Sven Plöger und Andreas Schlumberger, wie wir sie lösen können und eine nachhaltigere und gerechtere Welt für unsere Kinder und Enkel schaffen.

Zieht euch warm an, es wird heiß erschien erstmals im Juni 2020. In Zahlen ausgedrückt ist seitdem kaum Zeit vergangen – und trotzdem scheint 2020 eine Ewigkeit zurückzuliegen. Die Welt hat sich an vielen Stellen im Grundsatz verändert. Das ist nicht nur ein Gefühl. Die Last sich überlagernder Krisen nimmt zu, am verstörendsten ist dabei sicherlich der Krieg in der Ukraine. Es macht mich traurig und betroffen, so etwas wieder in Europa erleben zu müssen und gleichzeitig zu wissen, dass auf der Welt weitere 20 Kriege und 164 bewaffnete Konflikte toben. Dazu kommen die Nahrungsmittel- und Energiekrise, die Kosten explodieren und damit die Inflation massiv steigen lassen. Belastend für uns, geradezu existenzgefährdend für Menschen in ärmeren Regionen. Außerdem wird der Widerstreit von Demokratien und autokratischen Systemen immer stärker spürbar. Wir verstehen nach langer Zeit wieder neu, dass man Demokratie ernsthaft verteidigen muss, wenn man ihre Freiheiten auf Dauer genießen möchte. Und während wir noch dabei sind, die Corona-Pandemie zu verdauen, thront über allem die Klimakrise, der Klimawandel, die Klimakatastrophe – wie auch immer wir es nennen wollen.

An zunehmend extremerem Wetter erkennen wir nicht nur unsere Verletzlichkeit, sondern außerdem, dass die Prognosen der Klimaforschung von vor rund 40 Jahren tatsächlich eintreten. Die Flutkata­strophe im Ahrtal und in anderen Regionen im Westen Deutschlands 2021 hat uns gezeigt, in welchem Ausmaß wir selbst unmittelbar betroffen sein können. Wir stecken in einer Doppelrolle, denn wir sind nicht selten Opfer unserer eigenen Taten. Schaut man auf all das, scheint die Unbeschwertheit früherer Zeiten vorbei. Das Ausmaß der Krisen, ihre Gleichzeitigkeit und das Wissen, dass wir sie parallel bewältigen müssen, lassen uns vor einem Berg schier unlösbarer Probleme erstarren. Angst vor Status- und Kontrollverlust macht sich breit, Gesellschaften drohen zu zerreißen – so zumindest einige Soziologen.

Merken Sie etwas? Diese eine Buchseite »Standortbestimmung der Welt« – und man könnte neben sie noch etliche mit gleichem Tenor stellen – vermag uns den Atem zu rauben, uns verzweifeln zu lassen, uns jeden Optimismus zu nehmen. Immer öfter höre ich gerade zur Klimakrise den Satz: »Das können wir doch ohnehin nicht mehr schaffen, wozu also das Ganze?« Wenn ich dann sage: »Wir müssen die Probleme in kleine Bausteine zerlegen; uns auf unsere Möglichkeiten konzentrieren und nicht auf andere schielen; heutige und vergangene Erfolge sehen; eine Haltung entwickeln, die persönliche Veränderung erlaubt und technischen Fortschritt nicht verteufelt; und mit allen Schalthebeln der Demokratie dafür sorgen, dass es endlich geeignete Rahmenbedingungen gibt, die denjenigen, der die Umwelt verschmutzt, nicht reicher werden lässt, als den, der sie sauber hält«, dann wird häufig zustimmend genickt. Bei einigen bleibt jedoch trotz all dieser Punkte hängen, dass es doch geradezu leichtgläubig sei, heute noch Hoffnung zu haben. Der Gedanke ist erlaubt und vielleicht auch nachvollziehbar. Aber: Wenn Optimismus naiv ist, dann folgt, dass Pessimismus nicht naiv ist. Und deshalb stelle ich den Leuten diese Gegenfrage: »Was verbessert sich für Sie persönlich, wenn Sie eine pessimistische und damit hoffnungslose Sicht auf die Welt einnehmen? Werden Sie zufriedener? Hilft es Ihren Nachkommen? Können Sie mir irgendeinen Vorteil nennen?« Ich habe diese Fragen schon häufiger gestellt und in exakt null Fällen eine sinnstiftende Antwort erhalten. Deswegen möchte ich »einfach frus­triert aufgeben« als Konzept für die Zukunft nicht zulassen. Das passt auch nicht zum Rheinländer, schließlich bin ich gebürtiger Bonner.

