Dienstag, 13.März

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Heute haben
Oskar Loerke * 1884
Hugh Walpole * 1884
Frank Thieß * 1890
Jannett Flanner * 1892
Erich Kästner * 1904
Juri Andruchowytsch * 1960
Geburtstag
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Oskar Loerke
Seliges Wachstum

Verpackt in Fächern, weggehängt in Spinden,
Sang doch das Märchen seine Weltgestalt.
Verstreutem Holzmehl aus den Bohrgewinden
Entwuchs der sagenweiße Lindwurmwald.

Zigarrenkistenholz mit Klebebildern
Schwamm im Taifun, der spanisch Flüche pfiff,
Und ozean-gefüllte Augen wildern
Mit Möwenkrallen am Gespensterschiff.

Dornrosengärten rochen aus Kommoden,
Verjährter Thymian, ein Hauch Anis –
Doch eigne Ferne kam in Herz und Hoden
Vorm Spiegel, der sein Bild nicht fallen ließ:

Obwohl er alles kühn vornüberneigte,
Gab nichts dem Schwindel nach und schien bereit,
Auf schrägem Wege, den der Estrich zeigte,
Im Spitzentanz zu fliegen aus der Zeit.
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Uwe-Michael Gutzschhahn (Hrsg.):Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht
Hundert neue Kindergedichte
Mit Illustrationen von Sabine Kranz

100 neue Kindergedichte füllen dieses kunterbunte Buch. Überhaupt Kindergedichte. Das ist ja schon mehr als prima. Aber dann diese Kombination von hochkarätigen AutorInnen und den genialen Illustrationen von Sabine Kranz (Nein! Sie brauchen keine 3D-Brille, obwohl es danach aussieht) machen diesen Lyrik-Band zu einem kleinen Schatz, der in möglichst viele Bücherregale gehört.
Hallo Bibliotheken zugehört: Bitte bestellen!
Franz Hohler, Hanna Johansen, Heinz Janisch, Gerald Jatzek, Susan Kreller, Yaak Karsunke, Anton G. Leitner, Paul Maar, Peter Maiwald, Jutta Richter, Michael Roher, Gerhard Rühm, Jürgen Spohn, Frantz Wittkamp u.v.a. sind hier vertreten und laden zu verrückten, witzigen Sprachspielen ein. Es reimt sich nicht immer, aber die Fantasie im Kopf hüpft über alle Grenzen.
Bitte schauen Sie in die Leseprobe auf der dtv-Website.
Ein Blick ins Buch, der sich lohnt und genießen Sie diese pralle Pracht von Poesie und künstlerischer Umsetzung.

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Und hier die Website von Sabine Kranz mit noch mehr Illustrationen zum Buch und vieles andere mehr.

Donnerstag, 8.März

Heute haben
Kenneth Grahame * 1859
Heinar Kipphardt * 1922
Walter Jens * 1923
Juri Rytcheu * 1930
Jeffrey Eugenides * 1960
Geburtstag
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Und weil sie schon vor sechs Uhr so schönen Lärm macht:

Heinrich Seidel
Die Amsel

Wie tönt an Frühlingstagen
So schwermuthsreich und hold
Der Amsel lautes Schlagen
In’s stille Abendgold.

Es schimmert an den Zweigen
Ein zartverhülltes Grün,
Die jungen Säfte steigen,
Und es beginnt zu blühn.

Doch nicht mit Jubeltönen
Begrüsst die Amsel nun
Die Tage, jene schönen,
Die in der Zukunft ruhn.

Es klingt wie Leides Ahnung,
Sie singt im schwarzen Kleid
Schon jetzt die trübe Mahnung,
Wie kurz die schöne Zeit.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

