2.Türchen vom Besten das Beste

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Heute haben
Botho Strauß * 1944
T.C.Boyle * 1948
Doron Rabinovici * 1961
Geburtstag
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Wir werden in den nächsten Wochen das Jahr 2015 auf dem Blog durchschauen und Ihnen das Beste vom Besten zusammenstellen. Zur Erinnerung, was es alles Tolles gab, als Tipps für Ihre Weihnachtsgeschenke.

Wir beginnen mit dem Anfang und finden
Dylan Thomas‘: „Unter dem Milchwald / Under Milkwood“.

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Dylan Thomas: “Unter dem Milchwald / Under Milk Wood
Drei legendäre Hörspielinszenierungen
Übersetzt von Erich Fried
6 Audio-CDs, Laufzeit: 278 Minuten
Der Hörverlag € 24,99

To begin at the beginning:

It is spring, moonless night in the small town, starless
and bible-black, the cobblestreets silent and the hunched,
courters’-and-rabbits’ wood limping invisible down to the
sloeblack, slow, black, crowblack, fishingboatbobbing sea.
The houses are blind as moles (though moles see fine to-night
in the snouting, velvet dingles) or blind as Captain Cat
there in the muffled middle by the pump and the town clock,
the shops in mourning, the Welfare Hall in widows’ weeds.
And all the people of the lulled and dumbfound town are
sleeping now.

Hush, the babies are sleeping, the farmers, the fishers,
the tradesmen and pensioners, cobbler, schoolteacher,
postman and publican, the undertaker and the fancy woman,
drunkard, dressmaker, preacher, policeman, the webfoot
cocklewomen and the tidy wives. Young girls lie bedded soft
or glide in their dreams, with rings and trousseaux,
bridesmaided by glowworms down the aisles of the
organplaying wood. The boys are dreaming wicked or of the
bucking ranches of the night and the jollyrodgered sea. And
the anthracite statues of the horses sleep in the fields,
and the cows in the byres, and the dogs in the wetnosed
yards; and the cats nap in the slant corners or lope sly,
streaking and needling, on the one cloud of the roofs.

Das sind so die Entdeckungen im Buchhändlerleben.
Seit Jahren und Jahrzehnten schwirrt mir der Titel: “Unter dem Milchwald” im Kopf herum. Auch Dylan Thomas sagt mir natürlich etwas. Seine Weihnachtsgeschichte habe ich schon öfter gelesen. Dass Bob Dylan seinen Namen von ihm hat, wissen wir ja auch.  Auch ich war verwundert, als ich mit über einem Jahr Verzögerung diese drei Hörspiele gehört habe. Einzeln gibt es sie natürlich schon viel länger auf dem Markt. Und noch einige weitere Versionen mehr. Aber diese Kombination zu diesem Preis, ist grossartig.
BBC 1954, NWDR 1954, MDR 2003 sind die Eckdaten für die einzelnen Produktionen, in denen u.a. Richard Burton (BBC), Inge Meysel (NWDR) und olle Harry Rowohlt (MDR) sprechen.
Ich konnte mir unter diesen Hörspielen nichts vorstellen, begann mit der englischen Version und verstand erst mal gar nichts. Also schnell die 54er deutsche Version und mich hat’s komplett vom Hocker gehauen. So etwas ist mir noch nicht untergekommen. Na, das hätten wir dir aber schon vor 20 Jahren sagen können, bekomme ich sicherlich zu hören. Egal. Das, was Dylan Thomas und seiner kleinen Seestadt macht, ist so einzigartig, dass ich richtig süchtig geworden bin. Voller Wortwitz, mit verrückten Wortketten und Wortassoziationen lässt er die Einwohner der kleinen Stadt einen Tag lang zu Wort kommen. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht geht der Reigen an der wallisischen Küste. Es wird gelacht, geweint, gesungen und gebrüllt. Es werden Kartoffeln poliert und Bier gesoffen, der Teufel im Wald vertrieben und Orgel gespielt. Die Toten werden wieder lebendig und der Briefträger erzählt den Empfängern der Post gleich an der Türschwelle, was es alles Neues gibt auf den zugestellten Postkarten. Ich kann hier keine Inhaltsangabe schreiben, da das Stück voller überbordender Ideen ist. Was aber Gossamer Beynon, Orgel-Morgan, Mrs Ogmore-Pritchard, Mrs Willy-Nilly, Kapitan Cat, Mr Waldo, Mary Ann Seefahrer, Eli Jenkins, Lily Smalls, Boyo, Mrs Cherry Owen und Sinbad, auf den Straßen, in den Häusern, auf dem Friedhof und in der Kneipe treiben, ließen mir die Ohren glühen. Nach der 54er Version gleich die Harry Rowohlt-Version von 2003 aufgelegt und wieder einen Vergleich mit der alten gemacht. Dann endlich habe ich mich an die englische Version gemacht und auch das Meiste verstanden.
Nun ist mir auch klar, warum alle Welt von Dylan Thomas, seinem Milchwald und der Stadt Llareggyb reden.
Die BBC-Erstausstrahlung war am 25.Januar 1954 war.

