Montag

Heute haben
Honoré de Balzac * 1799
Sigrid Undset * 1882
Hans Sahl * 1902
Wolfgang Borchert * 1921
Hanna Krall * 1937
Geburtstag
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Schauen Sie sich dieses Video an und genießen Sie jede Minuten, in den bei Ihnen daheim Ruhe herrscht und nicht ein durchgeknallter Vogel vor sich hinbrabbelt.
Disco hat es zu Weltruhm gebracht und auf youtube finden sich jede Menge Beitrage über seine Redekunst.
Vielleicht sollten sie ihm noch das Singen beibringen und wir hätten wieder Chancen beim European Song Contest.

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Dan Brown wird im Moment hoch und runter besprochen. Immer wieder werden Verkaufszahlen seiner Bücher genannt. Auf wikipedia habe ich eine Liste der Top Ten Bücher gefunden.

Liste erfolgreicher Bücher nach gedruckten Exemplaren
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Wolfgang Sofsky, geboren 1952 in Kaiserslautern, lehrte als Professor für Soziologie an den Universitäten Göttingen und Erfurt. Seit 2000 arbeitet er als Privatgelehrter, Essayist und politischer Kommentator. 1993 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis für sein Buch ›Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager‹. Seine Bücher wurden in über zehn Sprachen übersetzt.

Wolfgang Sofsky: „Einzelgänger
Matthes & Seitz Verlag € 19,90

Alle sind sie allein, einsam oder verlassen. Ob der Eremit oder Prophet, ob König, Narr oder Verräter, ob Trinker, Spieler oder Künstler, sie sind der Welt abhanden gekommen. Wolfgang Sofsky erzählt von Figuren abseits der Gesellschaft, von Ausgestoßenen, Verlorenen, Enttäuschten, Verwirrten und Erleuchteten. Von der Geburt des ersten Menschen bis zum Antiquar der letzten Schriften reicht die Galerie der Szenen und Portraits. ›Einzelgänger‹ führt in die Innenwelten der Einsamkeit, das Buch bringt die Vorstellung vom Menschen als sozialem Wesen ins Wanken und bietet das Vergnügen subtiler literarischer Erkenntnis. Sofskys Prosadebut öffnet nicht nur ein Wunderkabinett von schillernden Gestalten, es ist auch ein stilistisches Glanzstück voller Verweise und Symbole. Verschiedentlich fühlt sich der Leser an Bilder, Motive oder Figuren der diversen Künste erinnert, die in Sofskys Erzählungen jedoch einen ganz neuen, tieferen Sinn gewinnen. Einige gleichen Meditationen, die sich für einen Augenblick zu einer Handlung verdichten, andere ähneln Parabeln oder kleinen Dramen mit tragischem Ausgang. Sofskys Sprache ist hellhörig, intensiv und von spröder Eleganz.
So schreibt der Verlag auf seiner website. Leider hat er keine Leseprobe veröffentlicht, so dass Sie die Möglichkeit hätten, Sofkys Schreibstil zu bewundern. Vor einigen Wochen habe ich Botho Strauß‘ neues Buch mit vielen Miniaturen gelesen. Sehr spröde und unnahbar kamen mir diese kurzen Texte vor. Unterkühlt und bald tiefgefroren. Das soll keine Kritik sein. Nein im Gegenteil. Ich war sehr erstaunt, da die gängige Schreib- und Leseart doch eine andere ist.
Die „Einzelgänger“ in den Erzählungen von Wolfgang Sofsky sind denen von Botho Strauss ähnlich. Sehr einsam und kühl gezeichnet. Regungen werden nicht explosiv und dramatisch ausgebaut, sondern werden ohne Wertung geschildert. Wenn ich mit der letzten Geschichte anfange: „Die Abrechnung“. Hier befinden wir uns in einem heruntergekommenem Buchantiquariat, in dem ein Mann seit Jahrzehnten arbeitet und der schon deutlich bessere Zeiten gesehen hat. Früher zog er einen Leiterwagen mit Lieferungen zur Post. Später waren es noch wenige Päckchen pro Woche. Bis er sich entschlossen hat, gar nichts mehr zu kaufen und zu verkaufen. Er sitzt jedoch täglich ins einem verstaubten Laden und versucht sich durch seinen eigenen Bestand zu lesen. Bis eine knarzige Gestalt eintritt und ihm ein altes, schmales Büchlein über das „Gehen, Denken und Schweigen“ bringt. Dies löst bei dem einsamen, verschweigsamen Buchantiquar einiges aus.
In den Erzählungen tauchen Trinker, Mörder, ein Leuchtturmwärter, ein Geiger und ein Pianist, und ein Schloßherr auf, der sich seinen Bediensteten nie zeigt. Auch gibt es dort keine Spiegel. Auch ein Narr, der sich auf einem Maskenball, sehr zur Entrüstung der Gäste, nicht verkleidet, taucht auf.
Sie merken schon: Lustig sind die Texte nicht. Melancholie und Kälte herrschen vor. Wie Bilder von Hopper, die eingefroren an den Museumswänden hängen.
Immer könnte ich solche Erzählungen nicht lesen. Wenn ich aber meinen Bücherstapel anschauen, tut so ein Büchlein sehr gut und erdet mich wieder.

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