Dienstag, 28.Juli

IMG_0512

Heute haben
Beatrix Potter *1866
Malcolm Lowry * 1909
John Asbery * 1927
Remco Campert * 1929
Beat Brechbühl * 1939
Geburtstag
_______________________________

Friedrich Hölderlin
An die Nachtigall

Dir flüsterts leise – Nachtigall! dir allein,
Dir, süße Tränenweckerin! sagt es nur
Die Saite. – Stellas wehmutsvoller
Seufzer – er raubte mein Herz – dein Kehlchen –

Es klagte – o! es klagte – wie Stella ists.
Starr sah ich hin beim Seufzer, wie, als dein Lied
Am liebevollsten schlug, am schönsten
Aus der melodischen Kehle strömte.

Dann sah ich auf, sah bebend, ob Stellas Blick
Mir lächle – ach! ich suche dich, Nachtigall!
Und du verbirgst dich. – Wem, o Stella!
Seufztest du? Sangest du mir, du süße?

Doch nein! doch nein! ich will es ja nicht, dein Lied,
Von ferne will ich lauschen – o! singe dann!
Die Seele schläft – und plötzlich schlägt die
Brust mir empor zum erhabnen Lorbeer.

O Stella! sag es! sag es! – ich bebe nicht! –
Es tötete die Wonne, geliebt zu sein,
Den Schwärmer. – Aber tränend will ich
Deinen beglückten Geliebten segnen.
_____________________

Jetzt als Taschenbuch:

csm_9783832183813_59bf161e56

Claudia Wiltschek empfiehlt:

Ewald Arenz: „Alte Sorten“
DuMont Verlag € 10,00

Liss lebt alleine auf einem Hof zwischen Feldern und Weinbergen. Sally, kurz vor dem Abitur, kommt nicht mehr mit der Welt und sich zurecht und ist aus einer Klinik abgehauen. Erschöpft und müde läuft sie durch die Felder und trifft auf Liss, deren Traktor feststeckt und die sie prompt bittet mitzuhelfen. Gemeinsam lösen sie das Problem und Liss bietet Sally an, die Nacht bei ihr zu verbringen. Aus einer Nacht werden Tage und Wochen. Leicht haben es die beiden nicht miteinander. Sally mit ihren wütenden Ausbrüchen und Liss mit ihrer Vergangenheit über die sie nicht sprechen will. Aber jede lässt die andere so sein wie sie ist und Sally findet ganz vorsichtig wieder Anschluss an das Leben. Es werden Kartoffel geerntet, Bienen gefüttert, Schnaps gebrannt, Trauben gelesen, Dinge die Sally so fremd und für Liss Alltag sind. Und Sally wird natürlich gesucht ….
Eine berührende Geschichte zweier Frauen, (jedoch nicht so lieblich wie das Cover vermuten lässt) die sich gegenseitig mehr geben können, als sie erwartet haben.

 

 

Samstag, 11.April

Fred Wiegräfe kann im Moment nicht bei uns in der Buchhandlung spielen, wie er es immer wieder am Freitagmittag und Samstagvormittag auf dem Sofa getan hat. Hier können Sie ihn mit einem Lied von seiner berühmten HfG-Session erleben.
Viel Vergnügen.


____________________________

Heute haben
Martin Kessel * 1901
Landolf Scherzer * 1941
Felix Kamphausen * 1944
Valerie Martin * 1948
Péter Esterházy * 1950
Geburtstag
_____________________________

Eine Ostergeschichte von Silvia Trummer

Es komme oft vor, sagt die Nachbarin, dass es schneie an Ostern. Eigentlich gebe es häufiger weisse Ostern als weisse Weihnachten. Man habe sich darauf eingestellt, die Heizung wieder voll aufzudrehen an Ostern. Allerdings vermöge der Schnee doch selten, die Osterglocken im Garten niederzudrücken.
______________________________

csm_9783832199838_f816511df8

Marimekko: „50 Postkarten“
50 Motive in einer Box mit Klappdeckel.
DuMont Verlag € 16,00

Miramako

Das schreibt der Verlag:

Ein Muss für jeden Marimekko-Fan
Die außergewöhnliche Kombination von Formen, Farben und Mustern machen das finnische Label marimekko® seit Jahrzehnten unverwechselbar. In Zusammenarbeit mit Künstlern wie z. B. Maija Isola und Fujiwo Ishimoto wurden und werden hochwertige Mode, Stoffe, Heimtextilien, Bekleidung, Taschen, Keramik, Glas und viele weitere Einrichtungsgegenstände für alle Lebensbereiche entwickelt. Insbesondere die Designs Unikko, Kaivo und Kasvu sind inzwischen weltweit bekannt. Aktuell erlebt die legendäre Kultmarke einen neuen Boom – nicht nur bei Designliebhabern. Höchste Zeit, sich selbst und andere mit diesen farbenfrohen Kreationen zu beglücken.