Rosenmontag

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Heute haben
Wilhelm Heinse * 1746
Joseph Victor von Scheffel * 1826
Nikolai Leskow * 1831
Alfred Kolleritsch * 1931
Agaron Appelfeld * 1932
Richard Ford * 1944
Ian Banks * 1954
Geburtstag
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»Wenn ich nicht Bob Dylan wäre, würde ich vermutlich selbst denken, dass Bob Dylan mir eine Menge Antworten geben kann.«
Bob Dylan

Letzte Woche kam ein Kunde in den Laden und verlangte seine bestellte Bob Dylan-LP. Vinyl und nicht CD. Er schimpfte über die neue Platte des Großmeisters, weil sie wirklich schei… sei. Er hätte sie sich schon angehört. Auf meine sehr naive Antwort: Na ja, es sei ja auch seine 36. Scheibe und die Kritiken seien wirklich vernichtend gewesen, lacht er beim Hinausgehen und sagt, dass er ca. 150 Scheiben von Dylan daheim hätte und er brauche sie halt alle und es hat immer wirklich sehr schlecht Platten von ihm gegeben. Darauf habe ich ihn auf das Buch von Maik Brüggemeyer aufmerksam gemacht. Mit großen Ohren sagte er, dass ich ihm das Buch sofort reservieren solle, wenn es da sei.
Jetzt ist es soweit.

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Maik Brüggemeyer: „Catfish“
Ein Bob Dylan Roman
Metrolit Verlag € 22,00
als eBook € 15,99

Bob Dylan verfolgt mich in den letzten Wochen. Durch meine Entdeckung von Dylan Thomas‘ „Unter dem Milchwald / Under Milkwood“ und durch seine neue Platte, die ich natürlich für den Laden und die Fans bestellen musste.
Jetzt bin ich selbst angefixt, höre verdammt viel von seiner Musik und habe mir das dicke Buch mit seinen Liedtexte auf englisch und in der deutschen Übersetzung von Gisbert Haefs in der Bibliothek besorgt, da es im Moment nicht lieferbar ist. Gut, dass ich einen Bibliothelsausweis besitze.

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Maik Brüggemeyer ist Redakteur beim deutschen Musikmagazin „Rolling Stone“ und hat sich auf unkonventionelle Art und Weise seinem Helden genähert. Im Bibliotheksregal steht ein halber Meter Dylan-Biografien und Brüggemeyer meint, dass er da kein Buch hinzufügen will. Wie also vorgehen? Er reist einfach nach new York, um Dylan selbst zu treffen. Anhaltspunkte hat er genug. Ein Kneipe namens „Catfish“, das dem Buch seinen Namen gab und gleichzeitig ein Lied von Dylan ist. Das „Bitter End“, eine Kneipe, ein Falafel-Stand, Personen, die er treffen will, sind die Aufhänger für sein Buch. Dabei fiel mir auf, dass Felicitas Hoppe mit ihrer „Biografie“ „Hoppe“ so ähnlich vorgegangen ist. Bei ihr war es ein Kneipenschild „Red Lobster“ in Manhattan, das so auch nicht auffindbar und an diesen halb fiktiv, halb tatsächlichen Fakten hangeln sich beide entlang.

