Freitag, 10.September

Alles für den Schulanfang

Heute haben
Ivo Andric * 1892
Mercé Rodoreda * 1908
Claude Simon * 1913
James Clavell * 1925
Harold Pinter * 1930
Jonathan Littell * 1967
Geburtstag.
Wow! Drei Literatur Nobelpreisträger!
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Winfried Hermann Bauer
Der Pfau


Wie lange noch
Hat er die Kraft
Aus seiner mächtigen Schleppe
Ein prachtvolles Rad zu schlagen Immer wieder
Während er seine Artgenossen warnt
Vor drohender Gefahr

Wie lange noch
reckt er sein Haupt
Mit der aufgerichteten Federkrone
Immer wieder
Während die Argusaugen
Aufgeregt schillern Zittern und beben

Wie lange noch
Schreitet er stolz und ohne Furcht
Vor Schlangen und Tigern
Zu seinem Platz an der Tränke
Immer wieder
Lauschend
Ob sein Lied vielleicht schon erklingt
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Ah, endlich mal einen Klassiker vorstellen:

Vorschau(öffnet in neuem Tab)

Carson McCullers: „Frankie
Aus dem Amerikanischen von Richard Moering
Diogenes Taschenbuch € 11,00

In einem der vielen Büchern, die ich in den letzten Wochen gelesen habe, tauchte „Frankie“ von Carson McCullers auf. „Die Ballade vom traurigen Café“ und „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ sind Lieblingsbücher von mir und so habe ich mir das Buch aus der Bibliothek ausgeliehen und fast sofort damit begonnen, darin zu lesen.
„Es geschah in jenem grünen und verrückten Sommer, als Frankie zwölf Jahre alt war. Es war der Sommer, als sie ganz allein war.“
So beginnt der Roman und nachdem hier auch noch sommerliche Temperaturen herrschen und durch Corona das Alleinsein geübt werden musste, haben mich die beiden Zeilen gepackt.
Frankie ist zwölf, sitzt mit dem Nachbarsjungen und der schwarzen Haushälterin Berenice am Küchentisch und vertreibt sich die Hitze mit Kartenspielen. Sie ist nicht bei der Sache und etwas neben der Spur, da sie unbedingt auf die Hochzeit ihres Bruders gehen möchte und mit dem Brautpaar um die Welt reisen.
Das Buch besteht aus drei Teilen, in denen sich Frankie jeweils andere Namen zulegt und als Frances den heissen Sommer hinter sich lässt.
Ein Buch voller Liebe und Zuneigung, Hoffnung und Verzweiflung, dem täglichen Rassismus im Süden der USA und dem Zweiten Weltkrieg, der so vieles durcheinanderwirbelt.
1946 erschien der Roman und mit etwas Umschreiben, ist er super aktuell, eine großartige Lektüre und ein weiteres Lieblingsbuch von Carson McCullers.
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1.Welches Buch lesen Sie gerade?
2.Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3.Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Sabine Wilharm (Illustratorin, u.a. von Harry Potter und die Ella-Bücher) empfiehlt:

1.Hanno Rauterberg: „Wie frei ist die Kunst
Passt super zu den aktuellen Debatten, klug gesehen und geschrieben
2.Lucy Cooke: „Die erstaunliche Wahrheit über Tiere
Was Mythen und Irrtümer über uns verraten
Absolut interessant, lehrreich, spannend, unterhaltend, (trotz des dummen Titels und der teils traurigen Wahrheiten darin)
3.Laurence Sterne: „Tristram Shandy
Habe es vor undenklichen Zeiten zu Dreivierteln gelesen, dann vor fünf Jahren das großartige Hörspiel vom Bayrischen Rundfunk gehört und mir die Neuausgabe gekauft.
Da liegt sie nun und wartet auf Muße …

Danke!!!!!
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Unsere nächsten Veranstaltungen:

Dienstag, 14.September, 19:30 Uhr
Stadtbibliothek Ulm

„Wortschatzübung #9 – Ungeduld“

Donnerstag, 16.September, 19.30 Uhr
Stadtbibliothek Ulm
„Blinddatelesung“
Ein/e Autor:in aus der Longlist zum Dt.Buchpreis kommt zu uns.
Wir wissen selbst nicht wer.
Eintritt € 5,00

Sonntag, 19.September, 11 Uhr
vh Ulm, Club Orange
„Die erste Seite“
Wir stellen vier neue Bücher vor
Es liest Clemens Grote
Eintritt frei

Freitag, 24.September, 20 Uhr
Kinderladen Ulm (Am Ehinger Tor, Dachterrasse)

Sarah Straub: „Wie meine Großmutter ihr Ich verlor“
Demenz – Hilfreiches und Wissenswertes für Angehörige
Eine Roxy Veranstaltung
Link zum Buch

Auch bieten wir wieder unseren „Buchgenuss nach Ladenschluss“ an.

