Freitag, 2.Februar

Heute haben
Johann Christoph Gottsched * 1700
James Joyce * 1882
Aldo Palazzeschi * 1885
Ayn Rand * 1905
Hella Haasse * 1918
Joanna Bator * 1968
Geburtstag
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„Letzten Herbst habe ich mir in einem niederschlesischen Dorf ein hundert Jahre altes Haus gekauft. Zu dem Haus gehört auch ein Hund; sein Kopf sieht nach Wolf aus, sein Körper wie ein angestaubter Eisbär. Ein Ohr schwarz, das andere weiß, beide spitz und wachsam. Außer dem Hund haben die Vorbesitzer mir ein paar Sachen hinterlassen, eine Küchenkredenz, ein Himmelbett mit Säulen und einen Eichentisch; in die Platte sind unzählige Schnitte ein gegraben – Schriftzeichen, die ich jeden Tag aufs Neue zu entziffern versuche.“
So beginnt der großartige Roman „Bitternis“ von Joanna Bator
Aus dem Polnischen von Lisa Palmes
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Unser Buchtipp:


Dilek Güngör: „A wie Ada

Verbrecher Verlag € 20,00

Inder
Sind deine Eltern beide Türken?, fragt die Mutter der Freundin.
Ist deine Mutter Deutsche?
Eine andere Mutter sagt, dein Vater sieht nicht aus wie ein Türke. Sie kann Ada nicht sagen, wie der Vater aussieht. Er sieht nicht aus wie ein Deutscher, er sieht nicht aus wie ein Türke. Ist dein Vater Inder?, fragt jemand. Ada könnte antworten, ja, er ist Inder. Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater ist Inder.
Ich bin die einzige Türkin in der Familie.

Dilek Güngör erkundet mit ihren kurzen, humorvollen Texte die Identität von Ada. Wer ist sie? Wo sind ihre Wurzeln? (Über die sie tatsächlich in einem Text stolpert). Wie haben sich ihre Eltern an das Deutschland gewöhnt?
Die Texte umfassen Adas ganzes Leben. Vom Kindergarten, über die Schule, zum Studium, bis zum Leben als Mutter, an der ihre Kinder am Rockzipfel hängen, oder den ganzen Tag schmusen wollen.
Dies geht jedoch nicht chronologisch. Ada fragt sich auch, wo kommt ihr Sprache her? Gibt es doch Unterschiede auch innerhalb Deutschlands, wo aus dem Schwäbischen heben, dann im Studium ein halten wird. Ohne ihre beste Freundinnen wäre vielleicht alles noch komplizierter. Aber warum sagt ihre Mutter nie, dass Ada ihre Freundin, ihre beste Freundin ist. Mutter selbst hat keine. Nur Familie, mit der dann aber auch ausführlich telefoniert wird.
Dilek Güngör, die bekannt für ihre Glossen in der Berliner Zeitung ist, hat hier ein feines Buch veröffentlicht, in dem wir Ada näher kommen und uns selbst immer wieder genauso wiederfinden.

Was los ist
Alle Dinge, die Ada muss, muss Ada nicht. Sie müsste sie bloß. Mit dem Vater reden. Richtig Türkisch lernen. Sich bei der Freundin entschuldigen. Sich bei der Cousine entschuldigen. Die Cousine überhaupt erst einmal anrufen. Langsamer sprechen. Die Gründe kennen. Sich weniger entschuldigen. Es endlich begreifen. Mal locker bleiben. Wissen, was los ist. Sich zusammenreißen. Es einsehen. Es selber wissen. Es besser machen oder es gleich sein lassen. Sie muss ja gar nix, nicht einmal sterben, das ergibt sich ganz von selbst.

