Freitag, der 13.

Eilmeldung: Jan Wagner bekam für seinen Gedichtband: „Regentonnenvariationenden Buchpreis der Leipziger Buchmesse.
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Heute haben
Oskar Loerke * 1884
Hugh Walpole * 1884
Frank Thieß * 1890
Jannett Flanner * 1892
Erich Kästner * 1904
Juri Andruchowytsch * 1960
Geburtstag

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Hugh Walpole

„The most wonderful of all things in life is the discovery of another human being with whom one’s relationship has a growing depth, beauty and joy as the years increase. This inner progressiveness of love between two human beings is a most marvelous thing; it cannot be found by looking for it or by passionately wishing for it. It is a sort of divine accident, and the most wonderful of all things in life.“
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Lydia Tschukowskaja: „Untertauchen“
Aus dem Russischen von Swetlana Geier
und mit einem Nachwort von Hans Jürgen Balmes
Originaltitel: Spusk pod vodu
Dörlemann € 18.90

Grossartig, was sich der Dörlemann Verlag hier wieder getraut hat. In ihrer Reihe mit schön gemachten Leinenbändchen in Neuübersetzung, erschien jetzt der Roman aus dem Jahre 1949, nachdem es ihn schon einmal in den 70er Jahren auf deutsch gab, aber längst verschollen ist.
Seit 1949 wartete das Buch auf seine Veröffentlichung, aber in der Sowjetunion wurde das Buch verboten und erschien erst 1972 in einer amerikanischen Ausgabe. Dies hatte zur Folge, dass Lydia Tschukowskaja in ihrer Heimat ab dem Jahre 1974 mit Berufsverbot belegt worden ist.
Die Autorin wurde 1907 in St.Petersburg geboren und starb 1996. Sie arbeitete für Zeitungen und als Übersetzerin. Während ihrer Zusammenarbeit mit Anna Achmatowa lernte sie deren Gedichte auswending, weil Anna Achmatowa fürchtete, dass der Geheimdienst ihre Gedichte vernichten würde. Auch politisch trat Lydia Tschukowskaja in Erscheinung, als sie zu den Unterstützern von Alexander Solschenizyn gehörte.
Die Jahre des Terrors stehen im Mittelpunkt des Romanes „Untertauchen“. Die Autorin schildert aber nicht im Detail über die Machenschaften der Geheimdienste, oder über das Innenleben der Lager. Sie schreibt über die Monate Februar und März 1949, in denen die Übersetzerin Nina Sergejewna in einem Heim des sowjetischen Schriftstellerverbandes verbingt. Sie wartet auf ihren Mann, der zu zehn Jahren Haft mit Briefverbot verurteilt worden ist. Mittlerweile sind jedoch schon zwölf Jahren vergangen. Dass der Mann der Autorin auch abgeholt wurde und nicht mehr aufgetaucht ist, zeigt, dass es sich um einen sehr biografischen Roman handelt. Und so ist diese Buch auf zwei Arten zu lesen. Wir bekommen den Alltag von Bespitzelung, Terror und Lüge im Alltag mit und gleichzeitig versucht sich die Autorin ihr Trauma von der Seele zuschreiben, das ihr den Schlaf raubt und ihr Leben unter einem graune Nebel versinken lässt.
In diesem Erholungsheim verbingt Nina ihre Tage mit langen Spaziergängen und Gesprächen mit verschieden Personen aus dem literarischen Leben. Sie kann natürlich nicht mit allen offen reden, da sie nicht weiss, was mit ihren Worten passieren wird. In diesen grauen, kalten Tage sind die Birkenwälder oft ihr Trost, bevor sie sich in ihr Zimmer verkriecht. Doch stösst sie auf ihren Wanderungen auf Gräber und Grabhügel, weil dort vor Jahren der sowjetisch-deutsche Krieg tobte. Das Grauen lässt sie nicht mehr los.
Einer ihrer Gesprächspartner ist der Schriftsteller Bilibin, der die Aufzeichnungen aus seiner Zeit in den Lagern hier zu einem Roman zusammenfassen und fertigstellen will. Beide umkreisen sich in Gesprächen und auf ihren Wanderungen. Als die Lage im Heim auch immer unsicherer wird und eines Tages ein jüdischer Autor abgeholt wird, holt Nina ihre Vergangenheit wieder ein. Immer weniger traut sie Bilibin und als der allgemeine Opportunismus um sich greift und dessen Romanentwurf bei weitem nicht mehr dem entspricht, wie er es ihr erzählt hat, sondern staatskonform daherkommt, beschimpft Nina ihn als „Feigling, ein falscher Zeuge, ein Lügner“.
Genau diese drei Worte sind es, die sich durch diesen Roman ziehen und dagegen möchte die Autorin anschreiben. Sie lebte dafür und wurde dafür mit Berufsverbot belegt. Nina und Lydia versuchen die Wahrheit zu finden, entdecken jedoch immer mehr Lügenkonstrukte. Nicht einmal in der Literatur gibt es eine reine Wahrheit.
In einer einfachen Sprache schreibt die Autorin über Menschlichkeit und die große Hoffnung auf Gerechtigkeit. Sie prahlt nicht mit Brutalität. Die bekommen wir gut zwischen den Zeilen mit. Einmal schreibt sie über eine junge Frau, die in bitterer Kälte Schlange steht und ihren Platz auch dann nicht aufgibt, als ihr Säugling auf dem Arm erfroren ist. Und diese Sequenz sagt mehr als ausführliche Beschreibungen von Gewalt.
Eine lohnenswerte Lektüre, die wir nicht nur als die vergangene Wirklichkeit in der Sowjetunion im Jahre 1949 lesen sollten. Wir müssen uns nur umschauen.