Dieses Buch will zwei Dinge tun: Zunächst machen wir eine Bauchlandung, die uns zeigt, wo wir hinsichtlich des Klimas wirklich stehen. Dabei wird auf jegliche Schönrederei verzichtet, und stattdessen erklärt, wie die Zusammenhänge im komplexen Erdsystem funktionieren: Was verbindet Wetter und Klima, wo liegt der Unterschied? Wohin entwickelt sich die Welt durch unser Handeln und warum sorgt die Erderwärmung für immer extremere Wetterereignisse? Mit den gewonnenen Erkenntnissen widmen wir uns danach den vielen Stellschrauben und Möglichkeiten, um aus dem Schlamassel wieder herauszukommen. Da geht es um Haltung und Verhalten, um Technik, um Politik, um Unternehmen und Wirtschaft, um Geldanlage, um das Bevölkerungswachstum, um den globalen Süden, um reichere und ärmere Menschen sowie ihren Fußabdruck, um behäbige Bürokratie, um ein soziales oder ökologisches Pflichtjahr und vieles andere.

Es braucht neben mehr Klimawissen in der Gesellschaft auch eine wirkliche Aufbruchstimmung. Wir müssen entschlossen loslegen, denn ohne eine Transformation, die unser Dasein auf Dauer nachhaltig macht, werden wir unseren Wohlstand in absehbarer Zeit verlieren. So einfach ist das, ob es uns gefällt oder nicht. Gedanken und Kräfte sollten dazu gebündelt werden; ideologischer Dauerstreit oder nie enden wollende Diskussionen bringen uns nicht weiter. Beides bremst und lässt die einen gleichgültig, die anderen verzweifelt zurück. Der Protest der »Letzten Generation« zeigt diese Verzweiflung mehr als deutlich. Kaum jemand wird behaupten, es wäre zur Bekämpfung der Erderwärmung zielführend, Kunstwerke zu besprühen. Insofern hält sich die Unterstützung solchen Handelns in weiten Teilen der Gesellschaft in engen Grenzen. Doch andererseits: Was soll man tun, wenn die bräsige Ungerührtheit so vieler das Anliegen, eine vernünftige Zukunft auf diesem Planeten haben zu wollen, ungehört an sich abprallen lässt? Die Frage ist also: Aus welchem Grund hört wer wem wann zu? Wie soll man auf sich aufmerksam machen? Das war schließlich auch bei früheren Protesten immer das Kernanliegen – Ältere mögen sich hier an ihre eigenen Aktionen in jüngeren Jahren erinnern.

Wir haben heute kein nüchternes Wissens-, sondern ein eklatantes Handlungsproblem. Es ist zwar gut, dass uns die Klimaforscher immer wieder neue Studien liefern und somit das im Prinzip Bekannte bestätigen, aber manchmal glaube ich, wir brauchen vor allem mehr Psychologen, die uns klarmachen, dass wir derzeit nicht dabei sind, die Welt »enkelfähig« zu machen – ein wundervolles Wort, das der Unternehmer Franz Haniel bereits vor über 150 Jahren prägte. Weil wir ständig das Gegenteil oder zumindest etwas anderes tun, als wir vorgeben tun zu wollen, müssten wir unseren Kindern und Enkeln eigentlich rundheraus sagen: »Dir soll es später mal schlechter gehen als mir!« Natürlich läge uns nichts ferner, denn eigentlich wünschen wir unseren Sprösslingen weiterhin ein besseres oder zumindest ebenso gutes Leben, wie wir es haben. Wenn wir das aber ehrlich meinen, dann ist unsere Aufgabe klar: Wir müssen Wunsch und Wirklichkeit zusammenzubringen! Möglichkeiten hätten wir genug.

(Zitiert aus der Interneseite des Westend Verlages)
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Alles an einem Tag auf tagesschau.de

Mehr als die Hälfte der Seen weltweit verliert Wasser
Durch den Klimawandel und die menschliche Nutzung schrumpft das Volumen von Seen weltweit erheblich. Das zeigt eine neue Studie, die Satellitenbilder von 2000 Seen ausgewertet hat. Sie gibt auch Hinweise, wie Lösungen aussehen könnten.
Der Wasserstand des Gardasees in Italien ist ungewöhnlich niedrig, auch in Spanien tragen viele Stauseen nach monatelanger Dürre nur noch wenig Wasser. Das sind Beispiele für eine weltweite Entwicklung, die ein internationales Forscherteam in einer neuen Studie genauer untersucht hat. Die Ergebnisse, die in der Fachmagazin „Science“ veröffentlicht wurden, zeigen: Die Wassermenge in großen Seen weltweit hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten drastisch reduziert.
Seit Anfang der 1990er-Jahre verloren demnach mehr als die Hälfte der natürlichen Seen und der Stauseen weltweit an Volumen. Die Austrocknung geht den Wissenschaftlern zufolge größtenteils auf die Erwärmung des Klimas und menschlichen Verbrauch zurück. …


