Freitag, 28.Februar

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Heute haben
Michel de Montaigne * 1533
Johann Beer * 1655
Marcel Pagnol * 1895
Erika Pluhar * 1939
Bodo Morshäuser * 1953
Colum McCann * 1965
Geburtstag
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In dir ist es allezeit Winter, und darum gehest du vielleicht ohne Unterlaß im Wolfs- und Fuchspelz, welchen, auf daß er nicht scheine, was er ist, du mit Schafshaut überziehest.
Johann Beer (1655 – 1700)
Schriftsteller und Komponist
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9783423282178

James Baldwin: „Giovannis Zimmer“
Aus dem amerikanischen Englisch von Miriam Mandelkow
dtv gebunden € 20,00

Das Buch ist der Hammer. 1956 zuerst erschienen, weigerte sich Baldwins Verleger dieses Buch zu veröffentlichen. Baldwin, der intellektuelle Star seiner Zeit war schwarz, schwul, ein Intellektueller und mischte sich in die damalige Politik ein. Der Roman, das Thema hat auch 60 Jahre später nichts von seiner Wucht verloren.
David, ein weißer Amerikaner in Paris, lässt sich treiben, während seine Verlobte in Spanien weilt. Er beginnt eine Affäre mit Giovanni, einem Barkeeper, der blendend aussieht und nichts anbrennen lässt. Als Davids Verlobte zurückkehrt, getraut sich David nicht sich zu outen.
Baldwin beschreibt Davis Zerrissenheit, seine Zweifel, seine Scham, wie ich es noch nie gelesen habe. Diese Dreieicksgeschichte steuert auf ein großes Unglück zu.

Sehr gut, dass dtv die Werke von Baldwin neu übersetzt. So kommen wir in den Genuss, diese Weltliteratur zu entdecken und zu lesen. Machen Sie das.

Mittwoch, 29.Januar

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Heute haben
Johann Gottfried Seume * 1763
Anton Tschechow * 1860
Romain Rolland * 1866
Gert Hofmann * 1931
Günter Ohnemus * 1946
Olga Tokarczuk * 1962
Philippe Besson * 1967
Mirjam Müntefering * 1969
Geburtstag
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Johann Gottfried Seume
Die Bärte

Sonst hielt man Wort nach deutscher Art
Und schwur bei seinem Bart;
Allein seit langen Zeiten her
Da trägt man keine Bärte mehr.
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Susanne Link empfiehlt:

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Michael Gerard Bauer: „Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd und ich“
Aus dem Englischen von Ute Mihr
dtv € 8,95
Jugendbuch ab 12 Jahren

Vier Protagonisten und Maggie, die endlich alles gregelt haben möchte: die 1 in Englisch, eine neue beste Freundin und eine zumutbare Begleitung zum Abschlussball. Mit viel Situationskomik und einfühlsam erzählt Bauer aus dem Leben eines Teenagers. Herrlich und endlich als Taschenbuch.

Dienstag, 7.Januar

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Heute haben
Albrecht Haushofer * 1903
Erwin Wickert * 1915
Roland Topor * 1938
Helga Schubert * 1940
Franz Josef Czernin * 1952
Nicholas Baker * 1957
Friedrich Ani * 1959
Sofie Oksanen * 1977
Geburtstag
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Albrecht Haushofer
Mutter

Ich sehe Dich in einer Kerze Licht
im Rahmen einer dunklen Pforte stehn.
Du spürst die Kühle von den Bergen wehn.
Du frierst ja, Mutter … dennoch weichst Du nicht.

Du schaust mir nach, der in die Nacht enteilt,
in dunklen Schicksals ungewisse Frist,
mit einem Lächeln, das nur Weinen ist,
mit einem Schmerz, den kein Vertrauen heilt.

Ich sehe Dich in Deiner Liebe Licht,
im Zittern Deiner weißen Haare stehn.
Du spürst die große, dunkle Kühle wehn –

und langsam, langsam senkt sich Dein Gesicht.
Noch immer leuchtet fern der Kerze Schein –
Du frierst ja, Mutter … Mutter – geh hinein …
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Lizzie Doron: „Ruhige Zeiten“
Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler
dtv € 9,90

Leale hat sich ihre eigene Wirklichkeit geschaffen. So wie viele ihrer Kundinnen, denen sie seit dreißig Jahren im Friseursalon die Nägel manikürt. Eine Welt, die all das ausblendet und nicht erzählt, was nicht erinnert werden will. Alle sind sie hier gelandet, in dem kleinen Viertel von Tel Aviv, im Kopf, die nicht erzählten Geschichten der Shoah. Alle sind sie auf ihre Weise verrückt, manche mehr, manche weniger.
Leale ist alt und erlebt mit wie erst ihr Mann und dann ihr geliebter Sajtschik sie verlassen und wie immer weniger bleiben, die ihre Geschichte teilen.