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Brüggemeyer trifft tatsächlich auf Dylan. Oder ist er es etwa nicht? Zu Beginn weiß er es nicht, aber nach mehreren Abenden mit diesem Menschen, in verschiedenen Kneipen, in denen der Fremde oft anders aussieht und sich an die Gespräche des Vorabends zum Teil nicht erinnern kann, entsteht so etwas wie Freundschaft zwischen den beiden. Wobei dieser Dylan immer mal wieder verschwunden ist und Brüggemeyer irgendwelche versteckten Botschaften mit auf den Weg gibt, wo er vielleicht wieder auffindbar ist. Die Gespräche beruhen zum Teil auf echten Interviewtexten, oder auch aus Liedzitaten. So, wie es dem Autor gerade passt. Unglaublich witzig und beim Lesen wurde ich richtig angefixt, Dylan zu hören. Dank dieser Internet-Streaming-Portale ist dies ja nicht mehr kompliziert. Gleichzeitig hat der Autor eine eigene Playlist auf Spotify zusammengestellt. So können Sie beim Lesen die passende Musik hören.
Ein großer Lesegenuß, der dazu geführt hat, dass ich tatsächlich mit dem Stift in der Hand gelesen habe und mir Adressen unterstrichen habe, für einen eventuellen weiteren New York-Besuch. Wer weiß.
Maik Brüggemeyer nähert sich unorthodox einem der größten Künstler unserer Zeit, einer Person, die es immer wieder geschafft, sich selbt zu ändern, aus sich selbst eine Kunstfigur gemacht hat, die einfach nicht zu fassen ist. Auf seiner Never Ending Tour reist Dylan seit Jahren um die Welt, spielt, singt und ist somit immer auf Achse, wie ein rollender Stein. Immer im Fluss, immer im Wandel.

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Verzeichnisse über Dylans Lieder, Bücher, Filme über ihn und vieles mehr, ergänzen das Buch, das gerade nicht für Dylan-Fachleute geschrieben ist.
Mehr mag ich auch gar nicht über das Buch schreiben. Einfach selbst Reinschmökern. Es lohnt sich.

Die Playlist zum Buch
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Heute Abend um 19 Uhr.
Weltpremiere!

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Eintritt frei
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Samstag

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Heute haben
Marie Luise Kaschnitz * 1901
Kurt Marti *1921
Norman Mailer * 1923
Kenzaburo Oe * 1925 (Er wird heute 80)
Geburtstag
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Dylan Thomas:
„Unter dem Milchwald/Under Milk Wood“

Drei legendäre Hörspielinszenierungen
Übersetzt von Erich Fried
6 Audio-CDs, Laufzeit: 278 Minuten
Der Hörverlag € 24,99

To begin at the beginning:

It is spring, moonless night in the small town, starless
and bible-black, the cobblestreets silent and the hunched,
courters‘-and-rabbits‘ wood limping invisible down to the
sloeblack, slow, black, crowblack, fishingboatbobbing sea.
The houses are blind as moles (though moles see fine to-night
in the snouting, velvet dingles) or blind as Captain Cat
there in the muffled middle by the pump and the town clock,
the shops in mourning, the Welfare Hall in widows‘ weeds.
And all the people of the lulled and dumbfound town are
sleeping now.

Hush, the babies are sleeping, the farmers, the fishers,
the tradesmen and pensioners, cobbler, schoolteacher,
postman and publican, the undertaker and the fancy woman,
drunkard, dressmaker, preacher, policeman, the webfoot
cocklewomen and the tidy wives. Young girls lie bedded soft
or glide in their dreams, with rings and trousseaux,
bridesmaided by glowworms down the aisles of the
organplaying wood. The boys are dreaming wicked or of the
bucking ranches of the night and the jollyrodgered sea. And
the anthracite statues of the horses sleep in the fields,
and the cows in the byres, and the dogs in the wetnosed
yards; and the cats nap in the slant corners or lope sly,
streaking and needling, on the one cloud of the roofs.

