Donnerstag, 26.Oktober

Heute haben
Andrej Belyi * 1880
Karin Boye * 1900
John Arden * 1930
Ulrich Plenzdorf * 1934
Carlo Lucarelli * 1960
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichte Kalender 2018 gefunden:

Hugo von Hofmannsthal
Terzinen über die Vergänglichkeit I

Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:
Wie kann das sein, daß diese nahen Tage
Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?

Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,
Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:
Daß alles gleitet und vorüberrinnt.

Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,
Herüberglitt aus einem kleinen Kind
Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.

Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war
Und meine Ahnen, die im Totenhemd,
Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,

So eins mit mir als wie mein eignes Haar.
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„Nachtschwärmer“
Geschichten und Gedichte über die besten Stunden des Tages
Zusammengestellt von Martha Schoknecht
Diogenes Verlag € 5,00

Der Diogenes Verlag bringt seit ein paar Jahren im Herbst ein kleines Büchlein mit einer Anthologie heraus. Dieses Jahr sind die Nachtschwärmer dran. Es geht natürlich um den Mond und um heimliche und unheimliche Treffen unter ihm. Schlaf spielt eine wichtige Rolle und natürlich die Schlaflosigkeit. Gute und schlechte Träume kommen darin vor, wie auch große und kleine Grübeleien über Gott und die Welt.
Das alles in Kurzgeschichten, Liedtexten, Gedichten, Romanauszügen und Zitaten.

Jeder Tag hat seine Plage, und die Nacht hat ihre Lust
Johann Wolfgang von Goethe

Der Schweizer Diogenes Verlag hat nicht nur seine Bestände geplündert, sondern die Weltliteratur durchforstet und alte und neue Texte zu einer schwärmerischen Anthologie zusammengestellt.

Rainer Maria Rilke
Menschen bei Nacht
1899, Berlin-Schmargendorf

Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Das kleine Format ist ideal für alle Taschen und vielleicht auch für unters Kopfkissen.
Aber Achtung: Keine Garantie, wenn Sie dann nicht mehr Einschlafen können.

Patti Smith

Because the night belongs to lovers
Because the night belongs to lust
Because the night belongs to lovers
Because the night belongs to us

(diese Zeilen sind nicht im Büchle enthalten, sind mir aber gerade eingefallen.)

Donnerstag, 8.Dezember

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Pünktlich zu Nikolaus kam wieder die Mandarinenkiste des Diogenes Verlages. Vielen Dank!

Heute haben
Horaz * 65 v.Chr.
John Banville *1945
Louis de Bernières * 1954
Geburtstag.
Aber auch Camille Claudel und Jim Morrison.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Christoph Ransmayr:Cox oder der Lauf der Zeit
S.Fischer Verlag € 22,00

Wir befinden uns im Jahr 1753 . Der geniale Uhrmacher und Automatenbauer (dessen historisches Vorbild der UhrmacherJames Cox ist und dessen grossartige Werke in den Museen New Yorks, Petersburg und in Pekingzu bewundern sind) wird vom despotischen und maßlosen Kaiser von China eingeladen.
Cox entschließt sich trotz einiger Zweifel mit seinen Mitarbeitern diese lange Reise anzutreten, zumal er auch hofft, dass seine, durch den Tod der kleinen Tochter, verstummten Ehefrau, nach einer längeren Abwesenheit wieder zugänglicher werden kann. Sie kommen in ein Land voller Pracht und Überfluss, alles scheint vollkommen und schön und sie sind überwältigt von dieser perfekten Welt. Aber hinter diesem beeindruckendem Paradies steckt ein despotischer Herrscher, der seinem Volk alles gönnt, aber rigoros keinen Widerspruch oder Kritik duldet, auch Misserfolge in Auftragsarbeiten werden mit dem Tod bestraft. Es gibt ein raffiniertes Überwachungssystem, das jedes Fehlverhalten sofort meldet. Cox bekommt von diesem Kaiser wie erwartet Aufträge, die fast nicht auszuführen sind: Uhren zur Messung des Glücks, der Liebe aber auch von Krankheit und Tod. Die Uhren sollen das Zeitempfinden eines Kindes oder die eines Todkranken wiedergeben. Letztendlich kommt der Auftrag eine Uhr zur Messung der Ewigkeit zu bauen.Cox weiss, dass dieser Auftrag eigentlich nicht zu erfüllen ist, aber verweigert er sich, könnte ihm und seinen Mitarbeitern der Tod drohen. Also macht er sich an die Arbeit und vertieft sich in ein Uhrwerk, dessen Energie allein vom Fallen und Steigen des Luftdrucks kommt.
Schon allein die wunderschöne Sprache Ransmayrs hat mich diesen Roman geniessen lassen, dann diese verrückten phantastischen Zeitmaschinen und dieses künstliche Paradies, in dem sogar die Naturgewalten dem Kaiser unterstellt werden. Und nicht zu vergessen, das hübsche geheimnisvolle  Mädchen an der Seite des Kaisers, in das sich Cox auch noch verliebt…..
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8.Dezember und schon wieder zwei Seiten aufgeschnippelt.

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