Mittwoch, 28.Juli

Heute haben
Beatrix Potter *1866
Malcolm Lowry * 1909
John Asbery * 1927
Remco Campert * 1929
Beat Brechbühl * 1939
Geburtstag
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Max Dauthendey
Ein großer Nußbaum

Ein großer Nußbaum stand wie eine grüne Laube,
Ein Weg ging drunter hin im Staube,
Fern lag ein Dorf, ein Fluß mit Berggeländen.
Der große Baum hielt in den grünen Blätterhänden
Landschaften gleich wie farbige Gedanken,
Die bald voll Wolken standen, bald im Licht versanken.
Und Du und ich, wir lehnten in dem Schatten
Und teilten mit dem Baum was wir im Herzen hatten.
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Unser Buchtipp:

Daniela Krien: „Der Brand
Diogenes Verlag € 22,00

Den neuen Roman von Daniela Krien habe ich gestern auf unseren Neuerscheinungstisch gestapelt. Wahrscheinlich rauschen in den nächsten Tagen in allen Zeitungen Besprechungen darüber rein. Mich hat das Buch überrascht, fasziniert und nicht mehr losgelassen.
Der Diogenes Vertreter drückte mir bei seinem Besuch ein Exemplar in die Hand, als es noch nicht erschienen war, und am selben Abend begann ich, aus reiner Neugier, zu lesen. Das, was ich aber dann entdeckte und auch zwischen den Zeilen zu lesen bekommen habe, hat mich sehr beeindruckt.
Daniela Krien versteht es mit ihrer knappen Sprache viel auszudrücken. Sie sagte in einem Interview in der NZZ, dass sie so viel rausstreicht, dass in dem Wenigen was übrigbleibt, alles noch drinsteckt. Bei ihr klappt das. Und wie.
Wieder erzählt sie über die Liebe, über Paarbeziehungen, über das Verhältnis zu den jungen, erwachsenen Kindern, über ein Leben mit einem Partner nach 30 Jahren. Das ist alles nicht einfach für Rahel, die mit ihrer Psychotherapiepraxis extrem gefordert wird. Ihr Mann Peter, hat sich zurückgezogen, bekam schwere Probleme an seiner Universität, da er mit einer Studentin angeeckt ist und sich der Zwischenfall überregional hochschaukelt hat. Ihre Tochter fordert und fordert und der Sohn steckt eine ganze Energie in seine Ausbildung als Gebirgsjäger.
So ist das Angebot von alten Freunden, deren Haus in der Uckermark für drei Wochen zu hüten, bestens geeignet, etwas Ruhe und Ordnung in die Beziehungen zu bringen.
Aber auch gerade dort entdeckt Rahel Neues aus ihrem Leben, was sie nicht vermutet hätte.
Daniele Krien versteht es meisterlich unsere Gefühlswelt, unsere Befindlichkeiten aufzuschreiben. Nebenbei, ganz beiläufig, Klima-Politisches einfließenzulassen, so wie wir es aus unserem Alltag kennen, und zu einem starken Roman zu komponieren.
Im NNZ Interview erklärt sich Vieles, was sie privat empfindet und dann im Buch auftaucht. So zum Beispiel, dass sie nach einer Äusserung von ihr in die Nähe der AfD gerückt wird, obwohl das überhaupt nicht in ihrem Sinn ist und auch der Link dort ins Leere läuft. Aber gerade diese heimlichen Tretminen in unserem Alltag sind es, die Rahel in dem Roman zu schaffen machen.
Lesen Sie das Buch, das sommerlich leicht daherkommt und im Nachklapp viel im Kopf bewegt.

Hier geht es zur Leseprobe.