Das sind so die Entdeckungen im Buchhändlerleben.
Seit Jahren und Jahrzehnten schwirrt mir der Titel: „Unter dem Milchwald“ im Kopf herum. Auch Dylan Thomas sagt mir natürlich etwas. Seine Weihnachtsgeschichte habe ich schon öfter gelesen. Dass Bob Dylan seinen Namen von ihm hat, wissen wir ja auch. Der hat übrigens gestern sein 36.Album veröffentlicht, das überall so richtig mit großer Verwunderungen besprochen wird. Aber zurück. Auch ich war verwundert, als ich mit über einem Jahr Verzögerung diese drei Hörspiele gehört habe. Einzeln gibt es sie natürlich schon viel länger auf dem Markt. Und noch einige weitere Versionen mehr. Aber diese Kombination zu diesem Preis, ist grossartig.
BBC 1954, NWDR 1954, MDR 2003 sind die Eckdaten für die einzelnen Produktionen, in denen u.a. Richard Burton (BBC), Inge Meysel (NWDR) und olle Harry Rowohlt (MDR) sprechen.
Ich konnte mir unter diesen Hörspielen nichts vorstellen, begann mit der englischen Version und verstand erst mal gar nichts. Also schnell die 54er deutsche Version und mich hat’s komplett vom Hocker gehauen. So etwas ist mir noch nicht untergekommen. Na, das hätten wir dir aber schon vor 20 Jahren sagen können, bekomme ich sicherlich zu hören. Egal. Das, was Dylan Thomas und seiner kleinen Seestadt macht, ist so einzigartig, dass ich richtig süchtig geworden bin. Voller Wortwitz, mit verrückten Wortketten und Wortasoziationen lässt er die Einwohner der kleinen Stadt einen Tag lang zu Wort kommen. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht geht der Reigen an der wallisischen Küste. Es wird gelacht, geweint, gesungen und gebrüllt. Es werden Kartoffeln poliert und Bier gesoffen. Teufel im Wald vertrieben und Orgel gespielt. Die Toten werden wieder lebendig und der Briefträger erzählt den Empfängern der Post gleich an der Türschwelle, was es alles neues gibt auf den zugestellten Postkarten. Ich kann hier keine Inhaltsangabe schreiben, da das Stück voller überbordender Ideen ist. Was aber Gossamer Beynon, Orgel-Morgan, Mrs Ogmore-Pritchard, Mrs Willy-Nilly, Kapitan Cat, Mr Waldo, Mary Ann Seefahrer, Eli Jenkins, Lily Smalls, Boyo, Mrs Cherry Owen und Sinbad, auf den Straßen, in den Häusern, auf dem Friedhof und in der Kneipe treiben, ließen mir die Ohren glühen. Nach der 54er Version gleich die Harry Rowohlt-Version von 2003 aufgelegt und wieder einen Vergleich mit der alten gemacht. Dann endlich habe ich mich an die englische Version gemacht und auch das Meiste verstanden.
Nun ist mir auch klar, warum alle Welt von Dylan Thomas, seinem Milchwald und der Stadt Llareggyb reden.
Gerade schaue ich in das Impressum des Reclam-Heftchens und lese, dass die BBC-Erstausstralung am 25.Januar 1954 war. Da hätte ich diesen Tipp doch punktgenau eine Woche früher bringen können.

Am kommenden Dienstag stellen wir dieses Hörpielprojekt vor.
Ab 19 Uhr gibt es wieder unsere „1.Seite“.
Wie immer mit Clemens Grote und als Stargast Richard Burton.

Diese Hörspieledition auf sechs CDs erschien zum 100. Geburtstag von Dylan Thomas am 27.Oktober 2014.

Hier können sie reinhören.
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Diese Bücher stellen wir am kommenden Dienstag.
Entdecken Sie mit uns Bücher, die nicht auf den Bestsellerlisten stehen.

Jenny Offill: Amt für Mutmaßungen
(„Dieses Buch ist wie ein kleines, extrem scharf geschliffenes Messer.“,
Ijoma Mangold / Die Zeit)

Jami Attenberg: Die Middlesteins
(„Die Middlesteins haben mich von der allerersten Seite an begeistert.“,
Jonathan Franzen)

Dorte Nors: Handkantenschlag
(„Die Autorin Dorthe Nors weiß, wie sie die kleinen Momente einfängt und mit
ihren Worten unvergesslich macht.“ Oprah Winfrey)

Dylan Thomas: Under Milk Wood / Unter dem Milchwald
(3 Hörspiele auf 6 CDs mit Richard Burton, Inge Meysel, Sophie Rois und Harry
Rowohlt und vielen vielen anderen)