Leseprobe
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Mehr Bilder aus der Jastram- und Bücherwelt finden Sie auf unseren Fotoblogs:
Jastram.tumblr.com
wiebuecherleben.tumblr.com

Samstag

Heute haben
August Wilhelm Iffland * 1942
und Richard Hughes * 1900
Geburtstag.
Von Hughes haben wir zwei sehr gute und schön gemachte Romane aus dem Dörlemann Verlag bei den Klassikern stehen. Tolle Lektüre.
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Gestern hatten wir alle Wetter hier auf der Alb. So auch diesen Schneeschauer, der mit leichtem Graupel anfing und sich dann so austobte.
So ein Durcheinander herrschte wohl auch beim Blogeintrag von Donnerstag, von dem ich immer noch nicht weiss, ob er veröffentlicht gewesen ist, oder nicht. Ich habe gestern zumindest eine Rohfassung ins Netz gestellt.
Hoffentlich klappt es heute besser, zumal ich ein Bilderbuch vorstelle, das uns im Buchladen schwer bewegt hat.

Tiger

Mary Logue: „Schlaf wie ein Tiger
Illustrationen von Pamela Zagarenski
Knesebeck Verlag € 12,95
Bilderbuch ab 3 Jahren

Draufgestossen bin ich über die Kinder- und Jugendbuchbeilage der Süddeutschen Zeitung Mitte der Woche, in der einige Bücher vorgestellt wurden, die wir auch auf unserem Blog haben. Als Aufmacher hatten sie das Titelbild des Tiger-Bilderbuches, das natürlich ein Augenfänger ist. Wir hatten das Buch nicht im Laden, ich habe es sofort bestellt und am Donnerstag war es bei uns. Allein diese Illustrationen sind sehr speziell und beigeistern hoffentlich die Kleinen wie uns Große genauso. In Kombination mit dem wenigen Text hat es mich sehr berührt.
Es ist diese,sich ewig wiederholende Geschichte: Ein kleines Mädchen mag nicht ins Bett, die Eltern hätten aber sehr gerne, dass jetzt endlich Ruhe herrscht und ihre Kleine einschläft.
Hier sind die Eltern und ihre Tochter mit Kronen versehen, wie in einer Märchen-Königsfamilie. Und das Schöne an den Gesprächen zwischen ihnen ist: es herrscht nie Aggression, sondern eine große Empathie. Die Eltern drängeln ihre Tochter nicht, sondern sagen ihr mit großer Liebe, sie solle sich doch einfach mal ins Bett liegen, sie müsse auch gar nicht schlafen, auch kein Licht ausmachen, oder auch mit Türe auf. Kein Problem. Gemeinsam gehen sie verschiedene Tiere durch, die auch schlafen. Der Hund zum Beispiel schläft schon, allerdings verbotenerweise auf dem Sofa. Die Katze schläft am wärmsten Platz im Haus – vor dem Ofen. Die Feldermäuse schlafen bei Tage und mit dem Kopf nach unten und verschränkten