Dienstag, 14.August

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Heute haben
John Galsworthy * 1867 (Nobelpreis 1932)
Erwin Strittmatter * 1912
René Goscinny * 1926
Wolf Wondratschek * 1943
Wim Wenders * 1945
Steve Martin * 1945
Danielle Steel * 1947
Geburtstag und es ist der Todestag von Klabund, Brecht und Canetti.
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Klabund
Schmetterlingsfink

Schmetterlingsfink
Sich paarend
Mit
Citronenfalter
Über den Horizonten
Im
Zauberzenith.

Passion der Wolken
Rote Raupe
Schwarze Puppe
Süßester Falter

Du!
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Emilia Wiltschek (12 Jahre) empfiehlt:

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Katherine Hannigan:Die Wahrheit, wie Delly sie sieht“
Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck
Kinderbuch ab 11 Jahren
dtv € 8,95

Delly ist ein Mädchen dass ständig Mist baut. Das Besondere daran ist, dass sie es noch nicht mal merkt. Mal laufen bei einem Ausflug auf einen Bauernhof die Hühner frei rum während Delly mitten in ihrem Stall sitzt, oder sie „leiht“ sich das Boot vom Nachbarn aus, ohne dass er das weiß, aber das Besondere daran ist, dass sie immer lacht, egal ob sie von der Polizei abgeholt wird, weil sie heimlich an den Fluss gegangen ist, oder ob sie Zoff mit ihrer grossen Schwester Gal hat. Sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen, bis es eines Tages verschwindet. Aber es kommt wieder mit dem unergründlichen Wesen Ferris Boyd. Man darf Ferris nicht berühren und sie spricht auch nicht. Schon bald findet Delly in ihr eine Freundin und ein riesiges Geheimnis.

Donnerstag, 9.August

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Heute haben
Alfred Döblin * 1878
Milena Jesenská * 1896
Jorge Amado * 1912
Geburtstag
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Ferdinand von Saar
Nun ist das Korn geschnitten

Nun ist das Korn geschnitten,
Die Felder leuchten fahl;
Ringsum ein tiefes Schweigen
Im heißen Sonnenstrahl.

Verblüht ist und verklungen,
Was duftete und sang,
Nur sanft tönt von den Triften
Der Herde Glockenklang.

Das ist, o Menschenseele,
Des Sommers heil’ger Ernst,
Daß du, noch eh er scheidet,
Dich still besinnen lernst.
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9783423289870

James Baldwin:Beale Street Blues
Aus dem amerikanischen Englisch von Miriam Mandelkow
dtv € 20,00
Als Hörbuch, gelesen von Constanze Becker
Der Audio Verlag € 22,00

„Jeder in Amerika geborene Schwarze ist in der Beale Street geboren. Die Beale Street ist unser Erbe. Dieser Roman handelt von der Unmöglichkeit und von der Möglichkeit, von der absoluten Notwendigkeit, diesem Erbe Ausdruck zu geben. Die Beale Street ist eine laute Straße. Es bleibt dem Leser überlassen, aus dem Schlagen der Trommeln den Sinn herauszuhören.“
James Baldwin

Dies ist die Geschichte von Tish und Fonny, 19 und 22, und ihrem Kampf gegen die Willkür einer weißen Justiz. Der traurig-schöne Song einer jungen Liebe, voller Wut und doch voller Hoffnung. Eine Liebesgeschichte, die zart und doch voller Emotionen ist, die Geschichte zweier Familien und deren Zusammenhalt und Zerrissenheit. Eine Anklage gegen Polizeiwillkür und den alltäglichen Rassismus.
„Beale Street Blues“ ist über 40 Jahre alt und strahlt grell in unsere Gegenwart.
Es ist ein Roman, der mich komplett umgehauen hat. Sprachlich, inhaltlich. Die Konstruktion, der politische Hintergrund ergeben ein Meisterwerk, das lange Zeit nicht lieferbar war.
Ich mag gar nicht mehr über das Buch schreiben, sondern einfach nur: Bitte lesen Sie dieses Buch. Unbedingt!

Baldwin erlebt eine Renaissance. Dtv hat dies erkannt und die Neuübersetzungen von Baldwins  Werkes ist mehr als lobenswert.
Der Roman ist verfilmt, kommt im November in die US-amerikanische Kinos, im Frühjahr 2019 auch zu uns.