9783423640350

Lauren Wolk: „Eine Insel zwischen Himmel und Meer
dtv  € 14.95
Ab 12 Jahren

Die kleine Crow wird als Neugeborenes in einem lecken Ruderboot an den Strand einer winzigen Insel gespült. Dort findet sie der kauzige Osh, der sich aus dem Leben zurückgezogen und hier ein Leben weit weg von jeglichem Luxus gefunden hat. Osh nimmt sich dem kleinen Wesen an, gibt ihm den Namen Crow. Beide leben gemeinsam ihr einfaches, zufriedenes Leben und Crow kann sich kein schöneres Zuhause vorstellen und auch für Osh gibt es kein Leben mehr ohne Crow. Zu ihrem Leben hat nur Maggie von der Nachbarinsel Zugang und hilft und unterstützt die beiden Aussenseiter wo sie kann. Crow wird älter und neugieriger und die Frage nach ihrer Herkunft treibt sie immer mehr um. Kann es sein, dass sie ein Kind von Eltern ist, die damals auf der Nachbarinsel Penikese lebten? Alle mieden diese Insel. Dorthin wurden Menschen gebracht, die eine gefährliche Krankheit hatten und diese Insel nie mehr verlassen durften. Osh ist beunruhigt und voller Sorge, will Crow auch vor Gefahren und Enttäuschungen schützen, entscheidet sich aber dann doch Crow bei ihrer Suche zu unterstützen und gemeinsam mit der gutherzigen, mutigen Maggie machen sie sich auf die nicht ungefährliche Suche nach den Eltern von Crow.
Eine wunderschöne, rührende Geschichte über zwei Aussenseiter, die sich gefunden haben und spannend bis zum Schluss. Wird Crow ihre Eltern finden und was treibt dieser unheimliche Mann, der auf der ehemaligen Krankeninsel fast den ganzen Boden umgräbt ?

Lauren Wolk ist Schriftstellerin, Dichterin und bildende Künstlerin. Sie studierte an der Brown University Literatur, arbeitete u.a. als Redakteurin, Feuilletonistin und Lehrerin und ist derzeit stellvertretende Leiterin des Cultural Center of Cape Cod. Ihr Debütroman „Das Jahr, in dem ich lügen lernte“ wurde von der Presse hoch gelobt und erhielt den Luchs von DIE ZEIT und Radio Bremen.

Dienstag, 23.Januar

Heute haben
Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Derek Walcott * 1930 (Nobelpreis 1992)
Geburtstag

Aber auch Jeanne Moreau, Humphrey Bogart und Éduard Monet.
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Ernst Lissauer
Januar

Ich bin erwacht aus toter Winterruh‘,
Es taut mein Blut, lang war es zugefroren.
Die Adern rinnen, offen stehn die Poren,
Ich spüre tief: Es geht dem Frühling zu.
Klar fließt in mir Lichtjanuar.
Es wächst der Tag, es schwillt das Jahr.
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Hannah Arendt:Die Freiheit, frei zu sein
Was Freiheit und Revolution wirklich bedeuten
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Andreas Wirthensohn
Mit einem Nachwort von Thomas Meyer
dtv 61 Seiten € 8,00

„Mein Thema heute, so fürchte ich, ist fast schon beschämend aktuell.“

Was ist Freiheit, und was bedeutet sie uns? Begreifen wir sie nur als die Abwesenheit von Furcht und von Zwängen, oder meint Freiheit nicht vielmehr auch, sich an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, eine eigene politische Stimme zu haben, um von anderen gehört, erkannt und schließlich erinnert zu werden? Und: Haben wir diese Freiheit einfach, oder wer gibt sie uns, und kann man sie uns auch wieder wegnehmen? In diesem auf Deutsch bisher unveröffentlichten Essay zeichnet Hannah Arendt die historische Entwicklung des Freiheitsbegriffs nach. Dabei berücksichtigt sie insbesondere die Revolutionen in Frankreich und Amerika. Während die eine in eine Katastrophe mündete und zu einem Wendepunkt der Geschichte wurde, war die andere ein triumphaler Erfolg und blieb doch eine lokale Angelegenheit. Aber warum?
Dies schreibt der Verlag über das schmale Buch.

Arendts Freiheitsbegriff sollen wir einerseits gegenwartspolitisch, als auch in der Geschichte verankert sehen. Für sie gab es aktuelle Themen wie die Schweinebucht und aber auch die  Bedeutung und der Verlauf der Französischen und Amerikanischen Revolutionen. Sie fragt sich, ob der Wettstreit der Supermächte sich durch Kriege lösen lassen können und (das ist ihr noch wichtiger) wie gehen diese Staaten mit Revolutionen um. Hierin besteht nämlich der Unterschied zwischen Freiheit und Befreiung. In der Befreiung aus der Unterdrückung sieht sie die Grundlage, frei zu sein.
Hannah Arendts Freiheitsbegriff kennt weder Not noch Furcht. Doch wirklich frei ist, wer als Gleicher unter Gleichen am öffentlichen politischen Leben teilnehmen kann.
Obwohl ich nicht alles kapiert habe, merke ich doch, dass dieser 50 Jahre alter Text nichts an Aktualität verloren hat.