Flügeln. Die Wale schlafen im tiefen Meer und die Bären in ihrer Höhle. Die Schnecken schlafen zusammengerollt in ihrem Haus. Dann fällt dem Mädchen der Tiger ein, der besonders viel schläft, damit er stark bleibt. Und so passiert es, dass es am richtigen Platz einschläft, sich den wärmsten Platz im Bett sucht, die Arme verschränkt, sich vorstellt, es wäre im tiefen Meer und in einer dunklen Höhle, sich einrollt, wie eine Schnecke und fest und lange schläft, wie ein Tiger, da sie am nächsten Tag wieder voller Tatendrang loslegen will.
Ein Einschlafbuch, das uns in seiner ganzen magischen Art, wegführt von diesem Alltagsproblem und doch genau den Punkt trifft und uns ganz warm und wohlig das Buch zuklappen lässt, ….. um es nochmals von vorne in Ruhe durchzublättern.
Viel Vergnügen bei der Leseprobe.

Leseprobe
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Ich wünsche Ihnen frohe Ostern.

Unbekannt

Freitag

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Heute haben
Jean Paul * 1763
Peter Hacks * 1928
Hubert Fichte * 1935
Michael Dibin * 1947
Andrea Maria Schenkel * 1962
Geburtstag
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Jean Paul
Still blickt der Himmel…

Still blickt der Himmel
mit all seinen Sternen
auf das Gewühl der Menschen
auf Erden herab.
So ruhig überschaut
dasselbe der Mensch,
der sich an Gott hält,
und seine Ruhe, seine Weisheit
und seine Stärke
vom Himmel schöpft.
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Bibliomania

Steven Gilbar: „Bibliomania
Es lebe das Buch!
Dörlemann Verlag € 16,00

„Ohne Bücher würde ich rasend bekloppt!“ Martha Gellhorn
„Ich auch!“ Samy Wiltschek

Endlich gibt es dieses Büchle als Neuauflage. 2005 auf englisch erschienen und 2006 auf deutsch, mussten wir einige Jahre ohne es auskommen. Wir fragen uns natürlich, wie haben wir das geschafft? Na, ganz einfach, wir haben tüchtig gelesen und uns nichts aus Tabellen gemacht.
Aber gerade davon hat es bei Steven Gilbars Zusammenstellung jede Menge.

24 SchriftstellerInnen die auf dem Firedhof Père Lachaise in Paris beerdigt sind
25 SchriftstellerInnen, die Selbstmord begangen haben
24 Figuren in Romanen von Karl May
Die PreisträgerInnen des Ingeborg-Bachmann-Preises
Ganz wichtig vor der Lektüre von Anna Karenina:
Eine Liste mit russischen Kosenamen
10 SchriftstellerInnen, die vor ihrem 30.Geburtstag gestorben sind
Das größte Buch, das kleinste Buch der Welt
Der längste Roman (Ha!, da bin ich gerade dran)
13 Romanschlüsse
und jede Menge Zitate.