Freitag, 13.März

IMG_8077

Heute haben
Oskar Loerke * 1884
Hugh Walpole * 1884
Frank Thieß * 1890
Jannett Flanner * 1892
Erich Kästner * 1904
Juri Andruchowytsch * 1960
Geburtstag
________________________

Oskar Loerke
Ein Flittern geistert durch die Hecke

Ein Flittern geistert durch die Hecke.
Es jagen, Diebe mit dem Hort,
Vor mir die Wolkenschattenflecke
Auf Siebenmeilenstiefeln fort.
Es ist, als ob die Leere
Einkehre.

Im Winde turnen Kiefernzapfen,
Sie knallen auf das Laubendach
Und hinter mir in meine Tapfen
Und hüpfen fast ihr Totes wach.
Dann liegen sie, als ob die Leere
Erst ganz in sie einkehre.

Am Fuß vergraben sich die Käfer,
Die Würmer mahlen nächtig tief.
Das späte Jahr ist wie ein Schäfer,
Dem seine Herde weit entlief.

Er kommt des Weges ohne Trauern.
Bespricht er mich? Er sagt mir dies:
„Es überrieselt dich ein Schauern,
Es wächst dir bald ein weiches Vlies,
Womit ich dich in meine Herde
Einreihen werde.“
_________________________

Die Veranstaltung mit Verena Güntner und ihrem Buch: „Power“ bei uns in der Buchhandlung ist vom 30.März auf den 22.Juli verschoben worden und Sarah Wiltschek empfiehlt es heute:
3691

Verena Güntner: „Power“
DuMont Verlag € 22,00

Power ist verschwunden. Der Hund der alten Hitschke, die sonst niemanden mehr hat, seit ihr Mann verschwunden ist. Die Hitschke bittet das Nachbarmädchen Kerze, ihr zu helfen, weil Kerze immer Rat hat und außerdem keine Angst. Kerze nimmt den Auftrag ernst und schart immer mehr Kinder aus dem Dorf um sich, die mit ihr, auf der Suche nach Power, tiefer und tiefer im Wald verschwinden.

Während die Kinder über Wochen auf allen Vieren halb nackt durch den Wald streunen, um am Ende mehr Hund als Mensch zu sein, ist die Verwandlung der verzweifelten, nach ihren Kindern suchenden, Erwachsenen scheinbar marginal. Denn eigentlich lauert sie schon immer unter dem Deckmantel von Anstand und Moral. Der kleinste Anlass aber, den sorgfältig antrainierten Benimm über Bord zu werfen, macht aus den Dorfbewohnern in Güntners Geschichte eine immer enthemmtere Ausschlussgesellschaft, die sich wehrlose Opfer sucht und vor nichts zurückschreckt. Die Hitschke, die ja der Auslöser für die Power-Suche und das Verschwinden der Kinder war, kommt da gerade recht.

Der Ausweg der Kinder, allen gesellschaftlichen Konsens bzw. die menschliche Spezies als denkende Kreatur, hinter sich zu lassen, aus Unverständnis über die Einfalt und die Angst der Erwachsenen und die stets schwelende Rückfälligkeit in archaische Strukturen, scheint total konsequent. Denn schon vor dem Ausnahmezustand und dem Verschwinden der Kinder, haben die Erwachsenen Angst vor Kerze, einem Kind. Weil sie keine Angst hat. Angst ist das, was Gesellschaft zerfrisst und hier eben auch das Dorf. Ausgeschlossen haben sie schon davor. Diejenigen, die anders waren. Einen Oberbauern, der diktatorisch die Gemeinde führt, gibt es auch. Richtige Nazis hingegen gibt’s nur im Nachbardorf. Bei Henne, dem Nachwuchsnazi möchte keiner mitmachen. Nazis sind die, so vermutet Kerze, die Angst haben, dass ihnen was weggenommen wird. Aber vor Henne hat keiner Angst. Das funktioniert hier also nicht. Vielmehr muss Henne sich unterordnen im Kinderhunderudel, wenn er dazugehören will.
Angst ist das zentrale Motiv in diesem Roman. Angst und was sie mit uns als Individuum und als Gemeinschaft macht. So ist dieses Dorf gleichwohl eine ziemlich zeitgemäße Parabel auf unser Heute, das von der Angst vor dem Fremden bestimmt wird.

Und am Ende ist der ganze Spuk mit einem Mal vorbei. Als hätten wir das alles nur geträumt. So jedenfalls endet der Roman.