Waldbrand in Spanien
700 Menschen in Sicherheit gebracht

In der spanischen Region Extremadura ist ein großer Waldbrand außer Kontrolle geraten. Hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Etwa 7500 Hektar Wald wurden bisher vernichtet. Die Regionalregierung geht von Brandstiftung aus.
Wegen eines Waldbrandes in der westspanischen Region Extremadura sind Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht worden. Das Feuer sei am Mittwoch in der Nähe der Gemeinde Pinofranqueado ausgebrochen, teilte die spanische Sicherheitsbehörde DSN mit. In der Nacht habe es sich dann so rasch ausgebreitet, dass etwa 700 Einwohner der umliegenden Orte evakuiert werden mussten. Die Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht. Die Lage sei weiter ernst. …

Wasserverlust in Seen
Forscher warnt vor extremen Folgen für Artenvielfalt

Auch in Deutschland leiden viele Seen unter Trockenheit und Klimawandel. Eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung sei das zwar nicht, sagt Hydrobiologe Rinke im Interview. Für das Ökosystem könne der Mangel dennoch drastische Folgen haben.
tagesschau.de: Eine Studie hat gezeigt, dass weltweit die Hälfte aller größeren Seen Wasser verloren hat in den vergangenen Jahrzehnten. Wie ist die Situation in Deutschland?
Karsten Rinke: In der Studie sind zwar nur zwei Gewässer in Deutschland erfasst. Wir wissen aber aus anderen Untersuchungen, dass die meisten Seen in Deutschland nicht so stark in Gefahr sind, wie in anderen, trockeneren Gegenden auf der Welt. Denn die starke Verdunstung ist hierzulande nicht so hoch. Und wenn ein See mit einem Fluss verbunden ist, dann ist der Wasserpegel erst mal relativ unempfindlich gegenüber Schwankungen im Zulauf.
Problematisch ist es allerdings bei Grundwasser-gespeisten Seen. Das sind zum Beispiel alle Baggerseen, und regional betrachtet viele Seen im brandenburgischen und auch im norddeutschen Raum. Die sind sehr empfindlich, wenn der Grundwasserspiegel nach unten geht. Und wir sehen seit 2018, dass diese Gewässer kleiner werden oder teilweise auch bereits ausgetrocknet sind. …


Studie zu Folgen des Wetterphänomens
El Niño kostet Weltwirtschaft Billionen

Meteorologen sagen für dieses Jahr das Wetterphänomen El Niño voraus. US-Forscher zeigen, dass die Auswirkungen weit über Wetterextreme hinausgehen. Die Folgen erstrecken sich über Jahre und verstärken Ungleichheiten.
Die wirtschaftlichen Kosten des Wetterphänomens El Niño belaufen sich auf mehrere Billionen Euro. Das geht aus einer Studie von US-Wissenschaftlern hervor, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurden. Dabei wurden nicht nur die direkten Verluste durch die mit El Niño verbundenen Wetterextreme wie Überflutungen und Dürren berücksichtigt. Zusätzlich haben die Forscher den Einfluss von El Niño auf das globale Wirtschaftswachstum und das Einkommen der betroffenen Menschen berechnet. …

Klimaprotest in Berlin
Autofahrer treten Aktivisten der „Letzten Generation“

Die Proteste der Klima-Aktivisten der „Letzten Generation“ gehen weiter. In Berlin blockiert die Gruppe zahlreiche Straßen. Einige Autofahrer reagierten mit Gewalt und traten auf Demonstranten ein.
Bei erneuten Straßenblockaden der Klimagruppe „Letzte Generation“ in Berlin sind Autofahrer gewaltsam gegen Aktivisten vorgegangen. Nach Angaben eines Fotografen der Deutschen Presse-Agentur zerrten sie am Freitagmorgen auf der A100 in Höhe der Abfahrt Kurfürstendamm an Protestierenden, schlugen auf diese ein und traten sie, um sie am Festkleben zu hindern. …

Nicht zu vergessen die Überschwemmungen in Norditalien, der Wassermangel in den Pyrenäen und die Waldbrände in Kanada, über die auch auf tagesschau.de berichtet worden ist.