Dilek Güngör, geboren 1972 in Schwäbisch Gmünd, ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihre gesammelten Zeitungskolumnen erschienen in den Bänden „Unter uns“ und „Ganz schön deutsch“. 2007 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“.
2019 erschien ihr zweiter Roman, „Ich bin Özlem“, im Verbrecher Verlag. Ihr dritter Roman, „Vater und ich“, stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2021.
Die Autorin lebt und schreibt in Berlin.
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Auf tagesschau.de gesehen

Anhaltende Dürre
Katalonien ruft Wassernotstand aus

Wegen anhaltender Dürre hat die spanische Urlaubsregion Katalonien den Notstand ausgerufen. Der Wasserverbrauch wird drastisch begrenzt, was vor allem Landwirte hart trifft. Seit Jahren fällt in der Region zu wenig Regen.
Seit mehr als drei Jahren regnet es im spanischen Katalonien zu wenig. Nun hat der damit einhergehende Wassermangel ein so drastisches Ausmaß erreicht, dass die Regierung der Region den Notstand ausgerufen hat. Die damit einhergehenden Einschränkungen gelten ab morgen in der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona und 201 weiteren Gemeinden. Von den insgesamt etwa acht Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der Region sind sechs Millionen betroffen. Mehr als 30 Gemeinden hatten bereits vor der Anordnung der Regierung den Notstand ausgerufen, in anderen Gemeinden galt ein sogenannter Vornotstand.

Den kompletten Artikel finden Sie hier.

Freitag, 21.April


Heute haben
Charlotte Bronte * 1816
Peter Schneider * 1940
Hervé Le Tellier * 1957
Geburtstag
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Gotthold Ephraim Lessing
Das schlimmste Tier

Wie heißt das schlimmste Tier mit Namen?
So fragt‘ ein König einen weisen Mann.
Der Weise sprach: von wilden heißts Tyrann,
Und Schmeichler von den zahmen.
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Was für ein schöner, interessanter Abend mit dem Droschl Verlag, der Verlegerin Annette Knoch und Carolina Schutti und Bodo Hell.
Nach einem kleinen Überblick über den Verlag, seine Entstehung, seine Bücher und das Büchermachen in Österreich, warfen sich die beiden Autoren beim abwechselnden Vorlesen die Bälle zu. Obwohl der wunderbare Roman „Meeresbrise“ und der Essayband „Begabte Bäume“ im ersten Moment nichts miteinander zu tun haben, gab es doch einige Scharniere, wie es Carolina Schutti nannte und so funktionierten der Roman mit den beiden Mädchen sehr gut im Zusammenspiel mit dem Alphabet der Bäume und seinen vielen Geschichten dahinter.

Bodo Hell: „Ritus und Rita“ und „Auffahrt“
Essay 69 und 71
Droschl Verlag je € 18,00

Als Zugabe las Bodo Hell die paar wenigen Seiten über die Hl. Cäcilie, oder Santa Cecilia, der eine Kirche in Rom, Trastevere gewidmet ist.
In seinen beiden Essay-Bändchen zündet Bodo Hell gleich mehrere Feuerwerke ab.
Er schreibt über christliche Märtyrer und Heilige, deren Legenden, Fakten und Fiktionen über sie. Und das in seiner eigenen witzigen, mäanderden Art, in dem Abseitiges und Wissenswertes durch seine Ver-Dichtungsmaschine neu gestaltet werden. Ein wirkliches Sprach- und Sprechereignis.
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Gestern auf tagesschau.de
Klimabericht für Europa
Beispiellose Hitze und Dürre

Hohe Temperaturen, Trockenheit, Gletscherschwund: 2022 war das Jahr der Rekorde in Europa. Das geht aus dem Bericht des Klimabeobachtungsdienstes Copernicus hervor. So erlebte der Kontinent den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Die Durchschnittstemperaturen in Europa haben im vergangenen Jahr neue Höchstwerte erreicht. Das geht aus dem Jahresbericht des europäischen Klimabeobachtungsdienstes Copernicus hervor, der in Bonn veröffentlicht wurde.
Demnach erlebte der Kontinent den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und das zweitwärmste Jahr insgesamt. Auch bei der Sonneneinstrahlung, dem Gletscherschwund in den Alpen und der Zahl der Tage mit extremer Hitze in südeuropäischen Ländern wurden Rekorde registriert. Zugleich setzten Waldbrände so viel CO2 frei wie seit 15 Jahren nicht.

Den kompletten Bericht finden Sie hier.