Lizzie Doron lädt mit ihrem 2005 auf Deutsch erschienen Roman zu einem Kammerstück ein, das im Friseursalon des schönen Sajtschik spielt. Sajtschik, zu dem alle im Viertel kommen, um ihre Haare, vor allem aber, um ihre Geschichten los zu werden. Geschichten, die auf ihrer Seele lasten und die keiner besser versteht, als der Friseur aus dem KZ.
Die Figuren betreten die Bühne und wissen, dass sie hier sein können, wer sie sein wollen. Schajtschik begleitet deren Inszenierungen mal zurückhaltend, mal humorvoll oder virtuos. Wie kein anderer versteht er, dass nur diese Geschichten sie am Leben halten. So wird der Auftritt von Madame Butterfly, der Opernsängerin mit dem genialen Sohn abgelöst von dem Aufruhr um die verschwunden Fejge, die immer wieder daran scheitert, ihrem Leben ein Ende zu setzen, was wiederum Doktor Wollmann auf den Plan ruft, der, ebenso wie Sajtschik, sehr gut weiß, was den Menschen im Viertel fehlt. Oft ist das weniger die Medizin, als die Erlösung aus der Angst und der Einsamkeit. Also sitzt Doktor Wollmann nächtelang an den Betten seiner Patienten, wie er das auch bei Leale tut, als ihr Sajtschik stirbt.
Die Autorin erzählt von all den Menschen, „an die sich niemand erinnern wird“, in leichtem, fast vergnügten Ton, der all die unerträglichen Geschichten ertragbar macht. So tänzeln die verrückten Figuren und Anekdoten über die Seiten und bevor es zu beschwerlich wird, ermahnen sich die Personen gegenseitig zum Schweigen. „Was war, war“, bekommt Leale zur Antwort, noch bevor sie gelernt hat, nicht zu fragen.
Leale selbst hofft noch immer, dass ihre Eltern irgendwann vorbei vorbeikämen und sie abholten. Auch wenn sie dafür eigentlich schon viel zu alt ist. In ihrer Geschichte lebte ihr Sohn bei ihr in Tel Avis und nicht in Amerika, hätte die Tochter des Zahnarztes geheiratet und nicht irgendeine Fremde und sie selbst wäre Sajtschiks Frau. Dann wäre vielleicht auch die Geschichte mit dem Erdloch, in dem sie als jüdisches Kind versteckt gehalten wurde, endlich aus ihrem Kopf verschwunden und sie hätte eine Familie.

Ein Roman, vollgepackt mit tragisch komischen Anekdoten, feinster Ironie und jüdischem Witz, schmal genug, um ihn in einem Rutsch durchzulesen und dieses bunte und verrückte Figurenensemble noch eine ganze Weile im Herzen zu tragen!

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© Heike Bogenberger

Lizzie Doron, geboren 1953 in Tel Aviv, studierte Linguistik, bevor sie Schriftstellerin wurde. Ihr Roman ›Ruhige Zeiten‹ wurde mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchman Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Jeannette Schocken Preis. In der Begründung der Jury heißt es: »Lizzie Doron schreibt über Menschen, die von ›dort‹ kommen, die den Holocaust überlebten und nun zu leben versuchen. In Israel. Fremd, schweigend, versehrt – und stets ihre Würde wahrend. Mit großer Behutsamkeit nähert die Autorin sich ihren Figuren und mit großem Respekt wahrt sie Distanz.« 2018 wurde sie mit dem Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung ausgezeichnet.
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Heute abend kommt Wladimir Kaminer ins Ulmer Roxy.
Beginn: 20 Uhr.

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Am Mittwoch, den 15.Januar kommt Norbert Scheuer zu uns in die Buchhandlung. Er stellt sein neues Buch „Winterbienen„, mit dem er fast den Deutschen Buchpreis erhalten hätte.
Beginn: 19 Uhr.