Dienstag

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Heute haben
Peter Rosegger *1843
Primo Levi * 1919
Walter Vogt * 1927
Cees Nooteboom * 1933
Martin Mosebach * 1951
Joanne Rowling * 1965
Nina Bouraoui * 1967
Geburtstag
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Johannes Trojan
Das Kornfeld

Was ist schöner als ein Feld,
wenn die Halme, all die schlanken,
leise schwanken
und ein Halm den anderen hält?

Wenn im Korn die Blumen blühn,
leuchtend rot und blau dazwischen,
und sich mischen
lieblich in das sanfte Grün?

Wenn es flüsternd wogt und wallt,
Lerchen sich daraus erheben,
drüber schweben,
und ihr Lied herniederschallt?

Dann den schmalen Pfad zu gehen
Durch das Korn, welch eine Wonne!
Nur die Sonne,
nur die Lerche kann uns sehn.
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Jetzt als Taschenbuch:

9783423146777

Graham Swift: „Ein Festtag“
Aus dem Englischen von Susanne Höbel
dtv  € 10,90

„Es war März 1924. Es war nicht Juni, aber es war ein Tag wie im Juni. Es musste kurz nach zwölf Uhr mittags sein. Ein Fenster stand offen und er ging unbekleidet durch das sonnendurchströmte Zimmer, sorglos, nackt; er wirkte wie ein Tier. Es war ja sein Zimmer. Da konnte er tun und lassen, was er wollte. Das konnte er. Und sie war noch nie hier gewesen, würde auch nie wieder herkommen.
Auch sie war nackt.
30. März 1924. Vor langer Zeit.“

Sonst sind Graham Swifts Bücher in der Gegenwart angesiedelt. Dieses Mal sechs Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Die nackte Jane ist Zimmermädchen der reichen Familie und schon seit Jahren mit Paul befreundet. Zuerst als jugendliche Liebelei, dann als wirkliche Geliebte. So wie wir es auch in den ersten obigen Zeilen mitgeteilt bekommen.
Die Familie hat ihre Söhne alle bis auf Paul im Krieg verloren. eine große Trauerglocke hängt über dem Haus und gleichzeitig auch eine angespannte Atmosphäre, weil Paul sich anschickt, eine Dame aus der Gesellschaft zu heiraten.
Dieses Gefühl, diese Vibrationen fängt Swift genial ein. Er schreibt seine Bücher nicht nach Selbsterlebten, sondern aus einem Flimmern und Flirren in seinem Kopf heraus. Eiigentlich aus dem Nichts, wie er selbst sagt.

„Sie hatte nicht das Laken über sich gezogen. Sie hatte sogar die Hände hinter dem Kopf verschränkt, um ihn besser ansehen zu können. Und er konnte sie ansehen.“

So passt das Titelbild von Modigliani perfekt zu dieser Novelle. So könnten wir uns diese Situation vorstellen. Das Haus ist leer. die beiden jungen Leute treffen sich heimlich, gehen mit einander ins Bett und verabschieden sich. Nicht mit einem Kuss, oder einer Umarmung, sondern mit einem Blick. Paul steigt in seinen Sportwagen, Jane bleibt liegen, genießt die Ruhe, zum ersten Mal alleine im Haus zu sein. Heimlich und voll mit Düften dieses Liebesabenteuers.
Dieser Festtag findet somit auf verschiedenen Ebenen statt. Einerseits im Bett, aber auch bei einer Art Verlobungsfeier, zu der Paul fährt.

„Dann war er fort. Kein Gruß. Kein alberner Kuss. Nur ein letzter Blick. Als würde er sie in sich aufnehmen, in sich hinein trinken. Und was er ihr zurückließ: das ganze Haus. Er ließ es für sie da. Es gehörte ihr, zu ihrer Unterhaltung. Sie konnte es auf den Kopf stellen, wenn sie wollte. Alles ihres. Und was sollte ein Dienstmädchen tun, wenn es am Muttertag frei bekommen hatte, aber kein Zuhause hatte, wohin es gehen konnte?“

Das war es dann auch schon. Das Ende werde ich Ihnen nicht verraten. Nur so viel: Jane entdeckt, dass sie schreiben muss. Das Ereignis wird zur Initialzündung Schriftstellerin zu werden.
Graham Swift hat ein kleines Meisterwerk abgeliefert. Fein, flirrend, erotisch und mit einer nachhaltigen Tiefe, die ein ganzes Menschenleben beinflusst hat.