So zum Beispiel dieses:
„Jeder denkt, ich sei total verrückt nach Sex. In Wahrheit lese ich viel lieber ein gutes Buch.“
Madonna

Das kommt einem wie diese verdrehten Zitate von Marc-Uwe Kling aus seiner Känguru-Trilogie vor.
Das Buch lebt. Mit dem Einzug von eBooks glaubte man an das Ende des traditionellen Buches, doch das Gegenteil ist der Fall, die klassische Buchkunst erlebt eine Renaissance. Leinen und Lesebändchen feiern ihr Comeback. Schmutztitel, Nackenbeißer, Hurenkinder – neben Einträgen zum Jägerlatein der Buchdruckerkunst, zur Erfindung des Papiers oder zu den „Zwanzig Methoden, eine Bibliothek zu ordnen“ (Geht alles nicht. S.W.), finden sich hier die wissenswertesten Informationen rund ums Buch. Ein Muss für jede leidenschaftliche Leserin, jeden buchbegeisterten Leser!
Oder um es mit Loriot zu sagen: „Ein Leben ohne dieses Büchle ist möglich, aber sinnlos.“

Leseprobe

Und da der Dörlemann Verlag auch ein Unabhängiger ist, können Sie sich am Indiebookday eines davon kaufen.
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literatourismus.net hat einen tollen Text über den Indiebookday geschrieben, den ich Ihnen nicht vorenthalten will. Auf Ihrer Blogseite finden Sie den kompletten Text mit allen Links und Bildern. Ein Besuch dort lohnt sich.
Vielen Dank, dass ich den Text übernehmen durfte. Und gerade als ich den Text auf mein Blog übertrage, kommt eine Kundin rein: „Ich möchte gerne ein Indiebook kaufen!“ Grossartig.

Am Samstag ist es endlich soweit. Der Indiebookday geht in die zweite Runde. Vom mairisch Verlag ins Leben gerufen, ist er ein Fest für das unabhängige Verlegen, für Mut, Einfallsreichtum und die kleine Prise Verrücktheit, die notwendig ist, um ein bisschen von ausgetretenen Pfaden abzuweichen. Nun fragt sich mancher, der vom Indiebookday bisher nichts gehört hat, mutmaßlich so einiges, wenn er davon liest. Was ist das? Ist das irgendein schrulliger Gedenktag? Wie kann ich mitmachen? Was bringt mir das dann?

Was ist der Indiebookday?

An einem Tag im Jahr, dem 22.März, sind alle Bibliophilen, alle Leser und Freunde des geschriebenen Wortes herzlich eingeladen, ihre örtlichen Buchhandlungen zu stürmen, um ein Buch aus einem unabhängigen und kleinen Verlag zu kaufen. Genre und Preis sind ganz egal, Hauptsache, der Verlag gehört nicht zu einem großen Zusammenschluss (wie z.B. Randomhouse) und arbeitet unabhängig.

Was ist ein Indie-Verlag?

Die Kurt-Wolff-Stiftung hat eine Reihe von Kriterien dafür herausgegeben, was ein Indie-Verlag ist (konzernunabhängig, mit einem regelmäßig erscheinenden Programm, einer Website usw.), für den, der am Samstag ein Buch kaufen möchte, sind aber vermutlich die konkreten Verlage interessanter. Hier gibt es eine tolle Zusammenstellung von Indie-Verlagen, von denen ihr sicher den einen oder anderen auch in eurer Buchhandlung findet!

Ich habe ein Buch gekauft – was jetzt?

Nun sind natürlich alle anderen unglaublich neugierig darauf, für welche Bücher ihr euch entschieden habt! Teil des Indiebookdays ist auch das Verbreiten in Sozialen Netzwerken wie Facebook (z.B. direkt hier bei der Veranstaltung), Twitter und Google +. Wer einen eigenen Blog hat, kann natürlich auch dort seine Errungenschaft präsentieren. Wichtig nur: Lasst andere teilhaben, die mit ebenso viel Begeisterung dabei sind wie ihr!

In erster Linie Lese – und Entdeckerfreude! Darüber hinaus ist es aber eine tolle Möglichkeit, auf kleine Verlage aufmerksam zu werden – und in der Folge andere darauf aufmerksam zu machen. Oft genug wird das uniforme Angebot in Buchhandlungen beklagt, überall fänden sich dieselben Autoren und Verlage versammelt. Das muss nicht so sein! Wir können alle mit der Teilnahme ein bisschen dazu beitragen, an diesem Indiebookday die Kleinen etwas mehr in den Fokus zu rücken. Auf dass sie auch außerhalb dieses Tages etwas mehr Beachtung finden.

Ganz aktuelle Infos und Verlagsliste.