Mittwoch, 5.Mai

Heute haben
Sigmund Birken * 1626
Sören Kierkegaard * 1813
Karl Marx *1818
Henryk Sienkiewicz * 1846
Sylvia Pankhurst * 1882
Geburtstag
und es ist der Todestag von
Irmgard Keun + 1982
Jürg Amann + 2013
Sarah Kirsch + 2013
Ludwig Harig + 2018
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Winfried Hermann Bauer
Nordland

Allein
wandern über den Tag
der Wochen dauert
und ganz dem Wahn der Ewigkeit
verfallen

selbstvergessen
zwischen Birken und Kiefern und glitzernden Seen
dem Schrei eines Raben
lauschen
der von der Fülle im Kargen erzählt

und doch
ziehe ich mich in meinen Kragen zurück
wenn ein nachtschwarzer Schauer mahnt
und friere
Allein
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Marianne Philips: „Die Beichte in der Nacht
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Diogenes Verlag  € 23,00

„Ich setze mich zu Ihnen, Schwester. Das ist nicht erlaubt, ich weiß. Aber ich mache es trotzdem – ich habe so lange nicht mehr gesessen, an einem Tisch mit Lampe darauf. Verstehen Sie, warum man Verrückte ins Bett steckt, als wären sie krank?“
Zwei Nächte lang wird Heleen der Nachtschwester ihre Lebensgeschichte erzählen, ob diese will oder nicht, sie muss zuhören. Endlich soll jemand erfahren, warum Heleen hier seit Jahren eingesperrt ist, endlich kann sie darüber reden.
Heleen wächst Anfand des 20. Jahrhunderts auf dem Land in den Niederlanden unter ärmlichen Verhältnissen, in einer kinderreichen protestantischen Familie auf. Sie setzt alles alles dara,n diesem Milieu zu entkommen und ein Leben in Schönheit und Wohlstand zu erreichen. Sie geht in die Stadt und schafft tatsächlich den gesellschaftlichen Aufstieg. Sie liebt Hannes und er sie. Ein Leben in Glück und Zufriedenheit scheint erreicht. Nach dem Tod ihrer Eltern nimmt sie ihre jüngste Schwester bei sich auf, aber Heleen  findet kein Vertrauen in ihr doch so perfektes Leben. Selbstzweifel und Eifersucht treiben sie letztendlich in eine Gedankenwelt, die zu einer Katastrophe führt.
Ein toller, faszinierender Roman, der schon 1930 erschienen ist und mich, durch die besondere Erzählperspektive, die eine sehr berührende intime Nähe entstehen lässt, staunen lässt.
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Am Anfang gibt es Tagebuchnotizen. Dann entsteht ein Kartenspiel. Vier Künstler finden sich zusammen und planen eine Performance. Daraus entwickelt sich eine große gemeinsame Recherche zum Thema Heilung. Am Ende sind es fünf Mitwirkende und aus dem gemeinsamen kreativen Prozess wird ein Buch.  Und zu dem Buch, als Teil des ganzen Projekts, gibt es nun eine Ausstellung im Cafe animo/Ulm.

“Wir stellen uns das Buch als kleine Schatzkiste vor, in der ihr stöbern und unterwegs sein dürft und in der sich allerlei Räume öffnen (nicht nur digital durch die integrierten QR Codes) . Eine bunte Sammlung, die ihr auf eure eigene Art weiter erforschen und ergänzen könnt. Es ist die Arbeit und ein Geschenk von uns allen. Und gleichzeitig ist es eine sehr persönliche Geschichte. Ihr könnt es lesen wie ihr es wollt.”

Das Buch ist für 14 Euro in der Buchhandlung Jastram, im ANIMO! (zu den Öffnungszeiten), oder auf der Internetseite des Projekts Pure Freude zu bekommen.


Die Beteiligten:
Tine Kiefl – seit 2008 verbindet sie mit Eva Ellerkamp die gemeinsame Theaterarbeit. Als Schauspielerin, Försterin und Sprecherin arbeitet sie vorwiegend in Stuttgart, an Theatern, beim SWR und im Degerlocher Wald. Die Natur ist ihr Kraft- und Inspirationsraum.

Eva Ellerkamp ist Regisseurin, Autorin und Musiktherapeutin, seit 2015 künstlerische Leiterin des Heyoka-Theaters Ulm. Die schamanische Erfahrung ist Kern und immer wieder Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Tätigkeit.

Simon Reimold ist Schauspieler, Regisseur, Filmemacher und Musiker und arbeitet seit 2016 mit Eva Ellerkamp und dem Heyoka-Theater fest zusammen.

Andrea Liebe ist Bildende Künstlerin, Illustratorin und Kunstvermittlerin. Sie arbeitet in diesem Projekt erstmalig mit Eva Ellerkamp und Freunden zusammen.

Dominik Lahaye ist Gestalter, Grafiker, Programmierer und Entdecker. Er begleitet mit seiner ­Arbeit seit 2013 Eva Ellerkamps Wege und Werke.

DANKE! an die Kulturabteilung der Stadt Ulm, die Druckerei Muttscheller, Fonds Darstellende Künste (take care!) und das Regierungspräsidium Tübingen für die Flexibilität in dieser besonderen Zeit und die finanzielle Unterstützung!